16/2002

INHALT

Kirche in der Schweiz

Basel geht voran

von Rolf Weibel

 

Mit der Verabschiedung des neuen Stellenplans hat die Synode der Römisch-Katholischen Kirche des Kantons Basel-Stadt einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Realisierung des Pastoralkonzeptes II getan, welches das Dekanat Basel-Stadt am 26. Januar 2001 verabschiedet hatte. Mit diesem Konzept sollen, wie Bischof Kurt Koch in seinem Geleitwort schreibt, «neue Strukturen geschaffen werden, die unter veränderten Bedingungen eine am Evangelium orientierte und zugleich zeitgemässe Pastoral ermöglichen».

Die Ausgangssituation

Der neue Stellenplan bringt, den finanziellen Perspektiven entsprechend, einen Stellenabbau von 98 auf 85 Soll-Stellen mit sich. Doch bestimmten nicht diese finanziellen Perspektiven die Ausgangssituation, wie an der Medienorientierung Xaver Pfister als Codekanatsleiter betonte, sondern die Notwendigkeit, die pastoralen Optionen und kirchlichen Strukturen unter dem Gesichtspunkt des gesellschaftlichen Wandels zu überprüfen. Dies erfolgte ausgehend einerseits von den soziologischen, religionssoziologischen und praktisch-theologischen Überlegungen des «Pastoralen Orientierungsrahmen Luzern» und anderseits den Ergebnissen der Ökumenischen Basler Kirchenstudie.
Akzentuiert wurde die durch die veränderte gesellschaftliche Situation und die mit der Kirchenstudie erhobenen Besonderheiten geprägte Ausgangssituation durch die dramatische Mitgliederentwicklung der Römisch-Katholischen Kirche im Stadtkanton; Xaver Pfister sprach von einer Austrittswelle nach 1975. Schuld daran sei jedoch nicht die 1974 in Kraft getretene öffentlich-rechtliche Anerkennung bzw. die damit ermöglichte Kirchensteuer, denn die seit 1910 öffentlich-rechtlich anerkannte Evangelisch-Reformierte Kirche musste die gleiche Erfahrung machen. In der letzten Zeit sei eine Abschwächung der Austritte zu beobachten, und in diesem Jahr seien bereits 52 Wiedereintritte zu verzeichnen. Eine Folge dieser Mitgliederentwicklung ist ein Mitgliederschwund in der Zeit von 1993 bis heute um 25% und damit einher gehend ein Rückgang des Kirchensteuerertrags um 16%. Dazu kommt der im Gefolge der revidierten ab 1995 wirksamen Besoldungsverordnung um 20% höhere Personalaufwand. Diese finanziellen Gegebenheiten machen eine Reduktion der Soll-Stellen unvermeidlich. Und schliesslich hatte die neue Personalordnung Anpassungen des Stellenplans zur Folge.

Die Grundlagen

Der neue Stellenplan ist nur ein Teil der mit dem Pastoralkonzept II angestrebten Restrukturierung. Begonnen hatte die Gesamtplanung im Gefolge eines Beschlusses des Dekanats 1998 (ein erster Plan, das 1992 veröffentlichte Pastoralkonzept I, blieb weitgehend folgenlos); das Pastoralkonzept II ist also das Ergebnis eines langen Prozesses und, wie Xaver Pfister betonte, eines partizipativen und also eines im Rahmen des in der Römisch-Katholischen Kirche Möglichen demokratischen Prozesses.
Die neuen Strukturen sollen ermöglichen, die Aufgabe der Kirche evangeliumsgemäss und im Blick auf das Lebensgefühl und die Lebensumstände der Menschen heute zu erfüllen; dabei sollen die unterschiedlichen Mitgliedschaftstypen, wie sie die Ökumenische Basler Kirchenstudie sichtbar gemacht hat, ernst genommen werden. Geschaffen werden sollen sinnvolle und lebbare Organisationsstrukturen: sie sollen ein sinnvolles Planen und Zusammenarbeiten ermöglichen und den sich ändernden Voraussetzungen immer wieder angepasst werden können und ihnen gewachsen sein. Das heisst aber auch, dass sie einen weiteren Mitgliederschwund ertragen können müssen. Im Einzelnen geht es bei diesen Strukturen um die pastoralen Optionen, das Organisationsmodell und die Personal- und Mittelzuteilung.
Die pastoralen Optionen stellt das Pastoralkonzept II unter die Überschriften: 1. Kirche ein Zeichen für alle Menschen, 2. Kirche ein Zeichen der Einheit, 3. In die Enge getrieben und zugleich zuversichtlich und gelassen, 4. Die Kirche im Dienste des Reiches Gottes, 5. Auf dem Weg zu einer geschwisterlichen Kirche, 6. Auf dem Weg zu einer lebendigen, vieldimensionalen Kirche, 7. Kirche aus vielen Sprachen und Kulturen.
Bei der Erläuterung der Grundstruktur betonte Xaver Pfister das Eingebunden-Sein von Dekanat (kirchenrechtlich) und Römisch-Katholischer Kirche Basel-Stadt (öffentlich-rechtlich) in das Bistum und in ihm in die Weltkirche. Getragen werden Dekanat und RKK von vier Säulen, die bei der Stellenverteilung zu berücksichtigen sind: die deutschsprachigen Pfarreien (mit 42% der Stellen), die anderssprachigen Seelsorgen (mit 9% der Stellen), die überpfarreilichen Dienste (mit 35% der Stellen; hier schlagen die 20 Planstellen Religionsunterricht zu Buche) und die zentralen Dienste (mit 11% der Stellen; über 3% der Stellen kann der Kirchenrat flexibel verfügen).
Neben den 85 Planstellen der RKK sind im neuen Stellenplan 10,6 «fremdfinanzierte» Stellen vorgesehen. Durch Beiträge anderer Kantonalkirchen, namentlich jener von Basel-Landschaft, aber auch des Kantons (für die Spital- und Gefängnisseelsorge) sowie anderer Beitragszahler kann der Stellenplan so aufgestockt werden.

Neue Formen der Zusammenarbeit

Dass die Pfarreien im Dekanat Basel-Stadt mehr zusammenarbeiten müssen, sei Konsens, konnte Pfarrer André Duplain, Codekan und Kirchenrat, mitteilen; zu reden hätten lediglich die Formen der Zusammenarbeit gegeben. Günstige Voraussetzung für eine Restrukturierung sei der Umstand, dass der Kanton ­ die Stadt und die Gemeinden Riehen und Bettingen ­ eine einzige Kirchgemeinde bilde.
Um die Zusammenarbeit strukturell zu verbessern, ist zum einen eine Neuumschreibung von Pfarreien und zum andern die Bildung von Seelsorgeverbänden vorgeschlagen. So sollen die Kleinbasler Pfarreien St. Christophorus und St. Joseph sowie St. Clara und St. Michael nicht fusioniert, sondern neu umschrieben werden; die Doppelpatrozinien sollen die jeweiligen Pfarreitraditionen wach halten. Nach Anhörung des Priesterrates wird Bischof Kurt Koch den diesbezüglichen Entscheid fällen können. Die Pfarreien Bruder Klaus, Don Bosco und Heiliggeist sowie St. Marien und Allerheiligen sollen Seelsorgeverbände bilden. Um Seelsorgeverbände bilden zu können, braucht es indes noch eine Änderung der öffentlich-rechtlichen Kirchenverfassung; bei dieser Gelegenheit soll auch die Grösse der Synode angepasst, das heisst verkleinert werden. Im Fall von St. Marien und Allerheiligen ist zudem ein Referendum hängig. Die Verträge zwischen den Pfarreien bedürfen dann der Zustimmung von Kirchenrat, Dekanat und Personalamt des Bistums. Selbständig bleiben die Pfarreien St. Franziskus und St. Anton sowie die anderssprachigen Pfarreien Sacré Cur und Pio X.
Der neue Stellenplan bringt nicht nur einen Stellenabbau mit sich, sondern zwei neue 50%-Stellen im Bereich der überpfarreilichen Dienste, eine Frauenstelle und eine Fachstelle Diakonie. Die Frauenstelle wurde geschaffen, weil die Frauen in der Kirche mehr leisten als die Männer, wie eine Erhebung der ehrenamtlichen Arbeit in einer Basler Pfarrei belegt, von der Kirche aber auch mehr erwarten und von ihr auch mehr enttäuscht sind als die Männer, wie die Kirchenstudie zeigt. Mit der Diakoniestelle übernimmt das Dekanat die Verantwortung für die Koordination der pfarreilichen Sozialdienste ­ bisher wurde diese Aufgabe von der Caritas wahrgenommen ­, und schafft für sich und den Kirchenrat eine gemeinsame Stabsstelle für Fragen der Diakonie.
Nach der Verabschiedung des neuen Stellenplans geht es nun an seine auf den 1. Januar 2004 vorgesehene Umsetzung. Trotz Stellenabbau sollte es zu keiner Kündigung kommen; für möglich Härtefälle ­ Umschulung usw. ­ ist finanziell vorgesorgt, versicherten die Referenten. In den Pfarreien müssen nun die Pflichtenhefte angepasst werden, wobei die Betroffenen voll beteiligt werden sollen.

Ökumenische Zusammenarbeit

Grössere Änderungen wird es in absehbarer Zeit zudem im Bereich des schulischen Religionsunterrichts geben. Dieser soll künftig von der Römisch-Katholischen und der Evangelisch-Reformierten Kirche gemeinsam verantwortet werden. Er soll von ausgebildeten Religionslehrkräften, die Mitglieder einer Kirche sind, erteilt werden und sich an Schülerinnen und Schüler richten, die entweder Mitglieder einer der Kirchen oder am ökumenischen Religionsunterricht interessiert sind. Damit könnten auch die Lehrmittel- und Medienstellen der beiden Kirchen und überdies der beiden Halbkantone zusammengelegt werden. Das Angebot eines solchen ökumenischen Religionsunterrichts auf allen Schulstufen sollte auf das Schuljahr 2004/2005 gemacht werden können.
In Planung ist ferner eine Schüler- und Schülerinnenseelsorge mit dem Titel «Betreuung und Mediation»; dieses Projekt soll indes nicht aus dem ordentlichen Budget finanziert werden.
Gemeinsam mit der Evangelisch-Reformierten Kirche setzt sich die Römisch-Katholische Kirche bei den zuständigen Behörden für einen von der Schule verantworteten und vom Staat finanzierten Ethikunterricht ­ «religiöse Sprachschulung, nachdenken über den Sinn des Lebens, philosophieren» ­ für alle ein. Beide Kirchen setzen sich auch dafür ein, dass der Staat auch anderen Religionsgemeinschaften Raum und Zeit für einen von ihnen verantworteten Religionsunterricht zur Verfügung stellt. Grundsätzlich müssten auch Schülerinnen und Schüler anderer Religionszugehörigkeit die Möglichkeit eines schulischen Religionsunterrichts haben.


Das Ordinariat des Bistums St.Gallen professoral durchleuchtet

von Rosmarie Früh

 

Ins UNO-Jahr der Freiwilligen ist das Bistum St. Gallen mit dem Hirtenbrief von Bischof Ivo Fürer zur Freiwilligenarbeit gestartet. Mit Freiwilligen klang das Jahr aus, wobei das Klingen im buchstäblichen Sinn gemeint ist, denn Mitglieder des Domchores verschönerten die Weihnachtsfeier, zu der Bischof Ivo seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Zeichen des Dankes in die Bischöfliche Wohnung eingeladen hatte.
In die Wohnung, in der während des Jahres wiederum «aller Gattig Lüüt» ein- und ausgegangen sind: Seelsorger und Seelsorgerinnen, Firmlinge, Politiker und Politikerinnen und der gesamte Evangelische Kirchenrat beim Neujahrsempfang, Mütter und Kinder, die am Räbeliechtli-Umzug der Dompfarrei mitgemacht hatten, Medienleute, Anwärter und An-wärterinnen für den Pastoralkurs, zukünftige Ständige Diakone, Verbandsfrauen, Ordensleute, Vertreter und Vertreterinnen aus Wirtschaft sowie Bildung und Erziehung. In die Wohnung, in der ernsthaft über Gott und die Welt, über Probleme in den Pfarreien, in Verbänden, auf Arbeitsstellen usw. debattiert, aber auch gefeiert wurde. Beispielsweise feierte Otmar Mäder hier am Ort, wo er selber von 1976 bis 1994 als Bischof gewirkt hatte, mit dem Ordinariatsrat seinen 80. Geburtstag.
Bischof Ivo ging aber auch hinaus in die Pfarreien zu Pastoralgesprächen und zum Firmen. Und er hielt Vorträge. Unter anderem beleuchtete er an der Universität St. Gallen im Rahmen der Vortragsreihe «Schule auf christlicher Grundlage?» die heutige katholische Sicht. Schweizerisch präsent war er in den Sitzungen der Schweizerischen Bischofskonferenz und der Deutschschweizerischen Ordinarienkonferenz. Er war in Strassburg dabei, als die Charta Oecumenica für die Zusammenarbeit der Kirchen in Europa unterzeichnet wurde und er war Gast der Südafrikanischen Bischofskonferenz. An der Olma wurde ihm der Titel eines Expo-Botschafters verliehen.

Prozessanalyse

In den 21 Ordinariatssitzungen, einige davon ganztägig, spiegelten sich die Sorgen und Nöte des ganzen Bistums. In ihnen wurde auch deutlich, wie stark die Mitglieder mit ihren breit gefächerten Aufgabenbereichen, zu denen überall noch die Mitarbeit in überdiözesanen Gremien kommt, an ihre Grenzen stossen. Es gab daher keine Einwände gegen die von Bischof Ivo angeregte Prozessanalyse des Instituts für Öffentliche Dienstleistungen und Tourismus an der Universität St. Gallen. Vorerst brachte sie zwar Mehrarbeit, längerfristig jedoch soll nach der Analysierung von Stärken und Schwächen und der Umsetzung der Empfehlungen eine Entlastung spürbar sein.
Die Prozessanalyse hat Verschiedenes in Bewegung gebracht, einiges ausgelöst, alle Probleme gelöst hat sie noch nicht. Gewisse geplante personelle Aufstockungen sollen es ermöglichen, dass die anstehenden dringenden Projekte im Jahr 2002 in die Realisierungsphase überführt werden können. Projekte wie: Pastorales Leitbild, Richtlinien für Seelsorgeeinheiten, Firmung ab 18, Erwachsenenbildung, Reorganisation Pastoralkurs und Diözesane Arbeitsstellen (Umsetzung der Folgerungen aus den von Administration und Bischof aufgrund eines Postulates im Kollegium in Auftrag gegebenen Gutachten und Neubesetzung der vakant gewordenen Bibelpastoralen Arbeitsstelle).

Impulse zum Handeln

Ein erster Schritt in dieser Richtung wurde mit der Aufstockung des Pastoralamtes per 1. Juli um 20 Prozent gemacht. Der neue Mitarbeiter Franz Kreissl ist Pastoralassistent im Seelsorgeverband Ebnat-Kappel/Neu St. Johann. Er bleibt dran am Bistumsprojekt «He! Was glaubst Du?», für das er sich von Anfang an in der fünfköpfigen Arbeitsgruppe intensiv engagiert hat. Dieses im August 1998 gestartete Projekt ist am 19. Mai in der Kathedrale von der zweiten Phase des Urteilens in die Phase des Handelns gegangen. Bischof Ivo hatte öffentlich den Ordner mit den Arbeitsunterlagen, den Analysen und den Impulsen für das Handeln entgegengenommen. Der Ordner ist Symbol für den Auftrag an die Bistumsleitung, im Sinn und Geist des Dialogprojektes «He! Was glaubst Du?» in die Zukunft zu gehen und die Anregungen und Wünsche von der Basis Schritt für Schritt umzusetzen und bei allen Entscheidungen im Auge zu behalten. «Ein Bistum glaubt ­ und ich?» stand denn auch als Motto über dem Besinnungstag des Ordinariates im Dezember im Haus der Stille in der Propstei St. Peterzell mit Sr. Paula. Die Pfarreien haben mit dem Faltblatt «Einladung zu befreitem Leben» ebenfalls eine Anregung zur Weiterarbeit erhalten.

Schwierig und komplex

Die Besetzung von Stellen in den Pfarreien, in Seelsorgeverbänden und neu in den angestrebten Seelsorgeeinheiten wird immer schwieriger und komplexer. Eine harte Nuss für den stark geforderten Leiter des Personalamtes, Anton Thaler und das gesamte Personalteam mit Paul B. Hutter und Philipp Hautle. Dabei ginge es ja noch an, wenn für alle drei diese Aufgabe die einzige wäre. Als Generalvikar ist Anton Thaler auch Firmspender. Die zeitaufwändige Aufgabe des Visitators führte ihn durch die Pfarreien des Dekanates Appenzell. Er ist Mitglied der Finanzkommission und präsidiert die Hilfskasse der Seelsorger. Wie alle Residentialkanoniker ist er auch liturgisch an der Kathedrale engagiert. Dem Liturgiker und Präsidenten der Liturgiekommission liegen die diözesanen Liturgiekurse sehr am Herzen.

Nachwuchssorgen

Den Mitgliedern der Kommission zur Förderung kirchlicher Berufe ist klar, dass die effektivste Werbung immer noch die ist, wenn Seelsorgende direkt Leute auf einen möglichen kirchlichen Dienst hin ansprechen. Im Pastoralkurs 2001/2002 mit seinen Blockkursen im Seminar St. Georgen (neue Hausleiterin Susanne Hollenstein) sind drei Frauen und ein Mann aus der Diözese, dazu zwei Oberwalliser und zwei Franziskaner. Im Studium (teilweise im vorgerückten Alter) befinden sich sechs Männer, die Priester werden, und je zehn Frauen und Männer, die als Laien in der Kirche tätig sein wollen. Am Katechetischen Institut in Luzern studieren aus unserem Bistum vier Männer und zwei Frauen. Die Studierenden werden von Regens Josef Wick und Beate Kuttig, Mitarbeiterin im Regensamt, begleitet. Zum Team Ausbildung/Fortbildung gehört auch Fortbildungsleiter Paul Hutter. Dieses Team ist daran, die Zielsetzung und Ausgestaltung des Pastoralkurses, der in seiner jetzigen Form nicht mehr in allen Teilen den gewandelten Bedürfnissen entspricht, zu überdenken.1

Spannend, aber streng

Für Bischofsvikar Markus Büchel ist die Visitation ­ er war im Dekanat Gossau unterwegs ­ ebenfalls spannend, aber streng. Als Firmspender kam er noch mit weiteren Pfarreien in Kontakt. Als Pastoralamtsleiter bemühte er sich, eine neue, schlankere Pastoralplanungskommission auf die Beine zu stellen, ist er im Büro der diözesanen Räte, leitet er die Dekanenkonferenzen, die Konferenz für Fremdsprachigenseelsorge im Bistum und die Kommission Politisch-wirtschaftlicher Bereich. Er ist Delegierter des Ordinariates in der Caritaskommission und in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) sowie in der Koordinationsgruppe Gefängnisseelsorge SG/AR/AI, welche sich als Scharnierstelle zwischen den Leitungen der Landeskirchen, dem Justiz- und Polizeidepartement und den Gefängnisseelsorgern und -seelsorgerinnen versteht und sich intensiv mit einer Neuorganisation der Gefängnisseelsorge beschäftigt hat. Er ist in der Finanzkommission und für die Haushälterinnen der Geistlichen der Diözesanbeauftragte.

Führen und leiten

Neben seiner Beratertätigkeit prüft Fortbildungsleiter Paul B. Hutter die Gesuche für die freiwillige Fortbildung des Personals im Bistum, überlegt auch zusammen mit den «Fortbildungswilligen», was ihnen am meisten bringen könnte. Er organisiert selber Kurse, wie den sehr vorzüglich geplanten und bei ausgezeichneter Stimmung durchgeführten Quartener-Kurs sowie «Führen und Leiten in der Pfarrei» für Priester und Laientheologen, die neu die Führung einer Pfarrei übernommen haben. Pfarreisekretärinnen und -sekretäre schätzten einmal mehr den Begegnungstag in Wil, der einerseits der beruflichen Weiterbildung (diesmal neue Rechtschreibung) und dem persönlichen Erfahrungsaustausch dient. Stärker als in früheren Jahren engagierte er sich für seine «alte», während einiger Zeit priesterlose Pfarrei Rorschach. Seine Mitarbeit in der Missionskommission und bei Missio kommt vielleicht bald dem Bistum zugute, wenn es gilt, die Schweiz zu missionieren!

Von Katechese bis Kirchenmusik

Als vielschichtig lässt sich auch die Tätigkeit von Diözesankatechet Philipp Hautle umschreiben. Neben der Mitarbeit in über 20 Kommissionen war er mit dem Erarbeiten von Wegleitungen für Seelsorgeeinheiten betraut, ist er in die Vorbereitung für Firmung ab 18 involviert. Er wirkte mit am Konzept zur Ausbildung von Katechetinnen und Katecheten im Nebenamt sowie an der Ausarbeitung der Richtlinien für Jugendseelsorge (die Daju, die diözesane Arbeitsstelle für Jugendseelsorge, feierte ihr 25-Jahr-Jubiläum). Er visitierte Mittelschullehrkräfte, war Referent im Glaubenskurs und Prüfungsexperte am Katechetischen Institut Luzern. Seine Stimme im Konsultativgremium für die Pädagogische Fachhochschule Rorschach und für die Pädagogische Hochschule St.Gallen ist für das Bistum von Bedeutung. Zur Weiterbildung nahm er teil an der Internationalen Religionspädagogischen Jahrestagung in Graz über den Einfluss von Informatik auf den Religionsunterricht. Er muss sich über Kirchenrenovationen auf dem Laufenden halten. Ein Teil der Arbeitskapazität gehört der Kirchenmusik, und in diesem Rahmen gestaltete er die 2. Kirchenmusikwoche in St. Gallen mit. Schliesslich ist er auch noch Schulseelsorger an der Katholischen Kantonssekundarschule St. Gallen.

Beratung von Ordensleuten

Am Fest Maria Lichtmess sind rund 150 Ordensleute aus den Klöstern des Bistums und aus all den Orten, wo sie im Dienst von Gemeinden und Institutionen tätig sind, nach St. Gallen gekommen. Josef Kaufmann, Offizial, Pfarrer und zuständig für die 14 Frauenklöster im Bistum, hatte diesen Tag zum zweiten Mal organisiert. Es ist ihm ein Anliegen, die Ordensleute spüren zu lassen, dass sie eine wichtige Aufgabe im Bistum haben. Mit dem Festtagsgedanken «Die Freude an Gott ist unsere Kraft» wurden sie ermutigt, das Ordensleben in allen seinen Facetten zuversichtlich und treu zu leben, zu pflegen und zu vertiefen. Um Fragen der Vorsteherinnenwahlen und um das Gespräch in der Gemeinschaft ging es beim Treffen der Oberinnen mit Bischof Ivo und den Visitatoren in St. Gallen. Das Bedürfnis nach Beratung von Ordensleuten und Gemeinschaften in Lebens-, Organisations- und Güterfragen hat merklich zugenommen, ebenfalls der Wunsch nach Glaubensschulung und geistlicher Nahrung.

Eheverfahren, Stiftungswesen

Zur Hauptaufgabe des Offizialats gehören nach wie vor die Eheverfahren. Es wurden neun Angelegenheiten bearbeitet. Dazu kamen einige Vorabklärungen. Das heisst: Eheleute und Seelsorger suchten Rat und Hilfe, Ehepartner und Zeugen mussten ausführlich befragt werden. Für Ehepartner dauern Befragungen durchschnittlich zwischen sechs bis zehn, für Zeugen zwischen drei und fünf Stunden. Ferner waren eingehende Studien zu speziellen Fragen nötig, besonders wenn es um verschiedene Kulturen oder um die Anwendung früheren Rechts ging. Schliesslich mussten Urteile gefällt und schriftlich ausgestellt werden, was bis zur Fällung des Urteils etwa drei Wochen Zeit und für die Redaktion eines begründeten Urteils ungefähr ebenso viele Wochen Arbeit verlangt.
Einen gewissen Raum hat das Stiftungswesen eingenommen: Stiftungen, die ihren Zweck nicht mehr erfüllten, mussten aufgehoben, neue Aufgaben geregelt werden (Schwägalp, Meglisalp, Zukunft klösterlicher Güter, Angelegenheiten des früheren Kommissariates Appenzell...) und verschiedene Pfarreien legten Fragen vor zu ihren Stiftmessbüchern.
Stellungnahmen und Mitarbeit waren gefragt zum Medienrecht, in Fragen liturgischer Dienste sowie der diözesanen Arbeitsstellen, der Revision von Leitbildern und Formularen, ganz besonders aber im Zusammenhang mit der Entwicklung von Seelsorgeeinheiten.
Als Dompfarrer ist Josef Raschle ebenfalls Mitglied im Ordinariatsrat. Mit Josef Kaufmann und Josef Wick, die beide Pfarreien vorstehen, kommt der Rat so weniger in Versuchung, zu stark «abzuheben» ­ er bleibt auf dem Boden der Realität.

Vernetzt

Vernetzung ist heute das In-Wort. Vernetzt ist die Bistumsleitung nicht nur untereinander via E-Mail; das Bistum ist seit dem Sommer im Internet präsent: www.bistum-stgallen.ch. Damit ist es auch verlinkt mit all jenen im Bistum, die ebenfalls mit diesem Kommunikationsmittel «aufgerüstet» haben: Arbeitsstellen, Pfarreien, Kirchgemeinden, Konfessionsteil. Der Internet-Auftritt ist zwar auswärts realisiert worden, bedingte aber doch viel Zusatzarbeit für den EDV-Verantwortlichen, dessen Hauptaufgabe die Betreuung des Bischöflichen Archives ist. Zusatzarbeit auch für das Sekretariat, das die verschiedenen Beiträge samt Fotos zusammenstellen musste.

Seelsorgeeinheiten und Familienrealitäten

Priesterrat und Rat der hauptamtlichen Laienseelsorger/-seelsorgerinnen trafen sich nach der konstituieren-den Sitzung im Herbst 2000 zur ersten Arbeitstagung im Januar im Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast. Indem die Teilnehmenden zuerst ihren eigenen Grundlagen des Seelsorger- und Seelsorgerinnen-Daseins nachspürten, sollte eine Grundlage des Vertrauens und der Vertrautheit entstehen. Denn erst eine solche Grundlage ermöglicht ehrliche und offene Auseinandersetzungen in den Räten.
Die Sitzung in Wattwil stand im Zeichen der geplanten Seelsorgeeinheiten. Als Grundlage diente unter anderem der Pfingstbrief von Bischof Ivo an alle Seelsorgerinnen und Seelsorger. Wichtigste Diskussionspunkte waren die Stellenbesetzungspolitik, die Bedeutung der «Bezugsperson», die intensivere Zusammenarbeit mit den Dekanaten, die Rücksicht auf gewachsene Strukturen und auf unterschiedliche Mentalitäten. Gewünscht wurden eine von den Räten ausgearbeitete «Checkliste» zum Ausprobieren konkreter Modelle sowie eine Begleitung während der Planungsphase durch ein Mitglied des Personalamtes. Die noch in der letzten Amtsdauer geforderte «Seelsorge an Seelsorgenden» ist vom Ordinariatsrat mittlerweile als Pilotprojekt für zwei Jahre verabschiedet worden.
Die Dekane beschäftigten sich an ihren zwei Konferenzen zusammen mit Bischof Ivo und weiteren Ordinariatsmitgliedern ebenfalls intensiv mit den Seelsorgeeinheiten sowie mit Personalfragen im Zusammenhang mit Stellenwechseln und Stellenbesetzungen. An der Herbstsitzung nahm mit Vreni Ammann, Katechetin in Berg, erstmals eine Frau als Dekan-Stellvertreterin teil. Für den neu im Dekanat Gossau arbeitenden Pfarrer Georg Schmucki hatte noch kein Nachfolger gefunden werden können.
Der diözesane Seelsorgerat beschäftigte sich an seinen Sitzungen in Appenzell und Gossau mit den neuen Familienrealitäten und den Werten und Haltungen, die ein harmonisches Zusammenleben in Ehe, Partnerschaft und Familie fördern und ermöglichen. An der Tagung in Quarten sprach er sich für einen verbindlichen Vorbereitungsweg auf die kirchliche Trauung hin aus.

Fest der Berufung

Neu im Ablauf wiederkehrender Ereignisse im Bistumsjahr war, dass zur Chrisammesse in der Karwoche erstmals mit den Jubilaren ­ mit seinen 70 Priesterjahren war P. Johann Frick von der Mariaburg der älteste ­, alle hauptberuflich im kirchlichen Dienst Tätigen eingeladen wurden. In der Predigt zeigte Bischof Ivo ­ ausgehend vom Bibelwort «Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt» ­ auf, was es bedeutet, bei der Taufe, bei der Firmung und schliesslich bei der Priesterweihe mit Chrisam gesalbt zu werden. Die Chrisammesse wurde so zu einem Fest der Berufung, des Dankes und des Lobes sowie zu einem Zeichen der Einheit im Bistum.
Die grosse Beanspruchung von Bischof und Ordinariatsmitgliedern wirkt sich auch aus auf die Arbeit der Kanzlerin Margreth Küng, welche nicht nur Termine und Finanzen verwaltet und die verschiedenen Anlässe wie Neujahrsempfang und Jubilarenehrung organisiert. Sie muss auch dafür besorgt sein, dass der «Laden», die Bischöfliche Kanzlei, «läuft», dass das Personalverzeichnis fristgerecht erscheint, die Seelsorgenden rechtzeitig den Brief des Bischofs in Händen haben, diese oder jene Mitteilung erhalten. Mit Bischof Ivo und Josef Kaufmann ist sie Mitglied der BIKO, der gemeinsamen Kommission von Ordinariat und Administration. Diese befasst sich mit den gemeinsamen Zuständigkeiten von Bistum und Konfessionsteil und ist eine Reaktion auf den Arbeitsstellenbericht.

Gute Präsenz in den Medien

Medienmässig war das Bistum über das ganze Jahr in den Druckerzeugnissen wie auch in Lokalradios und im Regional-Fernsehen gut präsent. Der Medienlunch im Januar war auf ein positives Echo gestossen, hat allerdings insofern nicht die erhoffte Wirkung gebracht, als nach wie vor zu den verschiedensten Fragen und Problemen in erster Linie oder ausschliesslich der Bischof gewünscht wird. Neben dem Dankesagen war ein weiterer Grund für den Medienlunch, die Medienleute mit den übrigen Ordinariatsmitgliedern in Kontakt zu bringen, damit sie später auch auf sie zurückgreifen würden. Aber ein Bischof ist halt auch für die Medienleute prestigeträchtiger!
Die Informationsstelle wird von den Medien stark als Dienstleistungsstelle, die sofort auf ihre Wünsche und Bedürfnisse reagiert, verstanden. Sie ist, seitdem das Bistum im Internet präsent ist, vermehrt Anlaufstelle für die verschiedensten Anliegen auch von Privaten.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2002