4/2002

INHALT

Kirche in der Schweiz

Seelsorgerat Oberwallis

von Heidi Widrig

 

Zur letztjährigen «Generalversammlung» des diözesanen Seelsorgerates Oberwallis, seinem 5. Kongress, trafen sich am 10. November 2001 in Raron rund 100 Personen ­ Mitglieder der verschiedenen Dienststellen des Seelsorgerates, Mitglieder der Pfarreiräte sowie Interessierte aus der Region ­ mit der Bistumsleitung. Schwerpunkte waren die Seelsorge im Gesundheitswesen sowie der «Runde Tisch» zum Thema «Lebendige Gemeinde».
Der Präsident des Seelsorgerates Oberwallis, Diakon Robert Moser, dankte allen Anwesenden der Dienststellen für ihre vielfältige Arbeit auch im vergangenen Jahr. In diesen Dank schloss er auch Bischof Norbert Brunner ein, der dem Rat wiederum viel Spielraum gelassen und seine Anliegen aktiv unterstützt hat.
In seinem Jahresbericht erinnerte der Präsident an die Neuwahlen im Ausschuss, dem Leitungsgremium des Rates. Ebenso haben verschiedene Dienststellen einen neuen Leiter erhalten: Beat Venetz für die Dienststelle «Ehe und Familie», Toni Kurmann für die Dienststelle «Pfarreikatechese» sowie Werner Tschopp für die Dienststelle «Tourismus».

Seelsorge im Gesundheitswesen

Jedes Jahr wird beim Kongress eine Dienststelle eingeladen, ihre Arbeit näher vorzustellen. In Raron stellte Benno Meichtry seine Arbeit vor, der im Vorjahr neuer Dienststellenleiter geworden ist.
Zu Beginn seiner Ausführungen bekamen alle Kongressteilnehmerinnen und Kongressteilnehmer einen Apfel als Zeichen für gesundes Leben. Dann stellte er die Frage: «Wie ist Gesundheit/Krankheit zu definieren? Wann ist jemand gesund, und wann ist jemand krank?» Und er stellte fest, dass der Übergang fliessend ist: «Mit Gesundheit ist weniger eine idealtypische Form gemeint, als vielmehr ein Zustand, der es dem an sich wenig perfekten Menschen in einer ebenso wenig perfekten Umwelt erlaubt, ohne allzu grosse Beschwerden ein angemessenes Leben zu führen...» Der Mensch sei wie ein Mobile in einem ständigen Bestreben, seine Balance zu halten. Die Balance, die sich abspielt in den Bereichen der Eigenwelt (ich als Person), der Mit- und Umwelt (Familie, Arbeitswelt, Dorfgemeinschaft, Pfarrei) und der Überwelt, dem Glauben an etwas Überirdische, das dem Dasein einen Sinn gibt.
Aufgaben, welche die Dienststelle im vergangenen Jahr übernommen hat, sind unter anderen:

Aufgrund einer Umfrage in den Oberwalliser Alters- und Pflegeheimen bot die Dienststelle eine Tagung zum Thema «Schwerkranke begleiten» an.
Ebenso plant die Dienststelle, eine Personengruppe in Kursen auszubilden und zu begleiten, die zu Hause oder in Institutionen Schwerkranke und Sterbende begleiten möchte.

«Seid eine Gemeinschaft, die ruft!»

Die Dienststelle für Geistliche Berufe hat im Januar 2001 einen Fragebogen zu diesem Thema an alle Pfarreiräte geschickt mit der Bitte, anhand der sieben Fragen in den Pfarreien über die Glaubenspraxis zu diskutieren, sich Fragen um den Nachwuchs in kirchlichen Berufen zu stellen und die Resultate an die Dienststelle zurückzusenden.
Am «Runden Tisch» wurde mit ausgewählten Personen über die Resultate dieser Umfrage diskutiert. Dabei stellte sich einmal mehr die Wichtigkeit der Familien in den Vordergrund. Es braucht Eltern und Familien, die eine Gemeinschaft sind, in der der Glaube gelebt wird, und in der damit auch Berufungen wachsen können. Zugleich aber wurde auch die Wichtigkeit einer lebendigen Pfarrei betont, die Gemeinschaft, Geborgenheit und Heimat schenken kann.
Bischof Norbert Brunner dankte allen Anwesenden herzlich für die immense, vielfältige und ehrenamtliche Arbeit, die nun schon seit Jahren tagaus, tagein geleistet wird. Sie seien es, die die Mitmenschen daran erinnern, dass Christus auch heute mitten unter uns ist.
Dann informierte Bischof Norbert Brunner aus erster Hand in ganz persönlicher Art und Weise über die Bischofssynode.

 

Heidi Widrig ist Mitarbeiterin namentlich des Informationsdienstes im Bischöflichen Ordinariat Sitten.


Kirchenbesetzung in Freiburg

von Marie-Thérèse Weber-Gobet

 

Die Hauptamtlichen der katholischen Seelsorge Deutschfreiburgs haben sich an der letzten Dekanatsversammlung hauptsächlich mit dem Thema «Kirchenbesetzung» befasst. Ausgangspunkt war die Besetzung der Kirche St. Paul in der Stadt Freiburg durch Menschen ohne gültige Aufenthaltsbewilligung.
Von einem Tag auf den andern sah sich die ganze Pfarrei St. Paul mit einer grossen Herausforderung konfrontiert. Wie die Pfarrei sie bewältigt hat, darüber berichtete Pfarrer Winfried Baechler, Verantwortlicher des Seelsorgeteams der deutschsprachigen Pfarreigemeinschaft St. Paul. Er zeigte auf, wie schnell in einer solchen Situation auf verschiedenen Ebenen Handlungsbedarf entsteht, wie schnell auch Missverständnisse um sich zu greifen beginnen. Für Pfarrer Baechler stand von Anfang an die Not der «Sans-Papiers» im Zentrum allen Handelns. Deshalb seien Konfrontationen nicht gescheut worden.
Dass im Fall einer Kirchenbesetzung kirchenrechtliche und staatskirchenrechtliche Gegebenheiten ins Spiel kommen, die inhaltlich mit verschiedenen Argumentarien operieren, darüber informierte Nicolas Betticher, bischöflicher Kanzler und Pressesprecher des Bischofs. In 24 Kantonen der Schweiz stehe die Beziehung zwischen Kirche und Staat auf einer staatskirchenrechtlichen Basis. Organe wie die kantonal-kirchliche Körperschaft oder der Pfarreirat seien in diesen Kantonen staatskirchenrechliche Gremien und unterstünden nicht dem Kirchenrecht. Bezogen auf die Pfarreiräte im Kanton Freiburg heisse das, dass sie die alleinige Verantwortung über Gebäulichkeiten der Pfarrei hätten ­ ausgenommen die Pfarreipfründe. Erachte es ein Pfarreirat im Fall einer Kirchenbesetzung nicht mehr als gegeben, dass die Pfarrei den Verpflichtungen gegenüber ihren Mitgliedern nachkommen könne, habe er das Recht, die Räumung der Gebäude zu beantragen.
Seelsorger und Seelsorgerinnen, Gremien wie der Pastoralrat oder die pfarreilichen Seelsorgeräte seien dagegen kirchenrechtliche Gremien und hätten bei einer Kirchenbesetzung nur konsultative Funktion. Da die Besetzung einer Kirche oder von Räumen einer Pfarrei durch Menschen in einer ausserordentlichen Lebenslage gerade auf der seelsorgerlichen Ebene herausfordere, seien Konflikte zwischen Seelsorge und administrativen Behörden vorprogrammiert. Nicolas Betticher betonte, dass es in einem solchen Fall wichtig sei, die massgebenden Entscheidungsträger von Beginn weg an einen gemeinsamen Tisch zu bringen, um nach Lösungen zu suchen.

 

Marie-Thérèse Weber-Gobet ist Leiterin der deutschsprachigen Informations- und Medienstelle des Bistums Lausanne, Genf und Freiburg.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2002