25/2002 | |
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Berichte |
Seit 90 Jahren für eine gerechte Zukunft»: Unter dieses Leitwort
stellte der Schweizerische Katholische Frauenbund (SKF) den thematischen
Teil seiner 87. Jahresversammlung in Einsiedeln. Am 21. Mai 1912 in Luzern
gegründet, lud der Frauenbund auf den 21./22. September des gleichen
Jahres zu einem Frauentag nach Einsiedeln ein, dem an die 7000 Frauen Folge
leisteten. 90 Jahre später konnten in Einsiedeln rund 350 Mitglieder
und Gäste im Rahmen der Delegiertenversammlung den runden Geburtstag
feiern.
Ein grosses Netz symbolisierte Wesen und Arbeit des SKF, und in der Einstimmung
in den Tag verglichen Frauen des Kantonalverbandes Schwyz die ungleichen
Fäden und Vernetzungen mit den Beziehungen im SKF, die Halt, Mut und
Vertrauen vermitteln. Das SKF-Netz müsse sorgfältig gepflegt werden,
damit es auch weiterhin tragfähig bleibe und Spannungen aushalte. Das
Handeln aus dem Glauben wurde am Beispiel von Abigail aus dem Ersten Testament
aufgezeigt. Auch heute und in Zukunft brauche es kluge und starke Frauen,
die beharrlich auf Solidarität und Toleranz setzen und auf der Suche
nach mehr Gerechtigkeit mit Zivilcourage Neues ausprobieren. In den zahlreichen
Grussadressen kam die Bedeutung des mit 250000 Mitgliedern grössten
Verbandes innerhalb der katholischen Kirche für Kirche und Gesellschaft
zum Ausdruck.
Im thematischen Teil, der mit einer Parodie des Theaterkoffers Luzern auf
Zukunftsvisionen des SKF besinnlich und heiter zugleich abgeschlossen wurde,
liessen die Mitglieder der Verbandsleitung die Geschichte Revue passieren.
Margrit Schnyder-Schelbert schaute auf die Gründungszeit zurück
und erinnerte an die Vorgeschichte und die Zeitumstände der Verbandsgründung.
Ende des 19. Jahrhunderts setzte eine Frauenbewegung ein, die auch katholische
Kreise erfasste; auf katholischer Seite entstanden caritativ wie religiös
ausgerichtete Frauenvereine. Weitsichtige Frauen und Männer erkannten
die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses der vielfältigen Kräfte.
So gründete der Kapuziner P. Rufin Steimer unter anderem auch
Gründer und erster Präsident des Schweizerischen Caritasverbandes
die «Schweizer katholische Frauenzeitung. Wochenblatt für
Unterhaltung und Belehrung». Nachdem 1904 der Schweizerische Katholische
Volksverein, dem auch Frauen angehörten, gegründet worden war,
wurde ein Frauenbund zunächst als Zweig des Volksvereins, besonders
seiner Caritassektion, gegründet; Vereinsorgan war die Frauenzeitung.
In den folgenden Jahren zeigte sich die Notwendigkeit, einen eigenständigen
Frauenbund zu gründen, um einen wirklichen Zusammenschluss aller katholischen
Frauenvereine zu erreichen. Eine am 21. Mai 1912 durchgeführte Delegiertenversammlung
vollzog diese Gründung.
In den ersten Jahren schon wurden Werke geschaffen, die bis heute Bestand
haben, und Wege gebahnt, die noch heute gegangen werden können. 1917
beschloss das Zentralkomitee die Gründung der «sozial-caritativen
Frauenschule» Luzern, der heutigen Hochschule für Soziale Arbeit.
1922 wurde die Aktion «Ferienversorgung erholungsbedürftiger
Mütter» begonnen, die schliesslich zum Erwerb des «Hofes
Gersau» führte. 1938 wurden erstmals für zwei Jahre Jahresparolen
ausgegeben: «Frau und Heimat» und «Leben aus der Liturgie».
Die Kriegs- und Nachkriegszeit vergegenwärtigte Trudy Odermatt-Spichtig.
Die vom Frauenbund wahrgenommenen Aufgaben waren zumeist kriegsbedingt caritative,
wobei er im Inland mit anderen Frauenverbänden und nach dem Krieg für
das Ausland mit Hilfswerken wie Caritas und Rotes Kreuz zusammen arbeitete.
Mit dem am 19. November 1958 erstmals durchgeführten Elisabethenopfer
beginnt die Geschichte des Elisabethenwerks, des Hilfswerks des SKF für
Entwicklungszusammenarbeit.<1>
Auf der anderen Seite hat sich der Frauenbund zielstrebig für die Frauenbildung
eingesetzt. Obwohl er in dieser Zeit dem Frauenstimm- und -wahlrecht gegenüber
immer noch zurückhaltend war, hat er sich an Vernehmlassungen beteiligt
und in eidgenössischen und schweizerischen Kommissionen mitgearbeitet.
Dass Trudy Odermatt-Spichtig beim Durcharbeiten der Unterlagen aus dem von
ihr dargestellten Zeitabschnitt auch immer wieder von Finanzsorgen lesen
musste, war für sie als heutige Zentralkassierin tröstlich.
Auf die Jahre der Aufbruchstimmung blickte Caroline Meier-Machen zurück.
Für den SKF begonnen hatte diese Zeit mit dem Amtsantritt von Anne-Marie
Höchli-Zen Ruffinen als Zentralpräsidentin. Es war die Zeit der
Synode 72, an der Anne-Marie Höchli-Zen Ruffinen in verschiedenen Funktionen
beteiligt war; damals sei der Emanzipationsprozess der Laien in Gang gekommen.
Es war die Zeit auch des ökumenischen Aufbruchs: seit 1971 geben die
konfessionellen Frauenverbände ihre «Zeitschrift Schritte ins
Offene» heraus.
In der Auseinandersetzung um die Neuordnung der Strafbarkeit des Schwangerschaftsabbruchs
postulierte der SKF flankierende Massnahmen zum Schutz von Mutter und Kind
die Mutterschaftsversicherung zum Beispiel und gründete
als eigenen Beitrag 1976 den «Solidaritätsfonds für werdende
Mütter in Bedrängnis», heute: «Solidaritätsfonds
für Mutter und Kind (SOFO)».
Die Mutterschaftsversicherung ist noch nicht eingerichtet, die in der Synode-Zeit
erkannten und angesprochenen «Zeichen der Zeit» sind noch drängender
geworden, auf den Dialog zwischen Kirchenleitung und Frauen wird immer noch
gewartet die Aufbruchstimmung ist verflogen.
In den 1990er Jahren sei die Gegenwart und Zukunft vorbereitet worden, überlegte
abschliessend die Zentralpräsidentin Verena Bürgi-Burri. Denn
in dieser Zeit hat der SKF ein klareres politisches Profil gewonnen, 1992
prägnant im Leitbild «Für eine gerechte Zukunft» auf
den Begriff gebracht. Zudem kam es 1994 mit dem Zusammenschluss der Frauen-
und Müttergemeinschaften der deutschen Schweiz (FMG) zu einer Verbreiterung
der Basis. Mit der anschliessend erfolgten Übernahme des Bildungszentrums
Matt in Schwarzenberg hat der SKF seit 1996 ein Kompetenzzentrum für
Frauenbildung.
In der letzten Zeit hat sich der SKF mit ganz verschiedenen Fragen befasst:
Friedensfrage, Fragen der Bioethik, in der Kirche Ämterfrage, Zölibatsfrage,
Gottesdienstgestaltung, und dazu mehrere Arbeits-, Diskussions- und Positionspapiere
herausgegeben. In diesen Papieren sollen aktuelle Themen aus der Sicht von
Frauen für Frauen zur Sprache gebracht werden. Sie sind aber auch Ausdruck,
wie Frauen gemeinsam auf dem Weg sind. Zumal der SKF schon Themen behandelt
hat, bevor sie tagesaktuell wurden.
1 Am Dienstag, 19. November 2002, findet um 17 Uhr im BZ Altes Spital in Solothurn die Filmpremiere des Anspielfilms «Frauen bewegen» des Elisabethenwerks statt. Dieser Videofilm kann kostenlos ausgeliehen oder zum Preis von Fr. 12. plus Versandkosten gekauft werden (SKF, Elisabethenwerk, Postfach 7854, 6000 Luzern 7, Telefon 0412260225, Fax 0412260221, E-Mail alexa.stocker@frauenbund.ch).