35/2002 | |
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Kirche in der Schweiz |
In Anlehnung an den von der Römisch-katholischen Zentralkommission des Kantons Zürich herausgegebenen Text «Seelsorge der Fremdsprachigen» lassen sich als Leitsätze zum Grundauftrag der Kirche in der Fremdsprachigenseelsorge herausstellen:
Die Bindung des Glaubenslebens an kulturelle Wurzeln erleichtert den Zugang zu jungen Menschen; ist doch der Anteil an aktiven Kindern und Jugendlichen bei den Fremdsprachigen höher als anderswo.
Leitsätze, Konzepte und gegebenenfalls Umstrukturierungen zur Umsetzung
dieser Grundanliegen werden schon geraume Zeit vermehrt auf verschiedensten
Ebenen diskutiert, sie bedürfen aber immer auch konkreter Vorschläge.
Es gilt nun, diese in den einzelnen Pastoralkreisen und Pfarreien auszuarbeiten
und zu konkretisieren.
Soll die «Pastoral einer communio zwischen Ausländern und Schweizern»
nicht nur ein Slogan bleiben, wird sie vermehrt in enger Zusammenarbeit
geplant werden müssen. Dazu gehören Anstrengungen auf beiden Seiten,
beispielsweise: gemeinsame Initiativen noch stärker fördern (Einswerden
in der Verschiedenheit), ständigen Dialog pflegen und ihn trotz auftauchender
Schwierigkeiten fortsetzen, vermehrte Zusammenarbeit zwischen Pfarrer, Missionar,
pastoralen Mitarbeitern und Pastoralräten sowie zwischen den bestehenden
ethnischen Gruppen; Informations- und Bildungsarbeit in Gremien und Gruppen
wird nötig sein, dazu braucht es sicher Hilfestellung und Unterweisung.
Eine Aufgabe, die wir gemeinsam wahrnehmen müssen, ist, dass alle Engagierten
in den Pfarreien für dieses Thema sensibilisiert werden sollen. Zum
Kreis der Angesprochenen gehören zum Beispiel die Pfarreiräte,
die Pfarrgruppenteams, die Liturgiegruppen, die in der Diakonie Tätigen
usw.
Ansätze für eine solche gemeinsame Arbeit sind sicher schon vorhanden,
es gilt sie auszubauen. Gewiss ist mit einer Intensivierung der Zusammenarbeit
ein Mehraufwand an Energie verbunden, doch wir werden nicht darum herum
kommen, ihn zu leisten, wollen wir unsere Aufgabe in der Pastoral für
alle Gläubigen in der Gemeinde wahrnehmen.
Neuen Wegen können wir uns nicht verschliessen, wollen wir unserer
Aufgabe auch weiterhin gerecht werden. Unsere Gesellschaft und somit auch
unsere Glaubensgemeinschaften erfordern neue Pastoralformen in der Seelsorge.
Das Betreuungskonzept wird nicht mehr nur auf eine Person ausgerichtet sein
können, ebensowenig wird sich das Tätigkeitsfeld der Einzelnen
auf eine Kirchgemeinde beschränken lassen.
Was für die Missione gilt, die bereits territorial übergreifend
arbeitet, wird in vermehrtem Masse auch für die Ortspfarreien hier
und anderswo Gültigkeit haben. Um den Erfordernissen in der Pastoral
mit all ihren mannigfaltigen Diensten gerecht zu werden, müssen neue
Formen der Zusammenarbeit zwischen Pfarrer, Missionar, pastoralen Mitarbeitern
und Pastoralräten gesucht werden. Diese Zusammenarbeit wiederum schafft
neuen Formen der pastoralen Präsenz Seelsorgeeinheiten aus mehrsprachigen
Teams, welche ihren Dienst verantwortlich «in solido» und über
alle, manchmal einengenden, territorialen Grenzen hinweg wahrnehmen werden
Platz, und zwar jeder und jedem gemäss der ihr/ihm aufgetragenen
Aufgabe. Nur Zukunftsmusik? Der Mangel an Priestern ist Realität. Solidarität
über die Gemeinde- und Sprachgrenzen hinweg ist ein dringendes Gebot
der Zeit, wir können uns dem nicht verschliessen und sind darum aufgefordert,
neue Schritte zu wagen.
Zunächst werden hier die Daten und Statistiken der in der Schweiz noch aktiven italienischen Missionen und Missionare wiedergegeben:
Pastorale Gebiete
Anzahl der MCI
Italiener mit nur italienischem Pass
Anzahl Missionare
Aargau
Basel
Bern
Luzern
Westschweiz
St. Gallen
Zürich
7
7
8
5
11
11
18
33 000
27 500
32 000
15 500
79 000
34 000
82 000
7
8
12
5
14
13
19
Total 67 303 000
+ ca. 110 000
Doppelbürger78
Unsere Pastoralarbeit ist komplementär und doch spezifisch, leider aber allzu oft verkannt.
Taufen: Etwa 1800 jährlich mit den dazu erforderlichen
Unterweisungen und Gesprächen. Viele der jungen Generation angehörende
Paare wünschen, obgleich im Besitze des Schweizer Passes, ihr Kind
durch den Dienst der Missione taufen zu lassen.
Erwachsenenfirmung: Um die 700 Jugendliche bereiten sich jährlich
in den MCI auf das Firmsakrament vor. Die Betroffenen führen verschiedene
Gründe für diesen Entscheid an (keine Verwurzelung in der Pfarrei,
durch die Freizeitarbeit in den MCI beheimatet, die sprachlich und religiös-kulturelle
Bindung).
Ehevorbereitung: Ungefähr 1750 junge Menschen besuchen
jährlich die Vorbereitungskurse, die mindestens vier bis maximal zehn
Kurseinheiten vorsehen. Die dabei vermittelten Inhalte, Gedankenanstösse
und die Auseinandersetzung mit dem ganzen Themenkreis werden ausnahmslos
von allen gutgeheissen und werden, wenn nicht sofort, so doch im nachhinein
nicht mehr als lästiges Obligatorium empfunden.
Initiativen für Senioren: Eine sicher noch ansteigende
Anzahl Pensionierter, etwa 31000, mit nur italienischem Pass leben gegenwärtig
auf dem Gebiet unserer Missionen. Auch da wird der nötige Seelsorgedienst
geleistet durch die Hausbesuche, durch Alters- und Krankenheimbesuche. Etwa
2000 der noch rüstigen Senioren benutzen die durch die MCI angebotenen
Gelegenheiten, sich ein bis vier Mal monatlich ein paar Stunden in geselliger
oder informativer Atmosphäre zu treffen.
Beerdigungen: Im Steigen begriffen ist auch die Zahl der Bestattungen.
Gegenwärtig sind es rund 580 Personen, welche von den MCI auf ihrem
letzten Lebensabschnitt begleitet werden. Auch da ist ein Sinneswandel festzustellen,
wird doch jetzt oft auch eine Erdbestattung hier in Betracht gezogen, was
für den Italiener heisst, dass man sich in diesem Fall die Angehörigen
für den ständigen Aufenthaltsort hier entschieden hat, denn
nur in der Heimat werden die Lieben zu Grabe getragen.
Gottesdienste: Es werden durchschnittlich 230 Gottesdienste
(ohne Werktagsgottesdienste) das heisst eine Eucharistiefeier pro
rund 1317 italienische Gläubige in den Territorien der noch bestehenden
MCI wöchentlich gefeiert.
In den letzten zehn Jahren betrug die Zahl der zu 100% in der Seelsorge
angestellten Missionare noch 78; sie ist somit um 45 gesunken. Das durchschnittliche
Alter hat sich von 59 auf 56 gesenkt, ein Vorteil, wenn man mit dem lokalen
Klerus vergleicht, der ein höheres Durchschnittsalter aufweist.
Man kann sich da die Frage stellen: Wie verhält sich die «lokale
Kirchenobrigkeit» angesichts dieser eigentlich vorhandenen Ressourcen
und Möglichkeiten im Seelsorgedienst?
Mgr. Antonio Spadacini ist Nationaldelegierter der italienischen Missionen in der Schweiz.
Die diesjährige Plenarversammlung der Pastoralplanungskommission
(PPK) der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) tagte vom 21.22. Mai im
Romero-Haus in Luzern.
Die kurz nach dem Pfingstfest stattgefundene Versammlung stand gänzlich
im Zeichen der Grundaussage dieses Festes, der Erinnerung an die Hoffnung,
die, wie damals bei den Aposteln, auch heute immer wieder konkret werden
kann. Der Heilige Geist (auf hebräisch Ruach) bringt Erstarrtes in
Bewegung, erweckt Ermüdete zu neuem Leben und eröffnet neue Perspektiven.
Pfingsten bildet den Nährboden für Hoffnung, ein Biotop der Hoffnung
gewissermassen, um es mit einem geflügelten Wort auszudrücken.
So formulierte es Claudia Mennen, Co-Präsidentin der PPK, in ihrer
Begrüssung. Sie wünschte, dass sich die PPK vom Heiligen Geist
berühren lassen möge und die Segel neu setze, so dass der Wind
der Hoffnung das Schifflein der PPK zu neuen, wenn auch noch unbekannten
Ufern tragen kann.
In der diesjährigen Frühlingssession wurden gleich mehrere wegweisende
Beschlüsse verabschiedet.
Das Haupttraktandum bildete der Entwurf Kirchenaustritt. Pastoraler Umgang
mit Ausgetretenen. Den Ausgangspunkt für diesen Entwurf bildete eine
anhaltend beachtliche Zahl von Kirchenaustritten. Schätzungsweise dürften
zwischen 15000 und 20000 Mitglieder jährlich die katholische Kirche
verlassen. Zwischen 1999 und 2000 stieg die Zahl der Konfessionslosen von
7,4 auf 12% an.
An der 243. Ordentlichen Versammlung beschloss die SBK, der PPK das Mandat
zu übertragen, «eine Broschüre (Orientierungshilfe, Handreichung)
für kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Pfarrei- und Kirchenräte
zur Thematik des pastoralen Umgangs mit Austrittswilligen und Ausgetretenen
und zur Möglichkeit eines Wiedereintritts in die Kirche zu erarbeiten.
Die Broschüre wird von der SBK vor ihrer Veröffentlichung zu approbieren
sein.»
Mit praktischen Äusserungen und Empfehlungen soll die Broschüre
zu einem unter den Landeskirchen abgestimmten Umgang mit Austretenden und
Ausgetretenen beitragen. Die Orientierungshilfe liegt nun im Entwurf vor.
Sie basiert auf zahlreichen Dokumenten und Untersuchungen zum Thema Kirchenaustritt,
auf Gesprächen und Diskussionen u.a. in der Arbeitsgemeinschaft der
Pastoraltheologinnen und -theologen und im PPK-Leitungsausschuss. Zur Verfügung
standen darüber hinaus die Richtlinien von Kantonalkirchen und Bistümern.
Nach längeren Diskussionen zum Inhalt des vorliegenden Entwurfs ist
die Versammlung übereingekommen, dass der Kirchenaustritt nicht mehr
als Randphänomen wahrgenommen werden kann. Es ist unerlässlich,
dieses Phänomen im soziokulturellen Kontext zu beleuchten, um sich
so den damit verbundenen Herausforderungen zu stellen.
Von den Anwesenden der PPK wird der Entwurf zum Phänomen Kirchenaustritt
als sinnvoll erachtet. Der Entwurf wird der PPK im Herbst 2002 zu einer
zweiten Lesung vorgelegt.
Ebenfalls ganz im Zeichen von Bewegung stand die Verabschiedung des Projektes
Modulare Bildung Kirche Schweiz. Durch die Schaffung flexibler Strukturen
in der Aus- und Weiterbildung (Bildung im Baukasten-System) sowie der Koordination
der unterschiedlichen (Aus-)Bildungsinstitutionen soll dem Gesellschaftswandel
Rechnung getragen werden: Synergien sollen genutzt, Doppelspurigkeiten vermieden
und Flexibilität gewährleistet werden.
Das Pilotprojekt wird 2003 beginnen; in diesem Zeitraum sollen erste Erfahrungen
gesammelt und darauf aufbauend ein erster Baukastenentwurf entwickelt werden.
Vorgesehen ist eine Evaluierung des Pilotprojekts im Herbst 2005, welche
über Abbruch oder Anpassung des Projekts entscheidet.
Vom Geschäftsführer der FO/RKZ, Daniel Kosch, liess sich die
PPK im Weiteren über den Stand der Leistungsvereinbarungen Medien informieren.
Mit der Ausarbeitung von Leistungsvereinbarungen verbindet die PPK insbesondere
die Hoffnung, dass in der ganzen Kirche und nicht nur in den mitfinanzierten
nationalen und sprachregionalen kirchlichen Institutionen das Bewusstsein
wächst, die Arbeit an pastoralen Prioritäten auszurichten, strategisch
und unternehmerisch zu denken und vermehrt ziel- und wirkungsorientiert
zu handeln.
Die von der Projektadministration FO/RKZ koordinierten Leistungsvereinbarungen
in den Bereichen Jugend und Medien<1>
werden von der Plenarversammlung gutgeheissen. Nach erfolgter Rückmeldung
werden alsbald mit den einzelnen Institutionen die Vereinbarungen ausgehandelt
und in den jeweiligen November-Sitzungen der betroffenen Entscheidungsgremien
die definitiven Entscheide gefällt.
Die IKO ist ein Forum des Informations- und Meinungsaustausches der Delegierten
aus allen diözesanen und kantonalen Seelsorgeräten. Die PPK und
die SBK fassten den Beschluss, die Tagungen der IKO zu evaluieren und daraus
Perspektiven für die Zukunft der IKO abzuleiten. Hierfür wurde
eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die im Mai 2001 drei verschiedene
Modelle für die Einrichtung einer Laienvertretung im Sinne einer Partizipation
der Laien an der Gesamtverantwortung für die Kirche auf gesamtschweizerischer
Ebene vorschlug.<2> Keines der vorgeschlagenen
Modelle fand die Zustimmung der SBK.
Für eine Neukonzeptualisierung der IKO scheint die kirchenpolitische
Situation auf absehbare Zeit ungünstig. So bleibt die IKO weiterhin
ein Gremium des gemeinsamen Erfahrungsaustausches.
Die PPK bedauert diese Beibehaltung des Status quo, unterbreitet jedoch
gleichzeitig Vorschläge zur Verbesserung der IKO innerhalb der bestehenden
Strukturen.
Verbesserungen sollen im Bereich Austausch, Sachthemen und Kommunikation
erfolgen. Es ist für die einzelnen Regionen von grossem Interesse,
zu erfahren, was und wie in anderen Regionen zu kirchlichen Themen diskutiert
und gearbeitet wird. Ebenso von Interesse ist das Einladen von Referenten
zu Sachthemen von überregionaler Bedeutung. Auf diese Weise können
Themen und Fragen, die bereits auf regionaler Ebene in einzelnen Seelsorgeräten
behandelt worden sind, in grössere Zusammenhänge eingebettet werden.
Bei den Versammlungen wird die regelmässige Präsenz der Kirchenleitung
an den Sitzungen als unerlässlich für ein gutes und motiviertes
Funktionieren der IKO gesehen. Aus all diesen Gründen sollen zukünftig
die Sitzungen der IKO um ein kulturelles Rahmenprogramm bereichert werden.
Für die Herbstsitzung 2002 ist ein Treffen mit Weihbischof Denis Theurillat
und das Kennenlernen der kirchlichen Situation im Jura Pastoral vorgesehen.
Karin Roth ist Assistentin am Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut (SPI) in St. Gallen.
1 Siehe Ausgabe der SKZ 36/2001, S. 492f.
2 Vergleiche dazu den Bericht der PPK in der SKZ 36/2001, S. 492f.