29-30/2001

INHALT

Verstorbene

Johann Furrer, Chorherr, Beromünster

Am 4. April 2001 starb in Beromünster Kanonikus Johann Furrer, der Senior des Chorherrenstiftes, in seinem 93. Altersjahr.
Johann Furrer wurde am 17. September 1908 als drittes Kind der Bauern- und Gastwirtefamilie Franz und Karoline Furrer-Weibel in Schongau, auf der Anhöhe des Lindenberges, geboren. In einer tief religiösen Familie verbrachte er eine glückliche Jugend im Schatten der nahen Wallfahrtskirche «Unsere Liebe Frau auf dem Lindenberg». Dem begabten Jungen wurde der Besuch des Progymnasiums in Beromünster ermöglicht. Von hier wechselte er nach der vierten Klasse zu den Benediktinern nach Einsiedeln. Bis zur Matura war seine Priesterberufung voll gereift. Er trat ins Priesterseminar Luzern ein. Wie schon in der «Corvina» in Einsiedeln war «Fido» ein wackeres Mitglied der akademischen Verbindung «Waldstaettia». Nach dem Weihekurs in Solothurn wurde er 1934 zum Priester geweiht. Während dreier Jahre holte er sich die ersten Erfahrungen als Vikar in Hergiswil am Napf. Von hier holte ihn die Nachbarpfarrei Menznau als Kaplan. Schon nach drei Jahren rückte er zum Pfarrer dieser ausgedehnten Kirchgemeinde auf; volle 41 Jahre wirkte er segensreich in der ausgedehnten Pastoration. Pfarrer Furrer genoss das Vertrauen aller Pfarrkinder. Er wusste die Jugend zu begeistern, spendete den Kranken Trost und scharte Jung und Alt um den Altar. Den stillen Beter konnten keine Stürme oder Widerwärtigkeiten vom vorgezeigten Weg abbringen. Verbitterung und Resignation kannte er in seinem langen Priesterleben nie.
Doch nach 44 Jahren treuen Wirkens in Menznau waren seine Kräfte angegriffen. Er sehnte sich nach einem ruhigeren Posten und bewarb sich um ein Kanonikat am Stift St. Michael in Beromünster. Hier zog er ins Pfrundhaus «Fleckensteinhof» am Kirchenfreiet ein, wo er einen geruhsamen Lebensabend verbrachte. Mit den Verpflichtungen in Gottesdienst und Chorgebet nahm er es genau. Noch öfters stieg er als Prediger auf die Kanzel; er diente dem Stift als Mitglied der Verwaltung, als Kapitelssekretär und Zeremonienmeister. Ein unglücklicher Sturz über die Kirchentreppe macht ihn gehbehindert; dazu liess seine Hörkraft nach. Die täglichen Spaziergänge mit dem kleinen Haushund mussten ausbleiben. In seinen letzten Monaten fand er im Alters- und Pflegeheim Unterkunft und liebevolle Pflege.
Unter grosser Anteilnahme wurden seine sterblichen Überreste in der Priestergruft im Vorzeichen der Stiftskirche beigesetzt.
Das unvergessliche Andenken an Chorherr Johannes Furrer lebt im Kreise jener weiter, die ihn in diesem Leben schätzen gelernt hatten.

Heinrich Suter


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2001