14/2001

INHALT

Wortmeldung

Priesterlicher Dienst

Medard Kehl schlägt in der SKZ 12/2001 vor, die Eucharistie als das Proprium priesterlichen Dienstes vermehrt als «harten Kern» zu gewichten. Allein: ist dem nicht schon jetzt so? Die Praxis zeigt jedenfalls, wie schwer es ist, Priester auch nur zu einer Bussfeier zu motivieren, die mehr ist als eine Messe mit ausgebautem Bussakt... Oder, wie selten es gelingt, Formen gemeindlicher Frömmigkeit, wie Vesper, Rosenkranz, Meditation oder alternative Formen auch gemeinsam mit Priestern zu feiern.
Und die Gemeinde? Hin und wieder begegnet mir der lauter oder leiser formulierte Verdacht, letztgenannte Gottesdienstformen würden wir Nichtordinierten bloss anbieten, weil wir nicht die Eucharistie feiern dürften. Konzentration auf Wesentliches kann in der Praxis sehr leicht auch zur Fixierung erstarren!
Ironie der Weiheproblematik: Heute werden gerade die frag-würdigen Kommunionfeiern dank fehlender Standardisierung mit jener Liebe und Sorgfalt, Kultur und Poesie gestaltet, die sich Medard Kehl ­ zu Recht! ­ für die Eucharistie wünscht.

Thomas Markus Meier


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2001