3/2001

INHALT

Wortmeldung

"Weihnachten"

Unter diesem Titel erschien in der Schweizerischen Kirchenzeitung ein Artikel, gezeichnet von der Autorin Frau Christa Peikert-Flaspöhler, der meine Aufmerksamkeit in zweifacher Hinsicht strapazierte.
Zum Ersten: Der Aufsatz der erwähnten Autorin ist voll beladen mit Aussagen, die unserm katholischen Glauben widersprechen. Um meine Behauptungen zu untermauern, gestatte ich mir, einige wenige Zitate anzuführen. «Betlehem ­ eine wenig bedeutende Ansiedlung, nicht der geografische Geburtsort des Jeshua aus Nazaret.» «An der Wiege des neugeborenen Jeshua erschienen weder Hirten noch Könige, und die armen Schafhüter auf betlehemitischen Weiden erlebten die wundersamen himmlischen Heerscharen nicht.» Diesen subjektiven Auffassungen widersprechen die objektiven Darlegungen des Evangelisten Lukas (2,1­14) in allen Teilen, nachzulesen im Evangelium des weihnachtlichen Mitternachtsgottesdienstes.
Wenn nun ein christlicher Leser dieser Zeilen glaubt, derartige Darlegungen stossen an die Grenzen des Anständigen, sie erlaubten sich des Guten zu viel, sieht er sich leider getäuscht. Es kommt noch besser bzw. noch schlimmer. Christa Peikert fährt fort: «Das jüdische Paar Mirjam und Josef lebte Ehe und Familie nach den Gesetzen der Tora. Mattäus wäre es nicht in den Sinn gekommen, Mirjam als Jungfrau im biologischen Sinn anzusehen, es handelt sich lediglich um einen Ehrentitel. Wie für alle andern seiner Werke gilt auch für die geschlechtliche Liebe Gottes Aussage: Ðes war sehr gutð (Gen 1,31).» Mit dieser Auslegung behauptet die Autorin, dass Maria und Josef, wie alle andern Paare auch, eine normale, natürliche Ehe gelebt und zusammen ihren Sohn Jesus gezeugt haben.
Diese Aussagen schlagen, wie der Volksmund sagt, dem Fass den Boden aus, denn sie leugnen auf Anhieb hemmungslos zwei unserer fundamentalen Glaubenswahrheiten. Im Glaubensbekenntnis der Katholischen Kirche beten wir: «Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria.» Die Empfängnis der Jungfrau Maria durch den Heiligen Geist und das Dogma von der unbefleckten Empfängnis Marias werden von der Autorin schlichtweg verworfen.
Wir sind uns langsam gewohnt, in der weltlichen, atheistischen, gottlosen Presse derartige Verbalhornungen der Heiligen Schrift konsumieren zu müssen. Wenn aber Derartiges in kirchlichen Zeitungen vorkommt, ist die höchste Alarmstufe erreicht. Das aber ist der zweite, und der eigentliche Grund, warum meine Aufmerksamkeit strapaziert wurde. Die Schweizerische Kirchenzeitung ist ein amtliches Organ, sie betitelt sich selber so. Bekanntlich werden in amtlichen Organen Beschlüsse der Ämter veröffentlicht. Nun aber ist das Amt der Schweizerischen Katholischen Kirche die Bischofskonferenz (SBK).
Wenn aber die SBK derartige extravagante, glaubenswidrige Weihnachtsbotschaften einer Frau Peikert bejaht, dann, ja dann werde ich vor die Alternative gestellt, wem zu glauben ist und wem nicht. Mein Entschluss steht fest: Römisch-katholisch wurde ich getauft und gefirmt, und so will ich auch sterben.

Kurt Regli


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2001