6/2001 | |
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Kirche in der Schweiz |
Was in der Wirtschaft längst praktiziert wird, ist nun auch Thema
bei den katholischen Seelsorgern und Seelsorgerinnen in Deutschfreiburg:
Synergien nutzen. Als mögliche Strategie auf den zunehmenden Mangel
an Personal in der Seelsorge schlägt Bischofsvikar Kurt Stulz den Zusammenschluss
von Pfarreien zu Seelsorgeverbänden vor.
Bereits heute besteht im Bistum Lausanne, Genf und Freiburg ein Zusammenschluss
von Pfarreien in Form von Pastoralsektoren. Im Dekanat St. Petrus Kanisius,
dem einzigen deutschsprachigen Dekanat des Bistums, gibt es deren fünf.
Allerdings haben diese Sektoren bis heute eher unverbindlichen Charakter,
und eine Zusammenarbeit der Pfarreien innerhalb eines Sektors ist, wenn
überhaupt, nur ansatzweise vorhanden. Das soll sich ändern.
Bischofsvikar Kurt Stulz hat zusammen mit der Pastoralplanungskommission
das «Projekt Seelsorgeverband» lanciert. Es ist eine Antwort
auf die knapper werdenden Pastoralkräfte und die in Zukunft zu erwartende
Abnahme finanzieller Mittel für die Seelsorge. An der letzten Dekanatsversammlung
im Bildungszentrum Burgbühl, St. Antoni, haben sich die in der katholischen
Seelsorge Deutschfreiburgs Tätigen über das Projekt informieren
lassen und eine gewichtige Hausaufgabe gefasst: Bis Mitte Mai soll jeder
Sektor zum neuen Projekt eine schriftliche Stellungnahme ausarbeiten.
Wie Bischofsvikar Stulz an der Dekanatsversammlung betonte, liegt ihm das
«Projekt Seelsorgeverband» besonders am Herzen. Er will nicht
Notstandsverwaltung praktizieren, sondern jetzt zukunftsträchtige Lösungen
ausarbeiten. Die Veränderung der pastoralen Landschaft verlange verschiedene
sich ergänzende Strategien wie etwa die Änderung der Zulassungsbedingungen
zum Priestertum, Kompensation durch ausländische Priester und Laienmitarbeiter,
Laien als Gemeindeleiter, stärkerer Einbezug der Basis. Generell gelte
es, durch eine verstärkte Zusammenarbeit der Pfarreien einen Synergieeffekt
zu erzielen. «Warum soll zum Beispiel ein aufwändig vorbereiteter
Jugendanlass nicht auch für die Jugendlichen der Nachbarpfarrei angeboten
werden?», stellte der Bischofsvikar ein konkretes Beispiel als Frage
in den Raum.
Im «Projekt Seelsorgeverband» soll exklusives Pfarreidenken
zu Gunsten einer vernetzten, kooperativen Seelsorge überwunden werden.
Der Blick soll sich noch stärker öffnen für den Sektor, die
Nachbarpfarreien und die Region. So ist vorgesehen, dass in den zu einem
Seelsorgeverband zusammengeschlossenen Pfarreien ein Seelsorgeteam
mindestens drei Personen die pastoralen Aufgaben übernehmen würde.
Jedes Teammitglied erhielte die Hauptverantwortung für ein Ressort
zum Beispiel Liturgie, Katechese, Jugend, Erwachsenenbildung, Mission.
In dieses Seelsorgeteam könnten Priester, Diakone, Laien, Ordensleute
und Priester im Ruhestand integriert werden. Dabei gehe es ihm nicht darum,
die bestehenden Pfarreien «kaputt» zu machen, betonte Kurt Stulz.
Im Gegenteil, solche Seelsorgeverbände setzten bestehende Pfarreistrukturen
voraus. Ein gut funktionierender Seelsorgeverband könne eine grosse
Chance zur Verlebendigung und zu mehr Phantasie und Innovation in der Seelsorgearbeit
sein.
In einem ersten Schritt sind jetzt die Seelsorgerinnen und Seelsorger herausgefordert:
Ist die gegenwärtige Sektoreneinteilung sinnvoll oder müssten
sich die Pfarreien neu gruppieren? Welches sind die Vor- und Nachteile einer
vernetzen Seelsorge? Was könnte im Seelsorgeverband künftig besser
koordiniert werden? Das sind nur einige Fragen, die sie zu diskutieren haben.
Bischofsvikar Kurt Stulz hofft, dass die kooperative Seelsorge bis im Jahr
2003 in Deutschfreiburg zu greifen beginnt.
Weitere Themen der Dekanatsversammlung waren die Tätigkeit des Vereins
«Lesen und Schreiben» sowie die Spiritualität als Pulsschlag
des Pfarreilebens. Elisabeth Martin, Kursleiterin in Lese- und Schreibkursen
in der Region, machte deutlich, wie stark verbreitet der funktionale Analphabetismus
auch in unseren Breitengraden ist und wie er sich ausdrückt. Viele
Erwachsene hätten das Bedürfnis nach Unterstützung und Förderung
in Sachen Lesen und Schreiben. Doch gelte es immer wieder grosse Hemmschwellen
zu überwinden. Gerade da könnten Seelsorger und Seelsorgerinnen
aktiv werden: Betroffene auf Kurse hinweisen und ihnen Mut machen, diese
zu besuchen.
Die langjährige Gemeindeleiterin Martha Brun aus Kleindöttingen
(AG) zeigte anhand vieler Beispiele aus ihrer Pfarreiarbeit, wie Spiritualität
in einer Pfarreigemeinschaft gelebt werden kann und wie sie eine Pfarrei
trägt. Der nächste Anlass, der in ihrer Pfarrei ausgeheckt wird,
ist ein «Skatergottesdienst» für Jugendliche. Er soll dort
stattfinden, wo sich die Jugendlichen aufhalten. Nach dem Motto: Auch Jesus
hat die Menschen aufgesucht und nicht gewartet bis sie zu ihm kamen.
Marie-Thérèse Weber-Gobet ist Leiterin der deutschsprachigen Informations- und Medienstelle des Bistums Lausanne, Genf und Freiburg.