38/2001 | |
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Kirche in der Schweiz |
Seit 20 Jahren treffen sich die Bischöfe von Basel, Freiburg i.Br. und Strassburg und tauschen dabei Erfahrungen und Anregungen aus. Bei einer solchen Begegnung entstand die Idee von diözesanen Treffen, zu denen auch die Nachbarn eingeladen werden; nach derartigen Treffen in Freiburg i.Br. und Strassburg war diesen Herbst die Reihe am Bistum Basel. Die Thematik des in Solothurn durchgeführten Basler Bistumstreffen, an dem um die 1500 Gläubige teilgenommen haben dürften, wurde stark vom Bistumsprojekt «Als Getaufte leben» geprägt.
Eröffnet wurde das Bistumstreffen mit einem feierlichen Gottesdienst,
zu dem Bischof Kurt Koch die Bischöfe der ausländischen Nachbarbistümer
und zudem Bischof Marko Sopi aus dem Kosova, mit dessen Bistum sich das
Bistum Basel in einer Partnerschaft verbunden hat, begrüssen konnte.
Der Solothurner Zahl entsprechend feierten im grossen Zelt beim Baseltor
elf Bischöfe mit. In seiner Predigt legte Bischof Kurt Koch mit dem
Leitgedanken «Auf Christi Tod getauft in Hoffnung auf Auferstehung»
das Tagesevangelium von der Kreuzesnachfolge aus. Dabei ging er vom «Kreuz»
aus, das heute Christen mit dem Kreuz Jesu und erst recht mit seinem Wort
von der Kreuzesnachfolge nicht selten haben.
Das Wort von der Kreuzesnachfolge legte der Bischof in seiner dreisprachigen
Predigt vom Leiden und Sterben Jesu her aus. Jesus habe gegen alle Leiden
gekämpft, gegen die Leiden der Krankheit, gegen die spirituellen Ängste,
gegen die sozialen Schranken und dieser Kampf habe ihn zum Kreuz geführt
und das Leben gekostet. Wie Jesus selbst bräuchten wir so auch unser
Kreuz keineswegs zu suchen, «gleichsam als gäbe es in unserer
Welt nicht schon genug Kreuze». Das Kreuz in der Nachfolge Jesu bedeute,
sich «im Sinne des Evangeliums Jesu für die Lebendigkeit und
Menschlichkeit des Menschen einsetzen und dann allerdings das Kreuz riskieren».
Denn «nur derjenige kann ein Jünger Jesu sein, der die ganz persönliche
Sendung seines christlichen Lebens mit all ihren Konsequenzen und Risiken
auf sich zu nehmen bereit ist». Auch ein frohes Bistumstreffen sollte
sich den Fragen nach den Konsequenzen für das Christsein aussetzen:
«Was lassen wir uns unser Christsein kosten? Ist es ein kostbares
Christsein oder ein Christentum zu herabgesetzten Preisen?» Wer Christus
zugehörig sei, habe auch Anteil an seinem Kreuz; die Christen und Christinnen
dürfen ihr Leben aber auch in der gewissen Zuversicht auf das neue
und ewige Leben führen, «das uns durch die Gemeinschaft mit Jesus
Christus in unserer Taufe verbürgt ist».
Am Nachmittag standen für Angebote an verschiedenen und zum Teil weit
auseinander liegenden Begegnungsorten drei Stunden zur Verfügung, so
dass ein Überblick nicht zu gewinnen war. So stellten sich im Landhaus
die zehn Bistumsregionen, die Fremdsprachigenmissionen und die Bistümer
Freiburg i.Br. und Strassburg vor, Freiburg i.Br. informierte zudem über
seine Ministrantenpastoral. In der Kathedrale St. Urs und Viktor sprachen
vor voll besetzten Reihen Bischof Kurt Koch über «Taufe und Umkehr»
und Marie-Louise Gubler über «Taufe aus biblischer Sicht».
Die Taufthematik fand sich auch im Konzertsaal, in dem an verschiedenen
Ständen über kirchliche Berufe und Ausbildungsmöglichkeiten
im Bistum, über die Tagsatzung im Bistum Basel, das Bistumsprojekt
«Als Getaufte leben» und weitere Projekte informiert wurde.
Bei dieser Gelegenheit konnte man unter den schriftlichen Informationsangeboten
auch die erste Ausgabe der Jahresschrift des Seminars St. Beat, des Priesterseminars
des Bistums «einblickAUSBLICK» entdecken.
Im kleinen Konzertsaal gab es zudem zwei informative Treffen mit ausländischen
Gästen zur Thematik (Tauf-)Katechese für Erwachsene. Der Verantwortliche
für den Erwachsenenkatechumenat im Erzbistum Strassburg, P. Arnould
de Coral OP, berichtete über die Situation in Frankreich und seine
Arbeit in Strassburg. Von Diakon Urban Camenzind von der Arbeitsstelle für
Pfarreierneuerung eingeführt, stellte Pfarrer Klemens Armbruster aus
Freiburg i.Br. sein Konzept «Wege erwachsenen Glaubens (WeG)»<1> vor.
Als seine Hauptaufgabe bezeichnete P. de Coral, die Pfarreien zu sensibilisieren.
Denn zum einen gebe es Berufungen, wenn der Pfarrer echt interessiert sei;
an der christlichen Initiation interessiert seien vor allem Menschen in
Schwierigkeiten. Zum andern müssten die Pfarreien ihre Katechumenen
begleiten; dazu würden sie Begleitergruppen mit jeweils einem Verantwortlichen
bilden, und nur wenn der Katechumene keine bekannte Person in der Pfarrei
oder keine Beziehung zu einer Pfarrei habe, würden übergemeindliche
Gruppen gebildet. Auf diözesaner Ebene treffen sich die Katechumenen
dreimal im Jahr, einmal sei auch der Bischof dabei, um so die grössere
Kirche zu erleben.
Eine wichtige Aufgabe des diözesan Beauftragten sei die Begleitung
der Begleiter mit jährlich einem zweitägigen Fortbildungsangebot
sowie Intervision; eine Besonderheit des Erwachsenenkatechumenats sei es,
die Lebenserfahrungen der Katechumenen aufzunehmen. Bei der Begleitung würden
in Frankreich vier Momente unterschieden: Die Katechese, die Umkehr, das
Gebets- und das geistliche Leben sowie das Leben in der Kirche.
Es gebe Bemühungen, die katechetische Bildung (formation) noch stärker
mit der Liturgie zu verschränken und auch das Bildungsmoment des Wortgottesdienstes
zum Tragen zu bringen.
Im Elsass dauert der Katechumenatsweg ein ganzes Jahr und dazu die Zeit
bis zur nächsten Osternacht. In der Regel werden die Initiationssakramente
in der Osternacht oder wenigstens in der Osterzeit gefeiert, in einigen
Bistümern Frankreichs werde die Firmung später gespendet, damit
eine Begegnung mit dem Bischof möglich sei. Die Regel sei indes, dass
der zweite der drei Schritte der Initiation, der «appel décisif»
in der Kathedrale gefeiert werde. Man müsse aber die Idealvorstellung
der amtlichen Vorgaben den konkreten Fällen anpassen.
In ganz Frankreich meldeten sich letztes Jahr rund 12000 Kandidaten und
Kandidatinnen zum Katechumenatsweg, im Elsass gegen 100; bis zur Initiation
halten zwei Drittel durch.
Das Erzbistum Freiburg i.Br. zählte letztes Jahr 220 Erwachsenentaufen.
Pfarrer Klemens Armbruster geht es aber nicht um einen Taufkatechumenat
für Erwachsene, sondern um ein Lernangebot für Erwachsene. Am
Ende des «kulturgestützten Christentums» müsse die
Leerstelle im Pastoralprogramm, nämlich Angebote für die Erwachsenen,
aufgefüllt werden. Das «WeG»-Konzept Wege erwachsenen
Glaubens bietet glaubensweckende Seminare an, die der spirituellen
Initiation Erwachsener dienen; anschliessend können sich, komplementär
zu Bestehendem, gemeindliche Kleingruppen bilden, Kleingruppengemeinden
oder auch «WeG-Gemeinschaften».
Vergleichbare Angebote macht in der Schweiz nicht zufällig die Arbeitsstelle
für Pfarreierneuerung, pflegen Klemens Armbruster und Urban Camenzind
doch einen regen Austausch.
Abgeschlossen wurde das Bistumstreffen mit einer Schlussfeier in der Kathedrale
St. Urs und Viktor. Zurück blieb der Eindruck, mehr einen intensiven
Besuch als ein Treffen mit der Vielfalt des Bistums erlebt zu haben.
1 Klemens Armbruster, Von der Krise zur Chance. Wege einer erfolgreichen Gemeindepastoral, Freiburg i.Br. 1999, 22001. Auf dieses Buch werden wir noch zurückkommen.