39/2001

INHALT

Kirche in der Schweiz

"Viele Stimmen - eine Welt"

von Rolf Weibel

 

Die Bedeutung der Kommunikation und die Tragweite des Gefälles zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden in Bezug auf den Zugang zu den technischen Kommunikationsmitteln wird in den beiden nächsten Aktionen von Fastenopfer und Brot für alle (in Zusammenarbeit mit Partner sein) thematisiert. In einem Pressegespräch orientierte das Fastenopfer unlängst über die Vorbereitungen der nächsten Aktion, die das Thema unter dem Gesichtspunkt «Viele Stimmen ­ eine Welt» («partager la communication») abhandeln wird; bei dieser Gelegenheit informierte Direktor Antonio Hautle über die anstehende Bereinigung der Struktur des Hilfswerkes.
Das Thema bzw. der Slogan auch der nächsten Aktion beinhaltet eine mehrfache Botschaft, wie Matthias Dörnenburg, der Bereichsleiter Kommunikation und Bildung erläuterte. Die theologische Botschaft verweist auf die Trinitätslehre, auf das Verständnis Gottes als communicatio und communio. Die ethische Botschaft verlangt, dass die Kommunikationsmittel und Informationstechnologien der Gemeinschaft, der Teilhabe, der Gerechtigkeit, dem Frieden, der Würde und der Bewahrung der Schöpfung dienen. Die entwicklungspolitische Botschaft geht von der Forderung aus, dass Kommunikationsmittel der Kommunikation zu dienen haben, und stellt von da her die Machtfrage im globalen Kommunikationsnetz. Erst die übernächste Aktion wird die unmittelbare Kommunikation thematisieren.
Das neue Aktionsplakat zeigt eine schwarze Hand und ein weisses Ohr und als Verbindung zwischen beiden ein waagrechtes Wattestäbchen. Damit soll gesagt sein: Die Kommunikation zwischen dem Norden und dem Süden ist gestört, nicht im Gleichgewicht; wenn es der schwarzen Hand aber gelingt, mit dem Wattestäbchen das weisse Ohr zu öffnen, wird das Gleichgewicht zu gewinnen sein: «Viele Stimmen wollen sich uns mitteilen ­ gerade aus Regionen, die von offiziellen Kommunikationsmärkten vernachlässigt werden. Mit offenem Ohr lernen wir dabei die eine Welt besser kennen, in der alle Menschen schicksalhaft miteinander verbunden sind.»
Die während der Kampagne in der Öffentlichkeit durchgeführte Aktion lädt zu einem «Ohren auf...» ein, wie Susanne Blätter als Verantwortliche ausführte. Ein 212 Meter hohes Ohr wird in Einkaufszentren und anderen gut frequentierten Orten aufgestellt; aus ihm hängt ein Kopfhörer, mit dem Musik, Geräusche, Tänze und Kinderstimmen aus aller Welt zu hören sind. Ein Wettbewerb regt an, die Stimmen und Geräusche den entsprechenden Ländern zuzuordnen. Die Hörproben aus den verschiedenen Ländern sind auf einer Compac Audiodisk (CD) zusammengefasst und können so auch in der Katechese, im Gottesdienst usw. eingesetzt werden.<1>

Klare Struktur ­ klare Strategie

Nach den Schwierigkeiten zwischen der Geschäftsleitung und dem Stiftungsrat, durch die das Fastenopfer letztes Jahr hindurch musste, ist eine strukturelle Lösung des diesen Schwierigkeiten zugrunde liegenden Konfliktes absehbar, erklärte Antonio Hautle. Vorgesehen ist, dass der bisherige Aktionsrat nach wie vor Repräsentanz der Basis sein und neu Stiftungsforum heissen soll. Dieses Stiftungsforum soll den 7-köpfigen Stiftungsrat wählen können, der für die strategische Ausrichtung des Hilfswerks zuständig und verantwortlich sein soll. So ist nicht nur eine neue Struktur zu erwarten, sondern auch eine klar definierte strategische Ausrichtung, das heisst, ein klarer Entscheid, mit wem das Fastenopfer wie zusammenarbeitet. Die Zusammenarbeit der konfessionellen Hilfswerke, so beantwortete Antonio Hautle eine nicht selten gestellte Rückfrage, steht ausser Frage, eine Fusion hingegen ist aus guten Gründen wohl noch lange nicht zu erwarten.<2>


Anmerkungen

1 Geplant sind ferner Tage für besondere Zielgruppen, so ein Symposium für Medienschaffende zum Thema «Südthemen in Schweizer Medien» (22. Februar 2002) und ein von Claudio Brentini mit der Arbeitsgruppe Nord­Süd vorbereiteter Aktionstag mit Jugendlichen (9. März 2002).

2 Dieses Jahr kann das Fastenopfer ­ wie Brot für alle ­ das 40-jährige Bestehen feiern. Nachdem im Sommer im Kultur- und Kongresszentrum Luzern die «Afrikanische Nacht» einen ersten, auch von einer säkularen Öffentlichkeit viel beachteten kulturellen Akzent gesetzt hatte, wird im Oktober und November das Theater «Jenseits des Schweigens. Requiem buffa, Menschenrechtstheater», eine schweizerisch-uruguayische Koproduktion, einen zweiten und diesmal interkulturellen Akzent setzen.


Pastoralinstitut der Hochschule Chur

 

Der Priesterrat des Bistums Chur hat an seiner Sitzung vom 19. September 2001 mit Genugtuung von der Arbeit der Expertenkommission für die Erneuerung der Theologischen Hochschule Chur (THC) Kenntnis genommen. Diese hat dem Rat die Empfehlungen zur Kenntnis gebracht, welche sie bereits im Juni dem Bischofsrat vorgelegt hatte. Der Priesterrat stellt sich hinter diese Bemühungen und freut sich darüber, dass die THC durch die Berufung neuer Professoren bereits eine Aufwertung erfahren hat. Der pastorale Schwerpunkt entspricht den Bestrebungen auch des Priesterrates.
Die Weiterbildung vorab der jungen Seelsorger war dem Rat erneut ein Anliegen. Das Bistum wird in diesem Bereich seine Bemühungen intensivieren. Die THC ihrerseits wird mit der Zeit mehr Kapazität für die Weiterbildung der Seelsorger freimachen können. Einstimmig stellte sich der Priesterrat hinter die Absicht des Forums der Laientheologen/Laientheologinnen, in enger Verbindung mit dem Diözesanbischof einen Rat der Laientheologen/Laientheologinnen des Bistums Chur zu errichten. Offen blieb einstweilen die Frage, wie weit die rund dreissig Diakone im Bistum in diesem neuen Rat vertreten sein werden. ­ Der Priesterrat nimmt von der Arbeit der neu errichteten Diözesanen Pastoralkonferenz Kenntnis und bemüht sich, in enger Absprache mit dieser die Fragen der Ehe-Pastoral neu an die Hand zu nehmen.

Martin Kopp
Präsident des Arbeitsausschusses

 

Die Theologische Hochschule Chur plant die Errichtung eines Pastoralinstitutes. Dieses will sich zur Aufgabe machen, pastorale Fragen der Kirche von heute aufzugreifen und zu reflektieren, um in Forschung und Lehre sowie in Fort- und Weiterbildung entsprechende Impulse zu geben. Bereits im vergangenen Jahr fiel die Entscheidung für ein neues Konzept der theologischen Ausbildung an der THC, das als Leitbild die pastorale Ausrichtung bei Wahrung der akademischen Qualität vorsieht. Diesem Leitbild will die THC nun mit einem Pastoralinstitut eine strukturelle Verankerung und eine entsprechende Infrastruktur verschaffen.
Die THC, die im Gefolge der Churer Bistumskrise in Frage gestellt schien, hat im vergangenen Jahr unter breitem Rückhalt im Bistum und in der Öffentlichkeit einen Erneuerungsprozess in die Wege geleitet. Eine vom Bischof eingesetzte Expertenkommission legte im Juni dieses Jahres dem Bischofsrat Empfehlungen vor, die am 19. September dem Priesterrat vorgelegt wurden. Sie werden nun auch andern damit befassten Instanzen zugänglich gemacht.
Die theologische Ausbildung an der THC wird künftig nachdrücklich an den Erfordernissen der Seelsorge orientiert sein. Entsprechend werden die praktischen Fächer im Ausbildungsplan stärker gewichtet. Darüber hinaus wird in allen Fächern die pastorale Ausrichtung angestrebt, ohne aber deswegen die wissenschaftliche Ernsthaftigkeit zu vernachlässigen. Anliegen ist es, durchgängig die innere Verschränktheit von Glaubenslehre und Lebenspraxis aufscheinen zu lassen. Insbesondere soll in ökumenischer Aufgeschlossenheit und im engagierten Gespräch mit der heutigen Welt die Dialogfähigkeit der künftigen Seelsorger gefördert werden. In Zusammenarbeit mit dem Priesterseminar St. Luzi wird es möglich sein, in ganzheitlicher Weise auch für die persönliche und spirituelle Formung der künftigen Seelsorger vermehrt Sorge zu tragen.
Da der Lehrkörper der THC strukturell und personell dem neuen Leitbild entsprechen muss, wird die Neuorientierung auch Konsequenzen für Zahl und Ausrichtung der Lehrstühle haben. Geplant ist vorrangig die Errichtung eine Lehrstuhls für Religionspädagogik.
Die Organe der Hochschule haben den Auftrag, eine dem neuen Konzept entsprechende Studienordnung zu erarbeiten. Dafür werden von der Expertenkommission einige Richtlinien formuliert. Vorgesehen ist neben der engeren interdisziplinären Zusammenarbeit eine methodische Neuorientierung, welche die Vorteile, die eine kleine Hochschule mit sich bringt, ausschöpft, zum Beispiel durch ein vermehrt individuell begleitetes Studium, Tutorate oder die klassische Vorlesung ergänzende neue Lehrformen. Die THC arbeitet mit den andern Theologischen Fakultäten und Hochschulen bei den gegenwärtigen Bestrebungen um Studienreformen auf gesamtschweizerischer und europäischer Ebene zusammen (Master-Grad, Credit-System, modulare Ausbildungsformen).
Herzstück der pastoralen Neuorientierung und Spezifikum der Churer Ausbildungstätte soll das Pastoralinstitut werden, dessen Eröffnung für das Studienjahr 2002/2003 vorgesehen ist. Das Institut wird dem neuen Leitbild der THC erkennbare Konturen und der Umsetzung dieses Leitbildes einen Ort geben. Es soll Symposien und Tagungen organisieren, eine Fachbibliothek für Pastoraltheologie und Religionspädagogik aufbauen und pastoraltheologische und pastoralpraktische Publikationen herausgeben. Auch wird es möglich sein, hier ein Aufbaustudium (Nachdiplomstudium) mit pastoraler Ausrichtung zu absolvieren und ein entsprechendes spezialisiertes Lizentiat zu erwerben. Die Leitung des Pastoralinstitutes wird den Professoren der praktischen Theologie obliegen, dabei aber die Professoren und Professorinnen der anderen Disziplinen einbeziehen. Gerade so wird die pastorale Ausrichtung Kennzeichen des gesamten theologischen Lehr- und Forschungsbetriebs in Chur. Die THC soll auf diesem Feld Pionierarbeit leisten.
Das Pastoralinstitut wird die Möglichkeiten bereitstellen, dass sich die THC in Zukunft vermehrt in der Fort- und Weiterbildung der Seelsorger und Seelsorgerinnen sowie der neben- und ehrenamtlich in der Kirche mitarbeitenden Laien engagieren kann. Dabei ist nicht Konkurrenz, sondern enge Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen, die in der Deutschschweiz im Dienste der pastoralen Grundausbildung, der Fort- und Weiterbildung tätig sind, beabsichtigt. Nach Möglichkeit wird auch die ökumenische Zusammenarbeit angestrebt. Auf diese Weise wird künftig für das Bistum Chur und darüber hinaus eine beratende Institution zur Verfügung stehen, die wegweisende Impulse für die Pastoral geben kann.

Rektorat der THC


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2001