35/2002 | |
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Leitartikel |
Es war im Jahre 1995, als das erste schweizerische Lernfestival noch stark in der Planungsphase stand. Mit dieser Aktionswoche sollte landesweit Aufklärungs- und Bewusstseinsarbeit geleistet werden, dass lebensbegleitendes Lernen zur Aufgabe eines jeden Menschen werden sollte. Damit war auch die kirchliche und kirchennahe Erwachsenenbildung herausgefordert. Aber wie auf diese Herausforderung reagieren? Wir haben dem Direktor des Schweizerischen Verbandes für Erwachsenenbildung, André Schläfli, den Tipp zu verdanken, dass doch die kirchliche Erwachsenenbildung gemäss ihrem Selbstverständnis den Sonntag für sich «beschlagnahmen» soll und so einen eigenständigen Beitrag zur schweizweiten Weiterbildungswoche leisten könnte. Die Idee des Ökumenischen Sonntags der Erwachsenenbildung war geboren.
Zu jener Zeit gab es in beiden grossen Landeskirchen einen Dachverband der Erwachsenenbildung: die Arbeitsgemeinschaft für evangelische Erwachsenenbildung in der Schweiz (AGEB) und die Katholische Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung der Schweiz und Liechtensteins (KAGEB).
Erstmals sind zusätzlich zur reformierten (Kantonalkirchen,
Evangelischer Mediendienst) und katholischen Erwachsenenbildung die
Erwachsenenbildung der Christkatholischen Kirche der Schweiz, die Koordination
Islamischer Organisationen der Schweiz (KIOS) sowie das Zürcher Lehrhaus
der Stiftung für Kirche und Judentum zur Mitwirkung eingeladen worden.
Katholischerseits wurden auch Ausländerseelsorger zur Mitwirkung motiviert.
Fachstellen für Erwachsenenbildung wurden eingeladen, im eigenen Umkreis
Führungen in Museen zum Thema «Religiöse Schätze in
unseren Museen» zu organisieren.<3>
Obwohl die Ausweitung auf andere Religionen erst im Verlauf der Vorbereitungen
erfolgte und die konkreten Aktionen beschränkt sein werden, ist ein
Anfang gemacht und ein Zeichen gesetzt. Sowohl seitens der jüdischen
wie islamischen Exponenten wird die Initiative begrüsst und eine weitere
Zusammenarbeit für einen nächsten Ökumenischen (Sonn-)Tag
der Erwachsenenbildung gewünscht.
«Erwachsenenbildung in katholisch-christlicher bzw. -ökumenischer Optik gründet auf einem Menschenbild, das von der Begrenztheit des Menschen und seiner Transzendenz als ÐGeschöpf Gottesð ausgeht. Sie ist der Solidarität mit den Mitmenschen und der Umwelt besonders verpflichtet. Katholische Erwachsenenbildung sieht sich als wichtigen Teil in einem schier unermesslichen Bildungsangebot und im Rahmen einer pluralen Gesellschaft.» Dieses Zitat aus der Arbeitsdefinition «katholische Erwachsenenbildung» der KAGEB macht ein Dreifaches deutlich:
Das schweizerische Lernfestival ist ausserhalb der Kirche eine Chance,
christlich orientierte Erwachsenenbildung in Kreisen bewusst zu machen,
in denen religiöse, theologische Themen und Akzente aufs Ganze gesehen
selten sind. Bei solcher Sensibilisierung steht nicht ein Verband, eine
Institution im Vordergrund, sondern eine Idee trotz der Überzeugung,
dass sich das Anliegen ohne Institutionen schnell verliert.
Das Lernfestival 2002 ist innerhalb der Kirche eine Chance, die Notwendigkeit
lebensbegleitenden Lernens bewusst zu machen. Manchmal brauchen wir Anstösse
von aussen.
Der promovierte Erziehungswissenschaftler Bruno Santini-Amgarten ist als Leiter der Arbeitsstelle für Bildung der Schweizer Katholiken (ABSK) Geschäftsführer der Katholischen Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung der Schweiz und Liechtensteins (KAGEB) und unter anderem Präsident der Sektion «Bildung und Gesellschaft» der Nationalen Schweizerischen UNESCO-Kommission (NSUK).
1 Die Verschiebung auf den September erfolgte, weil am 8. September jeweils der Internationale Tag gegen den funktionalen Analphabetismus (Illetrismus) stattfindet. Diese zufällige Gleichzeitigkeit mit dem Ökumenischen Sonntag der Erwachsenenbildung schadet weder dem einen noch dem anderen Anlass, da die Zielgruppen nicht einfach identisch sind und das Festival-Leitmotiv «vernetz dich!» ohnehin dazu einlädt, über die eigenen Grenzen hinaus zu schauen.
2 Katholische Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung der Schweiz und Liechtensteins KAGEB, Hirschengraben 13, Postfach 2069, 6002 Luzern, Telefon 0412105055, Fax 0412105056, info@absk.ch. Kontaktpersonen: Bruno Santini-Amgarten, Vreni Fehr-Hegglin. Der Projektbeschrieb ist in allen vier Landessprachen abrufbar unter www.absk.ch/lernfestival.htm. Die Predigtskizze kann von www.absk.ch/predigtskizze.htm heruntergeladen und für eigene Zwecke angepasst werden.
3 Im Museum Bruder Klaus in Sachseln wird am 8. September von der KAGEB eine Spezialführung zur erfolgreichen und eindrücklichen Sommerausstellung «Spitzenbilder Paper Cuts» organisiert. Zeit: 10.0012.00 Uhr; Führung: Urs-Beat Frei, M.A., Konservator.
4 Die Europäische Föderation für Katholische Erwachsenenbildung/Fédération Européenne pour l'Education Catholique des Adultes FEECA wurde 1963 als europäische Vereinigung und Plattform nationaler und sprachregionaler Dachverbände katholischer Erwachsenenbildung gegründet; am 27. Mai 2002 hat sie in Zürich die Erklärung «Die visionäre Kraft des Christentums als Herausforderung» verabschiedet.