44/2002

INHALT

Kirche in der Schweiz

Schweizer Nothilfe in Simbabwe

von Rolf Weibel

 

Caritas Schweiz und die Bethlehem Mission Immensee haben ein umfassendes Nothilfe-Programm in der Region Gweru, Simbabwe, eingeleitet. Während zehn Monaten erhalten 20000 Schulkinder in 43 Schulen sowie Kleinkinder, Waisen und Aidskranke eine warme Mahlzeit pro Tag. Für die Umsetzung vor Ort zeichnet die Caritas Gweru verantwortlich, die in der Region gut verankert ist und in der Durchführung von Nothilfe-Programmen grosse Erfahrung hat.
Unter den klimatischen Bedingungen im südlichen Afrika gebe es periodisch Dürresituationen wegen ausbleibender Niederschläge, erklärte auf einer Medienkonferenz Josef Elsener, der frühere Generalobere der Missionsgesellschaft Bethlehem. In einem normalen Regenjahr sei Simbabwe jedoch fähig, regionale Unterschiede in der Produktion von Mais, dem Hauptnahrungsmittel, innerhalb des Landes auszugleichen und seine eigene Bevölkerung zu ernähren. In ausgesprochenen Dürrejahren, wie es 1992 der Fall war, sei das Land auf Importe aus den Nachbarländern angewiesen, während es in guten Erntejahren Überschusse exportieren könne. Während der im April dieses Jahres zu Ende gegangenen Pflanzsaison sei nun Simbabwe zusammen mit fünf anderen Ländern des Südens, vor allem Malawi, Zambia und Mosambik, von einer ausserordentlichen Dürre heimgesucht worden.
Zur katastrophalen Ernährungslage haben jedoch nicht nur klimatische Gründe beigetragen. Beim Anbau von Mais haben sich aus wirtschaftspolitischen Gründen Verschiebungen ergeben und als Hauptnahrungsmittel ist er verpolitisiert worden. Die Regierung biete zwar eine gewisse Hilfe an, bestätigte Josef Meili, Präsident der Bethlehem Mission. Sie verlange jedoch den Nachweis der Zugehörigkeit zur Partei. Oppositionelle würden von den Hilfsmassnahmen systematisch ausgeschlossen, und kirchlichen und privaten Organisationen sei bisher der Zugang zu Aktionen der Hungerhilfe verwehrt worden. Und Josef Elsener ergänzte: «Nicht verschwiegen werden dürfen die katastrophalen Auswirkungen der HIV/Aids-Epidemie auf die landwirtschaftliche Produktion des Landes. Es ist ja vor allem die arbeitsfähige junge Generation, die am meisten betroffen ist. Es fehlen oft gerade jene Arbeitskräfte, welche im Stande wären, die Felder zu bebauen, oder sie sind durch den HIV-Virus geschwächt.»
Es gebe aber auch Hoffnungszeichen, betonte Josef Meili: «Die Grossfamilien und die Dorfverbände spielen in Simbabwe eine bedeutende Rolle. Wer in Not ist, bekommt von den Verwandten oder Nachbarn Hilfe, wenn immer solche möglich ist. Schulen, Spitäler und Kirchen sind bemüht um Beistand für die Kranken, die Kinder und die älteren Menschen.»
In den kommenden Monaten wird die direkte Lebensmittelhilfe erste Priorität haben. Die Nothilfe, die Caritas Schweiz und Bethlehem Mission zusammen begonnnen haben, ist ein Teil des umfassenden Programms, das vom internationalen Caritas-Netzwerk in Zusammenarbeit mit den Caritas-Organisationen vor Ort getragen wird.
Bei aller Nothilfe behalten die auf Nachhaltigkeit hin angelegten Projekte ihre entscheidende Bedeutung, um künftigen Engpässen vorzubeugen und um eine Entwicklung zugunsten der Verbesserung der Lebensbedingungen der breiten Bevölkerung zu ermöglichen.<1>


Anmerkung

1 Die Oktober-Ausgabe von Wendekreis (10/2002), der von der Bethlehem Mission Immensee herausgegebenen Monatsschrift, ist Simbabwe gewidmet (Administration: Postfach 62, 6405 Immensee, Telefon 041 854 13 91, E-Mail mmueller@bethlehem-mission.ch).


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2002