22/2002 | |
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Leitartikel |
Vor zwanzig Jahren begann zum letzten Mal der Deutschschweizerische Katechetische
Rahmenplan in überarbeiteter Auflage zu erscheinen; in diesen Tagen
ist unter dem Titel «Orientierung Religion» nicht mehr eine
Überarbeitung dieses Rahmenplans, sondern «eine Orientierungshilfe
für Katechese und Religionsunterricht der römisch-katholischen
Kirche» erschienen, die gemäss Empfehlung der Deutschschweizerischen
Ordinarienkonferenz (DOK) «als Grundlage für die Erstellung von
regionalen Rahmenplänen massgeblich zu berücksichtigen»
ist.
Der Verzicht auf einen eigentlichen Rahmenplan für die deutschsprachige
Schweiz ist eine Konsequenz aus den gesellschaftlichen und kirchlichen Entwicklungen
in den letzten zwanzig Jahren. Welche Folgerungen aus dieser Entwicklung
und insbesondere aus der sich daraus ergebenden pastoralen Situation für
Katechese und Religionsunterricht gezogen werden müssen, diese Frage
beschäftigt die Interdiözesane Katechetische Kommission (IKK)
schon länger, wie der Leiter ihrer Arbeitsstelle, Nick Sieber, in einem
Gespräch darlegte. So setzte sich die IKK bzw. in ihrem Auftrag das
Institut für kirchliche Weiterbildung (IFOK) eingehend mit dem Fragenkreis
Religionsunterricht auf der Oberstufe auseinander; der Bericht darüber
ist vor zwei Jahren erschienen (SKZ 46/2000).
Die «Orientierung Religion» ist ein weiteres Ergebnis. An dieser
Orientierungshilfe ist ablesbar, wie sich der Religionsunterricht in den
letzten zwanzig Jahren gewandelt hat. Die wesentliche Entwicklung ist die
Wende vom themenzentrierten zum zielorientierten Unterricht. Der themenzentrierte
Unterricht geht von der Glaubenslehre aus, beschreitet einen Weg «vom
Glauben zum Leben». Der zielorientierte Unterricht geht vom Kind und
Jugendlichen und ihren Lebenswelten aus, beschreitet einen Weg «vom
Leben zum Glauben». Der themenzentrierte Unterricht vermittelt, der
zielorientierte Unterricht hilft entdecken und ist so ein offenes Lernen.
Im themenzentrierten Unterricht stehen sich Lehrende und Lernende gegenüber,
im zielorientierten Unterricht sind Lehrende und Lernende gemeinsam auf
einem Weg der Glaubensfindung, wenn auch nicht am selben Ort. Als subjekt-
und damit erfahrungsorientierter Unterricht führt der zielorientierte
Unterricht zu einem anderen Lehr- und Lernverständnis und damit zu
einem anderen Berufsverständnis der Katechetin, des Religionslehrers.
Das nächste grosse Projekt der IKK ist deshalb die Klärung des
Berufsbildes, des Berufsfeldes, der Berufsbezeichnung der in Katechese und
Religionsunterricht Tätigen. Akzentuiert wird dieser Fragenkreis durch
den Umstand, dass es zwischen Katechese/Religionsunterricht und allgemeiner
Seelsorge zunehmend Überlappungen gibt. Damit im engen Zusammenhang
stehen sodann die Fragen der Aus-, Fort- und Weiterbildung der in Katechese
und Religionsunterricht Tätigen. Stichworte dazu sind: Berufseinführung
für hauptamtliche Katechetinnen und Katecheten (SKZ 11/2002), die Pädagogische
(Fach-)Hochschule als Herausforderung für das Katechetische Institut
der Theologischen Fakultät der Universität Luzern, berufsbegleitende
Ausbildung, Weiterbildung «vom Nebenamt zum Hauptamt».
Wie die «Orientierungshilfe Religion» zu einer fruchtbaren Auseinandersetzung
über die Situation und die Perspektiven der künftigen religiösen
Bildung und Begleitung junger Menschen anregen möchte, so möchte
der nachstehende Beitrag von Alexander Schroeter, Mitglied der Projektgruppe,
zur Orientierungshilfe der IKK hinführen und zur eingehenden Beschäftigung
mit ihr anregen.