11/2002

INHALT

Bildung

Hoffnung braucht neue Wege

 

«Wir müssen uns jetzt der Erkenntnis stellen, dass die Menschheit in die wahrscheinlich grösste Transformationsperiode eingetreten ist, die sie jemals seit ihrer Geburt erlebt hat», schreibt einmal Teilhard de Chardin in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Wie wahr diese prophetische Stimme war, können wir in dieser Jahrtausendwende ermessen. Die Menschheit ist dabei zu realisieren, dass sie eine Ganzheit ist, ein Organismus, in dem alles miteinander in Beziehung steht und aufeinander verwiesen ist. Dieses Geschehen fordert uns zu einem grundlegenden Bewusstseinswandel heraus. Die Veränderungen finden nicht nur aussen statt, sondern in uns und in den Institutionen, von denen wir Teil sind.
Zeiten der Veränderungen sind von Krisen begleitet. Die bisherigen Strukturen und Werte erweisen sich als zu eng, manche als nicht mehr sinnvoll. Viele Antworten, die gestern richtig waren, sind heute merkwürdig leer oder können sich als falsch erweisen. Das betrifft auch unsere Kirchen. Es scheint, als ob die christliche Botschaft die Mehrheit der Menschen mit ihrem derzeitigen Erfahrungshintergrund nicht mehr erreicht. Die einen suchen die Antworten für ihre Sinnsuche in den atemberaubenden Erkenntnissen der Naturwissenschaften, in ausserkirchlichen Spiritualitäten oder anderen Religionen, andere kompensieren ihre innerste Sehnsucht mit weltlicher Karriere und materiellem Genuss.
Haben unsere Kirchen ausgedient? Zweifellos ist das Wesentliche der christlichen Botschaft so aktuell wie vor 2000 Jahren. Aber um das Wesentliche je neu zu erfahren, müssen wir und unsere Kirchen uns als «lernende Organisationen» begreifen. Und das Erste, das wir lernen müssen, ist, dass diese Krise eine Chance für uns sein kann. Brüchigkeit und Leere bergen die Chance einer neuen Durchlässigkeit, nämlich für das Wirken «der hl. Geistin». Ich glaube, dass wir verstehen lernen müssen, dass sich das Geheimnis des Sterbens und Auferstehens zurzeit am Leib dieser Kirche selbst vollzieht und dieser Fluss des Geschehens geistgewirkt ist. Wir können uns vertrauensvoll öffnen für dieses Geschehen und helfen auf diese Weise mit, dass Wandlung geschehen kann. Denn das Neue kommt nicht anders in die Welt, als durch uns; wir sind das Eintrittstor.

Eine Antwort

Als Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit bietet das St.-Katharina-Werk eine dreijährige spirituelle Fortbildung im Bildungshaus Fernblick, Teufen, an zum Thema: Kirche und Spiritualität ­ Hoffnung braucht neue Wege. Das Projekt, basierend auf den Text von Pia Gyger «Eins und Alles», will ein Biotop in unseren Kirchen sein auf dem Weg ihrer Erneuerung, ein Biotop des spirituellen Lernens und der Transformation. Das Projekt basiert auf der Überzeugung,

Angesprochen sind Menschen, die in der Glaubensvermittlung stehen und jene, die einen vertieften spirituellen Weg gehen wollen. In zwölf Zweitagesseminaren (auf 3 Jahre verteilt) und jährlich einer Exerzitienwoche werden die wesentlichen Geheimnisse unseres Glaubens behandelt in ganzheitlichen und prozessorientieren Arbeitsmethoden.
Prospekt anfordern bei: Hildegard Schmittfull, Landhaus Unterbächen, 6047 Kastanienbaum, E-Mail h.schmittfull@stkw.ch; Informationen: Haus Fernblick, Fadenrain/Bündtstrasse, 9053 Teufen, E-Mail fernblick@stkw.ch; Internet www.fernblick.ch
Literatur: Pia Gyger, Maria und die neue Schöpfung, Kösel Verlag, erscheint im Frühjahr 2002.

Hildegard Schmittfull


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2002