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Bücher |
Dieter Zeller (Hrsg.), Christentum I. Von den Anfängen bis zur Konstantinischen Wende, (Die Religionen der Menschheit, Band 28), Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2002.
In der von Christel Matthias Schröder begründeten Reihe «Die
Religionen der Menschheit» des Verlages W. Kohlhammer erscheinen berühmte
Darstellungen des Christentums wie etwa der Doppelband von Carl Andresen
«Die Kirche der alten Christenheit» (Stuttgart 1971), der vor
allem durch seine «ekklesiologische Typengeschichte» bekannt
wurde, in der die Pluralität des Christentums in geographischen Schichten
dargestellt wurde. Die Reihe wird von Peter Antes, Hubert Cancik, Burkhard
Gladigow und Martin Greschat als Herausgeber fortgeführt. In der neuen
Auflage der Kohlhammerschen Reihe sind neun Bände über das Christentum
vorgesehen, von denen der erste, herausgegeben vom Mainzer Neutestamentler
und Religionswissenschaftler Dieter Zeller, über die ersten drei Jahrhunderte
vorliegt. Darf man dem Verlagsprospekt trauen, sind bei fünf weiteren
Bänden wenigstens bereits die Herausgeber bestimmt, während bei
drei weiteren zwar der Titel bestimmt ist, aber noch kein Herausgeber firmiert.
Dieter Zeller hebt diesen Band deutlich ab von Darstellungen dieses Zeitraumes
durch Theologen, die «von einer normativen Gestalt des Christentums
bzw. einem Kanon von heiligen Schriften» ausgehen. Das Besondere einer
Skizze des Christentums innerhalb einer Reihe über die «Religionen
der Menschheit» liege darin, dass sie «religionswissenschaftlich»
ausgerichtet sei, das heisst, «unter Absehung vom Wahrheitsanspruch
und ohne Wertung soll nachgezeichnet werden, wie aus der noch innerhalb
des Judentums wirksamen Reformgruppe Jesu und seiner Anhänger allmählich
eine eigene ÐReligionð wurde». Vermutlich um mögliche
Vorwürfe im Voraus abzufedern, gibt Zeller zu, dass die Autoren (Wilhelm
M. Gessel, Wolfram Kinzig, Andreas Merkt, Georg Schöllgen, Jörg
Ulrich und Martin Wallraff) alle einen «theologischen Hintergrund»
besitzen, da sie evangelische oder katholische Kirchengeschichtler sind.
Wer eine Religionsgeschichte des frühen Christentums schreibe, müsse
sowohl «Apologetik wie aufklärerische Pose» vermeiden.
Zeller verweist auf das Buch von Georg Theissen über «Die Religion
der ersten Christen» (Gütersloh 2000), das eine ähnliche
Zielsetzung verfolge. Das Buch erfüllt die Erwartungen, vor allem deswegen,
weil das 2. und 3. Jahrhundert in der traditionellen Kirchengeschichtsschreibung
ein Schattendasein führte, etwa unter der Leitidee «Abfall vom
glorreichen Anfang» (vgl. die Theorie des «Frühkatholizismus»)
oder «Grundlegung all dessen, was später kommt». Bei mehreren
Autoren sind Meinungsverschiedenheiten nicht zu umgehen. Das kommt etwa
bei der Beurteilung des Werkes von Ignatios von Antiochia zum Vorschein
oder in der Darstellung der Entwicklung der Leitungsgremien. Dass man das
nicht kaschiert hat, sondern sogar in Anmerkungen darauf hinweist, finde
ich gut.
Hans Küng, Kleine Geschichte der katholischen Kirche, Berliner Taschenbuch Verlag, 2002, 279 S.
Hans Küngs «Kleine Geschichte der katholischen Kirche» ist keine Sache für zarte Seelen, die nach Erbauung lechzen. Der engagierte Autor listet vieles auf, was anders hätte sein können und sollen. Wie immer faszinieren die umfassenden und auch seriösen historischen Kenntnisse Küngs. Der Autor weist ohne Scheu auf Fehlentwicklungen hin, auf Verweigerung von Reformen und Korrekturen, auf kuriales Misstrauen und Engstirnigkeit. Aber Küng verweist auch auf die kulturellen Leistungen und den karitativen Einsatz des Katholizismus. Für ihn ist die Kirche, zu der er ein kritisch positives Verhältnis hat, nicht chancenlos. Auch zu Beginn des 3. Jahrtausends hat sie Zukunft!
Madeleine Delbrêl, Gott einen Ort sichern. Texte, Gedichte, Gebete. Ausgewählt, übersetzt und eingeleitet von Annette Schleinzer, Schwabenverlag, Ostfildern 2002, 160 Seiten.
Madeleine Delbrêl (19041964) gründete 1933 mit zwei Kolleginnen
in Ivry-sur-Seine, einer Stadt im Südosten von Paris, eine religiöse
Gemeinschaft von Frauen, die versuchten, ohne Regeln und ohne Gelübde
nach dem Evangelium zu leben. 1957 kam ihre wegweisende Schrift «Ville
marxiste, terre de mission» heraus und prägte den französischen
Katholizismus ganz stark. In den siebziger Jahren brachten Hans Urs von
Balthasar und Victor Conzemius Madeleine Delbrêl im deutschen Sprachraum
ins Gespräch. Je stärker sich auch unser Lebensraum säkularisiert,
umso mehr werden hier Christen durch die Texte von Madeleine Delbrêl
angesprochen.
Annette Schleinzer lebt in der mitteldeutschen Diaspora (Sachseln-Anhalt).
1993 hat sie über Madeleine Delbrêl doktoriert. Ihr Buch führt
zu den Werken von Madeleine Delbrêl hin. Besonders beeindruckend sind
die Texte, die vom Einsatz für die Armen, vom Kampf um Gerechtigkeit
und von der Glaubensverkündigung in einer atheistischen Welt handeln.
Roland Breitenbach, Sechs-Minuten-Predigten für das Lesejahr B. Mit Meditationen und Segensworten, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2002, 222 Seiten.
Das ist kein Predigtbuch im herkömmlichen Sinn es bietet keine Schreibtischansprachen. Jede dieser Kurzansprachen gibt Impulse für den konkret gelebten Alltag dezent und zurückhaltend, nicht polternd. Bemerkenswert ist die kleine, passende Meditation für den Schluss der Messfeier. Das sind Worte auf den Weg, die zur Überlegungen führen und zu guten Taten motivieren. Gediegen ist auch das immer ganz persönliche Segenswort.