46/2002

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Berichte

Vertrauen schaffen

von Beatrix Ledergerber-Baumer

 

Das gegenseitige Vertrauen ermöglicht es, auch schwierige Fragen anzupacken.» So fasste Henrik Svenungsson, emeritierter evangelisch-lutherischer Bischof, die 21. Begegnungswoche zusammen, der sich am 29. Oktober 2002 in Morges (VD) weitere Kirchenverantwortliche anschlossen.
«Wir haben uns hier in Morges getroffen, um unter anderem über das Petrusamt zu sprechen und einander darzulegen, wie es in den verschiedenen Kirchen verstanden wird», erklärte der Moderator der Begegnungswoche, Kardinal Miloslav Vlk. Es gehe aber nicht um einen theologischen Disput zu diesem Thema, sondern darum, «die eigenen theologischen Konzepte zunächst einmal beiseite zu legen, um einander wirklich zuhören zu können», betonte der Prager Kardinal. Joachim Reinelt, Katholischer Bischof von Dresden-Meissen, führte aus: «Wir müssen unbedingt unser jeweiliges Kirchenverständnis klären und von da aus die Frage des Amtes besprechen. Wichtig ist hier die Betonung der Kirche als Volk Gottes. Dann ergibt sich das Amt als Dienst an der Einheit, der eng mit dem Volk Gottes verbunden ist. Dies gibt den Evangelischen Kirchen einen Anknüpfungspunkt. Für die Orthodoxen hingegen müsste man zweifelsohne die Rolle der Patriarchate neu bewerten und auf diesem Wege weitergehen.»
Die Begegnungswoche sowie die offene Tagung für Kirchenverantwortliche war von der Fokolar-Bewegung organisiert worden. So hielt die 82-jährige Chiara Lubich, Gründerin und Präsidentin dieser kirchlichen Bewegung, das Hauptreferat. Sie sprach ausserordentlich lebhaft über das Wort Gottes, Zentrum der Erfahrung der reformatorischen Kirchen, im Besonderen aber über die Bedeutung der Worte Gottes in ihrem persönlichen Leben und in der Fokolar-Bewegung. Chiara Lubich hatte auf Einladung der Eglise Protestante von Genf und des Ökumenischen Rates der Kirchen in Genf geweilt und konnte deshalb persönlich an der Tagung in Morges anwesend sein.
Die ganze Tagung machte den Anwesenden die «Dringlichkeit ökumenischen Handelns bewusst», wie Antoine Reymond, Synodalratsmitglied der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Waadt betonte. Doch nicht nur ökumenisches Handeln, auch ökumenisches Denken sind gefordert. Stefan Tobler, Privatdozent an der Evangelischen Theologischen Fakultät Tübingen, führte in seinem Referat zum Thema «Spiritualität und Theologie» aus, dass «nur trinitarisches Denken und eine trinitarisch geprägte Methode des Denkens» auch den ökumenischen Dialog einen entscheidenden Schritt weiterbringen könne. Dabei sei es wichtig, dass eine solche Theologie «das ökumenische Anliegen nicht nur ernst nimmt, sondern immer schon von einer ökumenisch relevanten Lebenspraxis herkommt». Eine Lebenspraxis, die von den Bischöfen auch in der jährlich stattfindenden Begegnungswoche aufgebaut und eingeübt wird.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2002