31-32/2001 | |
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Kirche in der Schweiz |
Die evangelisch-reformierte und die römisch-katholische Kirche der Schweiz haben anfangs Juli ein gemeinsam verfasstes Dokument zur sozialen und wirtschaftlichen Zukunft der Schweiz veröffentlicht. Das 80-seitige Papier trägt den Titel «Miteinander in die Zukunft», was kein revolutionärer Titel sei, wie der Präsident des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes selbstkritisch sagte, aber auch kein selbstverständlicher mehr. Dieses Wort der Kirchen sei kein fertiges Dokument, das nun für die nächsten fünfzig Jahre gelten muss, sondern eine Diskussionsgrundlage, damit es in Zukunft weitergeschrieben werden kann. Bischof Amédée Grab, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, und Pfarrer Thomas Wipf, Präsident des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, betonten bei der öffentlichen Vorstellung des Dokumentes, dass sie mit diesem Wort der Kirchen eine vertiefte Auseinandersetzung über die soziale und wirtschaftliche Zukunft der Schweiz anregen wollen. Dabei legen sie im Dokument die Sicht der Kirchen auf einige der brennendsten Fragen unserer Gesellschaft dar, geben Anregungen zur Gestaltung einer lebenswerten und menschenwürdigen Zukunft und richten sich damit an alle, denen die Zukunft unserer Gesellschaft am Herzen liegt.
Bischof Amédée Grab wies darauf hin, dass die Kirchen vor der Verfassung dieses umfangreichen Dokumentes zuerst einmal auf das Volk hören wollten. Darum starteten sie im Januar 1998 die «Ökumenische Konsultation zur sozialen und wirtschaftlichen Zukunft der Schweiz». Über 1000 Antworten gingen dann beim Büro der Ökumenischen Konsultation ein. Diese Antworten wurden den Mitgliedern des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes und der Schweizer Bischofskonferenz vorgelegt. Die Analyse der eingegangenen Beiträge bildete die Grundlage für das nun vorgelegte Wort der Kirchen «Miteinander in die Zukunft». In diesen vielen eingegangenen Stellungnahmen, so Thomas Wipf, wurde immer wieder beschrieben, wie nicht der Wandel an sich Unsicherheit auslöst, sondern der Zerfall von Werten, auf die man meinte vertrauen zu können. Die Menschen fragen heute nach Sicherheit und gesellschaftlicher Verlässlichkeit im Wandel, Sicherheit in dieser Unsicherheit.
Das 80-seitige Dokument hat folgenden Aufbau:
Zu jedem der 8 Kapitel gibt es eine Einleitung mit einer kurzen Übersicht
der Problematik. Dann folgt eine knappe Referenz an die wichtigsten in den
Stellungnahmen geäusserten Ansichten zum Thema. Danach wird die Problematik
aus eigener kirchlicher Sicht beurteilt und ethische Orientierungspunkte
für die Zukunft aus der Sicht der Botschaft Jesu gegeben. Am Schluss
jedes Kapitels finden sich Folgerungen, Empfehlungen und Anregungen.
Am Schluss des Dokumentes geben die Kirchen der Hoffnung Ausdruck, dass
«das Nachdenken über die persönliche wie soziale und wirtschaftliche
Entwicklung in vielen Köpfen weitergeht und dass in vielfältigen
Formen die so dringliche Kommunikation über die Zukunftsorientierung
unseres Landes, als Teil der globalen Umwelt, fortgeführt wird».
Der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz betonte bei der öffentlichen
Vorstellung des Dokumentes, dass die Arbeit der Kirchen mit der Veröffentlichung
dieses Dokumentes nicht zu Ende sei. «Es ist nie getan. Die Kirchen
wollen sich selber in Pflicht nehmen lassen.» Sonja Kaufmann, Koordinatorin
der Ökumenischen Konsultation, verglich die eingegangenen Beiträge
mit einzelnen Blumen, die nun zu einem Blumenstrauss gebündelt wurden.
Dieser Strauss stehe noch nicht in voller Blüte. Er trage viele Knospen.
Der von den Kirchenleitungen initiierte Dialog müsse nun weitergehen
und gefördert werden, damit dieser Blumenstrauss auch blühen könne.
Am 1. September wird in Bern in einem festlichen Schlussakt die «Ökumenische
Konsultation» beendet. In der Heiliggeistkirche wird das «Wort
der Kirchen zur sozialen und wirtschaftlichen Zukunft der Schweiz»
von Bischof Amédée Grab und Pfarrer Thomas Wipf den Bundesbehörden
übergeben.
Am Bettag 2001 sind alle Pfarreien und Kirchgemeinden der Schweiz eingeladen,
in einem ihrem Kontext angepassten Rahmen das «Wort der Kirchen»
aufzunehmen und sich damit auseinander zu setzen. Dabei wurde ein Werkheft
herausgegeben, das allen Kirchgemeinden und Pfarreien bereits zugestellt
wurde. Eine «ökumenische Bettagsbotschaft» werden die Pfarreien
und Kirchgemeinden kurz vor dem Bettag erhalten.
Die vor wenigen Monaten gegründete freiwillige Arbeitsgruppe «Follow
up» unter der Leitung von Pfr. Lukas Schwyn, Fachstelle Wirtschaftsethik
in Bern, sucht nach verschiedenen Möglichkeiten, das «Wort der
Kirchen» in die innerkirchliche Diskussion und in die gesellschaftliche
Auseinandersetzung zu bringen.
Die Theologin Regina Osterwalder arbeitet im Team der Stadtluzerner Johannes-Pfarrei und nimmt jeweils die Ferienablösung der Schweizerischen Kirchenzeitung wahr.
Alte und neue sakrale Kunst im Tessin mit diesem Thema beschäftigten sich die Höheren Ordensobern der Schweiz an ihrem diesjährigen Studientag, dem je ein Halbtag VOS-Generalversammlung vorausging und folgte.<1> In seinem letzten Amtsjahr als VOS-Präsident setzte sich P. Mauro Jöhri als Gastgeber für ein interessantes Programm ein, während Sr. Susanna Baumann als VOS-Sekretärin für ein gutes organisatorisches Gelingen besorgt war. Die Reise durch die Tessiner Kulturlandschaft begann geographisch oben in der Leventina und zeitlich bei der Romanik, führte über Biasca auf den Monte Tamaro mit dem Gottesdienst in der von Mario Botta erbauten Bergkirche und wurde im Kapuzinerkloster Lugano mit einer Begegnung mit Mario Botta abgeschlossen.
Durch S. Nicolao in Giornico und S. Pietro e Paolo in Biasca führte
die Kunsthistorikerin Katja Bigger. Im ehemaligen cluniazensisch beeinflussten
Benediktinerkloster von Giornico sind die Beziehungen zur Lombardei
von der Architektur des 12. Jahrhunderts bis zur Malerei des 15. Jahrhunderts
ablesbar; die Fresken schuf Nicolao da Serengo. Spannend waren die Ausführungen
der Kunsthistorikerin über die Skulpturen von Giornico; für sie
gehören diese mit den Fragmenten von Biasca und der Krypta von Muralto
zu den bedeutendsten der Romanik im Tessin. Trägt der Mensch am Südportal
von Giornico wirklich ein Brot unter dem Arm, und was ist mit dieser Darstellung
gemeint? Bei Tierdarstellungen greifen die Hypothesen nicht selten auf die
mittelalterlichen Bestiarien zurück. Das Tierpaar am Hauptportal interpretiert
Katja Bigger als Löwe und Löwin, eine seltene Darstellung, aber
kein Unikat (während sie von Heinz Horat in «Ars Helvetica III»
noch als Löwe und Ratte interpretiert wurde).
Italienische Malerfamilien begegnen auch in der Propsteikirche S. Pietro
e Paolo zu Biasca, der Mutterkirche der Tre Valli, der ambrosianischen Täler
Leventina, Riviera und Blenio. Biasca hatte schon früh Beziehungen
in die Ostschweiz, ist es doch im «Liber viventium» der Abtei
Pfäfers um 830 belegt; der heutige Bau stammt aus dem 12. Jahrhundert,
die Fresken aus dem 13. bis 17. Jahrhundert. Eindrücklich an diesem
Bau ist, wie sein Boden zum Chor hin Hang aufwärts steigt und der Stein
des Felsen, auf dem er steht, zum Teil unbearbeitet belassen wurde.
Die Kirche Santa Maria degli Angeli auf der Alp Foppa am Monte Tamaro,
von Mario Botta gebaut mit Kunst am Bau von Enzo Cucchi, wird von manchen
als architektonischer Wallfahrtsort aufgesucht. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen
des VOS-Studientages suchten sie zunächst als Ort des gemeinsamen Gottesdienstfeierns
auf. Zur Eucharistiefeier war der Apostolische Nuntius Pier Giacomo De Nicolò
frühzeitig aus Rom zurückgekommen. Ausgehend von der Perikope,
die davon berichtet, wie sich Abraham und Lot trennen, entwickelte Erzbischof
De Nicolò eine theologische Meditation über die Fruchtbarkeit
des menschlichen Lebens. Fruchtbarkeit im Leben sei ein tiefer Wunsch, der
auch gegen Widerstände durchgehalten und selbst im Scheitern nicht
aufgegeben werde. Bei der Trennung von Abraham und Lot habe sich die Frage
nach dem Sinn der Fruchtbarkeit gestellt. Abraham habe sich beschränken
können, weil er bereits gewählt hatte, weil er Gott gewählt
hatte. In solcher Beschränkung habe Gott sein Glücksversprechen
einlösen können. Von der Verheissung an Abraham entwickelte Erzbischof
De Nicolò den Gedanken weiter zu den evangelischen Räten, zu
den Perlen, zum engen Tor und zum schmalen Weg, die zum Leben führen
(Mt 7).
Beim Mittagessen begrüsste der Besitzer der Alp, Egidio Cattaneo, seine
Gäste und erzählte, wie er dazu gekommen war, Mario Botta mit
dem Bau der Kirche zu beauftragen, und wie der Architekt diesen Auftrag
angenommen und an die Hand genommen hatte. Die Kirche erreicht man über
einen aus dem Berg kommenden viaduktähnlichen Steg, der in einer Aussichtskanzel
endet; von hier aus sieht man, wie Egidio Cattaneo unterstrich, das Tessin
sotto und sopra Ceneri.
Über die Decke des Stegs läuft eine schlanke Zypresse, die in
der Kirche einer zweiten schwarzen Zypresse begegnet, die ihrerseits, mit
Gesichtern wohl Engeln umgeben, die Decke der Kirche dominiert.
In der himmelblauen Apsis leitet das Thema der gebenden Hände zu den
22 Darstellungen marianischer Motive über, Zementtafeln über den
Fenstern, die einen Rundblick ins Tal ermöglichen. Über den von
Enzo Cucchi gemalten Tafeln sind die Motive in knappe, dichte Worte gefasst,
komponiert so darf man wohl sagen von Giovanni Pozzi, dem Kapuziner
und emeritierten Professor für italienische Sprache und Literatur der
Universität Freiburg.
Im Kapuzinerkloster von Lugano, das Mario Botta restauriert hat und in
dessen Kirche der Tabernakel von Enzo Cucchi geschaffen wurde, beschäftigte
sich zunächst Giovanni Pozzi in einem Kurzreferat mit dem Zusammenhang
von Kirche und moderner bzw. zeitgenössischer Kunst. Dabei ging er
von der Frage nach dem Zusammenhang zwischen dem Volk, das betet, und den
Bildern, die ihm die Kirche heute vorstellt, aus. In der Vergangenheit haben
die Künstler Bilder des Mysteriums geschaffen, die von den Gläubigen
betrachtet werden konnten. Im 19. Jahrhundert sei es aber zu einem Bruch
gekommen, denn mit dem Impressionismus habe sich die Sicht verändert,
die Moderne habe zu einer grundlegenden Veränderung der Ästhetik
geführt. Früher habe die bildende Kunst das Unsichtbare durch
das Sichtbare oder die Inkarnation durch ein vergöttlichtes Bild repräsentiert.
Die heutige Ästhetik zeige sich auch von der Reaktion der Gläubigen
her gesehen als eine andere. In der Ausstellung «Mark Rothko. Eine
vertiefte Beziehung zwischen Bild und Betrachter» in der Fondation
Beyeler zum Beispiel hätten Räume auf Besucher und Besucherinnen
der Ausstellung wie sakrale Räume gewirkt. Die völlig gegenstandslosen
Bilder in diesen Räumen seien aber keine das Mysterium repräsentierenden
Bilder. Was sakrale Kunst heute repräsentieren könne und müsse,
sei die Art der Gegenwart Gottes unter den Menschen. Wie in einem Kirchenraum
die Menschen platziert und das Licht verteilt werde, das müsse repräsentieren,
wie Gott unter den Menschen wohnt.
Darauf stellte Mario Botta in einem Lichtbildervortrag dass die Projektionseinrichtungen
dem grossen Architekten zunächst Widerstand leisteten, war erheiternd
seine Tätigkeit für den Kirchen- und Synagogenbau vor, und
in einer anschliessenden spannenden Fragestunde stellte er sich temperamentvoll
auch kritischen Fragen. Für Mario Botta muss der Kirchenbau neu erfunden
und den heutigen Sensibilitäten angepasst werden. Zum einen muss im
Kirchenraum auch der einzelne Besucher und die einzelne Besucherin angesprochen
werden; der Kirchenraum muss immer auch ein Ort zum Träumen sein, er
muss Emotionen wecken können. Zum andern gilt es, die Authentizität
der verwendeten Materialien zu wahren.
Die Architektur spreche eine metaphorische Sprache, betonte Mario Botta,
als Architekt gehe er indes nicht von einem ästhetischen, sondern von
einem ethischen Leitbild aus: Die Werte des Habitats des Raums, in
dem Menschen die Vielfalt des Lebens leben zu fördern. Diese
Vielfalt zeige sich auch in den zweckbestimmten Bauten: eine Kirche müsse
eine Kirche, eine Schule eine Schule, eine Bibliothek eine Bibliothek, eine
Fabrik eine Fabrik, ein Wohnhaus ein Wohnhaus sein. Auf die Frage, was eine
Kirche sei, antworte eine bald zweitausendjährige Tradition, so dass
die konkrete Vorstellung des Themas «Kirche», die an jedem Ort
wieder eine andere sei, nicht ausschlaggebend sein dürfe. So dürfe
auch der liturgische Verwendungszweck nur ein Element im Ganzen und nicht
die ganze Vorgabe sein; sonst baue man wie in den 1960er Jahren Versammlungsräume
statt Kirchen.
Auch in seiner Formensprache stehe er in der Tradition, erklärte Mario
Botta, er habe nichts Neues erfunden, sondern mit vorgegebenen Formen gearbeitet
und damit Räume gestaltet. Wenn ein Architekt einen Auftrag richtig
bearbeite, müsse er sich den Herausforderungen von Metaphorik und Symbolik,
von Raum und Licht stellen.
Abgeschlossen wurde der Studientag mit der Vesper in der Klosterkirche,
an deren Neugestaltung Mario Botta und Enzo Cucchi beteiligt waren, und
einem italienischen Abendessen im Refektorium des Klosters, zu dem etwas
klösterlich Kultiviertes gereicht wurde, Merlot aus dem im Klostergarten
mitten in Lugano kultivierten Weinberg.
1 Die Generalversammlung liess sich über die Tätigkeit
der ESE.02 das heisst über die Beteiligung der Kirchen an der
Expo.02 informieren und überlegte eingehend die Möglichkeiten
einer Beteiligung der Orden und Kongregationen.
Als Nachfolger von P. Mauro Jöhri OFMCap wählte sie Abt Lukas
Schenker OSB, Mariastein, zum neuen VOS-Präsidenten; im Vorstand wird
P. Mauro durch den neuen Provinzial der Kapuziner, P. Ephrem Bucher, ersetzt.
Dies war das Thema einer zweitägigen Zusammenkunft des VONOS-Vorstandes
mit dem SKF-Vorstand im Herbst des vergangenen Jahres. Vom Nebeneinander
zu immer mehr Miteinander ging es auch an der diesjährigen Tagung der
VONOS, der Vereinigung der Ordensoberinnen nichtklausurierter Orden der
deutschsprachigen Schweiz und Liechtenstein.
An der Generalversammlung (GV) nahm auch dieses Jahr der für dieses
Ressort zuständige Vertreter der Schweizer Bischofskonferenz, Weihbischof
Martin Gächter, teil. Er stand dem Eröffnungsgottesdienst vor,
assistiert vom Apostolischen Nuntius Erzbischof Pier Giacomo de Nicolò
und dem Abt von Mariastein, P. Lukas Schenker, Vertreter der Ordensobern
(VOS/USM).
Unter dem Präsidium von Sr. Aquina Burger OP, Ilanz, hatte der Vorstand
der VONOS im ablaufenden Vereinsjahr beschlossen, sich grössere Klarheit
über die Arbeit der Delegierten in den verschiedenen Gremien zu verschaffen.
Solche Vertreterinnen waren dieses Jahr zur GV eingeladen worden. Sie sollten
nicht nur schriftlich, sondern viva voce über ihre Erfahrungen berichten
können. Engagiert informierten unter anderem Delegierte aus dem SKF
(Schweizerischer Katholischer Frauenbund), von der OeKU (Arbeitsgemeinschaft
Kirche und Umwelt) und aus dem Aktionsrat des Fastenopfers. Die zum Teil
recht persönlichen Statements weckten Interesse und gaben Einblick
in Probleme und Anliegen der jeweiligen Gremien.
Ein wertvoller Informationsaustausch erfolgte auch durch die Berichte gemäss
der regulären Traktandenliste. Es würde den Rahmen dieses Berichtes
sprengen, wollte man alle Informationen, Anregungen und Initiativen aufzählen.
Es seien deshalb lediglich einige davon erwähnt.
Zum letzten Mal vertrat Amanda Ehrler die IKB (Arbeitsstelle Information
kirchlicher Berufe), die sich momentan personellen Veränderungen gegenübersieht.
Zu Problemen der Berufspastoral liess besonders eine Aussage des Berichtes
aufhorchen: Wir kranken heute in der Kirche an einer fehlenden oder mangelnden
Gottes- und Christusbeziehung, aus der kirchliche, besonders auch Ordensberufungen
wachsen könnten.
Im Bericht der KOVOSS/CORISS (Konferenz der Vereinigungen der Orden und
Säkularinstitute der Schweiz) wurde unter anderem auf einen Erfahrungsaustausch
zum Thema «Kloster auf Zeit» hingewiesen. Bei dieser Klosterzugehörigkeit
auf eine bestimmte Zeit geht es nicht um eine Lösung für die Orden
und ihre Nachwuchssorgen, sondern um eine Aufgabe der Orden. Zahlreich sind
heute auch Anfragen für Aufenthalte (besonders in klausurierten Gemeinschaften)
zum «Innehalten». Die Menschen suchen Orte, wo sie aus der Hektik
des Alltags heraus wieder zur Ruhe kommen können. Eine diesbezügliche
Broschüre ist auf ein ausserordentliches Interesse gestossen.
Beeindruckend war erneut der Bericht aus der UCSR (Union der klausurierten
Ordensfrauen der französischen Schweiz) mit ihrer ökumenischen
Ausrichtung. Einige ihrer Mitglieder kommen aus evangelischen Gemeinschaften.
Die Aufnahme einer orthodoxen Ordensfrau für ein zeitlich begrenztes
Mitleben unterstreicht diese Offenheit noch besonders.
Der Bericht der UCESM (Europäische Ordensobern/-oberinnenkonferenz)
wies auf die im Juli in New York stattfindende Konferenz der UNO über
den illegalen Handel mit leichten Waffen hin. Die UCESM bezieht sich dabei
auf einen dringenden Appell der Afrikanischen Bischofskonferenz (SECAM).
Im Blickfeld sind vor allem die bewaffneten Konflikte in Afrika, wo diese
leichten, relativ günstigen und handlichen Waffen eingesetzt werden.
Bis heute schützt keine internationale Abmachung die Deklarierung und
den Handel solcher Waffen. Wenn Bischöfe eines ganzen Kontinents mit
ihren Anliegen an europäische Ordensleute gelangen, steht dahinter
ihre grosse Sorge für diese folgenschwere Versammlung.
Zwei wichtige Anliegen der Schweizer Bischofskonferenz brachte Weihbischof
Martin Gächter, der zuständige Ressortbeauftragte, zur Sprache:
die Volksabstimmung über den so genannten Bistumsartikel und das Referendum
gegen die vom Parlament verabschiedete Fristenregelung. Die sich daran anschliessende
Diskussion zeigte, wie brennend auch in der VONOS politische Fragen sind.
Solche Themen bedürfen aber einer gründlichen Information und
Vorbereitung, vor allem wenn es zu einer allgemeinen Stellungnahme kommen
sollte. Das wäre im Hinblick auf die bisherige Tradition und Struktur
ein neues Element. Das heisst aber auch, über das Ziel der VONOS und
die heutigen Herausforderungen muss neu nachgedacht werden, eine Aufgabe,
der sich die Vereinigung in nächster Zeit stellen will.
Die VONOS-Versammlungen sind aber nicht nur durch Plenumsdiskussionen und
persönliche Gespräche gekennzeichnet. Die täglichen Eucharistiefeiern
und andere Gebetszeiten zeugen von der Vielfalt der Traditionen in den einzelnen
Gemeinschaften, von ihrer Kreativität und der Freude am gemeinsamen
Gotteslob.
Die diesjährige Tagung brachte nach dreijähriger Amtszeit einen
Wechsel im Vorstand. Ilanz, das heisst Sr. Aquina Burger, Präsidentin,
und Sr. Eugenia Jörger, Sekretärin, wird turnusgemäss abgelöst
von Menzingen.
Für die folgenden drei Jahre setzt sich der Vorstand wie folgt zusammen:
Sr. Anne Roch, Menzingen, Präsidentin; Sr. Caecilia Iten, Cham, Vizepräsidentin;
Sr. Aquina Burger, Ilanz; Sr. Edelina Uhr, Ingenbohl; Sr. Marie-Ruth Ziegler,
Baldegg, und neu die Schwestern Luzia Christen, Reussbühl (Missionsschwestern
von der Heiligen Familie), und Hedy-Maria Weber, Luzern (Spitalschwesterngemeinschaft).
Als Sekretärin stellt Menzingen Sr. Helena Horat, Provinzassistentin,
zur Verfügung.
Den aus dem Vorstand scheidenden Schwestern Rita Emmenegger, Flüeli-Ranft
(Dorotheaschwestern), und Rosmarie Schneider, Solothurn (Spitalschwesterngemeinschaft),
sowie dem abtretenden Leitungsteam Sr. Aquina und Sr. Eugenia gilt ein herzlicher
Dank der Versammlung und ein Wort auf den Weg: «Bewahre den Geist
einer Anfängerin...dann wird Gewohntes aufbrechen und du kannst Menschen
und Dinge neu sehen.» («Anfängergeist» in Richard
Rohr, Wer loslässt, wird gehalten, S. 29ff.).
Den Abschluss der Generalversammlung bildete ein Erfahrungsaustausch in
kleinen Gruppen zu folgenden Themen:
An die GV schlossen sich wie jedes Jahr zweieinhalb Bildungstage an.
Unter der Leitung von P. Dr. Klemens Schaupp SJ und Schwester Hildegard
Tillmans SOF, beide vom Institut der Orden (IMS), Mannheim, stellten sich
die Verantwortlichen der Gemeinschaften dem Thema «Konfliktbewältigung».
Lernen, gut mit Konflikten umzugehen, um die Berufung besser leben zu können.
Das war das Ziel dieser Tage. Christliche Gemeinschaft ist menschliche Gemeinschaft
und steht im Spannungsfeld zwischen menschlicher Wirklichkeit und der Wirklichkeit
des Glaubens. Konflikte gehören zum Leben. Je nachdem verhindern oder
fördern sie Wachstum, Veränderung, Leben.
Thematische Schwerpunkte waren unter anderem: Konfliktdiagnose und Ebenen
von Konflikten, Konflikteskalation, Konfliktgespräch, Umgang mit Konflikten,
der Umgang Jesu mit Konflikten, der Umgang mit Konflikten und der Weg der
Berufung.
Die Arbeitsweise war prozessorientiert. Methodisch sehr gut dosiert wechselten
Plenumsgespräche, Übungsdialoge in kleinen und Kleinstgruppen,
persönliche Reflexion und dargebotene Informationen ab. Die ganz konkreten
Beispiele aus dem Leben der Gemeinschaften verhinderten, dass alles nur
schöne Theorie blieb.
Aus dem reichen Angebot an Material und hilfreichen Anregungen sollen folgende
Schwerpunktthemen kurz zur Sprache kommen.
Zu einem guten Umgang mit Konflikten leistet die Unterscheidung der Geister
einen wichtigen Beitrag. Klärung und Klarsicht sind gerade heute besonders
notwendig in einer für das Ordensleben kritischen und entscheidungsträchtigen
Phase. Es gilt zum Beispiel die ignatianische Unterscheidung «Trost»
und «Trostlosigkeit» zu bedenken. Dabei erweisen sich folgende
Haltungen, die der «Trostlosigkeit» zuzuordnen sind, als besonders
lähmend und das Leben blockierend: Hoffnungslosigkeit, Wertlosigkeit,
angstbesetzte Zukunftsfragen, moralisierende Bemerkungen in der «muss»-Sprache,
Killerphrasen, die den Andersdenkenden ausschalten. Vertrauensfördernde
Haltungen und entsprechendes Tun prägen oder verändern die Atmosphäre
in der Gemeinschaft. Dies ist auch die Voraussetzung für einen konstruktiven
Umgang mit Konflikten und damit für Wachstum und für mehr Leben.
Ich meine, solche Überlegungen wären auch im gesamtkirchlichen
Raum lohnend. Praktische Konsequenzen daraus könnten auch hier manche
Situation entspannen und zu einem konstruktiven Dialog führen.
Besonders hilfreich erwiesen sich die Einladung zur Meditation eines persönlichen
Konflikts und Fragen zum Umgang Jesu mit Konflikten, ein Aspekt im Leben
Jesu, der bei uns doch eher zu kurz kommt. Jesus löst Konflikte nicht
um jeden Preis. Er lässt sich auch nicht auf jeden Konflikt ein. Er
wählt aus. Aber er riskiert, provoziert bisweilen Konflikte. Er ist
dort offensiv, wo es seine Berufung erfordert, wo er die Botschaft des Vaters
verfälscht sieht, wo die Würde des Menschen angetastet wird. Der
Blick auf unsere Gründer und Gründerinnen verweist uns in eine
ähnliche Richtung. Daraus die Frage an uns Ordensleute, aber auch an
unsere kirchliche Gemeinschaft: Wofür brauchen wir unsere Energien?
Welche Botschaft und welchen Gott verkünden wir? Wofür riskieren
wir Konflikte? Jesus nützt Konflikte, um das Anliegen seiner Botschaft
deutlich zu machen. Und wir?
Ganz sein im Fragment. Ein entsprechender Umgang mit Konflikten kann auf
dem Weg der Berufung zu einer Vertiefung und Klärung führen. Alles
vor Gott zur Sprache zu bringen (Ps 103), vor ihm zu wandeln und ganz zu
sein. «Geh einher vor meinem Antlitz! Sei ganz!» (Gen 17,1;
nach M. Buber). Gott lädt uns ein mit allem, mit gar allem, auch mit
unsern Unvollkommenheiten, auf den Weg zu gehen, Ihn zu suchen. Der Mensch
ist ja nicht einfach, er wird. Die Erkenntnis der Berufung vollzieht sich
immer wieder im Vorläufigen. Es gilt, das zu leben, was im Moment als
Berufung erkannt wird. Das richtig Erkannte zu tun, darum geht es. Dies
muss notgedrungen fragmentarischen Charakter haben. Wir sind unterwegs zur
Ganzheit. Es geht um ein Ganzsein im Fragment. Dietrich Bonhoeffer bringt
das in einem Brief so zum Ausdruck: «Es gibt Fragmente, die Fragmente
bleiben müssen. Das Entscheidende ist, ob man dem Fragment noch ansieht,
wie das Ganze gemeint ist. Wenn mein Leben so ein Fragment ist, dann will
ich mich dessen sogar freuen.» Eine christliche Berufung in dieser
Optik gelebt und vertieft, nicht zuletzt in einem guten Umgang mit Konflikten,
weist als Fragment, dem man ansieht, wie das Ganze gemeint ist, über
sich hinaus auf die Vollendung unseres Lebens, die Gott uns schenken wird.
Generalversammlung und Studientage der VONOS fanden dieses Jahr zum letzten
Mal im Franziskushaus, Dulliken, statt. Eine 33-jährige Tradition geht
damit zu Ende. Das gastliche Haus mit seiner herrlich natürlichen Umgebung
hatte während vieler Jahre auch die Bildungstage der VONOS unter der
Leitung von Karl Inauen beherbergt. Wie viele Schwestern der verschiedenen
religiösen Gemeinschaften empfingen hier Impulse für ihr menschliches
und religiöses Leben. So war denn auch die diesjährige Tagung
von Dankbarkeit geprägt, getragen auch von einer leisen Wehmut und
den herzlichen Wünschen an P. Sigfrid OFMCap zuhanden der ganzen Schweizer
Kapuzinerprovinz für eine gute Lösung.
Sr. Maria Crucis Doka ist Informationsbeauftragte der VONOS.