40/2002 | |
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Bücher |
Arnold Benz/Samuel Vollenweider, Würfelt Gott? Ein ausserirdisches Gespräch zwischen Physik und Theologie, Patmos Verlag, Düsseldorf 2000, 280 Seiten.
«Sie haben ein ungewöhnliches Buch in den Händen.»
Mit diesen Worten empfangen die Autoren ihre Leserinnen und Leser im Vorwort.
Zu Recht, denn eine Raumfahrt zum Planeten Saturn im Jahre 2021 ist alles
andere als gewöhnlich. Dass sich damit ein ernstes Gespräch zwischen
Physik und Theologie verbindet, erhöht den ungewöhnlichen Charakter.
Das Spannungsfeld der unterschiedlichen Sprachen von Physik und Theologie
ist als wichtiges Element des Inhalts allgegenwärtig. Allein schon
der Name des Raumschiffes HTM/Hermes weist darauf hin: Für die einen
erinnert der Name an Hermes TrisMegistos, den Götterboten der griechischen
Mythologie, für die anderen ist es Human Transfer Modul (Menschliches
Beförderungsmodul). Solche doppelsinnige Kürzel, die Mythologie
und Wissenschaft verbinden, unterstreichen, was die beiden im Hauptraumschiff
verbliebenen Astronauten, ein Naturwissenschaftler und ein Theologe, diskutieren:
Probleme, die sich heute der Theologie stellen auf dem Hintergrund und im
Gespräch mit der modernen Naturwissenschaft. Die Dialoge werden bereichert
durch Nachtbuch-Aufzeichnungen, Kartengrüsse aus dem All, Stellungnahmen
aus der irdischen Fachwelt. Aus kompetenter Quelle erhält die Leserin/der
Leser Einblicke in die Forschungsergebnisse der heutigen Naturwissenschaft.
Bei der gewählten Darstellungsform des Dialogs fällt wohltuend
auf, dass die beiden Dialogpartner nicht nur reden, sondern offensichtlich
auch aufeinander hören. Jeder trägt seine fachspezifische Sicht
bei: Der Naturwissenschaftler gibt Erklärungen aufgrund der neuesten
Erkenntnisse der Naturwissenschaft und die Leserin/der Leser weiss
ihm Dank dafür, dass er sich um eine auch dem Nichtphysiker verständliche
Sprache bemüht; der Theologe gibt die theologische Sicht mit Ausblicken
auf die abendländische und östliche Geistes- und Religionsgeschichte.
Die Sprache der Naturwissenschaft ist geprägt durch die messbaren und
überprüfbaren Ergebnisse der Forschung, während jene der
Theologie, durch menschliche innere Erfahrungen und Deutungen geprägt,
eine andere Dimension von Wirklichkeit erschliesst. Als verbindendes Element
erleben die Astronauten das Staunen, sind aber auch auf der Suche nach gültigen
Analogien, Metaphern und Bildern, um dem Unsagbaren sprachlichen Ausdruck
zu geben. Immer wieder leuchtet das Ostergeheimnis als Deutungsmuster auf.
Das Ende im chaotischen Zerbrechen des Karfreitags wird zum Entstehen neuer,
ungeahnter Lebensfülle.
Themen wie der Anfang des Universums, die Erhaltung des Universums (creatio
continua), die kosmische Dimension des Christusbildes, das Leben in seiner
Entfaltung und seinem Vergehen, das Gottesbild in seiner überragenden
Grösse und in der Selbstbeschränkung Gottes, die Zukunft des Universums
kommen zur Sprache. Der Verzicht auf Patentrezepte unterstreicht das Suchen
im geduldigen Gespräch und nimmt die Leserin/den Leser nicht nur auf
die spannende Saturnmission mit, sondern bezieht sie/ihn ein in diesen Suchprozess.
Das Gespräch, das bezeichnender Weise am Ostertag beginnt, spitzt sich
dramatisch zu gegen Pfingsten. Das Aufklärungsraumschiff, das sich
mit fünf Astronauten an Bord auf den Saturn-Mond Titan abgesetzt hatte,
gerät in bedrohliche Schwierigkeiten. Die beiden Astronauten des Mutterraumschiffes
müssen ihren Dialog über die Eschatologie abbrechen, um mit dem
zweiten Landungsgefährt eine Rettungsaktion durchzuführen. Das
Gefährt trägt den Namen Emergency Lander and Prospector for Icemoon
Studies (elpís = Hoffnung). Dank Elpis stossen die beiden Astronauten
des Mutterschiffs zur Besatzung in Not vor. Ein dreifaches GERETTET schliesst
das Buch und hält die Zukunft offen.
Die Lektüre des Buches ist zugleich anspruchsvoll und spannend; zeigt
nicht nur Probleme auf, sondern weist auch auf Lösungsansätze
hin.
Wer sich als glaubender Mensch den Spannungen zwischen Glauben und moderner
Naturwissenschaft stellt; wer als Naturwissenschaftler zu glauben sucht,
wer als Theologe um eine Sprache bemüht ist, die dem heutigen durch
die Naturwissenschaft geprägten Menschen entsprechen kann, dem ist
dringend zu empfehlen, sich durch die Lektüre des Buches auf die Saturnexpedition
von 2021 mitnehmen zu lassen.
Juan-Peter Miranda, Kleine Einführung in das Alte Testament, Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2001, 144 Seiten.
Viele Menschen entdecken heute das Alte Testament oft auch Erstes Testament genannt neu. Sie finden darin spirituelle Impulse und praktisch-ethische Weisungen. Um diesem starken Interesse an den oft vergessenen Wurzeln des Christentums entgegenzukommen, ist diese gestraffte, aber leicht lesbare Publikation erschienen. Der Autor betreut den «Fernkurs Bibel» beim Katholischen Bibelwerk Stuttgart. Er kennt die heutigen Leserbedürfnisse und berücksichtigt den aktuellen Informationsstand. Dabei kann natürlich nicht eine erschöpfende Darstellung des Ersten Testaments mit aller Problematik geboten werden. Aber Juan-Peter Miranda bietet eine solide Grundlage. Mit den Literaturangaben weist er auch den Weg zur Vertiefung.
Daniel Kosch, Brigitte Schäfer, Claudia Zanetti, Jesus im Alltag begegnen. Lebenssinn und Lebensstil nach Lukas, (Werkstatt Bibel, Band 1. Herausgegeben von der Bibelpastoralen Arbeitsstelle SKB Zürich), Verlag Katholisches Bibelwerk Stuttgart 2001, 80 Seiten.
«Jesus im Alltag begegnen» ist der Titel des ersten Bandes einer neuen, vom Schweizerischen Katholischen Bibelwerk herausgegebenen Publikationsreihe mit dem Namen «Werkstatt Bibel». Diese Werkstatt will einfach, kreativ und praxisnah die Bibelarbeit vor Ort unterstützen. Die Reihe «Werkstatt Bibel» soll zweimal im Jahr erscheinen. Das erste Bändchen ist Lukas, dem Evangelisten des Alltags, gewidmet. Gerade seine Jesuserzählungen wollen darauf aufmerksam machen, dass wir in jeder Situation Gottes Gegenwart entdecken, aber auch verpassen können. Die Reihe hat mit dieser Erstpublikation einen guten Start.
Jörg Seip, Einander die Wahrheit hinüberreichen. Kriteriologische Verhältnisbestimmung von Literatur und Verkündigung, Würzburg (Echter) 2002 (Studien zur Theologie und Praxis der Seelsorge, Band 48), 449 Seiten.
Das Feld von Theologie und Literatur ist in den letzten 20 Jahren von
verschiedener Seite auch innerhalb der Theologie bearbeitet worden. Religionspädagogik,
Ethik, Fundamentaltheologie und nicht zuletzt auch die Homiletik nutzen
die Chance, in der Literatur nicht nur Zeugnisse zeitgenössischer Kultur,
sondern auch eine kompetente Sprachlehrerin zu finden. Gerade für die
Predigt findet sich in der Literatur sowohl eine unerschöpfliche Quelle
an Themen und Hinweisen auf die heutige Erfahrungswelt der Menschen als
auch literarische Formen für einen sensibleren Umgang mit Sprache.
Nicht um Predigt mit, sondern Predigt als Literatur geht es Jörg Seip
in seiner als Fundamentalhomiletik zu verstehenden Dissertation, die von
Professor Erich Garhammer begleitet wurde.
Nach einer sprachlich originell verfassten Einleitung (Teil A) mit den vier
Zugängen «Das Feld», «Die Zeit», «Der
Weg» und «Das Motiv» definiert der Autor in Teil B Begriffe
und Verhältnis von Verkündigung und Literatur anhand von drei
pragmatischen Querschnitten aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert sowie mit
lehramtlichen Texten zum Verhältnis beider.
In Teil C werden im Besonderen die Begriffe der Fiktionalität und der
Offenbarung in den Blick genommen. «Das Fiktionale wird schliesslich
in der biblischen Offenbarung als deren literarische Eigenschaft ausgemacht»
(10), wodurch der Offenbarungsbegriff selbst auf eine Fortschreibung durch
die Verkündigung geöffnet wird.
In Teil D schliesslich werden die bisherigen Erörterungen auf die Predigtpraxis
hin gebündelt, mit dem Schwerpunkt auf der Predigt als literarischem
Text. Predigt als Rede, der Prediger/die Predigerin selbst, Predigt als
kommunikative Handlung und als Sprechakt werden höchstens gestreift.
Auch der Ort der Predigt im Rahmen des Gottesdienstes wird nicht eigens
behandelt. Die konkreten Hinweise für die Predigtpraxis fasst Seip
in griffige Thesen.
Ein erster Blick in das umfangreiche Werk zeigt eine fundierte Auseinandersetzung
mit der historischen Diskussion um Literatur und Theologie (der Streit zwischen
Lessing und Johann Melchior Goeze im 18. Jh., der «katholische Literaturstreit»
im 19. Jh.). Der aus der Literaturwissenschaft gewonnene Begriff der Fiktion
gibt der Predigt schon in ihrer Form die Chance, die theologische Wirklichkeit
des Reiches Gottes als eine die unmittelbare Erfahrungswelt überschreitende
Möglichkeit darzustellen. Da diese literarische Form auch die Rezeption
durch Hörerinnen und Hörer mit einbezieht, kann die Predigt als
wohltuend «offenes Kunstwerk» (Umberto Eco) gestaltet werden.