6/2001

INHALT

Kirche in der Welt

Eine eigene Kirche aufbauen

von Elisabeth Aeberli

 

Im Oktober war Bischof Francisco Silota in der Schweiz zu Gast. Bei verschiedenen Institutionen, so auch bei der Bethlehem Mission Immensee, warb er für seine Diözese Chimoio (Mosambik). Mit der Bethlehem Mission Immensee verbindet ihn seit acht Jahren eine Projektpartnerschaft. In der Diözese, im Grenzgebiet zu Simbabwe, sind gegenwärtig sechs Mitarbeitende der Bethlehem Mission im Einsatz.

Mosambik, das 1975 aus der portugiesischen Kolonialherrschaft in die Unabhängigkeit entlassen wurde, hatte keinen friedlichen Übergang in die Nachkolonialzeit. Zwischen der regierenden Partei der FRELIMO und der oppositionellen RENAMO kam es zu einem von beiden Seiten mit brutaler Härte geführten Krieg, der erst mit dem Friedensabkommen 1992 zum Stillstand kam. Mit grossen Hoffnungen begann die Zeit des Aufbaus. Die Flüchtlinge, die in den angrenzenden Staaten in Lagern lebten, kehrten zurück. Zahlreiche Flüchtlinge, die von Simbabwe her die Grenze überquerten, blieben in der Provinz Manica und suchten sich dort wieder anzusiedeln.

In den ersten Monaten des Jahres 2000 kam Mosambik durch die Unwetter in die Schlagzeilen, um, mit Nachlassen der Flut und dem Abflauen der Hilfsgelder, schon bald wieder daraus zu verschwinden. Mosambik ist ein Schwerpunktland der schweizerischen ­ staatlichen ­ Entwicklungszusammenarbeit.

 

Die koloniale Vergangenheit

der katholischen Kirche

Mosambik ist kein missionarisches Neuland. 1560 betrat P. Goncalo da Silveira SJ mosambikanisches Terrain. Jesuiten und Dominikaner lösten sich in der Missionierung ab. Bis in unsere Zeit wurden sie verschiedentlich geholt und wieder vertrieben. Eine entscheidende Rolle im Verhältnis von Kirche und Staat bildete die Beziehung zum Stammland der Kolonie, Portugal. 1940 kam es zu einem Konkordat zwischen der diktatorischen Regierung von Antonio Salazar in Portugal und dem Vatikan. In einem ergänzenden Missionsstatut wurde Mosambik zu einer Kirchenprovinz Portugals erklärt. Bischöfe und höhere Obere von religiösen Gemeinschaften mussten portugiesische Bürger sein. Der Grundschulunterricht wurde der katholischen Kirche als Monopol anvertraut, die Schulsprache war Portugiesisch. Die nichtkatholischen Kirchen hatten keine rechtliche Verankerung, und ihren Mitgliedern blieb die Schulbildung verwehrt. Das trug dazu bei, dass aus den protestantischen Kirchen ein Widerstand gegen die Kolonialregierung erwuchs. Dieser Widerstand regte sich mit der Zeit auch in den Reihen der Missionare, die nicht portugiesischer Herkunft waren und die in den Jahren zwischen 1965 und 1974 zu mehreren Landesverweisen führte.

 

Kirche auf neuen Wegen...

Schlagartig wurde Mosambik 1975 von Portugal in die Unabhängigkeit entlassen. Diese begann für die katholische Kirche mit einem Schock. Per Dekret wurden alle Schulen, Spitäler und Gesundheitsposten und kirchliche Güter konfisziert. Viele Missionarinnen und Missionare, besonders jene mit portugiesischer Abstammung, verliessen das Land.

Wenn die Kirche als Kirche des Volkes weiterbestehen wollte, musste sie sich neu orientieren.

1977, zwei Jahre nach der politischen Unabhängigkeit Mosambiks, wurde von der mosambikanischen Bischofskonferenz die Idee der «Kleinen christlichen Gemeinschaften» lanciert. Diese versammelt an verschiedenen Orten die Dorfbewohnerinnen und -bewohner. Gemeinsam lesen die Mitglieder der Gemeinschaft einen Text aus der Bibel und vergleichen diesen mit ihrer alltäglichen Situation. Sie besprechen an diesen Anlässen ihre Probleme und suchen nach Lösungen. In der Gemeinschaft werden auch Verantwortliche für bestimmte Aufgaben bestimmt. Dieser Ansatz von Gemeinde entspricht am ehsten der lokalen Tradition von afrikanischer Dorfgemeinschaft, in der die Menschen füreinander Verantwortung übernehmen, zum Beispiel in der Betreuung von Waisen.

 

...in neuen Diözesen

In das Umfeld von kolonialer Vergangenheit, dem folgenden Krieg und der bis heute nachwirkenden Zerstrittenheit zwischen der FRELIMO (Frente de Libertaçao de Moçambique) und der RENAMO (Resisténcia Nacional de Moçambique) kam die Neugründung der Diözese Chimoio, der Bischof Silota heute vorsteht. Francisco Silota wurde 1988 Weihbischof in der Erzdiözese Beira, mit Wohnsitz in Chimoio. Er hatte den Auftrag, den Aufbau einer eigenen Diözese für die Provinz Manica voranzutreiben. Im November 1990 wurde diese errichtet und Francisco Silota als erster Bischof eingesetzt. Die Diözese erstreckt sich über ein Gebiet von 62000 km2. Die Zahl der katholischen Bevölkerung wird auf 67000 Gläubige geschätzt. Die Diözese hat 15 Pfarreien. Sie zählt heute 16 Priester, 2 Ordensbrüder und 46 Ordensschwestern zu ihrem kirchlichen Personal.

Francisco Silota sucht in seiner Diözese dieses Modell der kleinen christlichen Gemeinschaften zu verwirklichen, in dem der einzelne Mensch, die Dorfgemeinschaft, im Zentrum steht und nicht die Ausrichtung auf die Hierarchie.

«Es ist ein langer Prozess. Wir können nicht sagen, dass wir es verwirklicht haben, aber wir sind an der Arbeit, in den Dörfern und in den Quartieren der Städte», erklärt Francisco Silota. Für ihn ist es aber selbstverständlich, dass ein solches Modell nicht ohne kirchliches Personal auskommt. Die Frauen und Männer, die in diesen Gemeinschaften Aufgaben übernehmen, sind auf Aus- und Weiterbildung angewiesen. Dafür braucht es aber sowohl Fachleute wie Orte, wo diese Aus- und Weiterbildungen vermittelt werden können. Deshalb ist für die Diözese ein Zentrum geplant, in dem Leute in verschiedenen Fachrichtungen ausgebildet werden können, zum Beispiel in den lokalen Sprachen und der Kultur, in administrativen Aufgaben, in traditioneller Medizin. Dass dieses von der einheimischen Bevölkerung und Kirche getragen werden muss, davon ist Bischof Silota überzeugt. Alleine kann er und kann die grosse Diözese mit dem sehr kleinen Personalstand aber nicht alles tun. «Der gute Wille allein reicht nicht! Wenn uns jemand helfen kann, dann wäre das schön», erklärt Bischof Silota anlässlich seines Besuches in der Schweiz.<1>

 

Die Theologin Elisabeth Aeberli ist Redaktorin bei der Zeitschrift «Wendekreis».


Anmerkung

1 Informationen über die Arbeit der Bethlehem Mission Immensee in der Diözese Chimoio und über mögliche Projektpartnerschaften sind erhältlich bei: Thomas Oelhafen, Projektleiter Afrika der Bethlehem Mission, 6405 Immensee, Telefon 041-8541248, Fax 041-8541400, E-Mail Missionsressort@bethlehem-Mission.ch


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2001