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7/2001
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Franz Albert Strütt, Ehrendomherr und emeritierter Pfarrer
Am Nachmittag des 15. November 2000, einem strahlend schönen Spätherbsttag,
hat Pfarrer Strütt sein irdisches Gewand abgelegt, um das himmlische
anzuziehen und seine Seele in die Hand des Schöpfers zurückzugeben.
Ein erfülltes Priesterleben hat sein Ende gefunden.
Am 5. Januar 1921 erblickte Franz Albert Strütt in Riehen (BS) das
Licht der Welt und wuchs daselbst mit drei Brüdern und drei Schwestern
in der Geborgenheit tiefgläubiger Eltern auf. Hier besuchte er auch
die Primar- und Sekundarschule, das anschliessende Gymnasium an der Klosterschule
Einsiedeln. Nach Abschluss seines Studiums am Priesterseminar Luzern empfing
Franz Strütt am 29. Juni 1946 durch Diözesanbischof Dr. Franziskus
von Streng in der St. Ursen-Kathedrale in Solothurn die Priesterweihe. Vom
Sommer 1946 bis Ostern 1954 wirkte der Jungpriester als Vikar an der Dreifaltigkeitskirche
in Bern, und am Guthirt-Sonntag, dem 2. Mai 1954, erfolgte die Amtseinsetzung
und die kirchliche Installation als Pfarrherr in Interlaken. Am 1. April
1974 wurde Pfarrer Strütt zum ersten Dekan für das Berner Oberland
gewählt, welches Amt er bis 31. Dezember 1984 bekleidete. Am 5. November
1980 wurde er von Diözesanbischof Dr. Anton Hänggi zum nichtresidierenden
Domherrn ernannt. Zu erwähnen bleibt, dass Pfarrer Strütt, der
ein eifriger Förderer des Kirchengesangs, insbesondere des Gregorianischen
Chorals war, während mehrerer Jahre dem Bernischen Cäcilien-Verband
vorstand. Wer den bescheidenen und selbstlosen Charakter von Pfarrer Strütt
kannte, der weiss, dass er die genannten ehrenvollen Ernennungen weder gesucht
noch angestrebt hat, sondern dass jene vielmehr die Anerkennung seines unermüdlichen
pastoralen Engagements darstellten. Ende 1989 trat er als Pfarrer zurück,
musste aber von Mai 1990 bis Juni 1991 als Pfarradministrator wirken. Alsdann
leistete er Aushilfsdienste in der Pfarrei und im Dekanat, besonders in
der Pfarrei St. Marien in Thun.
Pfarrer Strütt war ein Priester, der seine Berufung zutiefst ernst
nahm. Sein vornehmes Anliegen war es, jederzeit zur Ehre und Verherrlichung
Gottes für den Menschen da zu sein. Ungezählten Gläubigen
durfte er göttliche Gnaden vermitteln, die Sakramente spenden und mit
Rat und Tat beistehen. Er war auch ein weitherum geschätzter und begehrter
Kanzelredner, dessen Predigten sich durch tiefen Gehalt und menschliche
Nähe auszeichneten. Der Verstorbene war ein Mensch mit einer starken
und zugleich warmen Ausstrahlung, eine beeindruckende, charismatische und
nicht minder herzliche Persönlichkeit. Seine Leutseligkeit und Offenheit
und nicht zuletzt sein geistreicher Humor machten ihn weitherum beliebt,
und dies nicht bloss bei den Katholiken, sondern über die Konfessionsgrenzen
hinaus. Diese positiven Eigenschaften kamen ihm zugute, als es galt, die
zu Beginn seiner Amtszeit brachliegenden Kontakte zur evangelisch-reformierten
Kirchgemeinde neu anzuknüpfen. Als gebürtiger Basler verstand
er es auch, sich dem gewiss oft nicht einfachen Schlag des Berner Oberländers
anzupassen, und seine Menschenfreundlichkeit und Toleranz erlaubten es ihm,
in allen Bevölkerungsschichten Freunde zu gewinnen, die ihm auch über
den Tod hinaus verbunden bleiben sollten. Seiner Intelligenz und Weitsicht
verdankte er es immer wieder, auch dort Brücken zu schlagen, wo die
Ufer weit auseinander drifteten. Nicht immer und nicht überall wurde
Pfarrer Strütt verstanden, wenn er versuchte, Akzente zu setzen. Als
überzeugter und entschlossener Verfechter der vom Zweiten Vatikanum
erlassenen Richtlinien stand er nicht selten mitten im Spannungsfeld gegensätzlicher
Standpunkte seitens traditionsgebundener und progressiver Kräfte.
Die Gläubigen erlebten ihren Pfarrer als konziliante, indessen ebenso
strenge und zuweilen auch zu heftigen Gemütsausbrüchen fähige
Autoritätsperson. Als genussfähiger Mensch zeigte er aber auch
Willensstärke. Pfarrer Strütt war nämlich jahrelanger Raucher;
dieses Laster legte er dann zur Zeit eines ernsthaften gesundheitlichen
Problems während eines Spitalaufenthalts endgültig ab. Besonders
hervorzuheben sind seine tiefe Frömmigkeit und Gottverbundenheit, aber
auch seine Diskretion, Ausdauer und Beharrlichkeit in der Erfüllung
seiner ihm anvertrauten priesterlichen Aufgaben und Pflichten. Zweifellos
darf gesagt werden, dass Pfarrer Strütt seiner Pfarrei darin gleichsam
Vorbild und während all den Jahren seines seelsorgerlichen Wirkens
so etwas wie ein «geistlicher Vater» geworden war. «Herr,
nicht ich, nur Du!» (Heinrich Seuse) war sein Wahlspruch anlässlich
seiner Primizfeier, der ihn auf seinem langen Lebensweg als Priester und
getreuen Diener Gottes begleitete.
Eine lebhafte Erinnerung gibt es noch an die bei Pfarrer Strütt besuchten
Religionsstunden. Er liebte seine Schüler, erwartete aber eifriges
Mitmachen, diszipliniertes Verhalten, und nicht zuletzt weckte er in den
Kindern stets die Neugier auf den «Liebgott», wie er zu sagen
pflegte. Treu zur Seite stand ihm in all den Jahren seine Haushälterin,
Alice Vogel, deren verdienstvolles Wirken zum Segen der ganzen Pfarrei war.
Die Katholiken der Region Interlaken haben Pfarrer Strütt für
das immense Arbeitspensum, das er während Jahrzehnten zum Wohle von
Pfarrei und Kirchgemeinde bewältigt hat, zu danken, wie viel, das weiss
einzig Gott.
Pia Demarmels
© Schweizerische Kirchenzeitung - 2001