38/2002 | |
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Bücher |
Mit dem Stichwort «Auferstehung» verbinden die meisten Menschen vermutlich zweierlei: die Auferstehung der Toten, verstanden als «ewiges Leben», und die Auferstehung Jesu am Ostermorgen. Ein neuer Sammelband, der lauter Beiträge von feministischen Theologinnen enthält, kritisiert, erweitert und vertieft dieses herkömmliche Auferstehungsverständnis und erschliesst neue, zum Teil ungewohnte und provozierende Aspekte dieses zentralen Begriffes<1>. Bezeichnend sind schon Titel und Untertitel: «Sich dem Leben in die Arme werfen. Auferstehungserfahrungen».
Der Titel knüpft an einen poetischen Text von Luzia Sutter Rehmann an: «Aufstehen und / mich dem Leben in die Arme werfen / nicht erst am jüngsten Tag, nicht erst, wenn es nichts mehr kostet und niemandem mehr wehtut....Uns erwartet das Leben. / Wann, wenn nicht jetzt?» (9). Um «Auferstehung» zur Sprache zu bringen, reichen Begriffe nicht aus mindestens so hilfreich sind Gedichte, Lieder und Erzählungen. Das wird nicht nur postuliert, sondern auch dokumentiert: Zwischen den einzelnen Aufsätzen stehen jeweils zwei Gedichte, ein Artikel befasst sich mit der Art, wie «Spirituals» vom Auf(er)stehen sprechen (Eske Wollrad), ein weiterer mit der «Schatztruhe voller Erfahrungen» in den Lebenserinnerungen von Marga Bührig, Elisabeth Moltmann-Wendel und Dorothee Sölle (Sabine Bieberstein).
Der Untertitel «Auferstehungserfahrungen» signalisiert, dass
«Auferstehung» nicht nur ein «theoretisch-theologisches»
Konzept ist, sondern mit Alltag, Praxis und Leben zu tun hat, was zugleich
ausschliesst, dass «Auferstehung» erst jenseits der Todesgrenze
stattfindet. Der Plural macht sichtbar, dass es sich um eine Vielfalt von
Erfahrungen handelt. Was Luzia Sutter Rehmann in Bezug auf die Bibel schreibt,
lässt sich aufgrund der Lektüre des Buches verallgemeinern: «ÐAuferstehungð
ist ein theologischer Begriff, der sich aus unzähligen biblischen Geschichten
zusammensetzt. Er ist gewoben aus Erfahrungen mit der Kraft Gottes, aus
Hoffnungen auf Gerechtigkeit und aus der Sehnsucht nach Frieden» (77).
Wie viele und verschiedenartige biblische und andere Geschichten von «Auferstehung»
die Bibel und die jüdisch-christliche Tradition erzählen und wie
eingeschränkt das eingangs erwähnte Auferstehungsverständnis
ist, zeigen insbesondere die Beiträge über die «vergessenen
Erfahrungen in der hebräischen Bibel» für das Alte Testament
(Sabine Bieberstein) und über die «Heilungserfahrungen im Neuen
Testament» (Ulrike Metternich), die ihren Artikel unter den prägnanten
Titel «Auferstehung ist ansteckend» gestellt hat und die These
aufstellt: «Jede Heilungsgeschichte ist eine Auferstehungsgeschichte
in nuce» (108).
Ohne die übrigen Beiträge damit abwerten zu wollen, sei besonders
auf den längsten und eindringlichsten Artikel hingewiesen. Er stammt
von der brasilianischen Befreiungstheologin Ivone Gebara und trägt
den Titel «Erinnerungen an Zärtlichkeit und Schmerz Auferstehung
vom Alltag des Lebens her denken». Sie geht aus von der Spannung zwischen
der Sterilität und Müdigkeit «bezüglich der traditionellen
theologischen Sprache» und dem Wunsch, im Zusammenhang mit dem Thema
Auferstehung, «den Durst nach Schönheit, nach Gerechtigkeit und
nach Zärtlichkeit (zu) wecken..., diesen Durst, der unserem Tiefsten
innewohnt, dem wir jedoch nicht immer erlauben, auf die Ebene unseres Bewusstseins
oder unserer Sinne aufzusteigen» (33).
Im Rückgriff auf die Erfahrungen und Erinnerungen der Jesusbewegung
kritisiert sie ein dogmatisches Auferstehungsverständnis, das aus der
«männlichen religiösen Gefangenschaft befreit» werden
muss. Die religiös und politisch Machthabenden verzweckten Auferstehung
«zu einem in der Person Jesu zentrierten Dogma», so dass sie
«schliesslich Ursache von Ausschluss und Verfolgung vieler Menschen
(wurde). Die Jesusbewegung dagegen gründete sich auf Werte, die fähig
waren, die Würde aller Ausgegrenzten zu garantieren. Dies schien der
existentielle Sinn der Auferstehung im alltäglichen Leben Jesu zu sein.
Dies bedeutet, dass Jesus die Auferstehung in seinem historischen Leben
erfahren hat....Diesen aktuellen Sinn der Auferstehung aufrechtzuerhalten,
scheint mir von fundamentaler Wichtigkeit» (38).
Damit erschliesst Ivone Gebara ein Verständnis von Auferstehung, das
«vom alltäglichen Leben... von den Ereignissen, die es ausmachen...von
unseren persönlichen und sozialen Beziehungen» ausgeht (45),
ohne die Auferstehungserfahrung zu «banalisieren» und «auf(zu)lösen
in einem begrenzten und vielleicht von der Konsumgesellschaft vulgarisierten
Alltag» (46). «Auferstehung muss ihren Charakter von qualitativer
Veränderung behalten, welche die menschlichen Beziehungen tief berührt
und sie zum besseren umgestaltet» (46). Sie erscheint deshalb «nicht
als Zustand, in den wir in Dauerhaftigkeit gelangen können. Sie ist
vielmehr ein zerbrechlicher Prozess, ein Moment, ein Augenblick mitten im
Leben. Sie kommt und geht. Daher haben wir grosse Schwierigkeit, ihre Dichte
zu erfassen» (47).
Der Schlussabschnitt ihres Artikels gilt der Frage «Und wenn der Alltag
kein Anzeichen von Auferstehung aufweist?». Diese ernste Frage beantwortet
sie nicht mit dem Hinweis auf die jenseitige Auferstehung und «das
Land ohne Leiden, das Glück ohne Ende», denn «das auferweckte
Leben umfasst Leben und Tod. Die Auferstehung ist nicht Leben ohne Tode.
Die Auferstehung Jesu ist nicht abgeschlossen und ebensowenig sein Tod»
(50f.). Vielmehr verweist sie auf die Tradition, die die Individuen als
Teil eines «kollektiven Körpers», der «Gemeinschaft
der Heiligen» versteht. «Diese alte Tradition wieder aufzunehmen,
sie in eine verständliche und zeitgemässe Sprache zu übersetzen,
kann revolutionär sein. Wir könnten dann mit mehr Überzeugung
unsere kollektive Verantwortung übernehmen für diesen Ðeinzigen
Körperð, der wir sind und der sich im Laufe der Jahrhunderte ständig
verwandelt. Wir könnten unsere Leben stärker für eine Dimensionen
der Solidarität zwischen allen verschiedenen Gruppen von Menschen öffnen
und glauben, dass wir Ðin Gott weilenð, Ðin Gott sindð,
Ðim Geheimnis lebenð, über die individualistischen Auseinandersetzungen
hinaus» (52).
Von diesem Auferstehungsverständnis her, das zugleich erfahrungsbezogen und theologisch, politisch und mystisch, individuell und überindividuell ist, erschliesst sich die Bedeutung der vielen biblischen und historischen Erinnerungen und Erzählungen, der poetischen Texte und der Begriffsbestimmungen (verdichtet im hilfreichen Glossar «Auferstehungsbegriffe von A bis Z» am Schluss des Buches), der Lieder und Gedichte des gesamten Buches: «Die Auferstehung ist noch nicht abgeschlossen, und es ist nötig, sie weiterzuführen. Die Gemeinschaft, die sich auf die Erinnerung an Jesus bezieht, ist eine Gemeinschaft in der Suche nach Auferstehung. Jesus wird zu einer Art gemeinsamem Bezugspunkt, gemeinsamer Sprache in der Vielfältigkeit der Ausdrucksformen von Auferstehung. Auferstehung ist ein Wort, das eine mannigfaltige Erfahrung von Ðguten Dingenð ausdrückt, von Ðgeteilten Hoffnungenð, von Dingen, die leben helfen. Es ist dabei unerlässlich, verschiedene Formen von Auferstehung zu ermöglichen, ohne dass eine als beste oder perfekteste Form betrachtet wird» (48).
Trotz der grossen Bereicherung, die dieses Buch für ein heutiges Auferstehungsverständnis (nicht nur von und für Frauen!) darstellt, sei abschliessend auf ein meines Erachtens doch gravierendes Defizit hingewiesen: Zu unserer Geistes- und Theologiegeschichte gehören die Aufklärung, die historische Kritik und die ganze Aufarbeitung des Themas «Entmythologisierung». Gerade das Auferstehungsverständnis ist davon fundamental betroffen. Und auch wenn zuzugestehen ist, dass vieles, was zu dieser modernen und kritischen Theologie gehört, als «patriarchal», einseitig rational, übermässig christozentrisch oder jesusfixiert und auch als erfahrungsfern kritisiert werden muss, bleibt doch festzuhalten: Die Aufklärung und die neuzeitliche Religionskritik haben Fragen aufgeworfen, hinter die kein Weg zurückführt und die auch nicht ohne Schaden umgangen oder ausgeklammert werden können. Diese fundamental-theologische Dimension wird von Luise Schottroff in ihrem Einleitungsbeitrag zwar angesprochen, aber nicht wirklich aufgearbeitet. Entsprechend kommen auch die «klassischen» Auferstehungstexte zu den Stichworten «leeres Grab» und «Ostererscheinungen» entschieden zu kurz. Das ist insofern schade, als ich das Buch ohne diese Lücke sowohl interessierten «Laien» als auch Theologinnen und Theologen uneingeschränkt als Pflichtlektüre und Kompendium feministischer Befreiungstheologie zum Thema «Auferstehung» empfehlen könnte.
Daniel Kosch, im Fach Exegese des Neuen Testaments promovierter Theologe, ist Geschäftsführer der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz.
1 Luzia Sutter Rehmann, Sabine Bieberstein und Ulrike Metternich (Hrsg.), Sich dem Leben in die Arme werfen. Auferstehungserfahrungen, Gütersloh 2002.
Vera Schauber und Hanns Michael Schindler, Bildlexikon der Heiligen, Seligen und Namenspatrone, Verlag Pattloch, Augsburg 1999, 806 S.
Das Bildlexikon der Heiligen präsentiert sich als ein gewichtiger Foliant. Dahinter steht eine Riesenarbeit der beiden Herausgeber Schauber und Schindler. 4000 Heilige werden im Text vorgestellt, 1500 Illustrationen zählt der Band, ein beträchtlicher Teil von ihnen sind in qualitativ guten Reproduktionen farbig wiedergegeben. Schon rein optisch ist es ein Buch, das zum Blättern und Verweilen einlädt. Der Begriff des «Heiligen» ist grosszügig angewandt, auch Wunschkandidaten für den Heiligenkalender werden vorzeitig heilig oder selig gesprochen, bisweilen auch etwas unkritisch. Die Kurzbiographien werden im Lexikonstil präsentiert, wobei für bedeutende Heilige auch weiter ausgeholt wird. Das Buch gibt auch Auskünfte über Patronate (Berufsgruppen, Krankheiten, Gebresten) und die speziellen Geräte, die den Heiligen erkennbar machen. Auf Quellen- und Literaturangaben wurde verzichtet schade!, aber begreiflich, wenn man die ungeheure Arbeitsleistung der Lexikographen bedenkt. Praktischen Wert hat im Anhang das Abkürzungsverzeichnis der Orden und Kongregationen es sind nicht wenige!
Nasr Hamid Abu Zaid, Ein Leben mit dem Islam. Erzählt von Navil Kermani. Aus dem Arabischen von Chérifa Magdi, Herder Spektrum, Freiburg i.Br. 1999, 223 Seiten.
Nasr Hamid Abu Zaid (1943) gehört zu den bedeutendsten islamischen Denkern der Gegenwart, und als solcher ist er in der islamischen Welt umstritten und zum Teil verketzert. Schliesslich emigrierte er nach Holland, wo er in Leyden eine Professur für Islamwissenschaft innehat. Sein Anliegen ist, den Koran für die Moderne zu öffnen. Dabei ist Abu Zaid kein «islamischer Aufklärer», sondern ein tiefgläubiger Moslem. Das anregend und flüssig geschriebene Buch kann als Einführung in die aktuelle Islamproblematik bestens empfohlen werden.
Eduard Nagel, Das neue Fürbittbuch. Lesejahr A. Fürbitten für die Sonn- und Feiertage. Pastoralliturgische Reihe in Verbindung mit der Zeitschrift «Gottesdienst». Herausgegeben vom Deutschen Liturgischen Institut Trier, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2001, 165 S.
Die Zeitschrift «Gottesdienst» ist eine begehrte Hilfe für die Liturgiegestaltung und ein permanenter liturgischer Fortbildungskurs. Die liturgischen Begleittexte Einleitung und Fürbitten sind stets sorgfältig redigiert und gehen diskret, ohne sich aufzudrängen, auf die Probleme der Gottesdienstbesucher ein. Aus dieser Zeitschrift hat der Redaktor Eduard Nagel die Einführungstexte und die Fürbitten für das Lesejahr A in einem Band zusammengestellt. Das ist eine wertvolle Hilfe für die Vorbereitung der Sonntagsliturgie.