44/2002

INHALT

Bücher

Muslimische Präsenz ­ auch in der Schule

 

Barbara Huber-Rudolf, Muslimische Kinder im Kindergarten. Eine Praxishilfe für alltägliche Begegnungen, Kösel Verlag. München 2002, 109 Seiten.

Kindergärten in Deutschland stehen meist in kirchlicher Verantwortung. Deshalb ist die Präsenz von muslimischen Kindern keine Seltenheit. Dies ist in der Schweiz nicht der Fall. Die Handreichung wird aber hier vorgestellt, weil die Informationen und Anregungen auch für die untere Primarschulstufe Gültigkeit haben. Sie richtet sich in erster Linie nicht an Katechetinnen und Katecheten, sondern an Lehrerinnen und Lehrer. Sie ist aber hilfreich für alle, die in der Katechese oder in der Jugendarbeit, in der oft auch muslimische Kinder anzutreffen sind, tätig sind.
Die Praxishilfe gliedert sich in drei Teile: die religiöse Sozialisation in der Begegnung mit Muslimen, die Projektbeschreibung und die Anregungen für die Praxis. Sie geht somit von praktischen Erfahrungen aus, die kommentiert und als Anregungen weitergegeben werden. Vor allem der 3. Teil weist auf Verhaltensnormen hin, die im Umgang mit Muslimen, auch mit muslimischen Kindern, wichtig sind. Dabei werden die Erkenntnisziele formuliert und Anregungen für das Gespräch und dessen Vorbereitung und Durchführung vorgestellt. In diesem Teil sind auch die Hintergrundinformationen, die in verständlicher Sprache geschrieben sind, enthalten. Wichtig ist der Autorin, dass immer auch die Eltern in die Gespräche und Begegnungen einbezogen werden.
Die vorliegende Praxishilfe vermittelt in klarer Form eine Fülle von Basisinformationen über den Islam, vor allem auch über den Islam in Europa. Sie enthält auch überraschende Vorschläge. Die farbigen Illustrationen zeigen Szenen aus dem Alltag von Muslimen oder sind Hinweise auf die islamische Kultur im Vorderen Orient.
Dr. Barbara Huber-Rudolf ist Absolventin des Päpstlichen Instituts für Islamstudien PISAI und war während längerer Zeit zudem Dozentin an diesem Institut. Heute ist sie Geschäftsführerin von CIBEDO (Christlich-islamische Begegnung ­ Dokumentationsstelle), einer Fachstelle der Deutschen Bischofskonferenz mit Sitz in Frankfurt.

Urs Köppel


Islam

 

Georg Schmid, Problemfall Islam, Friedensreligion oder Gefahr für den Weltfrieden? Paulusverlag, Freiburg Schweiz 2002, 136 Seiten.

Nach den vorläufigen Ergebnissen der Volkszählung 2000 leben gegenwärtig etwa 310000 Muslime in der Schweiz. Aber nicht diese Präsenz ist der Anlass, dass das Thema «Islam» häufig in kontrovers geführten Diskussionen abgehandelt wird, die oft von Unkenntnis des Islam und von Schlagworten über die Muslime zeugen. Gerade die Frage nach dem Stellenwert des Islam gegenüber den anderen Religionen und Kulturen ist schwierig zu beantworten. Gottesstaat, Terrorismus, Unterdrückung der Frau bestimmen zunehmend unser Bild vom Islam und von den Muslimen.
In einer neuen Publikation «Problemfall Islam» geht der Zürcher Religionswissenschaftler Georg Schmid auf diese und weitere Themen ein: In sechs Kapiteln zeigt er jene Problemfelder auf, die heute aktuell sind. Zu jedem Kapitel fügt er einen Exkurs bei, der aus dem Leben Mohammeds auf die Fragestellung eingeht.
Aus diesen Ausführungen macht der Autor deutlich, dass viele Entwicklungen, die im Islam festzustellen sind, nicht auf den Koran oder auf Mohammed zurückgeführt werden können, auch wenn sich im Koran häufig gegensätzliche Aussagen finden. So lässt sich auch die Frage, ob der Islam eine Religion des Schwertes oder eine Religion des Friedens sei, nicht eindeutig aus dem Koran beantworten. Zwar gibt es auch dort die Gewalt, der allerdings deutliche Grenzen gezogen werden. Der Islamismus, der zum Schreckgespenst westlicher Demokratien geworden ist, hat seine Ursache in politischen, historischen und sozialen Entwicklungen, vor allem aber auch in der mangelnden Fähigkeit vieler führender Muslime, die eigene Tradition und Praxis kritisch zu betrachten. Der Autor scheut sich nicht, auf die Schwierigkeiten im Dialog, der für eine gemeinsame Zukunft unabdingbar ist, hinzuweisen.
Das Buch vermittelt das grosse Wissen des Autors und ist eine wertvolle Hilfe für die Begegnung mit Muslimen, weil es einerseits die anstehenden Probleme aufzeigt, andererseits aber auch auf Chancen des Dialogs hinweist.

Urs Köppel


Vom Reichtum biblischer Frauenleben

 

Anneliese Knippenkötter / Marie-Luise Langwald (Hrsg.), FrauenGottesDienste. Modelle und Materialien. Band 12: Biblische Frauen, Schwabenverlag/Klens Verlag, Ostfildern/Düsseldorf 2002, 86 Seiten.

«Frauen haben sich auf Entdeckungsreise begeben: Sie halten Ausschau nach Frauen in der Bibel. Frauen ziehen die Decke weg, die über mancher Frau aus der Bibel gelegen hat und ent-decken so Frauen neu...» So gibt dieses Periodikum die Richtung an, von der her die fertig ausgearbeiteten Gottesdienstmodelle (Eucharistiefeiern und Wortgottesfeiern) wie auch die Materialien und Anregungen verstanden werden wollen. Erfrischend wirkt die Vertrautheit mit biblischen Personen und Aussagen. Die Modelle sind solid ausgearbeitet. In ihrer Direktheit sprechen sie unmittelbar an. Eine Wortgottesfeier über Hagar bietet die Basis für eine gemeinsame Feier mit jüdischen und muslimischen Frauen und macht so ernst mit der abrahamitischen Ökumene.
Im Anhang bietet die «Werkstatt Gottesdienst» Impulse, die unabhängig vom Thema dieses Heftes sind, aber die Arbeit von Frauen in der Liturgiegestaltung betreffen.
Von Klemens Richter, Professor für Liturgiewissenschaft, stammt unter «Stichwort Liturgie» ein Text über frauengerechte Sprache in der Liturgie.

Jakob Bernet


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2002