49/2002 | |
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Berichte |
Gast der diesjährigen Generalversammlung des Schweizerischen Heiligland-Vereins war der (melkitisch-)griechisch-katholische Erzbischof von Baalbek, Cyrille Salim Bustros. Er informierte in einem Pressegespräch über die aktuelle Situation im Libanon und anschliessend in einem Vortrag vor der Jahresversammlung über das christlich-muslimische Zusammenleben im Zedernland.
Im Vergleich der arabischen Länder erfreut sich die christliche
Gemeinschaft im Libanon der Gleichheit vor dem Gesetz und so der Religionsfreiheit.
In Saudi-Arabien dürfen keine christlichen Kirchen gebaut werden, in
Kuweit dürfen sie nicht mit Glocken ausgestattet werden, in anderen
Ländern wie Ägypten und Syrien sind die autochthonen Christen
Minderheiten minderen Rechts. Noch vor hundert Jahren war die Bevölkerung
des Nahen Ostens zu einem Viertel christlich, heute noch zu 7%. Erzbischof
Cyrille betonte, dass auch der Libanon «Heiliges Land» ist,
und er erinnerte daran, dass der Libanon bis nach seiner Unabhängigkeit
noch mehrheitlich christlich war. Die christlichen Wurzeln des Libanon wurden
vom Osmanischen Reich mit der Gewährung der Selbstverwaltung (namentlich
in religions- und familienrechtlichen Belangen) anerkannt.
Heute ist die Bevölkerung des Libanon zu 56% muslimisch und zu 44%
christlich. Der muslimische Anteil an der Gesamtbevölkerung umfasst
26% Schiiten, 23% Sunniten, 6% Drusen und 1% Aleviten; der christliche Anteil
25% Maroniten, 9% Griechisch-Orthodoxe, 6% Griechisch-Katholische, 3% Armenier
und 1% unierte Armenier, der protestantische und der jüdische Bevölkerungsanteil
beträgt weniger als 1%. Um dem derart multireligiösen, multikonfessionellen
und multikulturellen Land den politischen Frieden zu sichern, muss dem Nationalen
Pakt von 1943 entsprechend der Staatspräsident ein maronitischer Christ,
der Parlamentspräsident ein schiitischer Muslim und der Premierminister
ein sunnitischer Muslim sein.
Der Bürgerkrieg und seine Folgen hatte und hat eine so massive Auswanderung
der Christen zur Folge, dass Erzbischof Cyrille die Kirche vom Aussterben
bedroht sieht. Unter Druck stehe der Libanon auch nach dem Bürgerkrieg
noch durch die Präsenz von 35000 syrischen Soldaten, von etwa 500000
palästinensischen Flüchtlingen in autonomen Lagern und von der
Front zu Israel; die Hisbollah kämpfen immer noch für die Rückgabe
der Shebaa-Farmen. Solange der israelisch-arabische Konflikt andauert, nimmt
die Hisbollah an Stärke und Einfluss zu. Der Friede im Libanon ist
vom israelisch-palästinensischen Frieden abhängig!
Dazu kommen noch die syrischen Gastarbeiter etwa 1 Mio. auf nur etwas
mehr als 4 Mio. Einheimische , die nicht nur die Arbeitslosenzahl hoch
halten, sondern auch die Löhne drücken. Im Libanon beträgt
der Minimallohn 200 bis 300 $, in Syrien 100 bis 150 $.
In Baalbek gab es bereits im Jahre 97 einen Bischof; im 4. Jahrhundert wurde
das Gebiet muslimisch. Bis zum Zweiten Weltkrieg gab es noch 7000 Christen,
heute sind es noch 70 Familien (je rund 30000 Griechisch-Katholiken und
Maroniten, die 20% der Bevölkerung ausmachen; 60% sind Schiiten, 20%
Sunniten).
In Baalbek gibt es 8 katholische Schulen 2 Diözesan- und 6 Ordensschulen
mit rund 5000 Schülern und Schülerinnen, deren Lehrerschaft
zu 60% und deren Schülerschaft zu 90% muslimisch ist. Die christlichen
Schulen werden auch von der muslimischen Bevölkerung wegen ihrer Qualität
den staatlichen Schulen vorgezogen. Dass von den muslimischen Schülerinnen
nur 10 bis 15% den Schleier tragen, wird von Erzbischof Cyrille als Anzeichen
für eine offenere Haltung selbst der Eltern betrachtet, die Hisbollah
wählen. Im Übrigen sei die politische Stärke der Hisbollah
nicht überwältigend: im Stadtparlament von Baalbek sind 5 von
21 Abgeordneten Mitglieder der Hisbollah, im Landesparlament sind es 6 von
120.
Im Erzbistum Baalbek gibt es zudem ein Kinder- und ein Waisenheim mit 85
Kindern. Im Rohbau fertig erstellt ist ein Altenheim, für das der Heiligland-Verein
mit seiner Herbstaktion Geld sammelt.
Für Erzbischof Cyrille unterscheiden sich die Aktionen der Hisbollah
gegen Israel vom islamischen Terrorismus in der Welt. Wohl strebe die Hisbollah
einen islamischen Staat an, aber mit demokratischen Mitteln, und ihre Aktionen
im Südlibanon seien Aktionen einer Widerstandsbewegung gegen den israelischen
Staatsterrorismus. Auch könne man nicht allgemein sagen, der Islamismus
wolle das islamische Gesetz durch Gewalt und Krieg aufzwingen, wie der Islam
kein Monolith ist. Auch seien die Vorschriften des Koran aus der Medina-Zeit
strenger als aus der Mekka-Zeit, weil die junge Gemeinschaft damals sehr
gefährdet war und gegen die Feinde im Kampf geschützt werden musste.
Damals lief ein Abtrünniger zu den Feinden über, weshalb er als
Feind behandelt werden musste. Obwohl heute die Verhältnisse andere
seien, sei die Strenge gegen Konvertiten geblieben, so dass der Muslim keine
Religionsfreiheit geniesse.
Aus dem Gespräch zwischen dem Christentum und dem Islam über die
Gottesherrschaft stellte Erzbischof Cyrille drei Momente heraus: 1. Sei
über die politische Dimension der Gottesherrschaft zu reden, 2. über
die Mittel, wie die Gottesherrschaft eingeführt werden könne,
und 3. werde neuerdings auf islamischer Seite aus dem Inneren der eigenen
Tradition heraus eine Friedenstheorie entwickelt. Neben den guten Beziehungen,
die es für ihn vor allem im Libanon gibt, sind indes Dialogverweigerung
und Gewaltbereitschaft nach wie vor nicht zu übersehen. Im Libanon
setzen sich die Kirchen für ein gutes Zusammenleben la convivialité
namentlich der christlichen und muslimischen Bürger und Bürgerinnen
ein, weil für sie der Libanon mehr als ein Staat ist: «Er ist
eine Botschaft» (Johannes Paul II.) und hat seine Existenzberechtigung
letztlich darin.
Die Liturgie für den nächsten Weltgebetstag am 7. März 2003 wurde von Christinnen aus dem Libanon verfasst. Gemäss dem Grundsatz «informiert beten» haben christliche Frauenzeitschriften ihre Sondernummern dem Weltgebetsland Libanon gewidmet: Schritte ins Offene mit Heft 5/2002 «Libanon. Volk der Minderheiten»<1> und «Frauen Forum» mit ihrem Oktober/November-Heft 2002 «Libanon»<2>.
1 Einzelnummern von «Schritte ins Offene»: Postfach 2961, 8033 Zürich, Telefon 01 363 06 93, Fax 01 923 88 71.
2 Einzelnummern von «Frauen Forum»: Béatrice Dütscher, Postfach 293, 3065 Bolligen, Telefon/Fax 031 922 12 11, E-Mail frauen_forum@hotmail.com
Den Anfängen wohnte etwas Revolutionäres inne: Vor 450 Jahren
gründete Papst Julius III. auf Anraten des Hl. Ignatius von Loyola
das Collegium Germanicum, eine Ausbildungsstätte für angehende
Priester in Rom, und legte damit den Grundstein für eine neue Form
der Priesterausbildung, die sich in einigen wesentlichen Zügen bis
heute durchgetragen hat. Die Kollegsgründung lässt sich am ehesten
in den Kontext der Gegenreformation einordnen, sollte sie doch zu einer
inneren Erneuerung des katholischen Klerus beitragen.
Der Hl. Ignatius, Gründer des Jesuitenordens, fand für seine Pläne
in Kardinal Morone einen einflussreichen Verbündeten: Der Kardinal
hatte als päpstlicher Delegat mehrfach den deutschen Sprachraum bereist
und dabei einen Eindruck von der desolaten Lage der katholischen Kirche
in diesen Ländern gewonnen. Abhilfe, so die Überzeugung der beiden,
musste von aussen kommen. Für eine kirchliche Karriere genügte
faktisch ein kurzes Studium; die Arbeit des Klerus stellte eher eine Verwaltungstätigkeit
als ein seelsorgerisches Bemühen dar. War die Kirche insgesamt vom
Adel dominiert, so prägte der adelige Lebensstil auch den höheren
Klerus. Als Kampfansage gegen diese Tendenzen einer Adelskirche, einer Verweltlichung
des Klerus, sicherlich aber auch gegen die Reformation, lässt sich
die Kollegsgründung verstehen. Diese Argumentation überzeugte
den Papst, und er errichtete mit der Bulle «Dum sollicita» juristisch
das Collegium Germanicum. Die Leitung des Kollegs wurde dem noch recht jungen
Jesuitenorden anvertraut. 1580 vereinigte Papst Gregor XIII. das Germanikum
mit dem Collegium Hungaricum, so dass das Einzugsgebiet des Hauses nunmehr
ganz Mitteleuropa umfasste.
Die Aufgaben der jungen Studenten waren vielfältig, der Tagesablauf
streng reguliert. Diese Ernsthaftigkeit wurde auch ins Bild gebracht: Einer
der berühmtesten Märtyrerzyklen Roms befindet sich in der Kirche
Santo Stefano, die zum Kolleg gehört. Was Nachfolge auch heissen kann,
schildern die Fresken in eindrücklicher Weise. Lebenshingabe für
den Glauben wurde vielfältig dargestellt, die Bilder vermitteln immer
noch etwas vom Geist des jungen Kollegs.
Wie versteht sich das Kolleg heute? Natürlich als Ausbildungsstätte
für junge Männer auf dem Weg zum Priestertum. Zwei Eigenheiten
charakterisieren das Haus auch nach 450 Jahren grundlegend. Das Germanicum
et Hungaricum wird nicht von Diözesanpriestern, sondern von Jesuiten
geleitet, und es befindet sich in der ewigen Stadt. Ignatianische Spiritualität,
die Frömmigkeitsform, die im Jesuitenorden beheimatet ist, soll den
Studenten vermittelt, zu einem tragenden Element ihres späteren Lebens
werden. Eigenverantwortung ist hier ein wichtiges Schlagwort. «In
unserer Ausbildung arbeiten wir darauf hin, die Fähigkeiten und Begabungen
unserer Alumnen so weiter zu formen, dass sie die sich vollziehende Wandlung
priesterlichen Lebens und Dienstes mitgestalten und ihre pastoralen Aktivitäten
entsprechend kreativ ausrichten können», bringt dies Pater Gerwin
Komma, der Rektor des Hauses, auf den Punkt. In Rom sieht der Jesuit vor
allem einen Brennpunkt der Weltkirche, eine universale Perspektive solle
der Romaufenthalt den Studenten vermitteln.
Die Motivationen der Studenten, ihr Studium in Rom zu absolvieren, scheinen
in ähnlicher Richtung verortet zu sein. Ich meinerseits entdeckte in
Rom die katholische Kirche als Weltkirche neu: Im Vergleich zu meinem früheren
Studienort Luzern hat sich hier noch einmal der Blick stark geweitet. Dass
ich hier mit deutschen, ungarischen, slowenischen oder Luxemburger Studenten
zusammenlebe, hat für mich auch viele spezifisch schweizerische Gegebenheiten
relativiert. Die Universität Gregoriana bringt mich dann noch einmal
in Kontakt mit Studenten aus aller Herren Länder wie beispielsweise
Brasilianern oder Japanern.
Das Jubiläum muss nun auch gefeiert werden; viele «Fratres Maiores»,
wie die ehemaligen Germaniker genannt werden, kehren dazu an ihren Ausbildungsort
zurück. Zentrum der Feier bildete die Festmesse am 28. Oktober in Il
Gesù mit Kardinal Wetter. Eine Jubiläumsakademie ging Fragen
der heutigen Priesterausbildung nach.
Am Elisabethentag 2002 stellte das Elisabethenwerk, das Entwicklungswerk
des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes, im Alten Spital Solothurn
vor zahlreichem Publikum sein neues Video «Frauen bewegen» vor
und orientierte über seine Ziele und Projekte.
Auf die Initiative von Frauenbundsfrauen wurde vor 44 Jahren am Elisabethentag
(19. November) ein Sozialwerk gegründet, das in den vergangenen Jahren
nicht nur wachsen und gedeihen durfte, sondern sich auch ständig verändert
und weiterentwickelt hat.
Iris Utz, Präsidentin des Elisabethenwerks, durfte im Alten Spital
zahlreiche Gäste begrüssen, so unter anderen Rosmarie Simmen,
alt Ständerätin, und Regionaldekan Robert Geiser. Sie überbrachte
die Grussbotschaft von Bundesrätin Ruth Dreifuss: «Wer gezielt
Frauen unterstützt, ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit fördert
und ihr Selbstbewusstsein stärkt, baut an einer hoffnungsvollen Zukunft,
dem sozialen Fortschritt und besseren Lebensbedingungen für die gesamte
Gesellschaft.»
Rosmarie Simmen führte mit ihren Worten in die Video-Premiere ein:
«Afrika, das ist Bewegung, ganz besonders auch Frauenbewegung. Bewegung
bei der Arbeit, Bewegung bei Tanz und Festen, Bewegung als Lebensgefühl.
Sie werden es gleich im Video sehen und natürlich von Lizzy Hammond
hören.
In der Bewegung für ein besseres Leben stehen Frauen an zentraler Stelle.
Wer auch immer mit Entwicklungszusammenarbeit befasst ist, von der Politik
über die DEZA bis zu den kirchlichen und privaten Organisationen, der
weiss: Frauen gehören zu den aktivsten, ehrlichsten, durchhaltekräftigsten
und effizientesten Partnerinnen.»
Rosmarie Simmen sprach auch von den Schwierigkeiten der Menschen, die vor
Ort arbeiten. Korruption bei politischen und wirtschaftlichen Machthabern
sei ein ebenso verbreitetes wie verheerendes Phänomen. Frauen hätten
aber hier eine historische Mission zu erfüllen, nämlich zu zeigen,
dass Macht eben nicht zwangsläufig mit Korruption verbunden sein muss,
sondern dass sie auch im Einklang mit hohen moralischen Standards ausgeübt
werden kann.
In packenden und aktuellen Bildern zeigt das neue EW-Video, wie die Arbeit
und die finanziellen Zuwendungen hier in der Schweiz konkrete und erfolgreiche
Projekte der Frauensolidarität in Afrika, Asien und Lateinamerika möglich
machen: Damit will es auch die Zuschauenden zur Unterstützung des Elisabethenwerkes
motivieren.
Am Beispiel des alljährlichen Basars der Frauengemeinschaft St. Ursen,
Solothurn, zeigt sich im Besonderen die Verbindung Erste Welt Dritte
Welt und was ein kleines, übersichtliches Hilfswerk zu motivieren und
erreichen vermag.
Robert Geiser, Regionaldekan Solothurn, wandte sich nach der Videopremiere
an das Publikum und meinte: «Mir macht dieses Video, mir machen die
Frauen aus den Schwerpunktländern des Elisabethenwerkes Mut, an die
Zukunft dieser Erde zu glauben, gerade bei uns, wo der Zukunftsglaube von
Ðno-futureð, von Weltuntergangsstimmung oft Ðmadig gemachtð
wird. Und dieser Glaube ans Leben, der nicht mit dürren Worten, sondern
mit ansteckendem Gesang und Tanz weitergegeben wird, hat doch ganz fundamental
etwas mit dem Christentum zu tun.»
Der Schluss der Veranstaltung wurde zu einem stimmungsvollen Höhepunkt,
als «Mama Africa», Lizzy Hammond, ihre afrikanischen Klänge,
Rhythmen und Tänze auf die Bühne und ins Publikum brachte. Lizzy
Hammonds animierte zum Klatschen, zum Mitsingen, zum Tanzen... Es mutete
an, als würde das Video lebendig und Afrika live in den Saal hineingetragen.
Iris Utz dankte zum Schluss allen Gönnerinnen und Gönnern, den
Sponsoren und vor allem der Gastgeberin, der Frauengemeinschaft St. Ursen,
Solothurn, und lud alle Anwesenden zu einem Apéro ein, währenddem
die «afrikanische» Stimmung weiterlebte.<1>
1 Das Video eignet sich gut zur Gestaltung entsprechender Anlässe. Dieses kann gratis ausgeliehen werden oder zum Selbstkostenpreis von Fr. 12. gekauft werden. Informationen bei Alexandrina Stocker, Telefon 0412260225.