9/2001

INHALT

Kirche in der Schweiz

Erzbischof Bruno B. Heim 90-jährig

von Urban Fink

 

Am 5. März 2001 darf der in Olten aufgewachsene und seit gut 15 Jahren wieder dort wohnhafte Neuendorfer Bürger Bruno B. Heim auf neunzig Lebensjahre zurückblicken. In seiner langjährigen und aussergewöhnlichen kirchlichen Laufbahn scheinen interessante Aspekte der Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts auf. Sein anfänglicher Studiengang entsprach zwar noch dem üblichen Muster: Nach seinem Maturitätsabschluss im Kloster Engelberg, philosophischen und theologischen Studien in Rom (Dr. phil.), Freiburg und am Priesterseminar in Solothurn wurde er 1938 zum Priester geweiht und arbeitete während vier Jahren als Vikar in Arbon und Basel. Sein 1942 erfolgter Eintritt in die Päpstliche Diplomatenakademie aber eröffnete ihm eine Laufbahn in der päpstlichen Diplomatie. Bruno Heim war einer der ersten Nichtitaliener, der diesen Weg einschlagen konnte. Im Rahmen dieser Ausbildung, die kriegsbedingt einen Unterbruch erlitt, erwarb er sich das übliche Doktorat in Kirchenrecht. 1943­1945 trug Bruno Heim zwischenzeitlich die Verantwortung für einen grösseren Seelsorgebezirk zugunsten von italienischen und polnischen Internierten in der Schweiz.
Prägend wurden für ihn seine Jahre als Nuntiatursekretär von Angelo Roncalli in Paris (1947­1951), denen Aufenthalte an den Nuntiaturen von Wien und Bonn folgten. 1961 empfing Bruno Heim als einer der ersten nichtitalienischen päpstlichen Diplomaten die Bischofsweihe, womit ihm die Führung einer Nuntiatur übertragen wurde. Als Apostolischer Delegat in Skandinavien und Pro-Nuntius in Finnland war ihm in den 1960er Jahren die Sorge um die kleine Diasporakirche im Norden aufgetragen. 1962 gründete Erzbischof Heim das Schweizerische Ansgar-Werk, um durch einen persönlich aufgebauten Gönnerkreis bescheidene, aber wirksam eingesetzte Gelder für Seelsorgewerke im Norden zu sammeln. Nach vier Jahren diplomatischer Tätigkeit in Ägypten führte er schliesslich 1973­1985 die Nuntiatur in London. Er baute zu dem britischen Königshaus und zu der Regierung beste Kontakte auf und erwarb sich durch seine kluge und breit abgestützte Auswahl von Bischofskandidaten auch innerkirchlich höchstes Ansehen.
Neben seiner diplomatischen Tätigkeit, in der ihm Offenheit und Transparenz ein grosses Anliegen waren, darf das Wirken Bruno Heims im Bereich der kirchliche Wappenkunde nicht unerwähnt bleiben. Er entwirft und zeichnet nicht nur bis heute überaus zahlreiche Wappen von kirchlichen Würdenträgern, sondern gilt in diesem Bereich als die Autorität, deren Urteil bis heute aus nah und fern eingeholt wird. Vor kurzem ist sein 1978 erstmals in englischer Sprache veröffentlichtes Standardwerk über die Heraldik in der katholischen Kirche in italienischer Sprache erschienen (B. B. Heim, L'araldica nella chiesa cattolica, Libreria Editrice Vaticana, Roma 2000). Damit ist das in fünf anderen Sprachen gedruckte, aber leider vergriffene Werk wieder leicht greifbar, und dies erst noch in sehr ansprechender Aufmachung.

Die Redaktion der «Schweizerischen Kirchenzeitung» gratuliert Erzbischof Heim zu seinem 90. Geburtstag ganz herzlich. Ad multos felicesque annos!


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2001