46/2002

INHALT

Bücher

Dienste und Ämter in der Kirche

 

Helmut Hoping und Hans J. Münk (Hrsg.), Dienst im Namen Jesu Christi. Impulse für Pastoral, Katechese und Liturgie, (Theologische Berichte XXIV, herausgegeben im Auftrag der Theologischen Fakultät der Universität Luzern), Paulusverlag, Freiburg Schweiz 2001, 227 Seiten.

Die neun Beiträge des Buches gehen zurück auf eine Vortragsreihe, die im WS 2000/2001 an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern gehalten wurde. In einem zweifachen Sinn wird darin ein weiter Bogen gespannt: Zum einen zeigen mehrere Beiträge eindrücklich auf, welch lange Entwicklung die meisten kirchlichen Ämter schon hinter sich haben. Zum andern wird deutlich, wie sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil neue Ämter (z.B. Ständiger Diakon, Laientheologe/Laientheologin) herausgebildet haben und wie dadurch das Spektrum kirchlicher Berufe erweitert worden ist. Dieser zweifache Bogen kann und soll Mut machen, nicht bei bestimmten, geschichtlich gewordenen Formen kirchlicher Ämter stehen zu bleiben, sondern mutig neue Schritte ins Auge zu fassen. «Dienst im Namen Jesu Christi» erinnert dabei an verschiedenen Stellen an zwei «Wegweiser», die zu beachten sind: Jedes Amt beziehungsweise seine konkrete Ausgestaltung hat Raum zu schaffen für den Geist Jesu und sein befreiendes und heilsames Wirken. Und gleichzeitig ist jedes Amt, das für eine Kirche im Heute und besonders in der Zukunft von tragender Kraft sein will, daran zu messen, ob es die Menschen, die getauften Christinnen und Christen für mündig nimmt und sich vorrangig als Dienst an dieser Mündigkeit oder anders gesagt als begleitender, fördernder und ermutigender Dienst am allgemeinen Priestertum der Getauften versteht.
In diesen Zusammenhängen zeigt das Buch auf, dass es in unserer Kirche in Bezug auf Dienste und Ämter einen markanten Reformstau gibt. Gleichzeitig werden Probleme beleuchtet, die durch die gewachsene Vielfalt von Diensten neu entstanden sind. Zum Beispiel: unklare Aufgaben und Kompetenzen, vage Rollenprofile, persönliche Konflikte beim Auseinanderklaffen von Funktion und Vollmacht.
Das Buch will laut Untertitel Impulse vermitteln für Pastoral, Katechese und Liturgie. Ich meine, dass dies nur in einem eingeschränkten Sinn für die «Alltagsarbeit» in der Pfarreiseelsorge zutreffen kann. Es wird jenen Seelsorgerinnen und Seelsorgern eine Hilfe sein, die über ihren eigenen Dienst nachdenken und im Sinn einer «kooperativen Seelsorge» weiterentwickeln möchten. Gleichzeitig vermisse ich eine vertiefte Ausleuchtung der problematischen Verwendung des Begriffs «Laien» für alle nichtgeweihten Christinnen und Christen bei gleichzeitiger Wertschätzung des allgemeinen Priestertums. Ich meine, dass im Bemühen, diesen Widerspruch aufzulösen, einiges kreatives Potential stecken könnte. Eine gute Anregung und da und dort vielleicht sogar eine Herausforderung bietet das Buch jenen, die von ihrer Aufgabe her sich speziell mit Fragen der Berufungspastoral, der Pastoralplanung, der Ausbildung für kirchliche Dienste oder der Förderung, Begleitung und Unterstützung kirchlicher Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu befassen haben. Denn eine Zusammenschau dessen, was heute «schon» möglich ist wie auch das Festhalten dessen, was Not tut, kann herausfordern und Mut machen, mit beharrlicher Geduld von grossen Schritten zu träumen und selber nächste kleine Schritte zu wagen.

Robert Knüsel-Glanzmann


Das Konklave

 

Alberto Melloni, Das Konklave. Die Papstwahl in Geschichte und Gegenwart. Aus dem Italienischen übersetzt von Georg Scheuermann, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2002, 216 Seiten.

Alberto Melloni ist Professor der Universität Modena und zugleich Direktor des Instituts «Fondazione per le scienze religiose Giovanni XXIII» in Bologna. Das Papstwahlbuch ist ein reines Geschichtsbuch und als solches ein sehr interessantes und sorgfältig gearbeitetes. Für ein künftiges Konklave bietet diese Arbeit erschöpfende Auskunft über den Ablauf dieser Versammlung in Geschichte und Gegenwart. Wer aber Spekulationen sucht, wie der künftige Papst heissen könnte, kommt hier nicht auf die Rechnung. Als Institutionsgeschichte hat dieses Buch hohe Qualität. Seit Beginn der Institution Konklave werden hier alle Erneuerungen und Veränderungen behandelt, besonders eingehend die neuesten Bestimmungen Pauls VI. und Johannes Pauls II.

Leo Ettlin


Protagonisten der Freiheit

 

Klaus Fitschen, Was ist Freiheit? Liberale und demokratische Potentiale im Katholizismus 1789­1848, (Reihe: Forum Theologische Literaturzeitung), Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2001, 172 Seiten.

Der Freiheitsbegriff beschäftigt den Katholizismus seit der Französischen Revolution. Ausgangspunkt war die Einführung der «Zivilkonstitution des Klerus» vom 12. Juli 1790 mit weit reichenden Demokratisierungstendenzen für die französische Kirche. Rom verwarf 1791 diese Reformen. Die Kirche ging in der Folge in den Untergrund und war auch ohne Integration in den Staatsaufbau lebensfähig. Ein Teil der Kirche versuchte jedoch weiterhin, im revolutionären Prozess integriert zu bleiben. Napoleon vermittelte später zwischen den unterschiedlichen Interessen und machte die Kirche dadurch für die Stabilisierung der eigenen Herrschaft nutzbar.
In Deutschland wurde die Frage nach der Freiheit nicht in erster Linie als Forderung der Freiheit des Individuums gesehen, sondern als korporative Freiheit.
In der Zeit zwischen 1789 und 1848 ragen drei Protagonisten der Freiheit mit je unterschiedlichen Vorstellungen hervor: Wessenberg, Lamennais und Görres. Sie versuchten die Gesellschaft mit ihren Ideen zu prägen.
Ignaz von Wessenberg vertraute voll dem josephinistisch geprägten Staat und setzte dem aufkommenden Ultramontanismus Roms ein Nein entgegen. Sein Ideal war die Freiheit in der Kirche.
Félicité de Lamennais sah die düstere Situation der Kirche im nachrevolutionären Frankreich. Die Autorität der Kirche war für ihn die notwendige Basis des religiösen Glaubens. Daher propagierte er die Monarchie und qualifizierte die auf der Volkssouveränität basierende Demokratie als Auswuchs des Despotismus.
Josef Görres jedoch sah in der Freiheit der Kirche vom Staat die Grundlage jeder Freiheit. Sein Freiheitsbegriff war korporativ. Das «Kölner Ereignis», das heisst die Verhaftung des Kölner Erzbischofs Clemens August Droste zu Vischering 1837 durch die preussische Staatsmacht, stärkte das durch die Säkularisation am Anfang des 19. Jahrhunderts schwer erschütterte Selbstbewusstsein der Gläubigen. Dadurch wurde der Aufbau des deutschen Katholizismus in der Revolution von 1848 ermöglicht. Den Bischöfen gelang es damals, die Freiheitswünsche der Katholiken auf die Kirchenfreiheit zu richten. Wessenbergs Vorstellungen wurden innerhalb der Kirche marginalisiert. Dennoch blieb das alte Staatskirchentum in Südwestdeutschland, in Preussen und in der Schweiz (Badener Artikel 1834, Augustin Keller, Kulturkampf und Christkatholizismus) noch einige Jahrzehnte lebendig. Die Entwicklung verlief dann aber in der Richtung der korporativen Kirchenfreiheit.
Der Verfasser der anregenden Studie stellt dann am Schluss seiner Arbeit die (freilich hypothetische) Frage, ob sich die Kirche in Deutschland nach 1848 entschiedener mit der Demokratie identifiziert hätte, falls aus der Revolution ein demokratisch verfasster Staat hervorgegangen wäre.

Alois Steiner


Werktagsgottesdienste

 

Heribert Feifel (Hrsg.), Gott ruft sein Volk zusammen. Werktagsgottesdienste für alle Tage im Jahreskreis (Woche 1­17), Schwabenverlag, Ostfildern 2001, 239 Seiten.

Gottesdienste an Wochentagen stehen ganz unter dem Zeichen der Freiwilligkeit. Kein Kirchengebot verpflichtet zu ihrer Mitfeier. Es ist wirklich die reine Freude, den Dienst Gottes an den Menschen zu erleben und zu feiern, die Frauen und auch Männer an einem Tag unter der Arbeitswoche zusammenführt.
Die Feier des Wortes Gottes ­ in der Eucharistie oder als eigenständiger Gottesdienst ­ will vorbereitet sein. Sorgfältige Anregung und Hilfe bietet das Buch «Gott ruft sein Volk zusammen». Für die Wochentage, auf die kein Heiligengedächtnis fällt, enthält es Begrüssung und Einführung, Tagesgebet (manchmal aus der reichen Auswahl des Messbuches), Fürbitten, einen Liedvorschlag (nach dem GL) und einen Segenswunsch. Eine prägende Aussage des Tagesevangeliums zieht sich wie ein Leitmotiv durch die Gestaltungselemente.
Weil die Vorsteher der Eucharistiefeiern sowie die Frauen und Männer, die Wortgottesdienste gestalten und durchführen, durch viele und anspruchsvolle Aufgaben gefordert werden, sind sie dankbar für diese Modelle, die von mehreren Priestern, einer Pastoralreferentin und einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin ausgearbeitet worden sind.
Lesenswert ist der mitgedruckte Artikel «Wort-Gottesdienst oder Wort Gottes-Dienst» von Eduard Nagel, dem Chefredaktor der Zeitschrift «Gottesdienst». Er soll immer wieder neu überdacht werden.

Jakob Bernet


Fürbitten

 

Eduard Nagel, Das neue Fürbittbuch. Lesejahr B. Fürbitten für die Sonn- und Feiertage, (Pastoralliturgische Reihe in Verbindung mit der Zeitschrift «Gottesdienst». Herausgegeben vom Deutschen Liturgischen Institut Trier), Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2002, 165 S.

Eduard Nagel, der Schriftleiter der Zeitschrift «Gottesdienst», sammelt die Einleitungen und Fürbitten seiner Zeitschrift jeweils in einem Band für ein bestimmtes Lesejahr. Diese sonntäglichen Einführungen stammen also aus bewährter Feder. Wer an ihnen arbeitet und sie nicht einfach mechanisch fotokopiert, sondern sie für seinen Pfarrgottesdienst adaptiert, wird viel lernen für seine Liturgiegestaltung und auch für den Umgang mit der Sprache im Gottesdienst.

Leo Ettlin


Zur Bibel

 

Pat und David Alexander (Hrsg.), Das grosse Handbuch zur Bibel, Brockhaus Verlag / Verlag Katholisches Bibelwerk / Tyrolia Verlag, Wuppertal / Stuttgart / Innsbruck 2001, 812 Seiten.

Das Grosse Handbuch zur Bibel soll die Schriftlesung begleiten, am besten wenn man es abschnittsweise parallel zur Bibel liest. Der Leser findet da eine Fülle von Informationen, die aus verschiedenen Nachschlagewerken zusammengetragen sind, nicht nur Abhandlungen, sondern auch eine reiche Fülle mit Kompetenz ausgewählter Abbildungen, Karten und Grafiken. Hier ergänzen sich Text und Bild gegenseitig. Die Beiträge sind leicht lesbar, ohne dabei zu vereinfachen. Fachbegriffe sind bewusst auf das Minimum reduziert. Die erste Auflage dieses international verbreiteten Werkes (28 Sprachen, Gesamtauflage über 3 Millionen) erschien 1973 und wurde immer wieder überarbeitet. Es handelt sich hier um ein gediegenes und sehr instruktives Hilfswerk, das Profis und exegetische Laien zufriedenstellt.

Leo Ettlin


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2002