46/2002 | |
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Kirche in der Schweiz |
Die 18. Versammlung der «Interdiözesanen Koordination»
(IKO) mit rund 30 Delegierten aus diözesanen und kantonalen Seelsorgeräten
aus der ganzen Schweiz fand in diesem Jahr am 25./26. Oktober im Centre
St-François in Delémont statt. Neben der gegenseitigen Information
über die Aktivitäten der verschiedenen Seelsorgeräte stand
die «Zukunft der Interdiözesanen Koordination» auf dem
Programm. Grundlage dafür war eine Evaluation der vergangenen Tagungen
der IKO, auf der aufbauend sowohl die Schweizer Bischofskonferenz wie auch
ihre Pastoralplanungskommission das Interesse an einer Intensivierung der
Interdiözesanen Koordination angemeldet hatten.
Belebt wurde die Tagung vor allem durch die Tatsache, dass aktuell jedes
Bistum in der Kirche Schweiz (wieder) über einen diözesanen Seelsorgerat
als Beratungsorgan des Bischofs verfügt: Bischof Amédée
Grab hat den diözesanen Seelsorgerat des Bistums Chur wieder eingesetzt,
und im Bistum Lausanne-Genf-Freiburg wurde in der Folge des Bistumsprozesses
«AD 2000» ein diözesaner Seelsorgerat neu gegründet.
Beide Seelsorgeräte waren an der IKO durch Delegierte vertreten.
So begann denn auch der erste, der gegenseitigen Information der verschiedenen
diözesanen und kantonalen Seelsorgeräte gewidmete Tag der Konferenz
mit dem Bericht aus dem Bistum Chur. Hier wurde der diözesane Seelsorgerat
von Bischof Amédée Grab nach 10 Jahren der Sistierung unter
Bischof Haas mit dem Namen «Diözesane Pastoralkonferenz des Bistums
Chur» wieder einberufen. Die neue Pastoralkonferenz trifft sich zu
2 bis 3 Sitzungen pro Jahr in Einsiedeln. Sie will den Bischof in aktuellen
Themen beraten und zu einem guten Klima zwischen Bischof und den kantonalen
Seelsorgeräten beitragen. Die kantonalen Seelsorgeräte der Diözese
Chur sind in der Pastoralkonferenz vertreten. Als erstes Thema wird die
Frage der Ehe- und Familienpastoral angegangen; weitere Themen sind Pfarreiräte
und eine Ethik für eine neue Welt im Sinne einer «Erd-Charta».
Der diözesane Seelsorgerat des Bistums St. Gallen hat sich vor allem
mit dem Thema der Trauungspastoral beschäftigt. Im Vordergrund stand
die Frage der Ehevorbereitungskurse, wie sie im Bistum St. Gallen von der
Arbeitsstelle Partnerschaft-Ehe-Familie angeboten werden. Nach Meinung des
Seelsorgerates sollten diese Kurse als Voraussetzung für den Empfang
des Ehesakraments möglichst verpflichtend gemacht werden. Weitere Themen
sind der Wertewandel im Rahmen von Ehe und Familie, die Einrichtung von
Seelsorgeeinheiten angesichts des Priestermangels und die Fremdsprachigenseelsorge
auf dem Weg vom Neben- zum Miteinander in den Pfarreien.
Zum neuen Präsidenten des diözesanen Seelsorgerates des Bistums
Basel wurde Vincent Eschmann aus der Region des «Jura pastoral»
gewählt. Der Seelsorgerat hat sich beschäftigt mit dem jetzt abgeschlossenen
diözesanen Projekt «Als Getaufte leben». Die Umsetzung
der Anregungen aus dem hierzu erscheinenden Text für die Taufpastoral
gehört zu den wichtigen Aufgaben der Zukunft. Gemeinsam mit anderen
Räten des Bistums und im Zusammenhang mit den Pastoralbesuchen des
Bischofs sollen weitere Themen vertieft werden: Es geht um die Zukunft der
Seelsorge in den Pfarreien und im Anschluss an die Ökumenische Konsultation
um die Aufgabe, als Christ Mensch zu werden in der «heiligen Ruhe
des Sonntags».
Der neue diözesane Seelsorgerat des Bistums Lausanne-Genf-Freiburg
wurde durch Generalvikar Rémy Berchier vertreten. Aufgabe des Seelsorgerates
ist zunächst die Sichtung der reichhaltigen Dokumente, welche das Projekt
«AD 2000» hervorgebracht hat. Diese Dokumente sollen in die
pastorale Praxis umgesetzt werden. An seinen zwei Sitzungen pro Jahr will
sich der Rat vor allem der Pastoralplanung im Bistum widmen. Dazu gehört
auch eine Mitsprache bei der Planung und Besetzung der Seelsorgeeinheiten.
Es wurde hervorgehoben, dass im neuen Seelsorgerat auch die Migranten und
Migrantinnen aus der Diözese vertreten sind.
Der diözesane Seelsorgerat des Bistums Lugano tagt kontinuierlich gemeinsam
mit dem Priesterrat. Behandelt wurden die Frage nach den Berufungen zu geistlichen
Berufen sowie ein heiss umstrittenes Gesetz, welches im Kanton Tessin das
Verhältnis von Staat und Kirche erstmals seit 1886 neu regeln soll.
Bischof Torti vermittelte den Räten auch einen transparenten Einblick
in die finanzielle Lage des Bistums. Schliesslich steht auch im Bistum Lugano
die Frage nach einer strukturellen Neuregelung der Pfarreiseelsorge angesichts
des Priestermangels auf dem Programm.
Mit Bedauern wurde an der Tagung zur Kenntnis genommen, dass die beiden
diözesanen Seelsorgeräte aus dem Oberwallis und aus dem Bas-Valais
an der Interdiözesanen Koordination einmal mehr nicht vertreten waren.
Von den kantonalen Seelsorgeräten berichtete zuerst Xavier Babey
vom Conseil pastoral du Jura. Der Seelsorgerat des Kantons Jura hat sich
einmal mehr mit der Ökumenischen Konsultation beschäftigt und
im November 2001 ein erstes Symposium veranstaltet. Hier trafen sich mehr
als 30 überpfarreiliche Bewegungen, um sich kennen zu lernen und Kirche
gemeinsam zu leben («faire Eglise ensemble»). Unter Mithilfe
des Seelsorgerates hat das Bischofsvikariat des Jura pastoral einen neuen
Pastoralplan veröffentlicht mit dem Titel «Une Eglise rayonannte
de l'Evangile» (eine Kirche, die das Evangelium ausstrahlt).
Der «Pastoralrat des Dekanats St. Petrus Kanisius» stellt den
kantonalen Seelsorgerat für die deutschsprachigen Katholiken des Kantons
Freiburg dar. Der Pastoralrat hat sich an einer Kirchentagung im Januar
2002 mit den Dokumenten des diözesanen Prozesses «AD 2000»
auseinander gesetzt, um sie für die pastorale Praxis umzusetzen. Dabei
wurden Themen angesprochen wie: eine Kirche, die den Menschen nahe ist;
Einsatz für eine menschliche Arbeitswelt; Partnerschaft zwischen Nord
und Süd; Umgang mit pfarreilichen Finanzen; Ökumene sowie die
Zukunft der Seelsorge.
Der Conseil pastoral du canton de Vaud hat sich mit drei thematischen Schwerpunkten
beschäftigt: Zum einen ging es darum, die Jugendpastoral für Jugendliche
zwischen 15 und 25 Jahren neu zu organisieren. Zum anderen wurde die Beerdigungspastoral
behandelt mit der Frage, welchen Part ehrenamtliche Laien hier übernehmen
können. Im Anschluss an den Ökumenischen Rat der Kirchen hat der
Seelsorgerat sich schliesslich mit einem grösseren Projekt beteiligt:
am Jahrzehnt zur «Überwindung der Gewalt». Eine ökumenische
Plattform soll sensibel machen für Gewalt in ihren verschiedenen Erscheinungsformen
und sich für eine gewaltfreie Kultur einsetzen.
Der Seelsorgerat des Kantons Basel-Stadt hat sich mit der Animation für
kirchliche Berufe auseinander gesetzt und sich dabei die Frage gestellt,
was jede und jeder Einzelne zu einem attraktiven Erscheinungsbild der Kirche
beiträgt und beitragen kann. Er hat sich ebenfalls orientieren lassen
über neue Formen des Religionsunterrichts. Wenn die Vorbereitung auf
die Sakramente ganz auf die Pfarreien übergeht, dann leidet darunter
das Verhältnis Schule-Pfarrei. Schliesslich hat sich der Seelsorgerat
auch beschäftigt mit dem neuen Pastoralkonzept, das vor allem eine
«Neuumschreibung der Pfarreien» in Basel-Stadt vorzunehmen beabsichtigt.
Der Kantonale Seelsorgerat des Kantons Luzern möchte zu einer Pastoral
beitragen, «die spirituell ist, lebensnah und kompetent», eine
Pastoral, «die berührt und sich berühren lässt».
Wichtig sind hier die jährlichen Begegnungsabende in den Dekanaten,
in deren Rahmen im Jahr 2002 die Bischofsbesuche stattfanden. Daraus ging
für die Ratsarbeit die Frage nach dem «Kerngeschäft des
Glaubens» hervor, die das kommende Jahr prägen wird. Der Seelsorgerat
beteiligt sich an öffentlichen «Mahnwachen» im Bistum Basel,
die auf «Pfarreien in Not wir bauen weiter» aufmerksam
machen und eine veränderte Zulassung zum Priesteramt einfordern wollen.
Der Kantonale Seelsorgerat des Kantons Graubünden vollzieht seine Arbeit
hauptsächlich in sechs Dekanatsgruppen. Er versteht sich als Bindeglied
zwischen den Dekanaten und dem Generalvikar. Inhaltlich hat man sich mit
dem Thema der Freiwilligenarbeit beschäftigt und eine Arbeitshilfe
für Pfarreien dazu herausgegeben. Einen weiteren Schwerpunkt bildet
die Ehe- und Familienpastoral. Schliesslich bewegt den Seelsorgerat auch
die Personalsituation in den Pfarreien; wahrgenommen wird die pastorale
Arbeit von (jüngeren) Priestern, was in den Pfarreien Schwierigkeiten
mit sich bringt.
Die Arbeit im Seelsorgerat des Kantons Zürich wird erfolgreich geprägt
durch eine Zuteilung der Aufgaben in verschiedene Kommissionen. Der Weihbischof
nimmt an allen vier Tagungen pro Jahr aktiv teil. Einen ersten Schwerpunkt
bildet die Familienpastoral. Dazu wird in Zürich für das Jahr
2003 ein «Familientag» geplant. Vertreten waren die Kirchen
auch durch einen ökumenischen Stand an der «Hochzeitsmesse»
in Zürich. Weitere Themen waren Pfarreiräte und Freiwillige sowie
Ökumene. Eine Begegnung zwischen Seelsorgerat und der Zürcher
Synode war den Themen Kirchenaustritt und der Sonntagsmesse gewidmet.
Der Seelsorgerat des Kantons Obwalden trifft sich nur noch zu einer einzigen
Sitzung im Jahr. Vertreten sind hier alle Präsidenten und Präsidentinnen
der Pfarreiräte, die den Austausch untereinander pflegen wollen. Vorgestellt
wurde der neue Jugendbeauftragte im Kanton Obwalden, der sich vor allem
dem Thema der Gewaltprävention widmen will. Als weitere Themen werden
die Ökumenische Konsultation als Herausforderung für die Pfarreien
angegangen; aus Anlass des «Jahres der Bibel» veranstaltet die
diözesane Katechetische Kommission eine Weiterbildung für Pfarreiräte.
Der Seelsorgerat des Kantons Zug hat sich mit dem Projekt der neuen Regionalisierung
im Bistum Basel auseinander gesetzt. Der Kanton Zug würde in diesem
Rahmen mit anderen Kantonen zu einer neuen Pastoralregion zusammengelegt.
Beschäftigt hat den Seelsorgerat auch der Aufbau einer Notfallseelsorge
im Kanton Zug. Am 2. November 2002 fand in Zug ein Gottesdienst statt zum
Thema «Schuld». Dabei ist auch die Versöhnungs-Kerze für
den Täter des Zuger Attentats angezündet worden. Dieses Vorhaben
führte zu heftigen Auseinandersetzungen, in denen das Verhältnis
von Kirche, Schuld und Vergebung thematisiert wurde.
Als Vertreterin des Schweizerischen Komitees der katholischen Laien (SKKL)
nahm Rita Wick (St. Gallen) als Gast an der Interdiözesanen Koordination
teil. Sie hat als Schweizer Delegierte teilgenommen am «Europäischen
Forum der katholischen Laien» in Erfurt. Dabei machte Rita Wick darauf
aufmerksam, wie schwierig es sei, für die Kirche Schweiz eine Laienvertretung
zu bestimmen, weil hier keine repräsentative Laienvertretung existiert.
Das Thema des Kongresses lautete: «Ein Europa der Werte bauen
der Beitrag der Laien». Die Durchführung des Kongresses war gekennzeichnet
durch äusserst schwierige Diskussionen zwischen Ost und West, die sich
durchgängig auf das Thema des Schwangerschaftsabbruchs konzentrierten.
Der zweite Tag der Interdiözesanen Koordination war dem Thema gewidmet:
«Zukunft der Interdiözesanen Koordination». Im Anschluss
an die 15. Sitzung der Interdiözesanen Koordination im Jahr 1999 haben
die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) und ihre Pastoralplanungskommission
(PPK) den Beschluss gefasst, die Tagungen der IKO zu evaluieren und daraus
Perspektiven für die Zukunft der IKO abzuleiten. Mit diesem Auftrag
hatte die PPK ihre Arbeitsgruppe 41 «Interdiözesane Koordination»
eingesetzt.
Im Mai 2001 hat diese Arbeitsgruppe ihren Bericht zuhanden der PPK vorgelegt.
Der Bericht geht in drei Schritten vor. 1. «Sehen»: Die Evaluation
der bisherigen Tagungen der IKO konnte deutlich machen, dass die Stärke
der IKO vor allem im gegenseitigen Austausch der diözesanen und kantonalen
Seelsorgeräte in der vielfältigen Kirche Schweiz liegt. Auch die
Behandlung von wichtigen pastoralen Sachthemen wurde von den Delegierten
weitgehend geschätzt. Als Schwäche der IKO sind die mangelnde
Kommunikation und Kompetenz zu verzeichnen: Oftmals fehlte es an Kommunikation
hin zur Basis der verschiedenen Seelsorgeräte ebenso wie zur Schweizer
Bischofskonferenz. Zudem fehlt der IKO die Kompetenz einer strukturellen
Laienvertretung in der Kirche Schweiz.
Im Schritt: 2. «Urteilen» wird das Bild der Kirche als «Volk
Gottes», wie es die Kirchenkonstitution «Lumen Gentium»
des Zweiten Vatikanischen Konzils entfaltet hat, als Grundlage einer strukturellen
Partizipation der Laien an der Sendung und der Leitung der Kirche auch auf
gesamtschweizerischer Ebene interpretiert.
Aus diesen Beobachtungen werden im Schritt: 3. «Handeln» drei
Modelle für ein «Interdiözesanes Forum» als Organ
der Mitverantwortung in der Kirche Schweiz entworfen. Aufbauend auf diesem
Bericht wurde die Zukunft der IKO in verschiedenen Zugängen sowohl
in der Pastoralplanungskommission, in ihrem Leitungsausschuss sowie in der
Schweizer Bischofskonferenz beraten.
Als Vertreter der Schweizer Bischofskonferenz machte Bischof Ivo Fürer
(St. Gallen) deren fortdauerndes Interesse an einem interdiözesanen
Austausch in der vielfältigen Kirche Schweiz deutlich. Nachdem nun
alle Bistümer über diözesane Seelsorgeräte verfügen,
können sich die Bischöfe vorstellen, dass die Interdiözesane
Koordination punktuell zu einem «Interdiözesanen Forum»
als eine Laienvertretung oder als eine Art Pastoralforum auf gesamtschweizerischer
Ebene zusammenkommt. Voraussetzung dazu ist in den Augen der Bischöfe,
dass alle diözesanen Seelsorgeräte sich eingearbeitet haben und
dass ein Thema sich aufdrängt, welches eine solche Versammlung nahe
legt. Ein mögliches Pastoralforum sollte sich also von einem Thema
her konstituieren und nicht als abstrakte Struktur. Bischof Fürer stellte
allerdings auch noch einmal die Schwierigkeiten der Verständigung angesichts
der kirchlichen und kulturellen Diversität der Schweiz dar, wie sie
sich bereits in der «Synode 72» gezeigt hatten.
Vor diesem Hintergrund und mit dieser Ermutigung haben die Delegierten der
IKO beschlossen, ihre jährlichen Tagungen weiterzuführen und die
Arbeit der «Interdiözesanen Koordination» zu intensivieren.
Dazu soll ab sofort ein «Ausschuss» für die Versammlung
gegründet werden, der sich zusammensetzt aus je einem Vertreter/einer
Vertreterin der diözesanen Seelsorgeräte. Dieser Ausschuss soll
in Zukunft die Tagungen der IKO thematisch vorbereiten und die Kommunikation
zwischen der IKO und den einzelnen Seelsorgeräten verbessern. Dieser
Ausschuss könnte sich auch als Motor verstehen, der die Durchführung
eines Pastoralforums in der katholischen Kirche Schweiz in Bewegung bringt.
Hier stellt sich die strukturelle Schwierigkeit der Zuordnung der diözesanen
und der kantonalen Seelsorgeräte. Kantonale Seelsorgeräte sind
eine pastorale Spezialität der Schweizer Kirche. Eine Lösungsmöglichkeit
wäre darin zu sehen, die kantonalen Seelsorgeräte als Bestandteil
der diözesanen Seelsorgeräte zu betrachten. Ein solches Modell
wird in den Bistümern Lausanne-Genf-Freiburg und Chur praktiziert.
In jedem Fall wurde aber beschlossen, dass alle kantonalen Seelsorgeräte
weiterhin einen Bestandteil der IKO bilden werden, um die speziell demokratischen
Strukturen in der katholischen Kirche Schweiz abzubilden.
Aus dem inhaltlichen Austausch der Delegierten über die Arbeit ihrer
Seelsorgeräte zeichnen sich auch bereits einige brennende Themen für
die Zukunft ab: An erster Stelle die Frage nach der «Zukunft der Pfarreiseelsorge»
angesichts des Priestermangels; dann aber auch das Thema «Wertevermittlung
in Ehe und Familie» sowie die Weiterführung der Thematik «Bewahrung
der Schöpfung» im Rahmen einer «Erd-Charta». Es steht
zu hoffen, dass mit diesen inhaltlichen und strukturellen Aussichten die
Zukunft der Interdiözesanen Koordination sich zu einem spannenden Prozess
in der Kirche Schweiz entwickeln wird.
Der promovierte Theologe Michael Krüggeler ist Projektleiter im Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut (SPI) in St. Gallen, das das Sekretariat der Pastoralkommission der Schweizer Bischofskonferenz (PPK) führt.
Am Samstag, 12. Oktober 2002, fand in Sitten das Fest der Kathedralweihe
und der Priesterjubilare statt. Ein besonderes Jubiläum konnte Kardinal
Heinrich Schwery feiern: 25 Jahre Bischofsweihe.
Dazu lud Bischof Norbert Brunner die Schweizer Bischofskonferenz und alle
Walliser Bischöfe aus dem In- und Ausland ein. Ebenso nahmen über
hundert Priester an der Feier teil. Festprediger war der Apostolische Nuntius
in der Schweiz, Msgr. Pier Giacomo de Nicolò.
Das Fest der Kathedralweihe von Sitten stand ganz im Zeichen der Jubiläen.
Kardinal Heinrich Schwery beging das silberne Bischofsjubiläum, und
17 Priester des Ober- und Unterwallis konnten ihr silbernes, goldenes oder
diamantenes Priesterjubiläum feiern. Zwölf Erzbischöfe, Bischöfe
und Äbte sowie über hundert Priester und mehrere hundert Gläubige
wohnten der Feier bei.
Mit grosser Freude begrüsste zu Beginn der Eucharistiefeier Bischof
Norbert Brunner alle Anwesenden, besonders den Jubilaren Kardinal Heinrich
Schwery, den Apostolischen Nuntius der Schweiz, Erzbischof Pier Giacomo
de Nicolò, den Vizepräsidenten der SBK, Bischof Kurt Koch, alle
seine Mitbrüder im Bischofsamt und alle Priesterjubilare. Sein Willkommensgruss
galt aber auch allen Gläubigen, die in grosser Zahl zum Fest gekommen
sind, sowie den Delegationen des Stadtrates und der Burgerschaft Sitten.
In Anspielung auf die Devise von Kardinal Heinrich Schwery: «Spiritus
Domini gaudium et spes», betonte Bischof Norbert Brunner bei
der Eröffnung: «Die heutige Welt und unser Land, in dem in der
letzten Zeit Entscheide getroffen wurden, die für die Zukunft unserer
Gesellschaft nicht viel Hoffnung versprechen, braucht es das Licht der Frohen
Botschaft, vielleicht mehr als je zuvor. Heute jedoch feiern wir einen Diener
des Evangeliums für die Hoffnung der Welt, unseren Kardinal Heinrich
Schwery.»
Dem feierlichen Pontifikalamt in der Kathedrale stand Kardinal Heinrich Schwery vor. Der Apostolische Nuntius hielt in seiner Predigt zuerst einen kurzen Rückblick über die Geschichte des Bistums: Er erinnerte an den ersten Bischof des Wallis, Bischof Theodul, der im 4. Jahrhundert in Martinach residierte. Dann schlug er den Bogen über den Wechsel des Bischofssitzes von Martinach nach Sitten bis zum heutigen Fest. Das Fest einer Kathedralweihe zu feiern sei in erster Linie eine bevorzugte Gelegenheit, immer wieder aufs Neue zu danken lernen zu danken. Und das Fest heute mache aufs Neue bewusst, dass diese Kathedrale aus Stein ein Haus Gottes sei, die Jesus Christus gehöre, welcher hier im Tabernakel unter den Menschen wohne. Die Kathedrale symbolisiere aber auch die Gesamtheit der Kirche, in der Christus gegenwärtig sei. Heute werde diese Kirche jedoch auch immer wieder attackiert. Man würde nicht selten versuchen, die Fehler in den Vordergrund zu schieben. Der Nuntius: «Die Kirche ist ohne Sünde aber nicht ohne Sünder! Ich möchte Euch heute sagen: Bleibt nicht beim äusseren Erscheingsbild stehen. Richtet Euren Blick auf Christus, welcher der Vorsteher der Kirche ist und sie lebendig macht.» Dieser Vorgang heisse «Bekehrung Umkehr», welche wir alle jeden Tag notwendig hätten. Dank dieser Bekehrung würde dann aber auch die Kirche immer schöner werden. Konkret heisse das: Wir müssen wieder mehr Christus ausstrahlen, wir sollten wieder mehr ihn in den Vordergrund stellen. Das sei das wahre Programm der Seelsorge einst gewesen und sei es heute noch.
Erzbischof de Nicolò dankte auch im Namen der Kirche allen Priesterjubilaren
für ihre Treue und ihre Hingabe. Die Priester seien durch ihr Ja für
die Gläubigen Spender von Gnadenschätzen. Und die Jubilare seien
ein prophetisches Zeichen in einer Welt, in der alles vergänglich sei.
Der Nuntius wörtlich: «Herzlichen Dank für all das, was
ihr im Dienst Christi und der Kirche gewirkt habt. Ich danke euch für
das Beispiel, das ihr gegeben habt, und für euer treues Priesteramt,
trotz mancher Schwierigkeiten. Möge der Herr selber euer Lohn und euer
Friede sein.»
Auch Kardinal Heinrich Schwery sprach der Nuntius seinen Dank aus für
alles, was er während den 18 Jahren als Bischof für seine Diözese
und im Dienste des Papstes geleistet habe und auch heute noch leiste. Als
Reisender zwischen der Rhone und dem Tiber sei Kardinal Schwery eine lebendige
Verbindung zwischen der Kirche von Rom und jener in der Schweiz.
Nach der Feier in der Kathdrale überbrachte der Vizepräsident der Stadt Sitten, Gérald Pfefferlé, beim Aperitif im Bischofsgarten die Glückwünsche der politischen Behörden der Stadt Sitten. Er unterstrich, dass dieses Fest der Kathedralweihe für die Gemeinde und die Behörden eine besondere Freude bedeute und sie mit Stolz erfülle und zwar aus drei Gründen: Der erste sei die 25 Jahre Bischofsweihe von Kardinal Heinrich Schwery. Die Stadt- und die Burgergemeinde seien stolz darauf, ihn zu den Einwohnern Sittens zählen zu dürfen. Der zweite Grund, sich zu freuen, sei parallel zu diesem Jubiläum das Engagement der Gläubigen für die Stadt und die Burgerschaft von Sitten; und der dritte Grund nannte der Vizepräsident die Treue der 17 Priesterjubilare zu unserer Kirche, der Kirche, die für das Wallis wichtig sei und einen wichtigen Platz einnehme.
Heidi Widrig ist Mitarbeiterin namentlich des Informationsdienstes im Bischöflichen Ordinariat Sitten.