27-28/2002

INHALT

Kirche in der Schweiz

Taufpastoral im Bistum Basel

von Rolf Weibel

 

Nach den Bistümern Lausanne, Genf und Freiburg (mit Neuenburg) sowie St. Gallen hat auch das Bistum Basel ein so genanntes Bistumsprojekt beschlossen und am Dreifaltigkeitssonntag des Jahres 2000 eröffnet. Einen Anstoss dazu gab der Übergang in ein neues Jahrtausend, der als Marschhalt auf einem Weg wahrgenommen werden sollte im Bewusstsein, dass das Bistum Basel als Ortskirche unterwegs bleiben und aus der christlichen Hoffnung heraus Zukunft gestalten muss. Der Horizont dieses Bistumsprojektes wurde deshalb mit seinem Untertitel «Aufbruch des Bistums Basel ins 3. Jahrtausend» verdeutlicht. Aus der Fülle der damit verbundenen Fragen und Anliegen ergab sich nach den Beratungen in den diözesanen Gremien ein Thema, dessen Behandlung nicht so rasch an die Grenzen der universalkirchlichen Vorgaben stösst und das alle Bistumsangehörigen gleichermassen verbindet und betrifft: «Als Getaufte leben».

«Als Getaufte leben»

Inhaltlich waren von Anfang an drei Gedanken wegleitend: 1. Getauft, angenommen ohne Vorleistung und persönlich beim Namen genannt; 2. Getauft, aufgenommen und eingebunden in christliche Gemeinde. 3. Getauft, aufgenommen, eingebunden und mitverantwortlich für die Welt. Methodisch war und ist dieses Bistumsprojekt als ein Gesprächsprozess angelegt, in dem über gut zwei Jahre auf allen Ebenen die Taufe als grundlegendes Sakrament reflektiert werden sollte.
So standen in der Folge alle Bistumsanlässe ­ die Treffen der Ordensleute, die Bistumsjugendtreffen, das Bistumsfest im Jahre 2001 und die Pastoralbesuche ­ im Zeichen dieses Projektes. Am das Bistumsprojekt eröffnenden Bistumstreffen lud Bischof Kurt Koch das ganze Bistum zum Mitmachen ein; dazu wurde den Vertretern und Vertreterinnen der Pfarreien und fremdsprachigen Missionen eine Impulsmappe ­ das so genannte Offene Buch<1> ­ überreicht, zu dem es in regelmässiger Folge weitere Beiträge gab. Ein ganz neuer Beitrag ist eine Handreichung für die Ministranten- und Ministrantinnenpastoral; einzelne Elemente der Mappe «Zwei Gruppenstunden für Ministrantinnen und Ministranten» können auch im Religionsunterricht eingesetzt werden.<2>
Von Anfang an dachte die von Generalvikar Rudolf Schmid geleitete Projektgruppe daran, dass sich aus einem Austausch über die Pfarreigrenzen hinaus Anliegen abzeichnen könnten, die auf Bistumsebene zu einer gemeinsamen Pastoral führen müssten. So wurden vom Bistum her nicht nur Anregungen zum Gespräch angeboten, sondern es wurde auch zu einem Austausch eingeladen. Weil es dazu vieler Gefässe bedarf, waren auch Beiträge von Anlässen und Ereignissen erwünscht, die ihre eigene Trägerschaft und ihren eigenen Charakter haben wie etwa die Tagsatzung im Bistum Basel.
Von der Projektleitung her wurden die Pfarreien aber auch gezielt nach der Taufpastoral im Allgemeinen und dem Taufaufschub im Besonderen gefragt. 137 Pfarreien, Seelsorgeverbände und fremdsprachige Missionen haben auf die Umfrage geantwortet. Mit diesen Rückmeldungen kam eine breite Auswahl von Konzepten der Taufvorbereitung wie Taufnachbereitung, kamen viele Ideen, Erfahrungsberichte und Materialien zusammen.

Pastorale Handreichungen

Um pastorale Hilfen nicht von einem Fachgremium, sondern in einem breit angelegten Gespräch erarbeiten zu lassen, schlug die Projekgruppe Bischof Kurt Koch und dem Bischofsrat zudem vor, auf den Abschluss des Projektes hin eine Delegiertenversammlung einzuberufen und dazu die bestehenden Räte und, um im Blick auf das Thema eine breitere Repräsentativität zu erreichen, noch weitere Personen einzuladen. Diesen Vorschlag hat die Bistumsleitung gutgeheissen, so dass die Mitglieder des Bistumsrates, des Priesterrates, des Rates der Diakone, Laientheologen und Laientheologinnen und des Seelsorgerates sich zu zwei gemeinsamen Sitzungen treffen konnten.
Zur inhaltlichen Vorbereitung der ersten Versammlung vom 12. bis 14. April 2002 erarbeitete eine theologische Arbeitsgruppe Gesprächsunterlagen. Die Mitglieder der Räte wurden gebeten, ihre Erfahrungen in diese Unterlagen einzubringen und in der Gruppenarbeit auf die vorliegenden Texte gleichsam mit einer Vernehmlassung zu antworten, Kritik, Korrekturen und Ergänzungen anzubringen, damit die theologische Arbeitsgruppe für die zweite Versammlung eine überarbeitete Fassung vorlegen konnte.
Bereits während dieser Versammlung wurde deutlich, dass die diözesanen Beratungsgremien dem Bischof eine pastorale Handreichung vorschlagen würden und dass dem Bischof daran gelegen war, sich diesen Vorschlag zu eigen machen zu können; deshalb hat er nicht nur zugehört, sondern sich auch zu Wort gemeldet. Deutlich wurde aber auch, dass die Zweisprachigkeit ­ zum Bistum Basel gehört der «Jura pastoral» ­ nicht nur Übersetzungsaufwand bedeutet, sondern auch und vor allem Gewinn mit sich bringt: ohne den Beitrag des Jura hätte der Themenkreis «Erwachsenenkatechumenat» nicht die gleiche Aufmerksamkeit erreicht und nicht so konkret behandelt werden können.
Innerhalb eines Monats überarbeitete die theologische Arbeitsgruppe anhand von dreissig Seiten Gruppen- und Tagungsprotokollen die erste Textfassung, zu der die zur Versammlung Eingeladenen schriftliche Änderungsvorschläge einreichen konnten. An der zweiten Versammlung vom 14./15. Juni 2002 wurden in Gruppen die einzelnen Kapitel der Vorlage daraufhin überprüft, ob die theologische Arbeitsgruppe die Vorschläge aus der ersten Versammlung hinreichend berücksichtigt und eingearbeitet hatte. Im Plenum wurden die Änderungsanträge sowie grundlegende Fragen zu den Rückmeldungen und zum Erwachsenenkatechumenat diskutiert und entschieden.
Mit dem Titel der zweiten Textfassung wurde die Zielgruppe der Handreichung unmissverständlich bestimmt: «Als Getaufte leben. Handreichungen zur Taufpastoral für haupt- und ehrenamtlich Verantwortliche in Pfarreien und fremdsprachigen Missionen». Diese Handreichungen möchten Anregungen bieten, wo es gilt, «Taufeltern in Vorbereitung, Feier und Begleitung nach der Taufe den Dienst der Glaubensgemeinschaft erfahren zu lassen; Kinder, die aus unterschiedlichen Gründen nicht als Kleinkinder getauft wurden, zur Taufe zu führen und Erwachsene beim Suchen ihres Weges zur Gemeinschaft unserer katholischen Kirche zu unterstützen».

Zudem wurde der Text klarer strukturiert:

A. Pfarrei als Gemeinde ­ als Ort von Gemeinschaftserfahrung!?
B. II. Die verschiedenen Beteiligten bei einer Taufe

  1. Der Täufling
  2. Die Eltern
  3. Die Patin/der Pate
  4. Die Taufspenderin/der Taufspender
  5. Pfarrei als Gemeinschaft (wie A)

B. II. Zur Taufe in konfessionell gemischten Familien
C. II. Zur aufgeschobenen Taufe
C. II. Segensfeiern und Rituale
D. Der Erwachsenenkatechumenat

Die einzelnen Abschnitte sind alle dem Dreischritt «sehen ­ urteilen ­ handeln» folgend aufgebaut. In den Abschnitten «A. Pfarrei als Gemeinde ­ als Ort von Gemeinschaftserfahrung!?» und «C. I. Zur aufgeschobenen Taufe» ist dem Dreischritt eine knappe Darlegung des Ausgangspunktes und des leitenden Interesses vorangestellt. Nicht ­ oder noch nicht ­ dem Dreischritt folgt der Abschnitt «Erwachsenenkatechumenat», dessen Original in französischer Sprache verfasst wurde und das die theologische Arbeitsgruppe auf Wunsch der Versammlung für die Schlussredaktion dem Dreischritt folgend umzustrukturieren versucht.
Diese Schlussredaktion beinhaltet nämlich nicht nur den Einbezug redaktioneller Erfordernisse, sondern auch die Berücksichtigung von Wünschen bzw. Entscheiden der zweiten Versammlung. Dieser schlussredigierte Text wird Bischof Kurt Koch und seinem Bischofsrat überreicht, die darüber entscheiden werden, ob die vorgeschlagenen Handreichungen mit oder ohne weiteren Änderungen zu offiziellen Handreichungen des Bistums erklärt werden können.
Die offizielle Fassung der Handreichungen zur Taufpastoral werden am Christkönigsfest 2002 im Rahmen eines Gottesdienstes in der Kathedrale von Bischof Kurt Koch dem Bistum überreicht werden. Dieser Gottesdienst wird auch das Bistumsprojekt zu einem offiziellen Abschluss bringen, auch wenn damit die Nacharbeit erst beginnt. So soll am «Offenen Buch» weiter geschrieben werden, die Partnerschaft mit dem Bistum Kosova weiterentwickelt werden usw.; dieser Abschluss wird für uns auch die Gelegenheit sein, auf die Handreichungen inhaltlich näher einzugehen.
Diesem Vorgehen zuzustimmen zeigte die zweite Versammlung keine Mühe, weil sie mit der zweiten Textfassung erfahren hat, wie sorgfältig die theologische Arbeitsgruppe die Änderungs- und Ergänzungswünsche der ersten Lesung aufgenommen hatte, und weil die zweite Lesung inhaltlich keine Schwierigkeiten bereiten sollte. Auch Bischof Kurt Koch sollten damit keine Schwierigkeiten erwachsen, weil er beide Lesungen aufmerksam verfolgt, sich zu Wort gemeldet hat, wo er mit einem Text Mühe hatte, und auch erfahren konnte, wie sich die Versammlung um Konsens bemüht hat.

Welche Segensfeier?

Eine längere Diskussion entwickelte sich im Zusammenhang des Gedankens einer Segensfeier an Stelle einer Kindertaufe; diese Feier sollte eine pastorale Antwort sein auf den Umstand, dass neuerdings ­ selbst christliche ­ Eltern zwar keine Taufe, aber dennoch den Segen Gottes für ihr Kind wünschen und dies in einem Ritual feiern möchten. Hier wurde nämlich auf Nr. 15 des Katholischen Gesangbuchs verwiesen: «Segensfeier als Eröffnung des Weges zur Taufe». Abgesehen davon, dass nicht ausgeschlossen werden darf, dass eine «Segensfeier statt Taufe» später einmal über ein Katechumenat für Schulkinder oder Erwachsene zur Taufe führen kann, darf sie um der Eindeutigkeit willen hier und jetzt nicht in die Nähe einer Taufe gerückt werden; um nicht Taufersatz zu werden, darf sie auch nicht den Ritus der Salbung mit Katechumenenöl umfassen, der in der Nr. 15 des KG vorgeschlagen wird, weil diese Nr. eine andere Art von Segensfeier meint. Allein schon dieser Diskussionspunkt zeigt, wie vielfältig und auch widersprüchlich die Situationen sind, in denen sich die Taufpastoral heute bewähren muss. Hier hilfreiche Anregungen anzubieten, ist die erklärte Absicht der Handreichungen, die noch in diesem Sommer der Bistumsleitung vorgelegt werden.


Anmerkung

1 Einlesbar auf der Homepage des Bistums: www.bistum-basel.ch

2 Die Mappe kann (zum Preis von Fr. 10.­ plus Porto) bezogen werden bei: Bistum Basel, «Als Getaufte leben», Postfach 216, 4501 Solothurn, E-Mail fortbildung@bistum-basel.ch


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2002