8/2002

INHALT

Berichte

Eine gemeinsame Vision der Einheit

von Beatrix Ledergerber

 

Zu einer «offenen Tagung für Kirchenverantwortliche» kamen am 19. November 2001 32 Kirchenverantwortliche verschiedener Konfessionen vor allem aus der Schweiz mit den 24 Bischöfen aus aller Welt zusammen, die mit der Gründerin und Präsidentin der Fokolar-Bewegung, Chiara Lubich, in Baar (ZG) die 20. ökumenische Begegnungswoche für Bischöfe durchführten.
«Wir sind uns in der Ökumene in vielen Punkten näher gekommen», erklärte Bischof Kurt Koch in einem Gespräch am Rande der offenen Tagung für Kirchenverantwortliche in Baar. «Doch wir haben noch keine gemeinsame Vision der Einheit. Solange jede Konfession ihre eigene Vision von Einheit verwirklichen will, bleiben die Probleme bestehen.» An dieser Tagung in Baar komme man einer gemeinsamen Vision von Einheit näher, führte der Basler Bischof weiter aus. Er bezog sich dabei auf das Hauptreferat der Tagung, das von der 81-jährigen Gründerin und Präsidentin der Fokolar-Bewegung, Chiara Lubich, gehalten wurde.
Sie stellte darin den Anwesenden zwei Schwerpunkte ihrer Spiritualität der Gemeinschaft vor, die auch als «ökumenische Spiritualität» bezeichnet wird: das Geheimnis der Einheit und das des gekreuzigten und verlassenen Jesus. «Die Berufung zur Einheit verbindet uns mit dem Himmel und lässt uns eine Geschwisterlichkeit erleben, die niemanden ausschliesst», führte Chiara Lubich aus. Als «Schlüssel zur Einheit» bezeichnete sie Jesus am Kreuz, der schreit: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?» (Mt 27,46). Jesus habe sich noch am Kreuz neu dem Vater anvertraut, von dem er sich verlassen fühlte. («In deine Hände, Herr...»). «Wie er können auch wir die Prüfungen überwinden, indem wir sie annehmen und zu Jesus sagen: Ich gebe mein Ja zu diesem Schmerz, ich will dich darin lieben, dich in deiner Verlassenheit.» In dieser liebenden Haltung in allem, was trennt und schmerzt, lägen ungeahnte Perspektiven auch für die Ökumene.
Dr. Martin Robra, der als Vertreter des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) zur offenen Tagung gekommen war, meinte dazu: «Die Spiritualität der Fokolar-Bewegung ist eine gelebte Alternative, die uns Mut macht. Der christologische Ansatz im Vortrag von Chiara Lubich schafft Raum für den und die andere. Das ist Voraussetzung für den ökumenischen Dialog.»

Viele Kirchen vertreten

Bereits vor der offenen Tagung hatten sich 24 Bischöfe aus der Orthodoxen, Syrisch-Orthodoxen, Anglikanischen, Evangelisch-Lutherischen und Römisch-Katholischen Kirche eine ganze Woche lang Zeit genommen, um «sich kennen zu lernen, miteinander ins Gespräch zu kommen, eine Gemeinschaft zu werden», wie es der Moderator der Woche, der Prager Erzbischof Kardinal Miloslav Vlk, ausdrückte.
Bei dieser ökumenischen Zusammenkunft ging es nicht in erster Linie darum, theologisch strittige Fragen zu besprechen, sondern «die Spiritualität der Gemeinschaft, welche die Fokolar-Bewegung vermittelt, tiefer kennen zu lernen und sich im Leben dieser Spiritualität zu üben», führte Kardinal Vlk weiter aus. So werde ein Klima geschaffen, in dem die Unterschiede dann auch benannt werden könnten, jedoch in einem konstruktiven Gespräch. Ausserdem würden hier viele Kontakte geknüpft, die das ökumenische Gespräch unter dem Jahr sehr vereinfachten, fügte Weihbischof Pierre Bürcher aus Lausanne an.
«Jedes Mal, wenn unter Vertretern verschiedener Kirchen eine tiefe Gemeinschaft entsteht, stellt sich schmerzlich die Frage nach der gemeinsamen Feier der Eucharistie», erklärte Kardinal Vlk. Dieses Mal hätten sie erlebt, dass die «tiefe Einheit in Christus, die wir hier zu verwirklichen versuchen, eine Vorbereitung ist, damit die gemeinsame Eucharistie möglich wird». So hätten die theologischen Differenzen zu diesem Thema in einem Klima der Freundschaft und des gegenseitigen Sich-Zuhörens ausgesprochen werden können. Für die Begegnungswoche des nächsten Jahres wurde ein ökumenisches Gespräch über die Rolle des Papstes ins Programm genommen. In der Zwischenzeit wird jeder Bischof innerhalb seiner Kirche das Gespräch zu diesem Thema suchen. Diese internationale ökumenische Begegnungswoche für Kirchenverantwortliche fand zum 20. Mal statt. Nach Rom, Istanbul, Amman/Jerusalem, London, Trient und Augsburg wurde dieses Jahr die Schweiz als Tagungsort ausgewählt, um vor allem die Reformierte Kirche tiefer kennen zu lernen. Nächstes Jahr werden die Bischöfe zuerst wieder nach Rom und im folgenden Jahr nach Istanbul eingeladen.
Höhepunkte der Begegnungswoche waren Ausflüge nach Einsiedeln und ins Syrisch-Orthodoxe Kloster St. Augin in Arth, vor allem aber auch ein Besuch von Zürich «auf den Spuren von Huldrych Zwingli». Ein besonderes Erlebnis war für die aus aller Welt angereisten Bischöfe die ökumenische Feier mit Chiara Lubich am Samstagabend im übervollen Zürcher Grossmünster, an der gut 1300 Personen teilnahmen. Herzlich begrüsste hier Pfarrer Ruedi Reich, Kirchenratspräsident der Evangelisch-Reformierten Landeskirche des Kantons Zürich, die Anwesenden, und er feierte zusammen mit Weihbischof Peter Henrici und den 24 Bischöfen aus neun verschiedenen Kirchen einen bewegenden Gottesdienst. Chiara Lubich betonte in ihrer Ansprache, dass nur eine vereinte Christenheit der Welt heute ein glaubwürdiges Zeugnis geben könne.


Sakristanendienst

von Norbert Hummel

 

Auf der jährlichen Arbeitstagung der Arbeitsgemeinschaft der Sakristanenverbände des deutschen Sprachgebietes äusserten Delegierte aus Südtirol, Österreich, der Schweiz und Deutschland in Einsiedeln die Auffassung, dass der Sakristanendienst in erster Linie ein liturgischer Dienst sei; die Sakristane befürchten, sonst zu «Hausmeistern» degradiert zu werden. Dabei merkten gerade Fernstehende beim Betreten eines Gotteshauses, ob sie sich hier wohl fühlen können; viel dazu beitragen kann der Sakristan, vom Blumenschmuck bis hin, dass die Kerzen gerade stehen.
Die Delegierten können Richtlinien erstellen, die für die einzelnen Verbände allerdings nicht verbindlich sind. So wird im Herbst ein «Handbuch für die Sakristei» erscheinen, an dem erfahrene Autoren mitgewirkt haben; es soll in der Sakristei zur Verwendung aufliegen. Der Öffentlichkeit und dem Fachpublikum vorgestellt werden soll das Handbuch auf den beiden Handelsmessen «ecclesia» in Essen und «Gloria» in Dornbirn; an beiden Messen ist die Arbeitsgemeinschaft mit einem Informationsstand präsent.
Weihbischof Martin Gächter sprach als Vorsitzender der internationalen Vereinigung der Ministranten (CIM) zum Thema: «Der Sakristan und der Ministrant». Die Ministranten sollten nicht nur in den Diözesen und Pfarreien gefördert werden, sondern auch von den Sakristanen Wohlwollen erfahren. Ministranten sind in manchen Gemeinden oft die Nachfolger eines Sakristans. Weil oft auch von den Schulkameraden der Ministrantendienst ins Lächerliche gezogen wird, braucht es Motivation von Seiten aller Begleiter der Ministranten.
Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Arbeitsgemeinschaft fand eine Feierstunde statt, in der zwei Verdiente geehrt wurden. Franz Kopecky, Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft, wurde zum Ehrenmitglied und Msgr. Heribert Sautter zum Ehrenpräses ernannt.<1>


Anmerkung

1 Bei den Wahlen wurde der bisherige Vorstand wieder gewählt; als Geistlicher Beirat wurde Msgr. Heribert Sautter von Pfarrer Erwin Keller, Leiter der Schweizerischen Sakristanenschule, abgelöst. Die Leiter der Sakristanenschulen treffen sich regelmässig, um auf gemeinsame Richtlinien hin zu arbeiten.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2002