16/2002

INHALT

Bücher

Nachbarschaftsreligion Islam

 

Monika und Udo Tworuschka, Der Koran und seine umstrittenenen Aussagen, Patmos Verlag, Düsseldorf 2002, 130 S.

Der Koran ist für Christen immer noch ein weitgehend unbekanntes Buch, wie der Islam ­ in der Schweiz und den meisten westlichen Ländern mittlerweile als grösste nichtchristliche Nachbarschaftsreligion präsent ­ für viele eine immer noch fremde Religion darstellt. Vor den Terroraktionen in den USA wurde der Islam im Westen oft einseitig auf das Fundamentalistisch-Terroristische reduziert und als Bedrohung wahrgenommen, ja, wie keine andere Religion der Welt dämonisiert. Hier scheint sich nach dem 11. September etwas Entscheidendes verändert zu haben: Zumindest in Teilen der Medien, der Politik und der Kirchen ist eine neue Sensibilität, ja, ein neu erwachtes Interesse an der authentischen Religion der Muslime festzustellen. Hier setzt das neue Buch von Monika und Udo Tworuschka an. Über die «umstrittenen» Stellen des Koran zu Djihad, Kampf und Krieg oder der Stellung der Frau im Islam hinaus legen die beiden renommierten Islam- und Religionswissenschaftler eine hoch informative Einführung in das Heilige Buch und den Glauben der Muslime vor. Auf engstem Raum liegt hier eine leicht verständliche Erschliessung der zentralen, oft nicht leicht zugänglichen, ausführlich zitierten Aussagen des Koran zum Gottesbild, Schrift- und Offenbarungsverständnis wie zum Ethos und zur Spiritualität des Islam vor, die zugleich die gemeinsamen Wurzeln der drei abrahamischen Religionen deutlich macht, ohne die Unterschiede zu nivellieren. Viele Ängste und Vorurteile, Klischees und Fehlinformationen, die oft über Jahrhunderte weitergegeben wurden, verlieren sich, wenn man versteht, was die anderen denken, tun und glauben. Welche Art Islam sich durchsetzt, hängt nicht zuletzt auch von den westlichen Antworten im Dialog zwischen den Religionen ab.

Christoph Gellner


Fürbitten

 

Hanna Pabst, Weil Du uns trägst, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2002, 220 Seiten.

Der Wunsch der «Konstitution über die heilige Liturgie» vom 4. Dezember 1963: «Nach dem Evangelium und der Homilie soll ­ besonders an Sonntagen und gebotenen Feiertagen ­ das ÐAllgemeine Gebetð oder ÐGebet der Gläubigenð wiedereingeführt werden, damit unter Teilnahme des Volkes Fürbitten gehalten werden für die heilige Kirche, für die Regierenden, für jene, die von mancherlei Not bedrückt sind, und für alle Menschen und das Heil der ganzen Welt» (Artikel 53) ist sicher konsequent und nachhaltig aufgenommen worden. Das darf in einem zeitlichen Abstand von 39 Jahren klar gesagt werden. In den Fürbitten breitet die versammelte Gottesdienstgemeinde ihr Leben und die Not der weiten Welt vor Gott aus. In den Fürbitten wird auf die stets neuen Herausforderungen eingegangen. Die besten Fürbitten sind sicher die eigens für den konkreten Anlass formulierten. Nicht immer genügt aber das, was im eigenen Garten herangewachsen ist. So sind Anregungen hilfreich.
Hanna Pabst, die Verfasserin des vorliegenden Bandes, ist selber in einer Pfarrei als Lektorin aktiv. In diesem Dienst ist ihr Buch entstanden. Die Ausdrucksweise entspricht durchaus dem Denken und Reden heutiger Menschen in Mitteleuropa. Das wertvolle Buch erschliesst sich mehrfach ­ über Schriftstellen, über Themen und Anlässe sowie über Stichworte.

Jakob Bernet


Primas Germaniae

 

Weg und Weite. Festschrift für Karl Lehmann. Herausgegeben von Albert Raffelt, unter Mitwirkung von Barbara Nichtweiss, 2. durchgesehene Auflage, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2001, 808 Seiten.

Am 16. Mai 2001 hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Diözesanbischof von Mainz, Karl Lehmann, seinen 65. Geburtstag gefeiert. Bis zum Reichsdeputationshauptschluss war der Erzbischof von Mainz Primas Germaniae. Die restaurationsbesessene römische Kirchenpolitik des frühen 19. Jahrhunderts hatte, beeindruckt von der jüngsten Vergangenheit Frankreichs, alles, was nach Aufklärung roch, ausgetilgt. Das Bistum Konstanz wurde aufgehoben. Das war eine Massregelung für den Bistumsverweser Ignaz Heinrich von Wessenberg, den Exponenten einer kirchlichen Aufklärung in Deutschland. Mainz trug die Last des Karl Theodor von Dalberg, des letzten Primas Germaniae. Der Bischof von Mainz wurde nun zum Suffragan der neu errichteten Erzdiözese Freiburg im Breisgau herabgestuft. Mit Karl Lehmann ist der Bischof von Mainz wieder so etwas wie ein Primas Germaniae, und er geniesst in dieser Stellung als Mann der Mitte weit herum uneingeschränktes Vertrauen.
Die Festschrift für Karl Lehmann ist mit über 800 Seiten ein imposanter und stattlicher Band geworden. Alles, was in Kirche und Politik in Deutschland Rang und Namen hat, reiht sich da ein in die Parade der Gratulanten.
Und dann die wissenschaftlichen Beiträge. Sie sind nach bestimmten Kriterien gruppiert. Zum Titel «Quellen» gehören Arbeiten im Bereich der Heiligen Schrift und der Patristik. Unter «Stationen» stehen theologische und philosophische Themen. Bei den Reflexionen sind meist ekklesiologische Themen untergebracht. In der Gruppe Konkretionen stehen Auseinandersetzungen mit aktuellen Kirchenfragen. Die Anzahl der Arbeiten und die Fülle der Themen sind beeindruckend, aber auch verwirrend. Die Vermutung liegt nahe, dass vieles auch zufällig in diese Sammlung hineingekommen ist. Nun sind sie in einem imposanten Band untergebracht, und die wenigsten wissen, was darin alles an Schätzen zu heben wäre.
Von aktuellem Interesse ist der Bericht über die «Mainzer Gespräche». Der Bischof von Mainz und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz lädt von Zeit zu Zeit Bischöfe und Theologieprofessoren zu Aussprachen ein.

Leo Ettlin


Anton Rotzetter

 

Anton Rotzetter, Wo auf Erden der Himmel beginnt. Jahreslesebuch. Ausgewählt, eingeleitet und herausgegeben von Ludger Hohn-Morisch, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2001, 393 Seiten.

In der Sammlung Jahresbücher aus dem Verleg Herder ist im Jahre 2002 Anton Rotzetter Gastdozent. Der anerkannte Franziskuskenner und Interpret der franziskanischen Spiritualität kann eine beachtliche Bibliographie von spiritueller Literatur vorweisen. Seine persönliche Spiritualität ist konkret und lebensnah und weicht den Problemen und Herausforderungen unserer Zeit nicht aus. Wenn er das Fenster zum Himmel offen hält, ist bei ihm auch die Tür zur Welt und zu den Menschen offen. Die Texte dieses Buches sind für jeden Tag eine neue Einladung zum Überlegen und freien Beten.

Leo Ettlin


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2002