22/2002

INHALT

Kirche in der Schweiz

RU in Deutschfreiburg

 

Eine ökumenische katechetische Arbeitsgruppe hat im Auftrag des Bischofvikariats der deutschsprachigen Katholiken der Diözese Lausanne, Genf und Freiburg und des Synodalrates der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Freiburg die unterschiedlichen Positionen in Bezug auf den Religionsunterricht an der Schule analysiert und gemeinsame Perspektiven für die Zukunft des Religionsunterrichts in Deutschfreiburg ausformuliert. Wesentliche Punkte ihrer Verständigung sind im nachstehend dokumentierten ökumenischen Memorandum festgehalten:

Situation

Die Gesellschaft steht heute vor der Herausforderung des religiösen Pluralismus und der sich fortsetzenden innerlichen Lösung von festen kirchlichen Bindungen. Kirche und Staat sind gezwungen, dieser Realität Rechnung zu tragen und die Notwendigkeit und den Stellenwert des Religionsunterrichtes an den öffentlichen Schulen neu zu fassen.
Die früher vom Elternhaus übernommene religiöse Sozialisation der Kinder ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Die Kirchen stehen vor der zusätzlichen Aufgabe, einen Teil dieser Aufgabe zu übernehmen und Eltern in diesem Prozess zu motivieren und zu unterstützen.
Katholiken und Reformierte sind auf Grund der Geschichte und der neueren Gesellschaftsentwicklung in recht unterschiedlichen Situationen: teils in der Mehrheit, teils in der Minderheit, alteingesessen oder zugezogen, mit der Tradition verknüpft oder individualisiert. Unterschiedliche Verankerungen und Rahmenbedingungen bedingen eine bunte Palette von lokalen Organisationsformen für den kirchlichen Unterricht. Diese sind bei der Umsetzung der folgenden Perspektiven zu berücksichtigen:

  1. Die Kirchen setzen sich ein für ein Recht der Kinder und Jugendlichen auf eine ganzheitliche Bildung und Erziehung, welche auch den religiösen Aspekt einbeziehen. Kirche, Schule und Eltern tragen dafür gemeinsam die Verantwortung und müssen sich über ihre Aufgaben fortgesetzt verständigen.
  2. Ganzheitliche religiöse Bildung umfasst einerseits die Einführung in weltanschauliche und religiöse Herausforderungen der heutigen Gesellschaft (Religionskunde) und andrerseits die emotionale Beheimatung in der praktisch-erlebbaren Konfession (Glaubenseinführung). Im Sinne einer koordinierten Fassung der Inhalte soll Schule die Aufgabe der Religionskunde und der Kirche die Aufgabe der Glaubenseinführung zukommen.
  3. Um das Ziel der Beheimatung zu erreichen, suchen die Kirchen verstärkt handlungs- und erfahrungsorientierte Formen des Unterrichtes. Eine flexible Handhabung des Stundenplans ist dafür nötig und soll in gegenseitiger Absprache zwischen den zuständigen Instanzen ausgehandelt werden.
  4. Viele Kinder und Jugendliche wachsen heute in konfessionell verschiedenen Elternhäusern auf. Ihre Herkunft soll ernst genommen werden und die religiöse Bildung zu ökumenischer Integration und Respekt hinführen. Ökumenische Unterrichtsvarianten sollen gezielt angeregt oder aufgebaut werden.
  5. Die Zusammenarbeit mit der Schule kann verstärkt werden, wenn der fächerübergreifende Unterricht seitens der Kirchen ausgebaut und angemessen finanziert wird.
  6. Das bestehende Verständnis unter den Kirchen soll vertieft werden, indem die Schaffung einer ökumenischen Arbeitsstelle geprüft wird. Die Zusammenarbeit unter den Kirchen und der Schule soll dadurch vereinfacht werden, und Synergien sollen genutzt werden können.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2002