15/2002

INHALT

Bücher

In Zeichen Gott erfahren

 

Lothar Wiethüchter, Christliche Bräuche in Gemeinde, Schule und Familie, Bonifatius Verlag, Paderborn 2001, 81 Seiten.

Der Text dieses kleinen, aber überaus wertvollen Buches ist entstanden aus Briefen, die in zwei deutschen Pfarreien an Eltern mit Kindern bis zu sechs Jahren gesandt worden sind. Es soll die Bedeutung des christlichen Brauchtums aufgezeigt werden. Ganz bewusst gibt es keine geschichtlichen Erklärungen: Sie können bei Bedarf in anderen Publikationen gefunden werden.
Leider sind bei der Herstellung des Buchmanuskripts nötige Brückenschläge zu den Lesern in anderen Gebieten der deutschen Sprache unterblieben. So weiss der Benützer in der deutschen Schweiz wohl kaum, was ein Friesenbaum (S. 17) ist. Es wird auch nicht erwähnt, dass neben Misereor in den weiteren Ländern mit deutscher Sprache nationale Hilfswerke der katholischen Kirche während der Fastenzeit tätig sind.
Gute Farbfotos geben die Wirklichkeit in heutigen Pfarreien wieder. In ihrer Natürlichkeit und Schlichtheit ermuntern sie, die eigenen schöpferischen Möglichkeiten zu entdecken und zu pflegen.
Bemerkenswert sind die positive Deutung von Halloween (S. 61f.) und der Hinweis, dass der Gruss an Neujahr «Guten Rutsch» vom jiddischen Wort «Rosh» (Anfang) kommt und somit den Wunsch nach einem guten Jahresanfang meint (S. 35).

Jakob Bernet


Exerzitien im Alltag

 

Peter Dyckhoff, Über die Brücke gehen. Exerzitien im Alltag nach Petrus von Alc'antara, Don Bosco Verlag, München 2001, 343 Seiten.

Der spanische Franziskaner Petrus von Alc'antara (1499­1567) hat diese Abhandlung des geistlichen Lebens auf Drängen eines ihm bekannten einflussreichen Laien geschrieben. Dieser fand solchen Gefallen daran, dass er das Manuskript drucken und verbreiten liess. Petrus' Schriften fanden Bewunderung im spanischen und portugiesischen Hochadel. Petrus von Alc'antara war auch der Mentor der heiligen Teresa von Avila. Besonders seine Lehre vom Gebet hatte auf die Reformatorin des Karmeliterordens nachhaltigen Einfluss.
In diesem Buch lädt Petrus von Alc'antara den nach einem neuen Lebenssinn Suchenden zum «Weg über die Brücke» ein. Jenseits des geschäftigen Ufers bietet sich dem in die Geschäfte des Alltags Verstrickten die Chance des Neubeginns, gestärkt von einer lebendigen Gebetspraxis.
Peter Dyckhoff, ehemaliger Wallfahrtsleiter von Kevelaer, öffnet den Zugang zur mystischen Tradition des Petrus von Alc'antara. Peter Dyckhoff ist heute ein Spezialist für spanische Mystik. «Über die Brücke gehen» (Petrus von Alc'antara) folgt auf die Bände «Finde den Weg» (Miguel de Molinos) und «Aus der Quelle schöpfen» (Teresa von Avila).

Leo Ettlin


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2002