20-21/2002

INHALT

Amtlicher Teil

 

Bistum Basel

 

Ernennungen


Bistum Sitten

 

Botschaft des Bischofs von Sitten und des Abtes von St-Maurice zur Abstimmung vom 2. Juni 2002

Nein zur Fristenregelung, Ja zum Leben

Es ist immer Aufgabe des Menschen, sich für das Leben einzusetzen. Für uns wird diese Aufgabe in den kommenden Wochen und Monaten bedeuten, dass wir uns aktiv einsetzen für das Leben, dass wir uns nicht nur in unserem religiösen Leben, sondern auch in der Gesellschaft des Vertrauens würdig erweisen, das Gott uns mit dem Geschenk des Lebens macht.
Wir werden dazu Gelegenheit haben, weil wir in unserem Lande am 2. Juni einen Entscheid treffen müssen, der im eigentlichsten Sinne des Wortes «ans Leben» geht. Diese Abstimmung wird mehr als andere zu einem wirklichen Testfall für unsere Gesellschaft. Sie hat exemplarischen Charakter und ihre Folgen für unsere Zukunft gehen weit über den eigentlichen Abstimmungsgegenstand hinaus.
Werden Menschen und Christen in diesem Lande die Kraft haben, das grundsätzliche Bekenntnis zur unantastbaren Würde und zum Schutz jeden menschlichen Lebens von seinem Anfang bis zu seinem Ende auch tatsächlich in die Tat umzusetzen? Oder werden sie unter Vorgabe irgendwelcher Gründe das in der Verfassung festgeschriebene Grundrecht durch ein Gesetz ausser Kraft setzen?
Es wird uns allerdings gesagt, dass wir Walliser immer noch etwas hinterwäldlerisch sind und dass wir uns endlich für Neues öffnen müssen. Das ist tatsächlich ein Anliegen. Aber: Bringt die «Fristenlösung» diesen Fortschritt?
Wir sagen: ganz im Gegenteil: Gerade des guten Fortschrittes wegen müssen wir uns heute konkret für das Leben einsetzen.
Noch nie so wie heute sind der Kampf gegen die Kultur des Todes und der unbedingte Einsatz für das Leben ein Beweis für Aufgeschlossenheit.
Noch nie so wie heute war es in der Geschichte der Menschheit ein Gebot der Stunde, den Frauen in Not, die unter den Druck der Umgebung und der Gesellschaft geraten, tatkräftig zu helfen sowie die verantwortungsbewussten Ärzte und Krankenschwestern zu unterstützen, und sie nicht einem Gesetze auszuliefern, das jeder Willkür Tür und Tor öffnet.
Darum ist es das erste und wichtigste Ziel unserer jetzigen Bemühungen, uns bei der Abstimmung am 2. Juni 2002 auf die klare Ablehnung der «Fristenlösung» zu konzentrieren.
Das allein jedoch wird nicht genügen. Soll dieses Nein nicht wirkungslos bleiben, müssen wir konkrete Hilfen anbieten. Es ist unsere Pflicht in Kirche und Staat, Initiativen wie den «Solidaritätsfonds», wie Heime, wie Kinderhilfen, wie familiengerechte Wohnungen, wie Unterstützung für allein stehende Mütter usw. zu fördern oder neu einzurichten.
So wird unser klares Nein zur «Fristenlösung» zu einem wirkungsvollen Ja für das Leben.

Sitten, St-Maurice, 6. Mai 2002

+ Norbert Brunner
Bischof von Sitten

+ Joseph Roduit
Abt von St-Maurice


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2002