43/2001 | |
INHALT | |
Kirche in der Welt |
Wenn dieser dritte Bericht über die Bischofssynode 2001 erscheint,
denken die Bischöfe in Rom bereits ans Einpacken. Am Samstag wird die
Synode in einem Gottesdienst mit dem Papst geschlossen; wie Johannes Paul
II. die Bischöfe bei der Eröffnung ermahnt hatte, ein Beispiel
der Armut zu geben, wird er sie sicher mit einem ebenso eindrücklichen
Mahnwort entlassen. Am Sonntag wird ein gemeinsames Mittagsmahl die Synodalen
mit dem Papst in Santa Marta vereinen, an jenem Ort also, zu dem in unbestimmter
Zukunft einige Synodalen zurückkehren werden, wenn es gilt, den Nachfolger
von Karol Wojtyla zu wählen.
Dieser dritte Bericht möchte, ausgehend von den Darlegungen von Kardinal
Jorge Mario Bergoglio («relatio post disceptationem») und den
Zusammenfassungen der Sprachgruppen über ihre Diskussion, versuchen,
Tendenzen festzustellen, die in die Vorschläge («propositiones»)
und damit in das Schlussdokument, das dem Papst als Grundlage für das
nachsynodale Dokument übergeben wird, eingehen könnten. Zugleich
möchte ich auf einige eindrückliche Interventionen der ersten
beiden Wochen zurückkommen.
Eine Bischofssynode unterscheidet sich von einer Bergbesteigung; das
ist, bezogen auf die Synoden-Berichterstattung, mehr als eine Banalität!
Bei einer Bergbesteigung weitet sich die Sicht, je höher man kommt,
immer mehr, bis sie auf dem Gipfel ihren Höhepunkt erreicht, den Blick
etwa vom Bietschhorn bis in die Lombardei, um es lokalpatriotisch zu illustrieren.
Bei der Synode ist es genau umgekehrt: Weitsicht nicht nur bis in die Lombardei,
sondern über die ganze Welt, von Ozeanien bis Alaska, mit Schilderungen
von Sorgen und Freuden der Bischöfe, die nachdenklich machen, erhält
man in den beiden ersten Wochen. Dann aber verengt sich die Sicht immer
mehr: von den Beratungen der dritten Woche in den «circuli minores»,
die von den Teilnehmern immer als sehr persönlich und intensiv geschildert
werden, vernimmt man noch etwas aus den Rapporten, die im Plenum vorgelegt
und in Auszügen veröffentlicht werden. Von den Beratungen und
Abstimmungen der vierten Woche, die eben abgeschlossen wurden, fallen nur
noch einige Brosamen vom Tisch der Synode. Und wenn die Synode auf dem Gipfel
angekommen ist, wenn das Schlussdokument, das dem Papst übergeben wird,
verabschiedet ist, vernimmt man überhaupt nichts mehr, denn das Ergebnis
der Synode steht unter Verschluss. Und wer von den Berichterstattern erst
in der vierten Woche anreisen sollte, wird frustriert wieder heimfahren,
weil in dieser Zeit «nichts» (Berichtenswertes) passierte. Die
«Botschaft an das Volk Gottes», die man «erfunden»
hat, um doch noch etwas Greifbares vorweisen zu können, kann je nach
Verfasser überzeugen, wird es aber, wie Erfahrungen beweisen, mehrteils
nicht, weil sie eher einer Betrachtung gleicht als einer Darstellung der
Arbeit der Synode.
Diese Situation ist für die Berichterstattung unbefriedigend
ich meine, sie sei es auch für die Bischöfe. Denn vermutlich werden
sie, wenn sie nach vierwöchiger Abwesenheit in ihre Diözesen zurückkommen,
gefragt, was denn nun das Ergebnis ihrer Diskussion sei. Sie können
zwar mit Überzeugung antworten, sie hätten Kollegialität
erlebt; wem das zu wenig ist, dem können sie noch antworten, sie hätten
mit Zweidrittelsmehrheit ein Dokument verabschiedet, von dem sie nicht sprechen
dürfen, weil es einzig für den Papst bestimmt ist. Der werde irgendwann
in der Zukunft zusammen mit einer Kommission, die sie gewählt hätten,
ein nachsynodales Dokument herausgeben, in das ihre Arbeit Eingang finden
werde. Doch die Gefahr besteht, dass dann, bei der Informationsflut unserer
Tage, fast niemand mehr sich erinnert, dass überhaupt einmal eine Bischofssynode
über das Bischofsamt stattgefunden hat. Und viele Katholiken werden
sich fragen, ob die Leitung der Kirche durch die Bischöfe «cum
Petro» wirklich darin bestehen kann, dass die Bischöfe nicht
sagen können, was sie beschlossen haben.
Bischof Amédée Grab hatte in seiner im Auftrag des Präsidiums
des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen abgegebenen Intervention
gesagt: «Jedermann ist mit der Meinung einverstanden, dass die Synode
in den letzten Dezennien eine aussergewöhnliche Erfahrung der Kollegialität
unter den Bischöfen gewesen ist, aber auch, weil einige Fragen über
die Methode und die gegenwärtige Art des Ablaufs entstanden sind, dass
diese nützlich sein können für das Nachdenken (über
die Synode).» In den Gruppenberichten, die ich jeweils in der französischen
Übersetzung falls notwendig zitieren werde, da es seit
dieser Bischofssynode aus unerfindlichen Gründen keine deutsche Übersetzung
mehr gab, tauchte diese Frage, ausgenommen in den italienischen Gruppen,
überall auf. Bischof Gilles Cazabon (OMI) aus dem kanadischen Saint-Jérôme
erklärte im Auftrag einer französischen Gruppe: «Die affektive
Kollegialität ist von grossem Wert, aber es muss mit gleicher Aufmerksamkeit
auch auf die effektive Kollegialität Wert gelegt werden, die bereits
ihre Formen im Austausch unter den Kirchen gefunden hat. Die Bischofssynode
muss desgleichen ein besseres Instrument der Kollegialität (Ðun
meilleur instrument de collégialité effectiveð) cum Petro
et sub Petro werden. Der ökumenische Dialog kann nur gewinnen durch
die Verstärkung der synodalen Institution, die die Bischöfe eines
Teiles des Volkes Gottes um den Nachfolger des Petrus versammelt.»
Einer der englischen Sprachzirkel, für den John Olorunfemi Onaiyekan,
Erzbischof von Abuja und Präsident der nigerianischen Bischofskonferenz,
referierte, liess mitteilen: «Die Bischofssynode, die das wichtigste
Instrument (Ðl'instrument le plus importantð) dieser Kollegialität
wird, muss Subjekt späterer Reflexion und Evolution werden, die ihre
Effektivität verbessern.» Und die deutsche Gruppe stellte kurz
und knapp fest: «Die Beziehung der Bischofskonferenzen und der Patriarchalsynoden
mit dem Papst könnten durch eine Verbesserung der bestehenden Strukturen
der Bischofssynoden affektiver und effektiver gestaltet werden» und
fügte in Klammer erklärend hinzu: «keine neuen Strukturen,
sondern Verbesserung der gegebenen.» Es wird interessant sein, zu
beobachten, ob in dieser Frage, solange der belgische Kardinal Jan Pieter
Schotte, zugestandenermassen sehr souverän in der Organisation der
Synode, aber gerade deshalb auch nicht sehr offen für Reformen, das
Sekretariat leitet, etwas zu machen ist. Die französische Gruppe, für
die erneut ein Kanadier, Bischof Pierre Morissette von Baie-Domeau, sprach,
deutete die Richtung an: «Es scheint uns entscheidend, diese wichtige
Frage zu studieren, indem man sich von der Arbeitsweise des (Zweiten Vatikanischen)
Konzils inspirieren lässt.»
Damit man der «relatio post disceptationem» gerecht werden
kann, muss man einiges von ihrer Entstehung wissen. Zum Relator war von
Johannes Paul II. Kardinal Edward Michael Egan von New York bestimmt worden,
der aber kurz nach Beginn der Bischofssynode zurück in seine Bischofsstadt
flog und in dieser Aufgabe durch Kardinal Jean Mario Bergoglio von Buenos
Aires ersetzt wurde. Diese Situation brachte es mit sich, dass vermutlich
die Hauptarbeit bei der Erstellung des zusammenfassenden Zwischenberichtes
auf den Schultern des Spezialsekretärs ruhte, des italienischen Bischofs
Marcello Semeraro von Oria in Süditalien.
Diese Relatio ist geschliffen formuliert und liest sich auch sehr gut. Sie
gibt von den Interventionen, besonders von den Darlegungen des Bildes des
Bischofs, ein gutes und getreues Bild und kann insofern allen Klerikern,
die das «bonum opus» des Bischofsamtes erreicht haben, als Pflichtlektüre
empfohlen werden. Hie und da hat man den Eindruck, sie sei vor der Bischofssynode
entworfen und nur mit Beispielen aus der Synodendiskussion garniert worden.
Weiter fällt auf, dass in der Wertung ungefähr jene Tendenz vorliegt,
die auch in den Darlegungen der beiden italienischsprachigen Zirkeln vorherrscht.
In den beiden Abschnitten über das «Prinzip der communio»
(15 und 16) kommt diese Ausrichtung deutlich zum Ausdruck. So reibt man
sich erstaunt die Augen, wenn in Abschnitt 15 zuerst über die Arbeit
der Leiter der römischen Dikasterien und ihrer Mitarbeiter referiert
und gesagt wird: «Bei dieser Gelegenheit möchten wir den Leitern
der Dikasterien und ihren Mitarbeitern, die im Dienst der Heiligen Stuhles
zum Wohl der Teilkirchen arbeiten, danken.» Danken ist nicht nur in
der Kirche, sondern ganz allgemein unter Menschen immer eine Tugend. Warum
dieser Dank aber fast ostentativ an den Anfang der Darlegungen über
die «communio» gestellt wurde, ist unklar. Ich kann mich nicht
erinnern, dass irgendein Synodenvater die Arbeit der römischen Kurie
abschätzig beurteilt hätte; es ging immer nur um die Frage, ob
die vatikanischen Stellen die Arbeit der Ortskirchen «richtig»
und «verständnisvoll» beurteilen, davon aber steht in der
Relatio kein Wort. Zudem hatte sich schon Kardinal Angelo Sodano als Staatssekretär
in seiner Intervention wie weiland Winkelried bei Sempach mutig in die Speere
eventueller Kritiker gestürzt und um Verständnis für die
Angestellten an der Kurie und auf den diplomatischen Posten geworben.
Dass die Bischöfe hier Korrekturen anbringen wollten, geht aus den
Berichten einiger Sprachgruppen hervor. Dafür zwei Beispiele: Erzbischof
Orlando B. Quevedo (OMI), Erzbischof von Cotabato und Präsident der
philippinischen Bischofskonferenz, erklärte im Auftrag einer englischen
Gruppe: «Wir glauben, dass eine auf dem Prinzip der Korresponsabilität,
der Konsultation, des gegenseitigen Vertrauens und der Liebe aufgebaute
Verbindung zwischen der römischen Kurie und den Bischofskonferenzen
herrschen müsste.» Und Bischof Pierre Morissette sagte im Auftrag
einer französischen Gruppe: «Wenn Unmut über die Beziehung
der Bischöfe zur römischen Kurie geäussert wurde und, falls
solche Probleme bestehen sollten, müssen sie angegangen werden (Ðil
faut y faire faceð).» Das sind wohl eher harmlose Pfeile als Speere
was aber durchaus nicht heissen soll, dass man sie jetzt abhaken kann.
Im gleichen Abschnitt der Relatio von Kardinal Bergoglio wird auch über
weitere Formen der «communio» unter Bischöfen gesprochen,
die über eine «simple convivialité» hinausgehen
müssen; aber es klingt alles etwas verschwommen. Überraschend
taucht dann am Schluss des Abschnittes noch die Idee einer «Erneuerung
der Funktionen des Metropoliten» auf. Kardinal Friedrich Wetter, Erzbischof
von München und Freising, hatte für die Metropoliten mehr Einfluss
bei der Wahl neuer Bischöfe verlangt. Für jene französische
Gruppe, für die Bischof Pierre Morissette referierte, ist das keine
Lösung für die Zukunft; «wenn diese Form (der Ðcommunioð)
auch hie und da fruchtbar sein mag, hat sie heute oft von ihrer Bedeutung
zu Gunsten anderer kirchlicher Zusammenschlüsse (Ðregroupementsð),
auf nationaler Ebene besonders im Rahmen der Bischofskonferenz und auf regionaler
Ebene im Rahmen von eher begrenzten Zusammenkünften der Bischöfe,
verloren. Auf diesen Ebenen geschieht heute die Kooperation unter Kirchen
und effektive oder affektive Kollegialität.» Sehr eingehend beschäftigte
sich in einer nur schriftlich eingereichten Intervention der Erzbischof
von Bloemfontein, Buti Joseph Tlhagale (OMI), im Auftrag der südafrikanischen
Bischofskonferenz mit diesen Zusammenschlüssen der Bischöfe auf
nationaler, regionaler und kontinentaler Ebene. Sie sind «mehr als
simple technische Agenturen, sie sind natürliche Instrumente, um den
göttlichen Plan der Ðcommunioð zu verwirklichen».
Bischof Semeraro und seine Leute im Spezialsekretariat hatten sich wirklich
Mühe gegeben, in Abschnitt 16 der Relatio von Kardinal Bergoglio alle
Autoritäten zu sammeln, die sich in der Kirche schon gegen die Übertragung
des «Prinzips der Subsidiarität» auf den hierarchischen
Bereich ausgeprochen haben, und Weihbischof Ludwig Schick von Fulda hatte
in einem Pressegespräch gemeint, dieses Prinzip sei selbst im profanen
Raum zu umstritten, wenn er daran denke, welcher Unterschied zwischen der
Idee der Subsidiarität bei den Freien Demokraten und der CDU bestehe.
Die Relatio schloss mit der Feststellung: «Die Beziehung zwischen
diesen beiden Gewalten (d.h. der Ðhöchsten Gewalt des Papstesð,
Ðelle aussi épiscopaleð, und der Autorität des Diözesanbischofs)
wird nicht automatisch (Ðautomatiquementð) gelöst, indem man
das Prinzip der Subsidiarität anruft, sondern wohl eher mit dem Prinzip
der Ðcommunioð, von der im Saal der Synode oft gesprochen wurde.»
Die deutsche Gruppe fand in diesem Satz den Strohhalm, um die «Subsidiarität»,
von der einige Teilnehmer der Gruppe unter anderm auch Bischof Norbert
Brunner in ihrer Intervention gesprochen hatten, zu retten. So hiess
es in ihrer Zusammenfassung der Diskussion im «circulus minor»:
«Subsidiarität muss theologisch über die Communio definiert
werden. Eine Kommission sollte das Thema ÐCommunio und Subsidiaritätð
vertiefen.» Was der erste Satz genau besagt, besonders, was er für
praktische Auswirkungen hat, wurde auch nach den Erklärungen des Präsidenten
des deutschen Sprachzirkels nicht klar.
Richtig froh bin ich, dass die «martialische» Intervention
von Kardinal Joachim Meisner, Erzbischof von Köln, keinen Niederschlag
in den Darlegungen der deutschsprachigen Gruppe gefunden hat: «Die
Glaubenskrise in der Kirche ist Ausdruck der umfassenderen Kulturkrise,
aber auch Folge einer Art von Selbstsäkularisierung, für die die
Organe der Kirche, aber auch die Inhaber des Bischofsamtes, mitverantwortlich
sind. Nicht wenige Bischöfe verkennen die Bedrohlichkeit der Lage,
andere deuten die Trennungstendenzen im Glauben als fruchtbare Spannungen,
die in Zukunft zu einer neuen Synthese führen könnten, und verstehen
ihren Dienst als ÐAmt der Moderationð zwischen gegensätzlichen
Positionen. Dieses Verständnis des Bischofsamtes ist mancherorts so
weit verbreitet, dass der Episkopat faktisch nicht nur einen Autoritätsverlust
erleidet, der von aussen kommt, sondern selbst ungewollt einen Autoritätsverzicht
leistet, der von innen kommt. In der Folgezeit wird das Hirtenamt des Bischofs
verharmlost und auf die menschliche Sorge um die Gläubigen, das verständnisvolle
Entgegenkommen und die Anerkennung der Charismen der christgläubigen
Laien reduziert. Auf diese Weise übersieht man den inneren Gehalt des
Amtes, mit dem eine klare und unmissverständliche Leitungspflicht verbunden
ist, die auch ein jurisdiktionelles Element beinhaltet.» Ein Kollege
der schreibenden Zunft sagte, nachdem er diesen ersten Abschnitt gelesen
hatte: «Das ist eine Ohrfeige (une gaffe) für alle anderen Bischöfe,
sicher aber kein Vorbild für kollegiales Verhalten!» Vielleicht
wäre es noch besser, ein Wort des maronitischen Mönches P. François
Eid, das er in anderem Zusammenhang formuliert hat, hier anzufügen:
Man sollte sich hüten vor «generalisierender Aggressivität,
die nur zu Spannungen führt».
Kardinal Meisner fuhr fort: «Aus dieser Analyse ergibt sich für
den Oberhirten die Notwendigkeit eines kraftvollen Zeugnisses in Vollmacht.
Der Bischof ist kein frommer, gläubiger Privatmann, sondern ein öffentlicher
Zeuge. Er muss die in der kirchlichen Welt vorhandenen Anliegen zur Sprache
bringen und das nicht nur, um sich selbst zu salvieren, sondern auch um
den Glauben zu verteidigen, die Irrtümer zu korrigieren und die Wahrheit
tiefer zu befestigen. Er kann nicht von der wirklichen Verfassung des Glaubens
in der Gesellschaft absehen, sondern muss unter Bezugnahme auch auf seine
Gefährdung und Beschädigung von ihm Zeugnis ablegen. Die Vollmacht
des Bischofs zum Ðtestimonium fideið beschränkt sich nicht
nur auf die reine Verkündigung. Ihm kommt auch das besonders aus der
Leitungsvollmacht erfliessende Lehrurteil zu, das nach Normierung, Rektifizierung
und Justifizierung der Glaubenslehre verlangt. Die Ðpotestas testandið
gewinnt ihre Vollkraft in der Ðpotestas iudicandið. Die Bischöfe
sind folglich nicht nur berufen, den Glauben zu bezeugen, zu nähren
und zu pflegen, sondern ihn auch zu beurteilen, zu regeln und als rechten
Glauben zu gebieten. Das allerdings geschieht nicht in voller Selbstständigkeit
und Unabhängigkeit, sondern erfordert die Einheit mit dem universalen
Richteramt des Papstes. Vor diesem Hintergrund ist der Bischof in der Auseinandersetzung
um den Glauben dazu berufen und befähigt, auf dem Gebiet seiner Diözese
und unter Rückhalt an der universalen Glaubenslehre das Urteil über
wahr und falsch zu sprechen. Aufgrund dieser geistgewirkten Urteilsfähigkeit
vermag der Bischof seiner Kirche als Richt- und Leuchtkraft des Glaubens
zu dienen. Von daher empfängt der Satz seine Bestätigung: ÐWo
der Bischof ist, da ist auch seine Kircheð.»
Auch wenn diese Darlegungen von Kardinal Meisner später von Kardinal
Joseph Ratzinger lobend hervorgehoben wurden und viele nicht alle!
Synodale geklatscht haben, so ist es gut zu wissen, dass diese Stimme
eher eine Einzelstimme gewesen ist. Kardinal Meisner hat hoffentlich die
sehr feinen und nicht so holzschnitzartigen Überlegungen seines Kollegen
im Kardinalskollegium Jorge Maria Bergoglio gehört, der aufgrund des
Alten Bundes vom «Wachen und Überwachen» des Bischofs sprach,
oder die vielen afrikanischen Bischöfe, die das von der Afrika-Synode
geprägte Bild von der Kirche als Familie aufgriffen. Für sie ist
der Vater der Familie einer, der entscheiden muss, aber nicht einer, der
die sündigen Kinder unbarmherzig aus der Familie hinauswirft. Ein nichteuropäischer
Bischof hat es kurz so formuliert: Sicher, wir müssen entscheiden,
aber das kann man anders beschreiben als Kardinal Meisner das tat.
«In Botswana hat Aids sich so stark ausgebreitet, dass man unser
Volk heute als ein Volk ohne Zukunft betrachten muss», das ist das
brutal offene Wort von Franklyn Nubuasah, einem Steyler-Pater, der Apostolischer
Vikar von Francistown in Botswana ist. «Ein Drittel unserer Bevölkerung
ist vom tödlichen Virus befallen und wir sind alle davon zu tiefst
Ðbetroffenð. Wie soll man da noch hoffen, wenn man so viele junge
Menschen sterben sieht? Was soll man denen sagen, die in diesem Zustand
leben müssen, eingetaucht in Trauer und Hoffnungslosigkeit? Wir sehen
in ihnen den leidenden Christus. Hat der Vater sie alle aufgegeben? Nein,
auf alle Fälle nein. Viele treue Menschen sind von der Krankheit befallen
wegen untreuen Menschen. Sie waren treu und sind unschuldig und wurden von
jemand anderen angesteckt. Priester und Pflegepersonal stehen neben diesen
Menschen und sind zutiefst erschüttert, weil sie keine Hoffnung vermitteln
können. Sie alle kommen zur Kirche, dass sie ihnen beisteht, sie wenden
sich an den Bischof. Der ist fast zu einem Gesundheitsminister geworden.
Er geht selber zu den Kranken in ihren Wohnungen, in die Spitäler.
Er versucht ihnen wie ein guter Hirte Hoffnung zu bringen. Aber oft ist
es zu spät, denn viele haben sich selbst getötet als sie hörten,
dass sie HIV-positiv sind. Sie haben die Hoffnung verloren, weil sie keinen
Sinn in ihrem Leben mehr sehen.»
«Der Tschad ist ein Irrtum der kolonialen Geschichte», weil
hier Teile zusammengefügt wurden, die nie zusammengehören, begann
Edmond Jitangar, Bischof von Sarh, seine Intervention. Viel mehr stimmt
dieses Wort noch vom Sudan. Erkolano Lodu Tombe, Bischof von Yei, legte
dar, «dass der Konflikt und die Verfolgung im Sudan das direkte Resultat
einer systematischen Islamisierungskampagne sind, durch die nicht-arabische
und nicht-muslimische Stämme, die keine politische und ökonomische
Gewalt haben, arabisiert werden sollen.» Er wies nach, dass das fundamentalistische
Regime von Khartum gegen Christen und Muslime, die nicht ihren fundamentalistischen
religiösen Standpunkt vertreten, systematisch vorgeht und ihnen jede
religiöse Freiheit verweigert. Das Regime führe Bombardemente
aus der Luft aus, um die Bevölkerung in den Konfliktzonen zu verängstigen.
Multinationale Ölfirmen aus Kanada, China und Malaysia unterstützen
diesen Krieg. Auch solche «Bekenntnisse» gehören zu einer
Bischofssynode.