45/2002 | |
INHALT | |
Bücher |
Jürgen Tinat, LektorenDienst. Einführungen in die Lesungen der Sonntage, Feste und Hochfeste A/B/C. Mit einer Einleitung von Guido Fuchs, Reihe Konkrete Liturgie, Friedrich Pustet Verlag, Regensburg 2001, 280 Seiten.
Wohl die meisten Gottesdienstbesucher fühlen sich desorientiert und überfordert, wenn man ihnen nach der Oration eine Lesung aus dem Alten oder Neuen Testament vorträgt. Die Lesung hat für sie keinen Zusammenhang, weder textgeschichtlich noch theologisch. Da drängt sich ein Einführung direkt auf. Sie soll aber kurz und prägnant sein. Man sollte nicht den heiligen Text zerreden und auch keine Zusatzpredigt halten. Das vorliegende Buch bietet Einführungen in die ersten und zweiten Lesungen, die gewöhnlich von Laien vorgetragen werden. Für die Evangelien drängt sich das weniger auf. Sehr oft wird in der allgemeinen Einleitung der Liturgiefeier der Grundgedanke des Evangeliums herangezogen, zum andern darf man dem Priester eine deutende Einführung zumuten, bevor er das Evangelium verliest.
Adrian Holderegger, Ethische Orientierung in der Politik. Grundsätzliches Programme Thesen, Universitätsverlag, Freiburg (Schweiz), 244 Seiten.
Adrian Holderegger, Professor für Theologische Ethik an der Universität
Freiburg, war 1986 bis 1997 Mitglied der CVP-Programmkommission und verschiedener
Fachkommissionen. Unter dem Titel «Ethische Orientierung in der Politik»
legt er hier Aufsätze und Thesen vor, die er in dieser Funktion verfasst
hat. Sie betreffen brisante und immer noch aktuelle Themen wie Gentechnologie,
künstliche Fortpflanzung, Atomkraft, Umweltpolitik usw. Es gelingt
dem Autor, auf kleinem Raum verständlich die relevanten ethischen Dimensionen
der behandelten Bereiche aufzuzeigen. Wer aus christlicher Verantwortung
heraus sich den politischen Herausforderungen stellen will, ist dankbar
für dieses Buch. Im Übrigen wäre es reizvoll, die vorliegenden
programmatischen Leitlinien mit dem politischen Alltag jener Partei zu vergleichen,
«die intensiv versucht hat jenseits allen Pragmatismus'
ihre politische Identität in der Auseinandersetzung mit ihren Fundamenten
zu gewinnen» (Klappentext).
Das Buch wäre ohne seine ersten 113 Seiten noch empfehlenswerter. Denn
der einleitende Beitrag (798) stammt aus dem Jahre 1980 und ist überdies
in einer nicht eben leichten Fachsprache verfasst. Er stellt die Grundlinien
der christlichen Sozialethik, der Politischen Theologie und der Theologie
der Befreiung vor. Gerade auf dem Gebiet der Befreiungstheologie hat sich
seither doch einiges getan. Erst recht von der Entwicklung überholt
ist der bereits 1991 geschriebene Beitrag zur Integration Osteuropas im
«alten Europa» (99113). Die hier ausgedrückte Befürchtung,
die ehemals staatskapitalistischen Wirtschaften könnten «in einen
kruden Kapitalismus» abgleiten und die «ökonomische Würde»
der Menschen verletzen, ist vielerorts längst Wirklichkeit geworden.