47/2002 | |
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Kirchliche Berufe |
Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott» (1 Kor 12,46). Zur Vielfalt der Dienste in der Kirche gehört auch der Sakristanendienst. Er ist einer der ältesten Dienste in Liturgie und Gotteshaus, die von Laien wahrgenommen werden. Doch was ist der Sakristanendienst? Welche Aufgaben gehören wesentlich dazu? Mit welchen Aufgaben kann er kombiniert werden? Was erfordert dieser Beruf von Menschen, die ihn ausüben? Wo steht der Sakristanendienst mit welchem Stellenwert im Leben einer Pfarrei und der Kirche? Dass der Sakristanendienst mehr beinhaltet als Glocken läuten und Kerzen anzünden, soll im Folgenden dargelegt werden.
Die offizielle Berufsbezeichnung lautet (neben Sigrist, Mesmer, Küster
u.Ä.) Sakristan/Sakristanin. Das Wort leitet sich ab vom Wort Sakristei,
womit seit dem 13. Jahrhundert jener Nebenraum der Kirche bezeichnet wird,
in welchem sich der Priester vor und nach dem Gottesdienst aufhält
und in welchem die für den Gottesdienst notwendigen heiligen Geräte
und Gewänder aufbewahrt werden. Der Sakristan ist der, der für
die Sakristei, für die heiligen Gewänder und Geräte und von
der Sakristei aus für den ganzen Gottesdienstraum verantwortlich ist
der, der alles, was zum Heiligtum gehört, bewahrt und pflegt
und alles Nötige zum Gottesdienst bereitmacht.
Dieser Dienst ist eigentlich so alt wie die Kirche. Denn immer gab es im
Zusammenhang mit Gotteshaus und Gottesdienst Aufgaben, die von dafür
eigens bestimmten Personen wahrgenommen wurden.
Schon im Alten Bund gab es die Leviten (vgl. Nm. 8,526) und andere
Bedienstete (vgl. 1 Sam 2,11), die den Priestern bei ihrem Dienst am Heiligtum
beistanden. Wenn wir im Neuen Testament nach einer biblischen Grundlage
des Sakristanendienstes suchen, dürfen wir sie erkennen in den zwei
Jüngern, die Jesus für die Vorbereitung des Letzten Abendmahles
vorausschickt (vgl. Mk 14,1316).
In der ersten Zeit der Kirche ist von einem eigenen Sakristanendienst noch
wenig fassbar, auch wenn die Aufgaben rund um den Gottesdienst selbstverständlich
damals schon da waren und von jemandem verrichtet werden mussten. Aber die
Christen hatten ja zum grössten Teil noch keine eigenen Kirchen, sondern
versammelten sich für ihre Gottesdienste in Häusern wohlhabender
Christen. Aber bereits im Jahr 251 erwähnt Papst Cornelius, dass es
in Rom so genannte Ostiarier (von ostium = Tür, Eingang) gab. Ihre
wichtigste Aufgabe bestand darin, dafür zu sorgen, dass im Gottesdienst
und Gotteshaus Ruhe und Ordnung herrschte und dass kein Unberechtigter ins
Gotteshaus eindrang, was zur Verfolgungszeit von einiger Bedeutung war.
Wie bedeutungsvoll die Aufgabe des Ostiariers war, zeigt sich darin, dass
dieses Amt mit einer niederen Weihe übertragen wurde. Wenn bei dieser
Weihe sinnbildlich Glocke und Schlüssel übergeben wurden, kommen
darin Aufgaben zum Vorschein, die noch heute zum Sakristanendienst gehören.
Bereits im 6./7. Jahrhundert war die Weihe des Ostiariers nur noch eine
Durchgangsstufe zur Priesterweihe. Die Sorge für das Gotteshaus und
für den Gottesdienst aber wurde nun (wieder) von Laien wahrgenommen.
Im Laufe des Mittelalters kamen weitere Aufgaben dazu. Immer deutlicher
hat sich ein eigentliches Berufsbild des Sakristans entwickelt, der sein
Amt an grossen Kirchen im Hauptberuf oder dann im Nebenamt oder sehr häufig
im Ehrenamt ausübte. Dass dieses Amt in hohem Ansehen stand, zeigt
sich darin, dass der Sakristan als Laie sich während der Liturgie im
Chorraum aufhalten und in Ausübung seiner Tätigkeit den Talar
(mit Chorrock) tragen durfte, also das Gewand des Klerikers. Wenn heute
der Sakristan eher eine weisse Tunika trägt, ist dabei an das Taufgewand
zu denken: Der Sakristan übt ein besonderes Amt aus aufgrund seiner
Taufwürde.
In der Vergangenheit war der Sakristanendienst immer sehr stark vom liturgischen
Dienst bestimmt. Oft waren Aufgaben wie Schmuck der Kirche, Reinigung usw.
anderswie vergeben. In den letzten Jahrzehnten wurde der liturgische Dienst
umfangmässig eher geringer, dafür kamen viele andere Aufgaben
dazu. An den meisten Orten wurden Pfarreizentren gebaut, oft versehen mit
einer parkähnlichen Umgebung. Meist werden nun die Sakristane auch
als Abwart der Pfarreiheime eingesetzt und mit der Pflege der Umgebung betraut.
So kam es, dass der Sakristanendienst, der bisher oft (fast) ehrenamtlich
versehen wurde, in den letzten Jahrzehnten zu einem ansehnlichen Neben-
oder Halbamt und vielerorts auch zu einem Vollamt ausgebaut wurde.
Bei den Aufgaben des Sakristanendienstes (im eigentlichen Sinn) können
wir zwei grosse Aufgabenbereiche sehen und kurz und knapp in die beiden
Worte fassen: Gottesdienst und Gotteshaus.
In erster Linie gehört zum Sakristanendienst die äussere Vorbereitung
für sämtliche gottesdienstlich-liturgischen Handlungen übertragen.
Wie zahlreich und vielfältig diese Aufgaben sind, mag folgende Aufzählung
zeigen.
Zum Aufgabenbereich Gottesdienst sind etwa folgende Aufgaben zu zählen:
Der zweite Hauptbereich des Sakristanendienstes ist das Gotteshaus, das der Verantwortung des Sakristans/der Sakristanin anvertraut ist. Die Sakristane/Sakristaninnen sind «Abwarte» unserer Kirchen, was aber mehr und anderes ist als der Abwartposten in einem Schulhaus oder in einer Fabrik. Neben dem Dienst für die Liturgie ist das Sakristanenamt wesentlich Dienst am Gotteshaus, in der Kirche, für die Kirche, rund um die Kirche. Die wichtigsten Aufgaben seien auch hier kurz aufgezählt.
Gottesdienst und Gotteshaus sind also die beiden wichtigen Tätigkeitsbereiche des Sakristanendienstes mit einer grossen Vielfalt von Aufgaben. Daneben gibt es weitere Aufgaben, die nicht zwingend zum Sakristanendienst im eigentlichen Sinn gehören, die aber sinnvoll damit kombiniert werden. Im Bereich der Liturgie können es unter anderem folgende Aufgaben sein:
Im Bereich von Pfarreiheim oder weiteren kirchlichen Gebäuden:
Im Bereich von Pfarrhaus und Pfarreiadministration:
Im seelsorglichen Bereich:
In andern öffentlichen Bereichen:
Die Auflistung der verschiedenen Aufgaben zeigt, dass der Sakristanendienst
sehr vielfältig und abwechslungsreich ist. Der Sakristan/Die Sakristanin
hat zu tun mit einfacher Reinigung und modernen Reinigungsmethoden, mit
Gartenbau und Floristik, mit handwerklichen Aufgaben und technischen Anlagen,
mit Geschichte, Kultur und Kunst, mit Brauchtum und Tradition, mit Liturgie
und Seelsorge. Es gibt wahrscheinlich in einem Dorf wenig Leute, deren berufliche
Tätigkeit so vielseitig ist wie diejenige des Sakristanendienstes.
Selbstverständlich können Sakristane und Sakristaninnen nicht
in all diesen Sparten Fachleute sein. Aber sehr viele, die aus unterschiedlichsten
Berufen kommen, beweisen, wie bei guter Motivation und Freude am Beruf oft
in kurzer Zeit sehr vieles gelernt werden kann, von dem man früher
nie gedacht hätte, es einmal zu tun.
Ein weiteres Charakteristikum des Sakristanendienstes besteht darin, dass
man sehr selbständig, frei und unabhängig ist. In manchen Belangen
kann man Arbeit und freie Stunden selber einteilen. Daneben werden auch
viele Einsätze und Präsenz verlangt zu aussergewöhnlichen
Zeiten: an Samstagen und Sonntagen, am Abend, gelegentlich auch am frühen
Morgen, nicht zuletzt auch an Tagen und Zeiten, in denen sich in unserer
Gesellschaft zusätzliche Ferien eingeschlichen haben: WeihnachtNeujahr,
KarwocheOstern, Christi HimmelfahrtPfingsten.
Ferner haben Sakristaninnen und Sakristane in der Erfüllung ihrer Aufgaben
immer auch mit Menschen zu tun. Sie gehören zu den engsten Mitarbeitern
des Pfarrers oder Gemeindeleiters. Sie haben zu tun mit den andern Personen,
die einen besonderen Dienst in der Liturgie wahrnehmen. Sie sind für
die verschiedenen Gruppen und Vereine Ansprechpartner für kirchliche
und liturgische Belange. Erst recht haben sie mit allen Gruppen und Vereinen
zu tun, wenn sie auch für das Pfarreiheim verantwortlich sind.
Wenn wir nun das umfangreiche und vielseitige Tätigkeitsfeld wie auch
die grosse Verantwortung in der Kirche und für die Kirche und auch
gegenüber den Gläubigen uns vor Augen halten, wird klar, dass
der Sakristanendienst erhebliche persönliche, charakterliche, berufliche
und religiöse Anforderungen an die Menschen stellt, die diesen Dienst
übernehmen und innehaben.
Wer den Sakristanendienst so erfüllen möchte, dass dieser Dienst auch zu einem Zeichen wird für die Pfarrei, in der man ihn verrichtet, und für einen selber zur inneren Erfüllung wird, kommt ohne religiöse Motivation und ohne das Engagement des eigenen Glaubens nicht aus. Man kann viele Aufgaben äusserlich recht ausführen ohne innere, religiöse Beteiligung. Aber wirklich glücklich wird im Sakristanendienst nicht, wer darin nur den Job sieht, ohne ihn auch aus religiöser Motivation zu verrichten.
Zum Engagement des eigenen Glaubens gehört auch das Ja zur Kirche. Der Sakristanendienst ist ein Dienst in der Kirche, ein kirchliches Dienstamt. Wer dieses im Sinne der genannten religiösen Motivation ausführen will, braucht auch Liebe zur Kirche, und Liebe schliesst in unserer unvollkommenen Welt auch die Erfahrung von Leid und Schmerz mit ein. Zu einem kirchlichen Dienstamt gehört auch die Bereitschaft, an und mit dieser Kirche und für diese Kirche zu leiden, ohne dass man aufhört, sie zu lieben.
Glauben ist zwar nicht primär eine Sache des Verstandes und Wissens, aber zu einem Handeln aus dem Glauben und aus Liebe zur Kirche gehört auch ein gewisses Wissen über Glauben und Gottesdienst oder zumindest die Bereitschaft, sich in religiösen und liturgischen Belangen weiterzubilden. Wer seine Aufgaben nicht nur äusserlich gut und recht erledigen will, muss auch wissen, was er tut und was das bedeutet, was und wofür er etwas tut. Sonst steht die Gefahr an, dass dieser Dienst über kurz oder lang die Seele verliert und nicht nur geistlos, sondern auch lieblos wird.
Mit der religiösen Motivation und mit der Liebe zur Kirche ist auch die Anforderung verbunden, dass der Sakristan/die Sakristanin auch persönlich den Gottesdienst wirklich mitfeiert und am Pfarreileben teilnimmt. Es darf nicht der Eindruck entstehen, für den Sakristan ist der Gottesdienst nur eine Pflichtübung, und er ist nur da, wenn er von Amtes wegen da sein muss. Der Sakristan/die Sakristanin ist ein aktives Glied der Pfarrei und lebt und trägt das Leben der Pfarrei mit.
Der Sakristanendienst beinhaltet manche Einsätze und Präsenz zu ausserordentlichen Zeiten, oft gerade zu solchen Zeiten und an solchen Tagen, an denen der grosse Teil der Bevölkerung frei hat. Wer den Sakristanendienst übernimmt, sollte sich dessen bewusst sein und darüber auch mit der Familie im Klaren sein.
Neben den religiösen Voraussetzungen sind noch andere charakterliche Eigenschaften erforderlich. Im Sakristanendienst wird einem sehr viel anvertraut, auch an materiellen Werten. Es wird erwartet, dass man damit ehrlich und verantwortungsvoll umgeht, nicht zuletzt, wenn man vielleicht auch die Opferkassen zu leeren und Opfergelder weiterzuleiten hat. Im Sakristanendienst wird es auch oft vorkommen, dass man in Kirche und Sakristei so nebenbei etwas Vertrauliches mitbekommt. Wer diesen Dienst versieht, ist darum auch zur Diskretion verpflichtet.
Die Vielfalt der Aufgaben und die Tatsache, dass diese Aufgaben öfters auch unter Zeitdruck zu erfüllen sind, erfordert doch ein gewisses Mindestmass an körperlicher und seelischer Kraft und Gesundheit, Belastbarkeit und nervliche Stärke. Der Sakristanendienst ist kein Job, den man noch übernehmen kann, wenn man aus gesundheitlichen Gründen sonst nichts mehr machen kann.
Schon von der Vielfalt der Aufgaben her sollte klar sein, dass ein Mensch mit Scheuklappen und geistiger Starrheit und Sturheit in diesem Dienst fehl am Platz ist. Wer den Sakristanendienst ausüben will, sollte ein Gespür haben für das, was gerade jetzt wichtig und zu tun ist und was jetzt warten kann. Flexibilität ist auch nötig im Hinblick auf neue Formen und auf verschiedene Richtungen in der heutigen Kirche und Pfarrei.
Weil der Sakristanendienst in Kirche und Sakristei und in den Pfarreiräumen immer wieder in Kontakt bringt mit den verschiedenen Gruppen und Vereinen der Pfarrei, wird vom Sakristan auch viel Verständnis für die verschiedenen Menschen erwartet, nicht zuletzt für Kinder und Jugendliche.
Damit hängt die Forderung nach angenehmen Umgangsformen zusammen. Der Sakristan/Die Sakristanin ist nicht das Dienstmädchen für jede und jeden, aber kann auch nicht alle andern kommandieren. Leider kommt es vor, dass jemand die verschiedenen Aufgaben des Sakristanendienstes sehr gut erfüllt, aber an den Umgangsformen scheitert.
Von der Vielfalt der Aufgaben her ist es gewiss von Vorteil, wenn jemand, der den Sakristanendienst übernehmen will, nicht gerade zwei linke Hände hat, sondern eine gewisse manuelle Fertigkeit mitbringt und wenn er vorher eine handwerkliche oder gewerbliche Lehre absolviert hat.
Die Vielfalt der Aufgaben und die hohen Anforderungen des Sakristanendienstes
rufen selbstverständlich auch nach einer soliden Einführung in
diesen Dienst. Die Aus- und Weiterbildung der Sakristane und Sakristaninnen
ist die zentrale Aufgabe des Schweizerischen Sakristanenverbandes. Dazu
bietet der Sakristanenverband jedes Jahr einen drei- bis viertägigen
Fortbildungskurs an. Fortbildungskurse, praxisbezogene Arbeitskreise, Einkehrtage
und Ähnliches werden auch von den verschiedenen diözesanen oder
kantonalen Mitgliedverbänden des Sakristanenverbandes durchgeführt.
Auch die Verbandszeitschrift ist dem Bildungsauftrag verpflichtet.
Für die Grundausbildung führt der Sakristanenverband seit 1956
die Schweizerische Sakristanenschule. Mit ihren Kursen vermittelt sie die
notwendigsten Grundkenntnisse, die für die Erfüllung des Sakristanendienstes
erforderlich sind. Die Sakristanenschule bietet jedes Jahr einen grossen
und einen kleinen Grundkurs an.
Das Ausbildungsprogramm der Sakristanenschule richtet sich nach der Vielfalt der Aufgaben und erstreckt sich auf folgende fünf Bereiche:
Vom Geheimnis der Kirche Weltkirche und Ortskirche Die Kirche in der Schweiz Kirche und Amt Sakristanenamt als kirchliches Dienstamt Sakristan und Seelsorger Spiritualität des Sakristans.
Liturgie allgemein: Wesen der Liturgie Gehalt und Gestalt der Liturgie
Liturgische Bücher.
Liturgie der Eucharistie: Geheimnis der Eucharistie Aufbau der heiligen
Messe Sakristanendienst vor, während und nach der Messe.
Liturgie der Sakramente: Christus in den Sakramenten Sakristanendienst
bei der Feier der Sakramente bei Segnungen bei Beerdigungen.
Liturgie des Wortes Gottes: Gegenwart Gottes im Wort Einführung
in die Heilige Schrift Sich in der Bibel zurecht finden Sakristanendienst
bei der Wortgottesfeier.
Liturgie in andern Feiern: Vielgestalt der Gottesdienstformen Sakristanendienst
bei verschiedenen Feiern.
Liturgie im Rhythmus der Zeit: Sinn und Aufbau des Kirchenjahres Bedeutung
von Festkreisen und Festtagen Sakristanendienst im Kirchenjahr.
Liturgie in heiligen Zeichen: Grundsätzliches zur Bedeutung von Zeichen
und Symbolen Bedeutung und Pflege der Kerzen Bedeutung, Vorbereitung
und Pflege der liturgischen Gewänder Bedeutung und Wartung der
Glocken Vielfalt, Bedeutung, Einsatz und Pflege der liturgischen Geräte.
Die Kirche allgemein: Haus Gottes und Haus der Gemeinde Geschichte
des Kirchenbaus mit kleiner Stilkunde Das Gotteshaus in der Obhut
des Sakristans.
Heilige Orte im Raum der Kirche: Die liturgischen Orte und ihre Bedeutung
Aufgaben des Sakristans.
Der Schmuck der Kirche: Grundsätzliches zum Blumenschmuck im Dienst
der Liturgie Praxis des Blumensteckens Grünpflanzen
Andere Elemente des Schmuckes.
Pflege des Kirchenraumes: Moderne Reinigungspraxis Kirchenreinigung
Reinigungsplan.
Unterhalt von Kirche und Anlagen: Allgemeine Unterhaltsarbeiten Sanitäre
Anlagen Uhren und Läutmaschinen Kunstgegenstände
Elektrische Anlagen Audiovisuelle Geräte.
Sicherheitsfragen
Brandverhütung, Brandbekämpfung
Umgebung: Treppen und Wege Rabatten Rasen Sträucher
Bäume usw.
Leitung der Ministranten Lektorendienst Kommunionhelferdienst Leitung des Pfarreiheims Vorbereitung und Gestaltung von Andachten und Wortgottesdiensten.
Einführung in den Kurs Arbeitsvertrag und Pflichtenheft Sakristanenverband Allgemeine Berufsfragen Repetitorium Schriftliche Prüfungsarbeit Prüfung.
Die Ausbildung an der Sakristanenschule soll praxisbezogen sein. Das
schliesst allerdings die theoretische Unterweisung nicht aus, sondern erfordert
sie. Die solide theoretische Kenntnis der verschiedenen Bereiche wird helfen
und motivieren, die praktischen Aufgaben gut zu erfüllen. Ausserdem
will die religiöse und liturgische Bildung auch die nötige Spiritualität
fördern.
Die praktischen Belange sollen in den Grundkursen zur Sprache kommen. Aber
es sollen auch die theoretischen Grundlagen vermittelt werden nicht
als überflüssige Zugabe, sondern als Voraussetzung für ein
möglichst sachgerechtes und motiviertes Handeln. Denn wer weiss und
versteht, um was es in der Liturgie und ihren Zeichen und Handlungen geht,
wird die damit verbundene Arbeit nicht nur richtig, sondern auch leichter
und mit mehr Engagement und Freude tun.
Wie schon erwähnt, gehört zum Sakristanendienst auch ein gewisses
Mass an religiöser und liturgischer Bildung oder zumindest das Interesse
und die Bereitschaft, sich dieses anzueignen. Sakristane und Sakristaninnen
sollen wissen, was sie tun, was das bedeutet, wofür sie dieses und
jenes tun. Das heisst: Sie sollen ein einfaches, aber solides Grundwissen
haben über unseren Glauben und Gottesdienst, über liturgische
Zeichen und Symbole usw. Sie sollen all diese Dinge nicht nur richtig herrichten,
handhaben und pflegen können, sondern sich auch ein wenig mit ihrer
Geschichte und ihrem Gehalt befassen, so dass sie darüber auch sprechen
können.
Damit klingt etwas Weiteres an. Sie brauchen das theoretische Grundwissen
nicht nur als Grundlage und Voraussetzung für eine möglichst gute
Erfüllung ihrer Aufgaben, sondern auch in der Begegnung mit andern
Menschen. Sakristane und Sakristaninnen werden häufig über religiöse
Belange angesprochen. Es ist nicht nötig, dass sie auf solche Fragen
immer die genaue und vollständige Antwort wissen, aber sie sollten
zumindest in der Weise positiv darüber sprechen können, dass sie
selber wissen und es andern vermitteln können, dass hinter diesen Dingen
ein Sinn und eine Bedeutung steckt und es sich lohnt, danach zu fragen.
Wenn sie aus der eigenen Glaubensüberzeugung und aus einem soliden
religiösen Wissen heraus antworten können, leisten sie oft einen
wertvollen Beitrag an Seelsorge und Verkündigung.
Beim Anliegen einer soliden theoretischen Ausbildung geht es schliesslich
auch um die Wertschätzung und Hochachtung gegenüber dem Sakristanendienst.
Der Sakristan/Die Sakristanin ist eben in dieser Sicht nicht nur ein Handlanger
des Pfarrers und der Kirchgemeinde für einige unbedeutende, aber doch
notwendige Handreichungen, sondern ein kompetenter Mitarbeiter/eine kompetente
Mitarbeiterin des Pfarrers und des Seelsorgeteams, aber nur, wenn er/sie
den eigenen Bereich gut kennt und ausführt und diesen auch im Kontext
der übrigen Pfarreiaufgaben sieht und mit dem eigenen Dienst ein christliches
Zeugnis ablegt.
Abschliessend noch ein Wort über den Sakristanendienst als ein kirchliches
Dienstamt. Unter dem Begriff «kirchliches Amt» im allgemeinen
Sinn versteht man jeden Dienst, der rechtmässig zu einem geistlichen
Zweck ausgeübt wird (vgl. CIC 145). Dabei gibt es nun zwei unterschiedliche
Gruppen von Ämtern. Auf der einen Seite ist das eigentlich apostolische
Amt, das durch Weihe (Ordination) übertragen wird, das dazu sendet
und bevollmächtigt, gegenüber der Gemeinde Christus darzustellen.
Gemeint ist das sakramentale Amt des Bischofs, des Priesters und des Diakons.
Davon unterschieden sind die Dienstämter, die durch Institutio oder
Missio übertragen werden, zum Beispiel in manchen Diözesen die
Pastoralassistenten. Sie erfüllen gewisse Aufgaben des apostolischen
Amtes im Auftrag des Bischofs, ohne selber im apostolischen Amt zu stehen.
Daneben gibt es eine Gruppe von Diensten, die zwar auch geistlichen Zwecken
dienen, die aber an keinen offiziell liturgisch gefeierten Beginn mit rechtlich-formellem
Akt gebunden sind. Ein solcher Dienst ist der Sakristanendienst, zusammen
mit den Diensten des Organisten, des Chorleiters, des Kantors, des Jugendarbeiters
usw. Diese Dienste sind auf das apostolische Amt zugeordnet und erbringen
wichtige Hilfeleistungen zur Erfüllung der eigentlichen Sendung der
Kirche. Sie erfüllen offiziell einen Dienst im Auftrag der Kirche und
für die Kirche. Ihr Dienst ist ein kirchliches Dienstamt. Auch wenn
in der Zeit seit dem Konzil die Vielfalt und Vielzahl der kirchlichen Dienste
wieder entdeckt worden ist, schmälern diese die Bedeutung des Sakristanendienstes
nicht. Der Sakristanendienst ist und bleibt einer der ältesten Laiendienste
der Kirche.
Auch dieses kirchliche Dienstamt hat eine sakramentale Grundlage, aber nicht
im Sakrament der Weihe, sondern in Taufe und Firmung. In der Taufe sind
wir im Heiligen Geist in den Leib Christi eingegliedert worden. Die Firmung
macht uns zu Trägern seines Geistes inmitten dieser Welt. Der Leib
Christi aber ist ein Leib aus vielen Gliedern mit vielen, verschiedenen
Aufgaben; alle aber stehen im Dienste des einen Leibes. Der Sakristan/Die
Sakristanin ist als Glied des einen Leibes Christi mit einer besonderen
Aufgabe im Dienste der Sendung der Kirche betraut. Geht es in Kirche und
Liturgie immer wieder darum, dass Christus gegenwärtig wird (Epiphanie)
und dass die Menschen zur Begegnung mit Christus geführt werden (Mystagogie),
so hat gerade der Sakristanendienst hier eine grosse Bedeutung. Wer für
den Kirchenraum verantwortlich ist und ihn dem Mysterium entsprechend vorbereitet
und gestaltet, trägt viel dazu bei, dass die Menschen den Weg finden
zum eigentlichen Geheimnis und dass dieses in heiligen Zeichen aufleuchten
kann.
Dass der Sakristanendienst als kirchliches Dienstamt gilt, zeigt wieder
etwas von der Hochachtung gegenüber diesem Dienst. Auch wenn viele
Aufgaben im Verborgenen geschehen, sind es doch Dinge, die im Gesamt des
Lebens der Kirche notwendig sind und dem Aufbau des Leibes Christi dienen.
Pfarrer Dr. Erwin Keller leitet die Schweizerische Sakristanenschule und ist Geistlicher Beirat der Arbeitsgemeinschaft der Sakristanenverbände des deutschen Sprachgebietes.
«Für eine glaubwürdige Verkündigung ist das praktische Handeln der Kirche im eigenen Haus entscheidend.» Aus dieser Überlegung heraus produzierte die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft Kirche und Umwelt (OeKU) in Form eines Ordners ein Umwelthandbuch für Kirchgemeinden (wobei «Pfarreien» immer mitgemeint sind).<1> Die durchgehend auf die Praxis zielende Publikation deckt Bereiche ab wie Heizen und Putzen, Büro, Verpflegung sowie Unterhalt kirchlicher Gebäude. Angesprochen sind ganz besonders Sakristane. Doch alle, die in der Kirche mitarbeiten, finden im Handbuch die eine oder andere Anregung. Ergänzt werden die zahlreichen Tipps durch Beispiele aus der Praxis sowie eine hilfreiche Checkliste. Es bleibt zu hoffen, dass die erste Auflage von 800 Exemplaren bald vergriffen ist.
1 Umwelthandbuch für Kirchgemeinden, 52 Seiten, Fr. 40.; zu beziehen bei: Ökumenische Arbeitsgemeinschaft Kirche und Umwelt (OeKU), Postfach 7449, 3001 Bern, Telefon 031 398 23 45, oeku@kirchen.ch