46/2002

INHALT

Kirche in der Schweiz

Intensivierung der Interdiözesanen Koordination

von Michael Krüggeler

 

Die 18. Versammlung der «Interdiözesanen Koordination» (IKO) mit rund 30 Delegierten aus diözesanen und kantonalen Seelsorgeräten aus der ganzen Schweiz fand in diesem Jahr am 25./26. Oktober im Centre St-François in Delémont statt. Neben der gegenseitigen Information über die Aktivitäten der verschiedenen Seelsorgeräte stand die «Zukunft der Interdiözesanen Koordination» auf dem Programm. Grundlage dafür war eine Evaluation der vergangenen Tagungen der IKO, auf der aufbauend sowohl die Schweizer Bischofskonferenz wie auch ihre Pastoralplanungskommission das Interesse an einer Intensivierung der Interdiözesanen Koordination angemeldet hatten.
Belebt wurde die Tagung vor allem durch die Tatsache, dass aktuell jedes Bistum in der Kirche Schweiz (wieder) über einen diözesanen Seelsorgerat als Beratungsorgan des Bischofs verfügt: Bischof Amédée Grab hat den diözesanen Seelsorgerat des Bistums Chur wieder eingesetzt, und im Bistum Lausanne-Genf-Freiburg wurde in der Folge des Bistumsprozesses «AD 2000» ein diözesaner Seelsorgerat neu gegründet. Beide Seelsorgeräte waren an der IKO durch Delegierte vertreten.

Berichte aus den Bistümern...

So begann denn auch der erste, der gegenseitigen Information der verschiedenen diözesanen und kantonalen Seelsorgeräte gewidmete Tag der Konferenz mit dem Bericht aus dem Bistum Chur. Hier wurde der diözesane Seelsorgerat von Bischof Amédée Grab nach 10 Jahren der Sistierung unter Bischof Haas mit dem Namen «Diözesane Pastoralkonferenz des Bistums Chur» wieder einberufen. Die neue Pastoralkonferenz trifft sich zu 2 bis 3 Sitzungen pro Jahr in Einsiedeln. Sie will den Bischof in aktuellen Themen beraten und zu einem guten Klima zwischen Bischof und den kantonalen Seelsorgeräten beitragen. Die kantonalen Seelsorgeräte der Diözese Chur sind in der Pastoralkonferenz vertreten. Als erstes Thema wird die Frage der Ehe- und Familienpastoral angegangen; weitere Themen sind Pfarreiräte und eine Ethik für eine neue Welt im Sinne einer «Erd-Charta».
Der diözesane Seelsorgerat des Bistums St. Gallen hat sich vor allem mit dem Thema der Trauungspastoral beschäftigt. Im Vordergrund stand die Frage der Ehevorbereitungskurse, wie sie im Bistum St. Gallen von der Arbeitsstelle Partnerschaft-Ehe-Familie angeboten werden. Nach Meinung des Seelsorgerates sollten diese Kurse als Voraussetzung für den Empfang des Ehesakraments möglichst verpflichtend gemacht werden. Weitere Themen sind der Wertewandel im Rahmen von Ehe und Familie, die Einrichtung von Seelsorgeeinheiten angesichts des Priestermangels und die Fremdsprachigenseelsorge auf dem Weg vom Neben- zum Miteinander in den Pfarreien.
Zum neuen Präsidenten des diözesanen Seelsorgerates des Bistums Basel wurde Vincent Eschmann aus der Region des «Jura pastoral» gewählt. Der Seelsorgerat hat sich beschäftigt mit dem jetzt abgeschlossenen diözesanen Projekt «Als Getaufte leben». Die Umsetzung der Anregungen aus dem hierzu erscheinenden Text für die Taufpastoral gehört zu den wichtigen Aufgaben der Zukunft. Gemeinsam mit anderen Räten des Bistums und im Zusammenhang mit den Pastoralbesuchen des Bischofs sollen weitere Themen vertieft werden: Es geht um die Zukunft der Seelsorge in den Pfarreien und im Anschluss an die Ökumenische Konsultation um die Aufgabe, als Christ Mensch zu werden in der «heiligen Ruhe des Sonntags».
Der neue diözesane Seelsorgerat des Bistums Lausanne-Genf-Freiburg wurde durch Generalvikar Rémy Berchier vertreten. Aufgabe des Seelsorgerates ist zunächst die Sichtung der reichhaltigen Dokumente, welche das Projekt «AD 2000» hervorgebracht hat. Diese Dokumente sollen in die pastorale Praxis umgesetzt werden. An seinen zwei Sitzungen pro Jahr will sich der Rat vor allem der Pastoralplanung im Bistum widmen. Dazu gehört auch eine Mitsprache bei der Planung und Besetzung der Seelsorgeeinheiten. Es wurde hervorgehoben, dass im neuen Seelsorgerat auch die Migranten und Migrantinnen aus der Diözese vertreten sind.
Der diözesane Seelsorgerat des Bistums Lugano tagt kontinuierlich gemeinsam mit dem Priesterrat. Behandelt wurden die Frage nach den Berufungen zu geistlichen Berufen sowie ein heiss umstrittenes Gesetz, welches im Kanton Tessin das Verhältnis von Staat und Kirche erstmals seit 1886 neu regeln soll. Bischof Torti vermittelte den Räten auch einen transparenten Einblick in die finanzielle Lage des Bistums. Schliesslich steht auch im Bistum Lugano die Frage nach einer strukturellen Neuregelung der Pfarreiseelsorge angesichts des Priestermangels auf dem Programm.
Mit Bedauern wurde an der Tagung zur Kenntnis genommen, dass die beiden diözesanen Seelsorgeräte aus dem Oberwallis und aus dem Bas-Valais an der Interdiözesanen Koordination einmal mehr nicht vertreten waren.

...und den Kantonen

Von den kantonalen Seelsorgeräten berichtete zuerst Xavier Babey vom Conseil pastoral du Jura. Der Seelsorgerat des Kantons Jura hat sich einmal mehr mit der Ökumenischen Konsultation beschäftigt und im November 2001 ein erstes Symposium veranstaltet. Hier trafen sich mehr als 30 überpfarreiliche Bewegungen, um sich kennen zu lernen und Kirche gemeinsam zu leben («faire Eglise ensemble»). Unter Mithilfe des Seelsorgerates hat das Bischofsvikariat des Jura pastoral einen neuen Pastoralplan veröffentlicht mit dem Titel «Une Eglise rayonannte de l'Evangile» (eine Kirche, die das Evangelium ausstrahlt).
Der «Pastoralrat des Dekanats St. Petrus Kanisius» stellt den kantonalen Seelsorgerat für die deutschsprachigen Katholiken des Kantons Freiburg dar. Der Pastoralrat hat sich an einer Kirchentagung im Januar 2002 mit den Dokumenten des diözesanen Prozesses «AD 2000» auseinander gesetzt, um sie für die pastorale Praxis umzusetzen. Dabei wurden Themen angesprochen wie: eine Kirche, die den Menschen nahe ist; Einsatz für eine menschliche Arbeitswelt; Partnerschaft zwischen Nord und Süd; Umgang mit pfarreilichen Finanzen; Ökumene sowie die Zukunft der Seelsorge.
Der Conseil pastoral du canton de Vaud hat sich mit drei thematischen Schwerpunkten beschäftigt: Zum einen ging es darum, die Jugendpastoral für Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren neu zu organisieren. Zum anderen wurde die Beerdigungspastoral behandelt mit der Frage, welchen Part ehrenamtliche Laien hier übernehmen können. Im Anschluss an den Ökumenischen Rat der Kirchen hat der Seelsorgerat sich schliesslich mit einem grösseren Projekt beteiligt: am Jahrzehnt zur «Überwindung der Gewalt». Eine ökumenische Plattform soll sensibel machen für Gewalt in ihren verschiedenen Erscheinungsformen und sich für eine gewaltfreie Kultur einsetzen.
Der Seelsorgerat des Kantons Basel-Stadt hat sich mit der Animation für kirchliche Berufe auseinander gesetzt und sich dabei die Frage gestellt, was jede und jeder Einzelne zu einem attraktiven Erscheinungsbild der Kirche beiträgt und beitragen kann. Er hat sich ebenfalls orientieren lassen über neue Formen des Religionsunterrichts. Wenn die Vorbereitung auf die Sakramente ganz auf die Pfarreien übergeht, dann leidet darunter das Verhältnis Schule-Pfarrei. Schliesslich hat sich der Seelsorgerat auch beschäftigt mit dem neuen Pastoralkonzept, das vor allem eine «Neuumschreibung der Pfarreien» in Basel-Stadt vorzunehmen beabsichtigt.
Der Kantonale Seelsorgerat des Kantons Luzern möchte zu einer Pastoral beitragen, «die spirituell ist, lebensnah und kompetent», eine Pastoral, «die berührt und sich berühren lässt». Wichtig sind hier die jährlichen Begegnungsabende in den Dekanaten, in deren Rahmen im Jahr 2002 die Bischofsbesuche stattfanden. Daraus ging für die Ratsarbeit die Frage nach dem «Kerngeschäft des Glaubens» hervor, die das kommende Jahr prägen wird. Der Seelsorgerat beteiligt sich an öffentlichen «Mahnwachen» im Bistum Basel, die auf «Pfarreien in Not ­ wir bauen weiter» aufmerksam machen und eine veränderte Zulassung zum Priesteramt einfordern wollen.
Der Kantonale Seelsorgerat des Kantons Graubünden vollzieht seine Arbeit hauptsächlich in sechs Dekanatsgruppen. Er versteht sich als Bindeglied zwischen den Dekanaten und dem Generalvikar. Inhaltlich hat man sich mit dem Thema der Freiwilligenarbeit beschäftigt und eine Arbeitshilfe für Pfarreien dazu herausgegeben. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Ehe- und Familienpastoral. Schliesslich bewegt den Seelsorgerat auch die Personalsituation in den Pfarreien; wahrgenommen wird die pastorale Arbeit von (jüngeren) Priestern, was in den Pfarreien Schwierigkeiten mit sich bringt.
Die Arbeit im Seelsorgerat des Kantons Zürich wird erfolgreich geprägt durch eine Zuteilung der Aufgaben in verschiedene Kommissionen. Der Weihbischof nimmt an allen vier Tagungen pro Jahr aktiv teil. Einen ersten Schwerpunkt bildet die Familienpastoral. Dazu wird in Zürich für das Jahr 2003 ein «Familientag» geplant. Vertreten waren die Kirchen auch durch einen ökumenischen Stand an der «Hochzeitsmesse» in Zürich. Weitere Themen waren Pfarreiräte und Freiwillige sowie Ökumene. Eine Begegnung zwischen Seelsorgerat und der Zürcher Synode war den Themen Kirchenaustritt und der Sonntagsmesse gewidmet.
Der Seelsorgerat des Kantons Obwalden trifft sich nur noch zu einer einzigen Sitzung im Jahr. Vertreten sind hier alle Präsidenten und Präsidentinnen der Pfarreiräte, die den Austausch untereinander pflegen wollen. Vorgestellt wurde der neue Jugendbeauftragte im Kanton Obwalden, der sich vor allem dem Thema der Gewaltprävention widmen will. Als weitere Themen werden die Ökumenische Konsultation als Herausforderung für die Pfarreien angegangen; aus Anlass des «Jahres der Bibel» veranstaltet die diözesane Katechetische Kommission eine Weiterbildung für Pfarreiräte.
Der Seelsorgerat des Kantons Zug hat sich mit dem Projekt der neuen Regionalisierung im Bistum Basel auseinander gesetzt. Der Kanton Zug würde in diesem Rahmen mit anderen Kantonen zu einer neuen Pastoralregion zusammengelegt. Beschäftigt hat den Seelsorgerat auch der Aufbau einer Notfallseelsorge im Kanton Zug. Am 2. November 2002 fand in Zug ein Gottesdienst statt zum Thema «Schuld». Dabei ist auch die Versöhnungs-Kerze für den Täter des Zuger Attentats angezündet worden. Dieses Vorhaben führte zu heftigen Auseinandersetzungen, in denen das Verhältnis von Kirche, Schuld und Vergebung thematisiert wurde.
Als Vertreterin des Schweizerischen Komitees der katholischen Laien (SKKL) nahm Rita Wick (St. Gallen) als Gast an der Interdiözesanen Koordination teil. Sie hat als Schweizer Delegierte teilgenommen am «Europäischen Forum der katholischen Laien» in Erfurt. Dabei machte Rita Wick darauf aufmerksam, wie schwierig es sei, für die Kirche Schweiz eine Laienvertretung zu bestimmen, weil hier keine repräsentative Laienvertretung existiert. Das Thema des Kongresses lautete: «Ein Europa der Werte bauen ­ der Beitrag der Laien». Die Durchführung des Kongresses war gekennzeichnet durch äusserst schwierige Diskussionen zwischen Ost und West, die sich durchgängig auf das Thema des Schwangerschaftsabbruchs konzentrierten.

Zukunft der Interdiözesanen Koordination

Der zweite Tag der Interdiözesanen Koordination war dem Thema gewidmet: «Zukunft der Interdiözesanen Koordination». Im Anschluss an die 15. Sitzung der Interdiözesanen Koordination im Jahr 1999 haben die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) und ihre Pastoralplanungskommission (PPK) den Beschluss gefasst, die Tagungen der IKO zu evaluieren und daraus Perspektiven für die Zukunft der IKO abzuleiten. Mit diesem Auftrag hatte die PPK ihre Arbeitsgruppe 41 «Interdiözesane Koordination» eingesetzt.
Im Mai 2001 hat diese Arbeitsgruppe ihren Bericht zuhanden der PPK vorgelegt. Der Bericht geht in drei Schritten vor. 1. «Sehen»: Die Evaluation der bisherigen Tagungen der IKO konnte deutlich machen, dass die Stärke der IKO vor allem im gegenseitigen Austausch der diözesanen und kantonalen Seelsorgeräte in der vielfältigen Kirche Schweiz liegt. Auch die Behandlung von wichtigen pastoralen Sachthemen wurde von den Delegierten weitgehend geschätzt. Als Schwäche der IKO sind die mangelnde Kommunikation und Kompetenz zu verzeichnen: Oftmals fehlte es an Kommunikation hin zur Basis der verschiedenen Seelsorgeräte ebenso wie zur Schweizer Bischofskonferenz. Zudem fehlt der IKO die Kompetenz einer strukturellen Laienvertretung in der Kirche Schweiz.
Im Schritt: 2. «Urteilen» wird das Bild der Kirche als «Volk Gottes», wie es die Kirchenkonstitution «Lumen Gentium» des Zweiten Vatikanischen Konzils entfaltet hat, als Grundlage einer strukturellen Partizipation der Laien an der Sendung und der Leitung der Kirche auch auf gesamtschweizerischer Ebene interpretiert.
Aus diesen Beobachtungen werden im Schritt: 3. «Handeln» drei Modelle für ein «Interdiözesanes Forum» als Organ der Mitverantwortung in der Kirche Schweiz entworfen. Aufbauend auf diesem Bericht wurde die Zukunft der IKO in verschiedenen Zugängen sowohl in der Pastoralplanungskommission, in ihrem Leitungsausschuss sowie in der Schweizer Bischofskonferenz beraten.
Als Vertreter der Schweizer Bischofskonferenz machte Bischof Ivo Fürer (St. Gallen) deren fortdauerndes Interesse an einem interdiözesanen Austausch in der vielfältigen Kirche Schweiz deutlich. Nachdem nun alle Bistümer über diözesane Seelsorgeräte verfügen, können sich die Bischöfe vorstellen, dass die Interdiözesane Koordination punktuell zu einem «Interdiözesanen Forum» als eine Laienvertretung oder als eine Art Pastoralforum auf gesamtschweizerischer Ebene zusammenkommt. Voraussetzung dazu ist in den Augen der Bischöfe, dass alle diözesanen Seelsorgeräte sich eingearbeitet haben und dass ein Thema sich aufdrängt, welches eine solche Versammlung nahe legt. Ein mögliches Pastoralforum sollte sich also von einem Thema her konstituieren und nicht als abstrakte Struktur. Bischof Fürer stellte allerdings auch noch einmal die Schwierigkeiten der Verständigung angesichts der kirchlichen und kulturellen Diversität der Schweiz dar, wie sie sich bereits in der «Synode 72» gezeigt hatten.
Vor diesem Hintergrund und mit dieser Ermutigung haben die Delegierten der IKO beschlossen, ihre jährlichen Tagungen weiterzuführen und die Arbeit der «Interdiözesanen Koordination» zu intensivieren. Dazu soll ab sofort ein «Ausschuss» für die Versammlung gegründet werden, der sich zusammensetzt aus je einem Vertreter/einer Vertreterin der diözesanen Seelsorgeräte. Dieser Ausschuss soll in Zukunft die Tagungen der IKO thematisch vorbereiten und die Kommunikation zwischen der IKO und den einzelnen Seelsorgeräten verbessern. Dieser Ausschuss könnte sich auch als Motor verstehen, der die Durchführung eines Pastoralforums in der katholischen Kirche Schweiz in Bewegung bringt.
Hier stellt sich die strukturelle Schwierigkeit der Zuordnung der diözesanen und der kantonalen Seelsorgeräte. Kantonale Seelsorgeräte sind eine pastorale Spezialität der Schweizer Kirche. Eine Lösungsmöglichkeit wäre darin zu sehen, die kantonalen Seelsorgeräte als Bestandteil der diözesanen Seelsorgeräte zu betrachten. Ein solches Modell wird in den Bistümern Lausanne-Genf-Freiburg und Chur praktiziert. In jedem Fall wurde aber beschlossen, dass alle kantonalen Seelsorgeräte weiterhin einen Bestandteil der IKO bilden werden, um die speziell demokratischen Strukturen in der katholischen Kirche Schweiz abzubilden.
Aus dem inhaltlichen Austausch der Delegierten über die Arbeit ihrer Seelsorgeräte zeichnen sich auch bereits einige brennende Themen für die Zukunft ab: An erster Stelle die Frage nach der «Zukunft der Pfarreiseelsorge» angesichts des Priestermangels; dann aber auch das Thema «Wertevermittlung in Ehe und Familie» sowie die Weiterführung der Thematik «Bewahrung der Schöpfung» im Rahmen einer «Erd-Charta». Es steht zu hoffen, dass mit diesen inhaltlichen und strukturellen Aussichten die Zukunft der Interdiözesanen Koordination sich zu einem spannenden Prozess in der Kirche Schweiz entwickeln wird.

 

Der promovierte Theologe Michael Krüggeler ist Projektleiter im Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut (SPI) in St. Gallen, das das Sekretariat der Pastoralkommission der Schweizer Bischofskonferenz (PPK) führt.


Ein Festtag für das Bistum Sitten

von Heidi Widrig

 

Am Samstag, 12. Oktober 2002, fand in Sitten das Fest der Kathedralweihe und der Priesterjubilare statt. Ein besonderes Jubiläum konnte Kardinal Heinrich Schwery feiern: 25 Jahre Bischofsweihe.
Dazu lud Bischof Norbert Brunner die Schweizer Bischofskonferenz und alle Walliser Bischöfe aus dem In- und Ausland ein. Ebenso nahmen über hundert Priester an der Feier teil. Festprediger war der Apostolische Nuntius in der Schweiz, Msgr. Pier Giacomo de Nicolò.

Das Fest der Kathedralweihe von Sitten stand ganz im Zeichen der Jubiläen. Kardinal Heinrich Schwery beging das silberne Bischofsjubiläum, und 17 Priester des Ober- und Unterwallis konnten ihr silbernes, goldenes oder diamantenes Priesterjubiläum feiern. Zwölf Erzbischöfe, Bischöfe und Äbte sowie über hundert Priester und mehrere hundert Gläubige wohnten der Feier bei.
Mit grosser Freude begrüsste zu Beginn der Eucharistiefeier Bischof Norbert Brunner alle Anwesenden, besonders den Jubilaren Kardinal Heinrich Schwery, den Apostolischen Nuntius der Schweiz, Erzbischof Pier Giacomo de Nicolò, den Vizepräsidenten der SBK, Bischof Kurt Koch, alle seine Mitbrüder im Bischofsamt und alle Priesterjubilare. Sein Willkommensgruss galt aber auch allen Gläubigen, die in grosser Zahl zum Fest gekommen sind, sowie den Delegationen des Stadtrates und der Burgerschaft Sitten.
In Anspielung auf die Devise von Kardinal Heinrich Schwery: «Spiritus Domini ­ gaudium et spes», betonte Bischof Norbert Brunner bei der Eröffnung: «Die heutige Welt und unser Land, in dem in der letzten Zeit Entscheide getroffen wurden, die für die Zukunft unserer Gesellschaft nicht viel Hoffnung versprechen, braucht es das Licht der Frohen Botschaft, vielleicht mehr als je zuvor. Heute jedoch feiern wir einen Diener des Evangeliums für die Hoffnung der Welt, unseren Kardinal Heinrich Schwery.»

Christus in den Vordergrund rücken

Dem feierlichen Pontifikalamt in der Kathedrale stand Kardinal Heinrich Schwery vor. Der Apostolische Nuntius hielt in seiner Predigt zuerst einen kurzen Rückblick über die Geschichte des Bistums: Er erinnerte an den ersten Bischof des Wallis, Bischof Theodul, der im 4. Jahrhundert in Martinach residierte. Dann schlug er den Bogen über den Wechsel des Bischofssitzes von Martinach nach Sitten bis zum heutigen Fest. Das Fest einer Kathedralweihe zu feiern sei in erster Linie eine bevorzugte Gelegenheit, immer wieder aufs Neue zu danken ­ lernen zu danken. Und das Fest heute mache aufs Neue bewusst, dass diese Kathedrale aus Stein ein Haus Gottes sei, die Jesus Christus gehöre, welcher hier im Tabernakel unter den Menschen wohne. Die Kathedrale symbolisiere aber auch die Gesamtheit der Kirche, in der Christus gegenwärtig sei. Heute werde diese Kirche jedoch auch immer wieder attackiert. Man würde nicht selten versuchen, die Fehler in den Vordergrund zu schieben. Der Nuntius: «Die Kirche ist ohne Sünde ­ aber nicht ohne Sünder! Ich möchte Euch heute sagen: Bleibt nicht beim äusseren Erscheingsbild stehen. Richtet Euren Blick auf Christus, welcher der Vorsteher der Kirche ist und sie lebendig macht.» Dieser Vorgang heisse «Bekehrung ­ Umkehr», welche wir alle jeden Tag notwendig hätten. Dank dieser Bekehrung würde dann aber auch die Kirche immer schöner werden. Konkret heisse das: Wir müssen wieder mehr Christus ausstrahlen, wir sollten wieder mehr ihn in den Vordergrund stellen. Das sei das wahre Programm der Seelsorge einst gewesen und sei es heute noch.

Dank an die Jubilare

Erzbischof de Nicolò dankte auch im Namen der Kirche allen Priesterjubilaren für ihre Treue und ihre Hingabe. Die Priester seien durch ihr Ja für die Gläubigen Spender von Gnadenschätzen. Und die Jubilare seien ein prophetisches Zeichen in einer Welt, in der alles vergänglich sei. Der Nuntius wörtlich: «Herzlichen Dank für all das, was ihr im Dienst Christi und der Kirche gewirkt habt. Ich danke euch für das Beispiel, das ihr gegeben habt, und für euer treues Priesteramt, trotz mancher Schwierigkeiten. Möge der Herr selber euer Lohn und euer Friede sein.»
Auch Kardinal Heinrich Schwery sprach der Nuntius seinen Dank aus für alles, was er während den 18 Jahren als Bischof für seine Diözese und im Dienste des Papstes geleistet habe und auch heute noch leiste. Als Reisender zwischen der Rhone und dem Tiber sei Kardinal Schwery eine lebendige Verbindung zwischen der Kirche von Rom und jener in der Schweiz.

Quellen der Freude

Nach der Feier in der Kathdrale überbrachte der Vizepräsident der Stadt Sitten, Gérald Pfefferlé, beim Aperitif im Bischofsgarten die Glückwünsche der politischen Behörden der Stadt Sitten. Er unterstrich, dass dieses Fest der Kathedralweihe für die Gemeinde und die Behörden eine besondere Freude bedeute und sie mit Stolz erfülle ­ und zwar aus drei Gründen: Der erste sei die 25 Jahre Bischofsweihe von Kardinal Heinrich Schwery. Die Stadt- und die Burgergemeinde seien stolz darauf, ihn zu den Einwohnern Sittens zählen zu dürfen. Der zweite Grund, sich zu freuen, sei parallel zu diesem Jubiläum das Engagement der Gläubigen für die Stadt und die Burgerschaft von Sitten; und der dritte Grund nannte der Vizepräsident die Treue der 17 Priesterjubilare zu unserer Kirche, der Kirche, die für das Wallis wichtig sei und einen wichtigen Platz einnehme.

 

Heidi Widrig ist Mitarbeiterin namentlich des Informationsdienstes im Bischöflichen Ordinariat Sitten.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2002