40/2002 | |
INHALT | |
Dokumentation |
An ihrer Herbstversammlung setzte sich die Gemischte Expertenkommission
Inland intensiv mit der Frage auseinander, wie die sprachregionalen und
gesamtschweizerischen Aufgaben der Kirche mit deutlich weniger Mitteln finanziert
werden können. Für das gemeinsame Budget kommen das Fastenopfer
und die Römisch-Katholische Zentralkonferenz auf. Es belief sich in
den letzten Jahren auf ca. 8,3 Mio. und muss für 2003 um Fr. 500000.
auf 7,8 Mio. gekürzt werden.
Unter der Leitung von Werner Huber (Wohlen) tagte die Expertenkommission
am 19./20. September 2002 in Luzern. Die Kommission besteht aus 8 Vertreterinnen
und Vertretern des Fastenopfers, 8 Delegierten der RKZ und 2 Vertretern
der Schweizer Bischofskonferenz.
Grund für die schwierige Finanzsituation ist ein Rückgang der
allgemeinen Spenden beim katholischen Hilfswerk Fastenopfer. Die für
den Inlandteil verfügbaren Mittel gehen aufgrund des Sammelergebnisses
um 0,5 Mio. zurück. Die Beiträge der Römisch-Katholischen
Zentralkonferenz bleiben für 2003 auf dem Vorjahresbetrag von 5,1 Mio.
Für 2004 ist eine leichte Erhöhung beschlossen.
Mitfinanziert werden mehr als 50 Institutionen, angefangen vom Sekretariat
der Schweizer Bischofskonferenz und Institutionen der Kirchenleitung über
Einrichtungen in den Bereichen Massenmedien, Jugend, Aus- und Weiterbildung,
Animation in Pfarreien, Arbeit der Verbände auf sprachregionaler Ebene.
Um eine wirkungsorientierte Verwendung der finanziellen Mittel sicherzustellen,
sollen mit den Institutionen mehrjährige Leistungsvereinbarungen abgeschlossen
werden. Dabei wird auch von Erfahrungen profitiert, die in der öffentlichen
Verwaltung mit Projekten des New Public Management gemacht werden: Klare
Prioritätensetzung, vermehrte Orientierung an den Bedürfnissen
der Zielgruppen, unternehmerisches Denken und Handeln sowie die Überprüfung
der erzielten Wirkung sollen die Qualität der Arbeit erhöhen.
Mit insgesamt 10 Institutionen aus dem Bereich der Medienpastoral und der
kirchlichen Jugendarbeit wurden mehrjährige Leistungsvereinbarungen
ausgehandelt, darunter die Katholische Internationale Presseagentur KIPA/APIC,
der Katholische Mediendienst, das Centre Catholique de Radio et Télévision,
Blauring und Jungwacht und die Fachstelle für kirchliche Kinder- und
Jugendarbeit. Das Gesamtvolumen der auf diese Weise festgelegten Gelder
beträgt im Jahr 2003 Fr. 2,7 Mio.
In den Jahren 2001 und 2002 wurden aufgrund des finanziellen Engpasses
alle Beiträge um 2% bzw. 3% gekürzt. Eine Weiterführung dieser
Praxis hätte noch stärkere Reduktionen erfordert und wäre
für einige mit wenig Eigenmitteln dotierte Institutionen existenzgefährdend
geworden.
Die Kommission beantragt deshalb den Stiftungsrat des Fastenopfers und der
Römisch-Katholischen Zentralkonferenz, die Institutionen noch vermehrt
zu klarer Prioritätensetzung und Sorgfalt im Umgang mit Finanzfragen
zu verpflichten und insbesondere dort Einsparungen vorzunehmen, wo hohe
Eigenmittel verfügbar sind. Damit kann auf lineare Kürzungen verzichtet
werden.
Mittelfristig ist es bei gleich bleibenden oder sinkenden Mitteln unmöglich,
sämtliche mitfinanzierten Institutionen angemessen zu unterstützen.
Es wird unumgänglich sein, die Mitfinanzierung auf die wichtigsten
Stellen zu beschränken, damit diese ihre Arbeit sinnvoll weiterführen
können. Dazu werden Gespräche zwischen den Geldgebern und der
Schweizer Bischofskonferenz geführt. In einer zweiten Phase werden
die vielfältigen Trägerorganisationen einbezogen.
Ebenso wichtig wie Sparmassnahmen und Reduktionen sind die Umlagerung und
Neugruppierung von Aufgaben, Verstärkung der Zusammenarbeit sowie vermehrtes
unternehmerisches Handeln. Für manche Institutionen können auch
andere Finanzierungsquellen erschlossen werden.
Obwohl die Katholische Kirche in der Schweiz nach wie vor über erhebliche
finanzielle Mittel verfügt, muss sie sich in materieller Hinsicht auf
schwierigere Zeiten gefasst machen. Die überkantonalen und überdiözesanen
Einrichtungen bekommen dies als erste zu spüren. Sie sind damit herausgefordert,
wegweisende Modelle für einen kreativen Umgang mit beschränkten
Ressourcen zu entwickeln. Auch in dieser Hinsicht können sie dem kirchlichen
Leben in den Bistümern, Kantonen und Gemeinden Impulse verleihen.
Ein weiteres Hauptgeschäft der Versammlung war die Verabschiedung eines Projektauftrages zur Entwicklung «modularer Bildungsgänge». Wie in vielen anderen Bereichen sollen auch in der Kirche Bildungsangebote im «Baukastensystem» angeboten werden. Dies ermöglicht mehr Flexibilität und stellt sicher, dass bereits erworbene Qualifikationen angerechnet werden. Beides kommt dem Bedürfnis vieler Menschen entgegen, die bereit sind, sich in der Kirche auch beruflich zu engagieren. Zudem wird mit dem Projekt eine bessere Koordination der bestehenden Ausbildungsangebote angestrebt. Mit der Projektleitung soll das Pastoralsoziologische Institut in St. Gallen beauftragt werden.