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10/2001
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«Was macht die Gemeinde zur Gemeinde?» (SKZ Nr. 5/2001)
Nach dem Neuen Testament realisiert sich die Kirche in der konkreten
Ortsgemeinde. Sie ist, sofern sie in Gemeinschaft mit den andern Lokalgemeinden
steht, im vollen Umfang selber Kirche, Kirche Gottes in Fülle. Die
konstante Praxis der drei Grundfunktionen in der Nachfolge Jesu (Martyrie,
Diakonie, Liturgie) macht die Gemeinschaft zur Kirche. Diese sich am Ort
zur Eucharistie versammelnde Gemeinde ist aber in der Realität vor
allem die Pfarrei und gewiss nicht das heutige Bistum. Man muss daher von
der Fiktion Abschied nehmen, Ortskirche sei das Bistum und die Pfarrei nur
ein Verwaltungssektor (wobei ihr Vorsteher bloss den Bischof vertrete, weil
dieser nicht überall sein kann). Diese Modellvorstellung des II. Vatikanums
mochte im frühen Mittelalter für Italien zutreffen, wo jede Stadtgemeinde
einen Bischof hatte und sich allsonntäglich unter seinem Vorsitz zur
Eucharistie treffen konnte; heute aber entbehrt sie jeder Realität.
Einzig in der Eucharistiegemeinde-am-Ort (z.B. Pfarrei) entsteht, wächst
und lebt die Kirche; sie hat sowohl der Entstehung wie dem Gewicht nach
Priorität vor der Gesamtkirche (im Sinn des Epheserbriefs): Ohne diese
Lokalgemeinden gibt es praktisch wie theologisch weder ein Bistum noch eine
Weltkirche. Es sind folglich für die Kirche Vorgänge auf Leben
und Tod, wenn heute (teilweise in Jahrhunderten) gewachsene Lokalkirchen
administrativ in «Seelsorgeeinheiten» aufgelöst und wegen
des Zölibatsgesetzes der Eucharistie beraubt werden. Würden Gemeinden
und Hierarchie damit ernst machen, dass die Lokalgemeinde unter dem einen
Herrn Jesus Christus und kraft seines Geistes Subjekt allen kirchlichen
Lebens und Tuns ist, verantwortliche Trägerin von Liturgie, Diakonie
und Martyrie: Die Kirche würde von Aktualität, Lebenskraft, Engagement,
Vielfalt und damit Bedeutsamkeit für die Zeitgenossen nur so strotzen!
Roland Hinnen
© Schweizerische Kirchenzeitung - 2001