33-34/2002 | |
INHALT | |
Bücher |
Doris Kellerhans, Lukrezia Seiler, Christine Stuber, Zeichen der Hoffnung. Schwesterngemeinschaft unterwegs, Friedrich Reinhardt Verlag, Basel 2002, 247 Seiten.
Das Diakonissenhaus Riehen feiert vom 13.22. September 2002 eine
Festwoche zum 150-jährigen Bestehen der Gemeinschaft. Zu diesem Anlass
hat es ein Buch veröffentlicht, in dem drei Autorinnen und ein Autor
dem Wesen, dem Weg und dem Wirken der Diakonissengemeinschaft nachgehen.
Das vom Fotografen Peter Jesse-Clemann, Basel, reich bebilderte Buch ist
ein Stück lebendige Zeit-, Kirchen- und Frauengeschichte.
Lukrezia Seiler, Journalistin und Publizistin, betitelt den ersten Teil
mit «Frauenbild und Frauenbilder» und erstellt darin Lebensbilder
von verschiedenen Diakonissen durch die 150 Jahre des Bestehens der Gemeinschaft
bis zu den Schwestern, die heute in der Ordens-ausbildung stehen. Im zweiten
Teil geht Schwester Doris Kellerhans, Theologin und seit 1986 Oberin des
Werks, der Lebensform der Diakonissen im Wandel der Zeit nach. Sie bettet
die Diakonissen-gemeinschaft kirchengeschichtlich ein, fragt nach den biblischen
Wurzeln kommunitären Lebens, geht dem Gemeinschaftsgedanken im Pietismus
und seinem Einfluss auf die Gründung von Riehen nach, zeigt die Bedeutung
der Lebensgemeinschaft und ihren Ausdrucksformen im Verlauf von 150 Jahren
auf. Im dritten Teil greift dieselbe Autorin Formen des geistlichen und
gottesdienstlichen Lebens im Wandel der Zeit auf. Christine Stuber, Dr.
theol. und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut d'Histoire de la
Réformation der Universität Genf, behandelt im vierten Teil
das Diakonieverständnis im Wandel der Zeit. In diesem Teil wird vor
allem ersichtlich, wie das Diakoniewerk immer neu sich den Herausforderungen
der Zeit zu stellen vermochte und vermag. In einem letzten kurzen Teil be-schreibt
Michael Raith, der Gemeindepräsident von Riehen, das Diakonissenhaus
Riehen in seiner lokalen Bedeutung.
Die Schwesterngemeinschaft entstand aus einer breiten Bewegung im 19. Jahrhundert,
die die Liebe Gottes durch tätige Nächstenliebe bezeugen und in
Menschen neu den Glauben wecken wollte. Der Kirchenratspräsident der
Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt, Dr. Georg Vischer, sagt im
Vorwort: «Sie war Ausdruck der brennenden Sehnsucht nach dem Gottesreich,
dessen Kommen auf dem Weg der rückhaltlosen Nachfolge Jesu gefördert
werden sollte.» In der Gestaltung dieser Nachfolge knüpfte die
Diakoniebewegung an die grosse Ordenstradition an, um sich im Leben nach
den evangelischen Räten völlig verfügbar zu machen für
den Dienst am Menschen. Heute nimmt die Schwesterngemeinschaft ohne Scheu
auch das spirituelle und kontemplative Erbe der Ordenstradition auf. Das
Buch stellt überzeugend dar, dass religiöse Kommunitäten
nicht der Vergangenheit angehören, sondern auch heute einen wesentlichen
Beitrag in Kirche und Gesellschaft leisten.
Othmar Keel und Silvia Schroer, Schöpfung. Biblische Theologien im Kontext altorientalischer Religionen, Verlag Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen, und Universitätsverlag, Freiburg/Schweiz 2002, 336 Seiten.
Die «Fribourger Schule» zeichnet sich dadurch aus, dass sie
im Gefolge von Othmar Keel die Welt der altorientalischen Bildsymbolik bei
der methodischen Erschliessung von Texten des Ersten Testaments in ihren
Überlegungen und möglichen Deutungen berücksichtigt. Dies
ist auch im vorliegenden, hier anzuzeigenden Band der Fall, wo sich der
Lehrer (Othmar Keel) und seine Schülerin (Silvia Schroer) als Repräsentanten
zweier theologischer Generationen anschickten, in einem mehrere Phasen umfassenden
Schreibvorgang eine Schöpfungstheologie der Hebräischen Bibel
im Kontext der altorientalischen Religionsgeschichte und Ikonographie zu
entwickeln. Wer bis anhin Gerhard von Rad und seinen Adepten gefolgt ist,
hat das so genannte Alte Testament vor allem als Sammlung von Glaubenszeugnissen
Israels verstanden, die auf die göttlich geführte Geschichte und
also letztlich auf Gottes Offenbarung bezogen sind. Bei dieser Betrachtungsweise
nimmt die Exodustradition eine primäre Stellung ein. Auch wenn die
zahlenmässig kleine Exodusgruppe für die Entstehung der JHWH-Religion
nicht zu unterschätzende Anstösse gab, macht das vorliegende Buch
mit seinen zum Teil erstmalig publizierten Abbildungen aus der Umwelt Israels
deutlich, dass die Schöpfungstraditionen im Ersten Testament in einem
auf mehrere Etappen aufgeteilten, von der Exodustradition weitgehend unabhängigen
Weg der Auseinandersetzung mit den verschiedensten Kulten entstanden sind.
Sie haben so ihren eigenständigen Anteil bei der Herausbildung des
Monotheismus in der JHWH-Religion. Dies hat Israel dann geholfen, sich auf
seine eigenen geschichtlichen Erfahrungen zurückzubesinnen und zu versuchen,
aktuell Erlebtes in den JHWH-Glauben einzuordnen. Ein eindrückliches
Beispiel dieses Reflexionsprozesses ist die Historisierung der kanaanäischen
Schöpfungsfeste. Weitere, näher untersuchte Texte im Buch sind
unter anderem Genesis 2, Psalm 104 (und die ägyptischen Sonnenhymnen),
die Gottesreden von Hiob 3841 und nachexilische Literatur.
Diese Publikation kann auch als weiterführender Beitrag zu einer Biblischen
Theologie verstanden werden, die sich durch die Aktualität des Themas
«Schöpfung» herausgefordert sieht.
Hans Halter (Hrsg.), Ketzer und Sekten einst und heute. Toleranz und ihre Grenzen in Kirche, Gesellschaft und Staat, Maihofverlag, Luzern 2002, 76 Seiten.
In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstand im Gebiet RuswilWerthenstein
eine von kirchlichen und staatlichen Amtspersonen unabhängige Frömmigkeitsbewegung.
Der Kleinbauer Jakob Schmidlin leitete Gebetsversammlungen und Bibelstunden,
ohne den herkömmlichen Gottesdienst zu vernachlässigen. Ende 1746
wurde er mit weiteren Mitgliedern der Gebetsbewegung zum zweiten Mal verhaftet
und über längere Zeit, teilweise unter Folter, verhört. Weil
ihm von kirchlicher Seite Häresie vorgeworfen wurde, verurteilte ihn
der Luzerner Rat zum Tod durch Erwürgen und anschliessender Verbrennung;
sein Wohnhaus auf dem Heimwesen Sulzig ob Werthenstein Jakob Schmidlin
wurde deshalb Sulzjoggeli genannt wurde zerstört. Über 80
weitere Angeklagte wurden verbannt oder mit Haft und Galeere bestraft.
Vor drei Jahren rief das auf Sulzig aufgeführte Schauspiel «Der
letzte Ketzer» das Schicksal des 1747 als Ketzer hingerichteten Jakob
Schmidlin eindrücklich in Erinnerung. Eine Vortragsreihe des Instituts
für Sozialethik der Universität Luzern ging anschliessend der
Frage nach, wie Querdenker als Ketzer und Sektierer gestern und heute beurteilt
und bekämpft wurden und noch werden. Die Beiträge dieser Vortragsreihe
wurden überarbeitet und liegen jetzt in einer Broschüre gedruckt
vor.
Im ersten historischen Aufsatz stellt Anton Schwingruber den konkreten Fall
Sulzjoggeli dar; im zweiten Aufsatz skizziert Markus Ries den Umgang von
Kirche und Staat mit Ketzern im Lauf der Zeit. Die systematischen Aufsätze
befassen sich mit verschiedenen Aspekten der Toleranz bzw. des Menschenrechts
auf Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit. Der Theologe Wolfgang
Müller überlegt: Gilt die Bekenntnisfreiheit auch innerhalb der
Kirche? Der Staatsrechtler Ulrich Zimmerli setzt sich mit der Frage auseinander:
Wie viele Ketzer und Sektierer erträgt der Rechtsstaat? Die Wissenschaftsphilosophin
Helga Nowotny antwortet auf die Frage: Gibt es auch in Wissenschaft, Politik
und Kultur Ketzer? Abschliessend bedenkt der theologische Ethiker Hans Halter
Möglichkeiten und Grenzen der Toleranzidee im 21. Jahrhundert.
Peter Seewald, Die Schule der Mönche. Inspirationen für unseren Alltag, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2001, 236 Seiten.
Peter Seewald ist ein Kultur- und Literaturjournalist und zugleich ein erfolgreicher Bücherautor. Er recherchiert eifrig und kann aus dem Schatz seiner umfassenden Bildung seinem Thema eine besondere Note verleihen. Das sind gute Voraussetzungen für sein Buch über die Mönche Benedikts. Seewald hat die Mönche in ihren Klöstern besucht, mit ihnen längere Zeit gelebt und in vielen Gesprächen ihre Weltanschauung und ihr Glaubensleben erforscht. Die Informationen sind zahlreich. Seewald geht aber mit ihnen kritisch um und konfrontiert mit ihnen auch unsere moderne hektische Lebensweise.
Alexander Bayer (Hrsg.), Nacht-Wandler. Abendgesänge, Schwabenverlag, Ostfildern 2001, 330 S.
Aus einer gesungenen Komplet auf dem Michaelsberg bei Cleebronn entstand eine Serie von Veranstaltungen mit Leuten aus verschiedenen Lebens- und Schicksalszusammenhängen. Daraus wuchs das Projekt «Entzüklika». Es bietet Gesänge zum Kirchenjahr und vielen weiteren aktuellen Anlässen. In vielen Kirchen ist dieses Liederbuch ein Bestandteil eines spirituellen Programms geworden. Im Buch «Nacht-Wandler» sind alle 330 Lieder mit Noten versehen.