18/2002 | |
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Leitartikel |
Vor bald zwanzig Jahren hatte der Exekutivausschuss des Reformierten
Weltbundes vorgeschlagen, «dass alle Kirchen... einen Bund über
Frieden und Gerechtigkeit bilden» sollten, und der Ausschuss für
Programmrichtlinien des Ökumenischen Rates der Kirchen hatte im Rahmen
der Vollversammlung empfohlen, «die Mitgliedkirchen in einen konziliaren
Prozess gegenseitiger Verpflichtung (Bund) für Gerechtigkeit, Frieden
und die Bewahrung der ganzen Schöpfung einzubinden». In der Schweiz
wurde dieser Gedanke G(erechtigkeit)F(frieden)S(chöpfungsbewahrung)
zunächst von der Schweizerischen Evangelischen Synode und dann
von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz aufgenommen.
Die in diesem Zusammenhang von der Schweizerischen Evangelischen Synode
vorgeschlagene Massnahme, die Stelle eines Umweltbeauftragten der Kirchen
zu schaffen, wurde 1986 mit der «Oekumenischen Arbeitsgemeinschaft
Kirche und Umwelt (OeKU)» verwirklicht. Sie trägt alljährlich
mit ihrer Kampagne «SchöpfungsZeit» zur Sensibilisierung
für die Schöpfungsbewahrung bei; Teil dieser Kampagne ist das
Magazin, das integraler Teil der heutigen Ausgabe ist.
Zur Sensibilisierung für die Gerechtigkeit tragen nach wie vor hauptsächlich
die kirchlichen Hilfswerke bei. Im Bereich der sozialen Problemlagen und
Mängel im Netz der sozialen Sicherheit setzt sich namentlich Caritas,
Caritas Schweiz und die Regionalen Caritasstellen, ein. Dazu arbeitet Caritas
einerseits an langfristigen Problemlösungen und bietet anderseits Menschen
in Not konkrete Unterstützung an: von der Einzelfallhilfe bis zu Hilfsprojekten.
Eines dieser Hilfsprojekte sind die Caritas-Lebensmittelläden
Carisatt , deren Konzept anlässlich der Unterzeichnung eines Gentlemen's
Agreement zwischen Caritas und Nestlé Schweiz vorgestellt wurde.
Der Caritas-Lebensmittelladen bietet Kunden und Kundinnen mit Einkaufskarte
Lebensmittel des täglichen Bedarfs um 30 bis 50% billiger als die Grossverteiler
an. Abgegeben wird diese Karte von einer öffentlichen, kirchlichen
oder privaten Sozialhilfe- oder einer Regionalen Caritasstelle. Diese Einkaufsberechtigung
ist aber nicht Teil der Sozialhilfe; die Idee der Caritas-Lebensmittelläden
ist vielmehr, «dass Menschen mit äusserst knappem Budget etwas
Luft bekommen, um sich auch einmal eine Tasse Kaffee, einen Kinobesuch oder
sonst etwas Besonderes zu gönnen», wie Jürg Krummenacher,
Direktor Caritas Schweiz, ausführte.
Die Idee und ihre Verwirklichung zielt auf das ab, was in der Sozialarbeit
als empowerment bezeichnet wird. Armut führt zu einem gesellschaftlichen
Ausschluss, sie grenzt aus, und dieser Ausgrenzung gilt es entgegenzuwirken.
Die Klienten und Klientinnen entscheiden deshalb selber, ob sie eine Einkaufskarte
für Carisatt beziehen wollen. Sodann ist der Lebensmittelladen mehr
als eine Einkaufsmöglichkeit, er wird für Armutsbetroffene zu
einem Treffpunkt, zu einem Ort des sozialen Austauschs und des Kontakts.
Der Betrieb des Ladens ist zudem mit weiteren Bereichen der Caritas-Arbeit
vernetzt: Er kann je nach den örtlichen Möglichkeiten Carisatt
gibt es bereits an neun Orten Teil eines Erwerbslosenprogramms sein
und Frauen und Männern in Teileinsätzen Beschäftigung und
individuelle Förderung ermöglichen; er kann Freiwillige einbeziehen,
und er kann sogar Anlehren anbieten. Wichtig ist für Caritas auch,
dass damit die Armut öffentlich gemacht werden kann. So soll sichtbar
werden, dass Armut kein vorübergehendes Phänomen ist und dass
zunehmend grössere Gruppen davon betroffen sind.<1>
Eigentliche Friedensarbeit leistet Caritas Schweiz wie andere grosse Hilfswerke
vor allem im Rahmen ihrer internationalen Zusammenarbeit. Für Friedensarbeit
im Inland kümmern sich verschiedene eher kleinere Initiativen. GFS
ist so auch diesbezüglich nicht ganz im Gleichgewicht.
1 Das Ziel von Carisatt, ein preisgünstiges Einkaufen in Würde, kann nur erreicht werden, wenn Caritas die Produkte besonders günstig oder geschenkt erhält. Dass sich Nestlé Schweiz bereit erklärt hat, hier mitzumachen, ist zweifelsohne ein gewichtiger Beitrag zur Erreichung des gesteckten Zieles.