11/2002 | |
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Leitartikel |
In der Kakophonie der Meldungen, Bilder und Ereignisse unserer Medienwelt
ist echte Kommunikation oft ein schwieriges Unterfangen. Die stillen, sensiblen
Töne finden in der Kurzlebigkeit der auf Einschaltquoten und Auflagenstärken
getrimmten Medienindustrie kaum Gehör. Dabei verbessern weder die reisserischen
Katastrophenberichte noch die voyeuristischen Schicksalsberichte die menschlichen
Lebensgrundlagen. Wir Menschen sind auf Mitteilung und Kommunikation angewiesen.
Das Wesen unseres Menschseins an sich ist auf Kommunikation angelegt. Kommunikation
und Kommunikationsmittel können dem Leben dienen, sie können es
aber auch behindern und zerstören.
Auf diese Problematik des Umgangs mit den Medien und der Kommunikation wollen
die beiden Hilfswerke Fastenopfer und Brot für alle mit der diesjährigen
Fastenaktion aufmerksam machen. Während in vielen Ländern immer
mehr und immer oberflächlichere Informationen produziert und verbreitet
werden, bleiben ganze Regionen und Bevölkerungsgruppen von den Kommunikationsmitteln
und damit von vitalen Grundlagen ausgeschlossen. Trotz grossen technischen
Fortschritten, trotz weltumspannender Kommunikation im Sekundentakt ist
es noch nicht gelungen, allen Menschen ein einigermassen würdiges Leben
zu ermöglichen. Im Gegenteil, je mehr sich dieser «digitale Graben»
öffnet, desto mehr Menschen werden von der modernen Marktwirtschaft
abgekoppelt und der Armut und der sozialen Gewalt überlassen.
Was aber hat das mit der Fastenzeit, der vorösterlichen Zeit der Besinnung
und Umkehr zu tun?
Eine Antwort darauf gibt Jesaja: «Das ist ein Fasten wie ich es liebe:
die Fesseln des Unrechts zu lösen, jedes Joch zu zerbrechen. Wenn du
der Unterdrückung ein Ende machst, keinen verleumdest, den Darbenden
satt machst, dann wird deine Finsternis hell wie der Mittag» (Jes
58). Besinnung, Fasten und Busse gehören seit Jahrhunderten zur christlichen
Tradition. Die Fastenwochen, Einkehrtage und gemeinsamen Aktionen in Pfarreien
und Gruppen zeigen, dass dieser Brauch in traditionellen und neuen Formen
immer noch aktuell und sinnvoll ist. Die persönliche Einkehr, allenfalls
der Verzicht auf Medienkonsum, mehr Dialog mit Gott, mehr Dialog mit den
Mitmenschen und mit sich selber können uns auf dem Weg zu einem sinnvollen
Leben, auf dem Weg zu Gott helfen.
Der Jesajatext macht aber auch bewusst, dass wir dort nicht stehen bleiben
dürfen. Fasten, Beten und Feiern entfalten ihre eigentliche Kraft in
der tätigen Nächstenliebe, im Einsatz für mehr Gerechtigkeit,
Versöhnung und bessere Lebensbedingungen für alle Menschen. Auch
wenn es uns nicht gelingen wird, das Paradies auf Erden zu schaffen, so
gehört es dennoch zum Auftrag der Kirche und der Hilfswerke, am Reich
Gottes auf Erden mitzubauen. Diese Arbeit ist getragen von der österlichen
Hoffnung und Zuversicht, dass Gott selber das verheissene Reich vollenden
wird.
In diesem Sinne versucht das Fastenopfer mit der Kampagne den Stimmlosen
in der Dritten Welt eine Stimme zu geben und die Aufmerksamkeit der schweizerischen
Öffentlichkeit auf die Bedeutung der modernen Kommunikationsmittel
für die Länder des Südens zu lenken. Der Aufbau und die Unterstützung
katholischer und christlicher Medien in diesen Ländern hat für
das Fastenopfer seit Jahren eine grosse Bedeutung.
Um diese Arbeit auch in Zukunft weiterführen zu können, bittet
das Fastenopfer alle Seelsorgerinnen und Seelsorger, alle Katholikinnen
und Katholiken herzlich um ihre grosszügigen Spenden. So kann das Hilfswerk
seinem Grundsatz «wir teilen» als «Hilfe zur Selbsthilfe»
auch in diesem Jahr treu bleiben und seine Mission im Dienste der Kirche
Schweiz und für die Benachteiligten in den Ländern des Südens
erfüllen. Herzlichen Dank!