16/2002 | |
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Leitartikel |
Vor zwei Jahren wurde durch Volksentscheid das Luzerner Universitätsgesetz
angenommen, was für die Theologische Fakultät insofern entscheidend
war, als es nach einer Ablehnung politisch wohl unmöglich geworden
wäre, die Fakultät weiterzuführen. Aus diesem Grund hatten
wir in diesen Spalten die Theologische Fakultät der Luzerner Hochschule
ausführlich vorstellen lassen. Nach der Vorstellung der Fakultät,
die auf die älteste katholische theologische Hochschultradition in
der Schweiz zurückblicken kann, lassen wir ab der heutigen Ausgabe
die Theologische Fakultät der Universität Freiburg darstellen.
Wie die Luzerner wird auch die Freiburger Fakultät vom Standortkanton
getragen, auch wenn sie ihren Charakter gerne mit den Epitheta «international»
und «katholisch» zum Ausdruck bringt. Das schweizerische universitäre
Hochschulsystem ist föderalistisch zweigeteilt: die Universitäten
werden von den Kantonen getragen und die Technischen Hochschulen (und vier
eigenständige Forschungsinstitute) von der Eidgenossenschaft. Die auf
das 16. Jahrhundert zurückgehenden kantonalen Universitäten haben
ihren Ursprung in Theologischen Schulen, die im 19. Jahrhundert zu Akademien
und schliesslich zu Universitäten ausgebaut wurden; die junge Universität
Neuenburg wurde im 19. Jahrhundert als Akademie gegründet. Deshalb
haben alle diese Universitäten und zuerst die im Spätmittelalter
gegründete Universität Basel Theologische Fakultäten
im Gefolge der Reformation Evangelisch-Theologische Fakultäten.
Die nach der Reformation katholisch gebliebene Schweiz hatte lange Zeit
als einzige «Höhere theologische Lehranstalt» nur die ebenfalls
im 16. Jahrhundert als Jesuitenkolleg gegründete Luzerner Schule. Eine
zweite kantonale Theologische Fakultät, und zwar von Anfang an mit
Gradrechten versehen, erhielt die katholische Schweiz Ende des 19. Jahrhunderts
im Rahmen der Universität Freiburg und also zu einer Zeit, als die
Luzerner Höhere Lehranstalt noch mit dem Lyzeum verbunden war und keine
Gradrechte besass. Die beiden noch jüngeren Universitäten, nämlich
jene von St. Gallen, die 1898 als Handelsakademie gegründet worden
war, und die Università della Svizzera italiana, die den Vorlesungsbetrieb
vor gut fünf Jahren aufgenommen hat, wurden ohne Theologische Fakultäten
gegründet. Die 1992 gegründete Theologische Fakultät Lugano,
rechtlich eine Stiftung, hat eine kirchliche Trägerschaft, ist aber
innerhalb des Campus der Universität untergebracht und kooperiert auch
mit ihr. Wie Freiburg ist auch Lugano international ausgerichtet: von den
im letzten Wintersemester eingeschriebenen 177 Studierenden der Theologischen
Fakultät waren nur 27 ticinesi.<1>
Lugano ist nicht die einzige theologische Ausbildungsstätte in der
Schweiz in kirchlicher Trägerschaft. Auf römisch-katholischer
Seite ist die im Jahre 1800 in Meran als Priesterseminar gegründete
kleine Theologische Hochschule Chur zuerst zu nennen. Nach den durch die
Churer Bistumswirren verursachten Schwierigkeiten befindet sich Chur auf
dem schwierigen Weg der Konsolidierung. Mit dem Schwerpunkt «pastorale
Ausrichtung bei Wahrung der akademischen Qualität» hat sie sich
neu positioniert. Als entscheidende Aufgaben bleiben noch die längerfristige
Sicherung der Finanzierung<2> und die
Erhöhung der Zahl der Studierenden.
Einen Sonderfall bildet die Theologische Schule der Benediktinerabtei Einsiedeln,
die aus der seit dem 17. Jahrhundert bestehenden Hauslehranstalt hervorgegangen
ist. Diese Ausbildungsstätte bietet heute nicht nur akademische Qualität,
sondern dank der 1996 erfolgten Affiliation an die Theologische Fakultät
des Pontificio Ateneo S. Anselmo in Rom auch die Möglichkeit, akademische
Zeugnisse zu erwerben. Einen vergleichbaren Status hat übrigens auch
das freikirchliche Theologische Seminar Bienenberg; es ist Partnerinstitution
des Oxford Centre for Mission Studies und bietet einen von der Universität
Wales anerkannten Hochschulstudiengang (Master of Arts) an.
Wie für die Universität Freiburg gilt auch für ihre Theologische
Fakultät: ihr Lehrkörper ist international und sie wird von Studierenden
aus der ganzen Schweiz und aus aller Welt besucht. Mit dem Leitbild der
Universität, sich in voller Ausschöpfung ihrer Autonomie für
Qualität, Verantwortung und Dialogbereitschaft einzusetzen, ist auch
jede Fakultät herausgefordert. So ermutigt auch die Theologische Fakultät
zweisprachige Studien und Abschlüsse in Deutsch und Französisch,
und so ist sie nicht den Sprachen entlang in zwei Abteilungen, sondern benachbarten
Fächern entlang in fünf Departemente gegliedert: 1. Biblische
Studien, 2. Patristik und Kirchengeschichte, 3. Glaubens- und Religionswissenschaft,
Philosophie, 4. Moraltheologie und Ethik, 5. Praktische Theologie. In unserer
Reihe «Theologie in Freiburg» werden die fünf Präsidenten
der Departemente über Lehre und Forschung ihrer Bereiche informieren.
Abschliessend wird der Dekan darüber nachdenken, was die fünf
Departemente und die noch zahlreicheren Einzeldisziplinen so zusammenhält,
dass von der Theologie zu reden Sinn macht.
1 Die Zahl der Studierenden nahm von 42 im ersten Studienjahr bis heute 177 kontinuierlich zu. Von diesen sind 52 im Grundstudium Philosophie, 33 im Grundstudium Theologie, 60 bereiten sich auf das Lizentiat in Theologie und 32 auf das Doktorat in Theologie vor; in Philosophie kann erst mit dem Bakkalaureat abgeschlossen werden.
2 Ein Lichtblick ist der Antrag des Regierungsrates des Kantons Graubünden an den Grossen Rat, mit der Theologischen Hochschule Leistungsvereinbarungen abzuschliessen und in deren Folge finanzielle Beiträge zu leisten.