8/2001

INHALT

Pastoral

Jugendliche ermutigen (1)

von Patrik C. Höring

 

Jugendpastoral erscheint in vielerlei Hinsicht als «Testfall» jeglicher Pastoral. Gesellschaftliche und kirchliche Fragen scheinen sich hier wie in einem
Prisma zu sammeln. Neue Herausforderungen und Impulse in diesem Handlungsfeld können so auch Wegweiser für andere pastorale Felder sein. Nachfolgende Überlegungen sind aus der Arbeit mit Jugendlichen sowie im Gespräch mit Prof. Dr. Reinhold Bärenz, Luzern, unter der Perspektive einer «Pastoral der Ermutigung» entstanden. Sie möchten «ermutigen», einerseits genau hinzuschauen, was Jugendliche und damit auch uns als Kirche bewegt, andererseits Impulse zu entwickeln, die die Arbeit vor Ort orientieren und motivieren.

I. Aufwachsen in der «Postmoderne»

Spätestens seit der Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils «Gaudium et spes» ist es pastorales wie pastoral-theologisches Allgemeingut geworden, dass sich kirchliches Handeln nicht allein an seinem Auftrag (Evangelizität), sondern auch am Kontext gegenwärtigen Lebens und Glaubens orientieren muss (Induktivität), geschieht doch Offenbarung und die Annahme dieser in der Antwort des Glaubens nie im luftleeren Raum, sondern immer im Alltag von Menschen.<1> Glauben und Leben bilden die Pole, innerhalb derer sich Offenbarung vollzieht. Dies ist gerade im Bereich der kirchlichen Jugendarbeit<2> rezipiert worden. Diese Forderung gilt aber auch in anderen Feldern der Jugendpastoral, wie zum Beispiel der Katechese, die durch ein stärker kirchliches oder kerygmatisches Interesse bestimmt werden, bzw. für ein Gesamtkonzept von jugendpastoralem Handeln überhaupt.
Im Folgenden soll versucht werden, anhand der Kontextualisierung, wie sie von Rahm, Otte, Bosse und Ruhe-Hollenbach im Rahmen der Integrativen Therapie nach Hilarion Petzold im Blick auf die Identität des Menschen vorgenommen wurde<3>, das Feld kirchlichen Handelns mit und unter Jugendlichen durch die Darstellung des Kontextes, das heisst der konkreten Befindlichkeit Jugendlicher, zu erhellen. Im Rahmen der Integrativen Therapie beschreibt das Autorinnenteam fünf «Säulen der Identität». Es sind «fünf Lebensbereiche, in denen Menschen ihre Identität entwickeln»: (1) «Leiblichkeit»; (2) «Soziales Netzwerk»; (3) «Arbeit und Leistung»; (4) «Materielle Sicherheit»; (5) «Bereich der Werte». Mit Reinhold Bärenz soll diesen fünf Kontextelementen ein sechstes hinzugefügt werden, das gerade für das Jugendalter von besonderer Bedeutung ist: «Freizeit».<4>
Eine Bemerkung vorweg: Die folgenden Ausführungen kommen über den Status einer Skizze nicht hinaus. Weitgehend verzichte ich auf die Angabe von Datenmaterial, um die Lesbarkeit zu erhöhen. Ebenso habe ich mich auf wichtige Phänomene beschränkt, so dass individuelle, geschlechts- und schichtspezifische Unterschiede ausgeblendet werden. Auch kann zugunsten einer gewissen Prägnanz nicht in vollem Umfang der Entwicklung des Jugendalters hin zu einer «Jugend im Plural» Rechnung getragen werden. Bei den Überlegungen zu «dem Jugendlichen» ist also immer einzuräumen, dass Ausnahmen die Regel bestätigen. Schliesslich bleiben die Bemerkungen Beobachtungen eines Erwachsenen, die jedoch in der konkreten Arbeit mit Jugendlichen gemacht wurden.

1. «Styling okay?» Der Kontext des Leibes

Der Leib ist für den Menschen jenes Medium, mit dem er nach aussen und in Kontakt mit anderen tritt. Was ich bin oder was ich sein will, gebe ich zum grossen Teil über mein Äusseres zu erkennen. Vor allem ein junger Mensch erfährt sich als leiblich bestimmt. Sein Körper befindet sich mit dem Eintritt in die Pubertät in einem radikalen Wandel. Die körperlichen, biologischen Veränderungen sind mit inneren Veränderungen verbunden. Diese resultieren einerseits aus den genannten, endogenen Faktoren des jungen Menschen selbst, andererseits sind sie Reaktionen auf exogene Veränderungen, wie zum Beispiel veränderte Rollenerwartungen von Seiten der Mitwelt. Exogene wie endogene Veränderungen führen zur Krise, zur Ent-Scheidung.
Der junge Mensch erfährt sich im Umgang mit sich selbst und mit anderen als anders und neu. Das beginnende Erwachsenwerden stellt das bisherige Kindsein in Frage. Alte, zumeist an den Eltern orientierte Verhaltensmuster werden zugunsten neuer, zumeist an Gleichaltrigen (wenn auch nicht ausschliesslich) orientierten abgelegt. Der Jugendliche ist nicht mehr Kind, jedoch auch noch nicht Erwachsener. Dies geben ihm die Letzteren auch deutlich zu verstehen. In dieser Phase des Lebens, die heute immer weniger eine blosse Durchgangsstation oder ein Schutzraum (Moratorium) zur Erprobung eigener Muster ist, übt sich der junge Mensch selbst ein, sucht und erarbeitet seine Identität, seine Unverwechselbarkeit. Er ist auf der Suche: auf der Suche nach seinem Platz in der vorgefundenen und von den Erwachsenen geprägten Gesellschaft, auf der Suche nach seinem eigenen Leben, auf der Suche nach sich selbst.
Eine wesentliche Rolle bei der Erarbeitung der eigenen Identität spielt aber der Leib. Das äussere Erscheinungsbild, oft geprägt durch Vor-Bilder aus Medien und Musikkultur, stellt das eigene Ich nach aussen dar. Entsprechend viel Wert wird von Jugendlichen auf ihr Äusseres gelegt, denn so wie ich mich kleide und verhalte, mit dem, was ich esse und höre, zeige ich nach aussen, wer und was ich sein will, provoziere, grenze ab und stelle in Frage. Ich werde erkennbar und kann auf diese Weise etwas existenziell Wichtiges erfahren: Zugehörigkeit. Mittels Kleidungs- und Lebensstil kann die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe gelingen und signalisiert werden. Diese Zugehörigkeit ist nichts anderes als das Gefühl der Beheimatung, des Dabeiseins, des Angenommenseins ­ ein grundmenschliches Bedürfnis.
Im Zeitalter einer Ästhetisierung von Warenwelt und Alltag kommt dem Leib eine wachsende Bedeutung zu. Der Leib, der äussere Ausdruck ist nicht nur Teil des Ichs, sondern Botschaft. So verwenden Jugendliche viel Zeit, Mühe und Geld für ihr «Styling», für Körperpflege nicht nur im hygienischen, sondern auch im kulturellen Sinn. Dies wird durch Gegenbewegungen wie die Punkszene zwar ad absurdum geführt, bestätigt aber nur diese Beobachtung, da auch ein bewusstes Ungepflegtsein die Bedeutung des Leibes als Botschaft hervorhebt. So bestätigt sich vielfach die These, dass der Leib für das Innenleben von Jugendlichen und für die Heranbildung einer Identität von grosser Bedeutung ist.

2. «Ich brauche dich.» Der Kontext der sozialen Netzwerke

Es klang bereits an: Die eigene Identität findet der Mensch nicht allein. Sie ist nicht etwas, das irgendwo liegt und nur gesucht werden müsste. Der Mensch ist angewiesen auf Partner, mit denen er im Austausch an seiner Identität arbeiten kann. Durch die Spiegelung an einem Gegenüber erfährt sich der Mensch erst als ein Ich. An erster Stelle stehen hier die Gleichaltrigen, die Peergroup. Diese bildet sich als konkret erlebbare Gruppe (Clique) durch Bekanntschaften in Schule oder Quartier. Sie bildet sich aber auch als Szene, die ­ zumeist medial vermittelt ­ Elemente der Jugendsubkulturen transportiert. Ebenso wichtige Interaktionspartner sind und bleiben die Eltern<5> sowie andere Instanzen wie Schule und Beruf, Gruppen und Vereine mit den dort vorfindbaren Kontakten zu anderen Erwachsenen oder älteren Jugendlichen.
Gerade in der Zeit des Jugendalters, in der die Identitätsfrage von besonderer Bedeutung ist, sind diese sozialen Netzwerke ­ je länger je mehr ­ unverzichtbar, findet der Jugendliche doch in ihnen den Halt, den er braucht, wenn er oft an Grenzen stösst: an (individuelle wie strukturelle) Grenzen seiner Möglichkeiten in Schule und Beruf, an die Grenzen der vielfältigen Lebenswelten, zwischen denen er hin und her pendelt, an die Grenzen im Bereich persönlicher, existenzieller Erfahrungen, wie die Begegnung mit dem Schönen und Faszinierenden oder mit Tod und Sterben, einem Ort, an dem im Jugendalter oft die Frage nach Sinn und Religion aufbricht. Der Jugendliche ist ganz allgemein der Grenzgänger par excellence! Durch seine Begeisterungsfähigkeit und Unverbrauchtheit ist er oftmals in der Lage, den Alltag zu transzendieren, den Blick über die Grenze der Normalität zu wagen.
Fehlen heute jedoch Milieu oder Dorfgemeinschaft, die quasi «naturwüchsige» Netzwerke anbieten, so ist der Einzelne herausgefordert, seine sozialen Netzwerke selbst aufzubauen. «Denn der Bestand immer schon vorhandener sozialer Bezüge wird geringer und der Teil unseres sozialen Beziehungsnetzes, den wir uns selbst schaffen und den wir durch Eigenaktivität aufrechterhalten (müssen), wird grösser.»<6> Schwierig wird es dann für jene, die nicht über die notwendigen (kommunikativen) Fähigkeiten verfügen, denen es ­ aus welchen Gründen auch immer ­ nicht gelingt, soziale Ressourcen aufzuspüren und für sich zu erschliessen.

3. «Ich leiste, also bin ich.» Der Kontext von Arbeit und Leistung

Erwerbsarbeit bestimmt unsere heutige Gesellschaft von Grund auf. Allein die Beobachtung des alltäglichen Umgangs miteinander ist hier aufschlussreich, signalisiert doch bereits die Frage: «Was sind Sie?», dass weniger nach dem Individuum und seiner Befindlichkeit, als nach seiner Funktion und seinem Status in der Gesellschaft gefragt wird, denn die Frage erwartet eine Auskunft über den erlernten und/ oder ausgeübten Beruf. Auch Selbstdefinition geschieht heute grossteils über die Erwerbsarbeit. Deutlich spürbar ist dies bei Frauen, die «nur» als Hausfrau tätig sind und vielfach an ihrer gesellschaftlich nicht anerkannten Stellung leiden.
Durch die gegenwärtige Krise der Erwerbsarbeit ist dieses Modell der Definition in Frage gestellt. Immer weitere Kreise der Gesellschaft sind von Arbeitslosigkeit betroffen und sie macht längst nicht mehr Halt vor Absolventen höherer Bildungsabschlüsse. Jeden und jede kann es treffen. Auch Jugendliche kennen Arbeitslosigkeit nicht mehr nur aus der Betroffenheit anderer, zum Beispiel ihrer Eltern, sondern aus eigenem Erleben. Treffend überschrieben Fischer/Münchmeier die Zusammenfassung der Shell-Studie «Jugend'97» mit: «Die gesellschaftliche Krise hat die Jugend erreicht.»<7> Für Arbeitslosigkeit sind jedoch immer weniger individuelle Schwächen auszumachen, als vielmehr das strukturelle Problem, zu wenig Arbeit für zu viel Menschen zu haben. Dementsprechend helfen hier individualisierte Hilfeleistungen nicht weiter, die zudem einer Personalisierung von Problemlagen Vorschub leisten.
Gravierend wird dieses strukturelle Problem für jene Menschen, die auf der Suche nach ihrem Einstieg in das Erwerbsleben sind. Jugendarbeitslosigkeit ist wahrscheinlich gerade deshalb eines der dringendsten Probleme der Erwerbsarbeit, weil junge Menschen erst noch ihren Weg in die Arbeitswelt finden müssen.<8> So verwundert es nicht, dass die Frage von Arbeit und Beruf (und die Gefahr der Arbeitslosigkeit) für Jugendliche wichtige Themen sind. Gleichwohl hat es den Anschein, als hätten sich die Jugendlichen mit diesen Herausforderungen bzw. Problemen arrangiert.
Schon der Begriff «Arbeitswelt» zeigt bereits an, dass es sich hier um einen den Alltag wie die Persönlichkeit massgeblich bestimmenden Faktor handelt, der neben Familie, Gleichaltrigengruppe und Freizeit zur Sozialisation beiträgt. Bereits die Schulzeit ist von der Frage der späteren Chancen auf dem Arbeitsmarkt bestimmt und verlangt schon früh ein hohes Mass an Entscheidungskompetenz. Wer jedoch ­ möglicherweise aufgrund früher Fehlentscheidungen (z.B. Wahl des falschen Ausbildungsganges oder der falschen Schulform; wobei «falsch» hier nicht mehr die Kompatibilität mit den eigenen Fähigkeiten und Talenten, sondern die Kompatibilität mit dem Arbeitsmarkt meint) ­ nicht den Einstieg in das Erwerbsleben findet, für den verschliessen sich zahlreiche Möglichkeiten, gesellschaftliche Anerkennung ­ Zugehörigkeit ­ zu erfahren. Diese Verlusterfahrung wird dadurch verstärkt, dass Arbeitslosigkeit oftmals als persönliches Versagen angesehen und selbst so erlebt wird. Das Ausweichen Jugendlicher in Risikoverhalten ist eine Verarbeitungsform, die klar signalisiert, welche Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl der Ausschluss von der Erwerbsarbeit hat.
Doch für alle gilt: Traumkarrieren gibt es keine mehr. «Vom Tellerwäscher zum Millionär» ­ das gibt es nur noch im Film. Diesbezüglich schätzen Jugendliche ihre eigenen Chancen und Zukunftsmöglichkeiten oft erschreckend realistisch ein. Mit dem Ende der Utopien ist aber Jugendlichen auch die Möglichkeit genommen, sich primär ihren Talenten und Neigungen zu widmen und diese zu fördern sowie tatsächlich einen Beruf ihrer Wahl zu ergreifen.
Dieses Erleben, diese Ernüchterung verschärft sich auf dem Hintergrund, dass gleichzeitig die Erwartungen an das Berufsleben gestiegen sind. Von einem Bedeutungsverlust der Arbeit angesichts sinkender Arbeitszeit und gestiegener Freizeit kann keine Rede sein. Vielmehr hat sich ein Bedeutungswandel von eher materiell-reproduktionsbezogenen Ansprüchen hin zu mehr sinnhaft-subjektbezogenen Ansprüchen vollzogen.<9> Damit geschieht auch in der Arbeitswelt etwas, das wir mit wachsender Erlebnisorientierung und Ästhetisierung bezeichnen können; eine Beobachtung, die vor allem im Bereich des Konsums gemacht wurde.<10> Wie der Kauf eines bestimmten Produktes nicht mehr hinsichtlich seines Nutzens taxiert und schliesslich gekauft wird, sondern aufgrund des damit verbundenen (und von den Medien gesteuerten) Erlebnisses, so ist auch Arbeit nicht mehr allein orientiert hinsichtlich ihrer Notwendigkeit, sondern erfährt eine zunehmende Aufwertung hinsichtlich ihrer Bedeutung für das eigene Selbst, für das eigene Erleben. Nicht mehr Bedürfnisbefriedigung aufgrund von Erwerbsarbeit steht im Vordergrund, sondern Selbstverwirklichung und Selbstentfaltung.<11> Die Grenzen solcher Hoffnungen sind allerdings bereits gezogen und schnell erreicht. Hier ist offen, inwiefern die heutige Generation eine ähnliche Frustrationstoleranz besitzt wie die ihrer Eltern.

4. «Ohne Moos nix los.» Der Kontext der materiellen Sicherheit

Eng mit dem Kontext von Arbeit und Leistung verwoben ist der Kontext der materiellen Sicherheit, denn seine Gestalt ist abhängig von den Möglichkeiten der Erwerbsarbeit. Dabei ist er in hohem Masse geeignet, Selbstwertgefühl und Identität zu beeinflussen. Dies gilt in besonderer Weise angesichts einer Kommerzialisierung jeglicher Bereiche des Alltagslebens. Ob Teilhabe an der Musikkultur oder an Freizeitmöglichkeiten: «Ohne Moos nix los.»
Jugendliche erfahren solche Kommerzialisierung am eigenen Leib. Kaum eine neue jugendsubkulturelle Szene, die nicht flugs durch Musikverlage und Jugendzeitschriften vermarktet und weiten Teilen der Bevölkerung zugänglich gemacht wird. Hier werden Jugendliche systematisch ihrer authentischen Ausdrucksformen beraubt. Angesichts dieser kommerziellen Enteignung misslingt die Abgrenzung mittels jugendsubkultureller Produktivität, indem deren Produkte sofort zu Allgemeingut werden.
Gleichzeitig partizipieren Jugendliche jedoch auch an den Entwicklungen der Gesamtgesellschaft in positiver Weise. Sie haben Anteil an der Vervielfachung von Möglichkeiten der Wohlstandsgesellschaft und nutzen diese rege. Doch sind die Möglichkeiten angesichts der monetären Verhältnisse begrenzt. Nicht alle haben Anteil am grösseren Wohlstand. Weiterhin bestehende schichtspezifische Unterschiede sollen nicht geleugnet werden. Doch auch für den wohl situierten Jugendlichen gibt es Grenzen. So sind Nebenjobs gefragt, sei es zur Finanzierung des Besuchs von Kneipe und Disco, sei es für den Kauf der neuen Rollerblades oder die Begleichung der Handy-Rechnung. Aufgrund der Teilhabe an Konsum, Medien und Freizeit bietet sich eine Fülle von Informationen und Eindrücken, damit aber auch eine Fülle von Möglichkeiten, zu seinem eigenen Stil zu finden, seine Identität zu bilden.<12> Schwierig wird es wiederum für jene, die von diesen Möglichkeiten abgekoppelt sind. Wer zum Beispiel kein Handy hat, kann auch nicht zum nächsten spontanen Meeting eingeladen werden. Glücklich derjenige, dem es gelingt, seine Identität unabhängig von seinen finanziellen Rahmenbedingungen zu bilden.
An dieser Stelle zeigt sich die Widersprüchlichkeit der Gegenwart und des Jugendalters. Bietet sich auf der einen Seite eine Fülle von Möglichkeiten und Chancen (denken wir nur an die Befreiung von Zwängen des eigenen sozialen Milieus oder an den Wandel der Erziehungsstile in Familie und Schule), so treten auf der anderen Seite neue Kontrollmechanismen hinzu, die womöglich weitaus schwieriger zu entdecken sind und denen sich zu entziehen schwer fällt. Genannt seien nur die erheblichen Schwierigkeiten, denen Eltern gegenüberstehen, wenn ihre Sprösslinge immer wieder mit Wünschen an sie herantreten, die durch Werbung initiiert und durch die Gleichaltrigengruppe transportiert werden.

5. Das «eigentliche Leben». Der Kontext der Freizeit

Neben Schule und Arbeit sowie Elternhaus und Gleichaltrigengruppe ist die Freizeit ein bestimmendes Merkmal des Jugendalters, finden doch in der Freizeit die Kontakte zu den Gleichaltrigen und die Teilnahme am Markt der Möglichkeiten statt. Trotz der hohen Bedeutung von Freizeit wird aber die traditionelle Arbeitsorientierung nicht vollständig verdrängt, vielmehr werden «Arbeit und Beruf [...] mit Familienleben und Freundeskreis, Freizeitinteressen und Urlaubsaktivitäten in Einklang gebracht. Die Herausbildung des freizeitorientierten Lebensstils setzt neue Prioritäten im Leben, ohne deswegen die Arbeit abzuwerten.»<13> Man kann also höchstens von einer Ergänzung der traditionellen Arbeitsorientierung durch neuere Lebensstile wie das familienorientierte und freizeitorientierte Lebenskonzept sowie das Konzept der Balance von Freizeit- und Arbeitsorientierung sprechen.
Im Mittelpunkt der Freizeitgestaltung steht das Erlebnis. Egal, was man auch macht, es muss zu einem Erlebnis werden, das in den Schul- oder Berufsalltag hineinreicht. Damit ist innerhalb der Freizeit ein Phänomen angesprochen, an dem besonders augenscheinlich wird, was Gerhard Schulze gesamtgesellschaftlich als «Erlebnisgesellschaft» kennzeichnet. Besteht hinsichtlich der Erlebnisorientierung ein gemeinsamer Nenner, so faltet dieser sich in einen bunten Fächer von Freizeitkonzepten aus, so dass auch hier ein Plural von Lebensstilen und Verhaltensmustern existiert.
Eine zentrale Bedeutung innerhalb der Freizeitkultur ­ insbesondere bei jungen Menschen ­ besitzt der Sport. Anhand des Sports zeigt sich ein Phänomen, dass auch für die Freizeitkultur insgesamt gilt. Freizeit wird immer mehr (auch für die Identitätsbildung) instrumentalisiert, sie ist nicht mehr Selbstzweck oder einfach nur das Gegenstück zu Arbeit oder Studium. Insofern treten Aspekte wie Rekreation und Entspannung hinter einer individualistischen Leistungs-, Konkurrenz- und Erfolgsorientierung zurück. Freizeit wird zur «subjektiven Sinnwelt».<14> Bestätigt wird dieser Trend durch eine Analyse kommerzieller und verbandlicher Publikationen zu ausgewählten Freizeitmöglichkeiten, deren Pluralität sich am übermässig stark gestiegenen Angebot an Fachzeitschriften ablesen lässt.<15> In dieser Studie zeigt sich ­ vor allem bei Zeitschriften kommerzieller Anbieter zum Thema Sport ­ eine Unterstützung von Karrieremustern innerhalb der Freizeit.
Sich diesem Trend zu entziehen fällt schwer, bietet doch gerade der Freizeitbereich Möglichkeiten zur Erfahrung von Anerkennung und Erfolg, von Zugehörigkeit und Bestärkung. Allerdings ist dies in einer marktorientierten Freizeitkultur nur mehr durch finanzielle Aufwendungen zu erreichen. So zeigt sich an dieser Stelle erneut, dass nicht alle an den gesteigerten Möglichkeiten der Freizeitkultur partizipieren, sich vielmehr soziale Ungleichheiten verschärfen.
Professionalität ist auch in der Freizeit angesagt. Für viele Freizeitbeschäftigungen bedarf es aufwändiger Ausrüstungen: Ein normales Velo tut es nicht mehr, es muss schon mindestens ein hochwertiges Mountainbike sein; ob Inlineskating oder Indoor-Badminton, ob Modellbau oder Gartenbau, nichts scheint mehr ohne umfangreiches Equipment zu gehen. Dabei werden auch die Möglichkeiten immer exklusiver bzw. auch teurer und bereits in ihren Anfängen kommerzialisiert und verallgemeinert, sei es Windsurfing oder Freeclimbing, Paragliding oder Bungeejumping ­ von den Angeboten der Ferienreisen in die entferntesten Winkel der Erde ganz zu schweigen. Freizeit ist Konsumzeit. Auch und gerade hier läuft ohne Geld nichts. Dies grenzt jene aus, die nicht über die notwendigen finanziellen Möglichkeiten verfügen. Unter den Jugendlichen betrifft dies vor allem die jüngeren und jene, die aus ökonomisch schlechter gestellten Familien stammen.
Eine weit verbreitete Befürchtung zahlreicher Pädagogen scheint sich aber nicht zu bewahrheiten: Von einem kritiklosen Konsum kann nicht ausgegangen werden. «Ebenso wenig wie von einem homogenen Freizeitkonzept kann davon die Rede sein, dass es den Jugendlichen am nötigen Selbstbewusstsein und an der nötigen Orientierungssicherheit fehlte, sich gegenüber der Flut von Konsum- und Freizeitangeboten zu behaupten.»<16> Jugendliche wissen anscheinend genau, was sie wollen. Ansätze zu kritiklosem Konsum seien nur bei einer Minderheit festzustellen.
Auf diesem Hintergrund kann also die Freizeit als eine der Sozialisationsinstanzen bezeichnet werden. Hier liegt auch das Feld jener jugendpastoralen Tätigkeiten, die wir am ehesten mit dem Begriff «kirchliche Jugendarbeit» klassifizieren können. Angesichts der starken Freizeitindustrie fällt es jedoch zunehmend schwerer, sich gegenüber dieser Konkurrenz zu behaupten. Hier hat sich kirchliche Jugendarbeit in ihrem eigenen Interesse neu auf ihre Stärken zu besinnen.

6. «Alles nur geklaut?» Der Kontext der Werte

Ein Wertewandel ist allerorten zu spüren. Dieser ist verbunden mit einer Verunsicherung, die vor allem kirchliche Kreise erfasst hat. Offen ist die Frage, wie der Einzelne diesen Wertewandel verarbeiten wird.
Zunächst ist eine Pluralisierung von Lebenswelten, Lebensstilen, Werten und Normen festzustellen. Vieles, ja alles scheint möglich («anything goes»). Vieles gilt und vieles gilt gleichzeitig und in gleichem Masse. Ist damit alles gleich gültig und schliesslich gleichgültig? Zu dieser Pluralisierung tritt eine Segmentierung der Gesellschaft und des Alltags. Jeder findet sich gleichzeitig in verschiedenen, ja mitunter einander widersprechenden Lebenswelten und Rollenerwartungen wieder: Mal bin ich hier, mal bin ich dort, mal bin ich dieser, mal wieder ein ganz anderer. In dieser Situation wird dem Einzelnen eine Fülle von Entscheidungen zugemutet, die ihm nicht mehr durch vorgegebene Zusammenhänge abgenommen werden (Individualisierung). Die vermeintliche (neue) Unabhängigkeit und Freiheit ist verbunden mit einer Zunahme an Entscheidungszumutungen, die immer auch die Möglichkeit des Scheiterns bergen. Ursprüngliche Gefahren werden so zu Risiken, die selbst verantwortet werden müssen. «Riskante Chancen», so titelte Heiner Keupp 1988 einen Aufsatzband<17> und charakterisiert damit treffend die Gegenwart.
Als Reaktion darauf gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten: (1) den Rückzug in einfache Muster, quasi hinter die Aufklärung zurück in vormoderne Formen, wie totalitäre Gruppen oder fundamentalistische religiöse Bewegungen; (2) die stromlinienförmige Anpassung an die Gegenwart und ein unhinterfragtes Praktizieren des Hin- und Herschwimmens, des Lavierens und Fluktuierens; (3) das «Überholen der Moderne»<18>, das heisst die Nutzung der vielfältigen Möglichkeiten der Gegenwart und die Überwindung ihrer Aporien. Ziel ist es, eine neue Form von Identität zu erreichen. Wolfgang Welsch hat hierzu die Begriffe der «transversalen Vernunft» und des «pluralen Subjekts» geprägt, mittels derer der Einzelne sich den Tendenzen, zum Objekt der gegenwärtigen Entwicklungen zu werden, entziehen mag.<19> Dem pluralen Subjekt gelingt es durch die Fähigkeiten des Übergangs, die Widersprüchlichkeiten der verschiedenen Rollen und Teilidentitäten zu integrieren. Allerdings nicht durch eine erneute Vereinheitlichung, von der im Blick auf die «Postmoderne» als Zeit radikaler, jedoch reflektierter Pluralität Abschied genommen werden muss, sondern durch Vernetzung der verschiedenen Identitäten des Einzelnen. Wie das gehen kann, mögen Jugendliche heute vielleicht schon vormachen. Ihnen scheint es zu gelingen, aus einer Fülle von Elementen und Teilidentitäten eine Identität herzustellen, ohne in Identitätsdiffusion zu münden. Da wird ausgewählt und zusammengesetzt, kopiert und recycliert, Neues dazugedichtet und Altes umgewandelt. Das dabei entstehende Gebilde wird oft als Patchwork- oder Bastel-Identität bezeichnet. Mit einem aus der Musikszene entlehnten Begriff spricht man neudeutsch auch vom «Sampling».<20> Diese selbst hergestellte Identität ist jedoch nicht etwas längerfristig Gültiges. Es können mehrere gleichzeitig nebeneinander existieren, wie auch verschiedene einander abwechseln können.
Hier mag sich auch andeuten, welchen Platz die Religion in der Postmoderne einnehmen kann: den Platz an der Grenze, an der Grenze von Lebenswelten, an den existenziellen Grenzen des Individuums.<21> Religion darf also nicht noch weiter zu einer Lebenswelt unter vielen werden, sondern kann zu einer Sphäre avancieren, in der Pluralität aufgehoben wird aufgrund der transzendentalen Qualität der Religion. Sie geht nicht im Vorfindlichen auf, sondern öffnet den Blick auf die grundsätzlich andere Gestalt von Wirklichkeit, theologisch gesprochen: Religion und christlicher Glaube weisen auf das Reich Gottes. Hier ist der Anknüpfungspunkt auch für die Kooperation mit den Tendenzen der Jugendsubkulturen. Mit ihnen kann sich christlich-kirchliches Interesse zu einem gemeinsamen verbinden, denn Jugendliche träumen auch von einer solchen anderen Wirklichkeit, sie kritisieren die Gegenwart und hinterfragen sie aufgrund der Phantasie einer besseren Zukunft. Jugendsubkulturen haben hier einen grundsätzlich transzendentalen Charakter.

7. Herausforderungen an Jugendpastoral und kirchliche Jugendarbeit

Wenn wir nun im Blick auf (erwachsene und jugendliche) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Jugendpastoral Impulse geben wollen, so sind einige Ausgangspunkte nicht aus dem Blick zu verlieren.

  1. Zunächst ist auch kirchlicherseits der Wandel von Erziehungsstilen und Autoritätsstrukturen, wie er innerhalb von Familie und Schule/Ausbildung stattgefunden hat, mitzuvollziehen. Jugendliche werden immer stärker als Partner ernst genommen, denen nur ein Miteinander, ein symmetrisches Begegnen, eine gleichberechtigte Auseinandersetzung zur Sozialisation und Selbstfindung hilfreich ist. Kirche darf hier keinen Sonderfall bilden. Das Erleben junger Menschen in der Jugendpastoral darf nicht im Widerspruch zu dem stehen, was sie in Familie, Schule und Gesellschaft an sich selbst erleben. Es zeigt sich häufig, «dass sich Jugendliche in ihrem Selbstverständnis heute immer weniger als Jugendliche begreifen und damit auch in pädagogischen Handlungskontexten als gleichberechtigte Menschen angesprochen werden wollen».<22> Dennoch darf die Partnerschaft in Form der symmetrischen Beziehung nicht zur Überforderung werden. Beziehung darf Erziehung nicht ersetzen, auch wenn sie die Grundlage jeglicher Erziehung bildet. Jugendliche machen immer wieder deutlich, dass sie «auch Jugendliche bleiben und dort auf kompetente Pädagogen angewiesen sind, die vor allem die Rolle von biographischen Beratern und professionellen Vermittlern von Wissen und Qualifikationen wahrnehmen sollten».<23>
  2. Mit der Forderung nach einer symmetrischen Beziehung ist die Forderung verbunden, dass Jugendpastoral keine «Spielwiese» Jugendlicher bleiben darf, ein Schonraum, in dem man besonders aufeinander eingeht, dem aber ausserhalb dieses Raums keine vergleichbare Form der Partizipation entspricht. Nein, Jugendliche sind als Teil der Kirche zu akzeptieren und aufgrund ihrer Begabung durch Taufe und Firmung sind sie zu Mitsprache, Mitarbeit und Mitentscheidung zu ermutigen. Vor allem an Letzterem mangelt es noch immer. Wo sind beispielsweise Jugendliche in Kirchgemeinde- oder Pfarreiräten vertreten? Wo können sie selbst (und nicht via Präses) ihre Anliegen formulieren und einbringen? Dies ist beispielsweise auch im Bereich der Glaubensweitergabe zu beachten: Es kann nicht mehr um die Weitergabe von festgefügten Sätzen im Rahmen eines instruktionstheoretischen Modells gehen, sondern es geht um eine kommunikative Form der gemeinsamen Ausrichtung auf das, was wir Offenbarung nennen.
  3. Die Kirche kann sich immer weniger auf «natürliche» Milieus beziehen. Dementsprechend kann auch in der Jugendpastoral nicht mehr von Quasi-Automatismen der Mitgliedschaft ausgegangen werden. Jugendliche wollen sich ­ mehr oder minder bewusst ­ selbst entscheiden und auswählen. Dementsprechend kommen Institutionen der Jugendpastoral nicht umhin, für ihre Anliegen und für ihre Offerten zu werben. Allerdings wird Jugendpastoral nur zu einem Anbieter unter anderen, denen sie angesichts der Kommerzialisierung und Professionalisierung der Freizeitindustrie hoffnungslos unterlegen ist, wenn es nicht gelingt, «das Eigentliche» (und damit vielleicht auch «das unterscheidend Christliche») herauszufinden und herauszustellen. Ein erster Richtungsweiser mag der Hinweis auf die transzendentale und antitotalitäre Qualität christlichen Engagements mit und unter Jugendlichen sein und damit verbunden auch eine spezifische Form des Umgangs miteinander.
  4. Dieses zuletzt genannte Postulat erhält eine stärkere Notwendigkeit durch die spürbare Zunahme neuer Kontrollmechanismen und der Vervielfachung von Entscheidungszumutungen. Vielleicht kann es in einem neuen Konzept von Jugendpastoral gelingen, Kirche als einen Raum zu etablieren, in dem jedem Einzelnen das zukommt, was ihm von Gott her zugedacht worden ist: Subjektsein, Angenommensein, unabhängig von Leistung und Können, Ansehen und gesellschaftlicher Stellung. Vielleicht kann Kirche ein Raum sein, in dem Jugendliche so sein dürfen, wie sie sind: jung, unverbraucht, spontan, kritisch...ja vielleicht sogar prophetisch. Gerade in der Verknüpfung mit kirchlichen Interessen könnten hier Jugendliche ­ ohne sie vereinnahmen zu wollen ­ einen wichtigen Beitrag zur Erneuerung der Kirche und der Gesellschaft leisten.
  5. Nicht übersehen werden dürfen die «Verlierer» des Modernisierungs- und Freisetzungsprozesses, jene, denen es an beruflichen und sozialen Chancen mangelt. Jene sind in einer durch bürgerliche Kreise dominierten Jugendpastoral oftmals nicht in ausreichendem Masse im Blick. Kirche ist hingegen nicht nur zu konkreter Unterstützung verpflichtet, die ein vertieftes und von Seiten der Gesellschaft verwehrtes Subjekt-Sein fördert, sondern sie ist auch ­ vielleicht sogar noch viel mehr ­ Sprachrohr in die Gesellschaft hinein. Das Formulieren und das Streiten für die Interessen der Jugendlichen darf die Kirche den Jugendlichen zwar nicht gänzlich abnehmen. Aber sie kann ihre Mittel einsetzen und so Kanäle öffnen, dass Jugendliche Gehör finden und ihre Anliegen selbst vertreten können.

 

Patrik C. Höring war mehrere Jahre als Jugendseelsorger in Rothenburg (Luzern) tätig, promovierte mit der Arbeit «Jugendlichen begegnen. Jugendpastorales Handeln in einer Kirche als Gemeinschaft» (Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2000, 358 Seiten) und ist Referent der Abteilung Jugendseelsorge im Erzbistum Köln.


Anmerkungen

1 Vgl. H. Waldenfels, Kontextuelle Fundamentaltheologie, 2., durchgesehene und ergänzte Auflage, Paderborn u.a. 1988.

2 Die begriffliche Unterscheidung zwischen kirchlicher Jugendarbeit und Jugendpastoral, wie ich sie in meinem Beitrag «Was ist Jugendpastoral?» (SKZ 166 [1998], 694­696) vorgeschlagen habe, wird in diesem Beitrag vorausgesetzt.

3 Vgl. D. Rahm u.a., Einführung in die Integrative Therapie. Grundlagen und Praxis (Innovative Psychotherapie und Humanwissenschaft, Band 51), 2. Auflage, Paderborn 1993, 155f.

4 Vgl. R. Bärenz, Einführungsvorlesung zum Hauptseminar «Ausgewählte Themen aus der Pastoraltheologie», maschinenschriftliches Manuskript, Luzern 1997, 3.

5 Dieser Trend ist schon seit einiger Zeit zu beobachten und wurde erneut bestätigt durch die neue Shell-Jugendstudie. Zur Bedeutung der Bezugspersonen junger Menschen vgl. Deutsche Shell (Hrsg.), Jugend 2000, Band 1, Opladen 2000, 14; 93­156; 209­213.

6 H. Keupp, Lebensbewältigung in Kindheit und Jugend in der «Risikogesellschaft», 46, in: K. Gabriel, H. Hobelsberger (Hrsg.), Jugend, Religion und Modernisierung. Suchbewegungen Kirchlicher Jugendarbeit, Opladen 1994, 31­49.

7 Vgl. A. Fischer, R. Münchmeier, Die gesellschaftliche Krise hat die Jugend erreicht. Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse der 12. Shell Jugendstudie, in: Jugendwerk der Deutschen Shell (Hrsg.), Jugend'97. Zukunftsperspektiven, Gesellschaftliches Engagement, Politische Orientierungen, Opladen 1997, 11­23, bes.13­15.

8 Vgl. M. Baethge, Arbeit und Identität, in: U. Beck, E. Beck-Gernsheim (Hrsg.), Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften, Frankfurt am Main 1994, 245­261; Th. Olk, F. Strikker, Jugend und Arbeit. Individualisierungs- und Flexibilisierungstendenzen in der Statuspassage Schule/Arbeitswelt, in: W. Heitmeyer, Th. Olk (Hrsg.), Individualisierung von Jugend. Gesellschaftliche Prozesse, subjektive Verarbeitungsformen, jugendpolitische Konsequenzen, hrsg. im Auftrag der Arbeitsgruppe Bielefelder Jugendforschung, Weinheim/ München 1990, 159­193.

9 Vgl. M. Baethge u.a., Jugend: Arbeit und Identität. Lebensperspektiven und Interessenorientierungen von Jugendlichen. Eine Studie des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen (SOFI), 2., durchgesehene Auflage, Opladen 1989, 168, Tab. 11.

10 Vgl. G. Schulze, Die Erlebnisgesellschaft. Kultursoziologie der Gegenwart, Frankfurt am Main/New York 1993.

11 Vgl. Deutsche Shell (Hrsg.), Jugend 2000, Band 1, 15; 192­198.

12 Zur Nutzung von Medien und Technik vgl. ebd., 199­205 sowie die Studie H. W. Opachowski, Generation @. Die Medienrevolution entlässt ihre Kinder: Leben im Informationszeitalter, Hamburg 1999.

13 Vgl. H. W. Opachowski, Freizeitökonomie: Marketing von Erlebniswelten [Freizeit- und Tourismusstudien, Band 5], Opladen 1993, 21.

14 Vgl. R. Eckert, Th. Drieseberg, H. Willems, Sinnwelt Freizeit. Jugendliche zwischen Märkten und Verbänden, Opladen 1990, bes. 28­32. 33­41.

15 Vgl. ebd.

16 M. Baethge u.a., Jugend: Arbeit und Identität, 283.

17 H. Keupp, Riskante Chancen. Das Subjekt zwischen Psychokultur und Selbstorganisation. Sozialpsychologische Studien, Heidelberg 1988.

18 Vgl. K. Gabriel, Lebenswelten unter den Bedingungen entfalteter Modernität. Soziologische Anmerkungen zur gesellschaftlichen Situation von christlichem Glauben und Kirche, in: PThI 8 (1988) 93­106.

19 Vgl. W. Welsch, Subjektsein heute. Zum Zusammenhang von Subjektivität, Pluralität und Transversalität, in: H. Holzhey, J.-P. Leyvraz, Vernunftnähe, Vernunftferne. La raison, proche et lointaine [Studia Philosophica 51 (1992)], Stuttgart/Wien 1993, 153­182; ders., Vernunft. Die zeitgenössische Vernunftkritik und das Konzept der transversalen Vernunft, Frankfurt am Main 1995, zur Frage der Subjektivität bes. 829­852; ders., W. Welsch, Unsere postmoderne Moderne, Weinheim 1987.

20 Mit «Sampling» bezeichnet man ursprünglich den Vorgang, in dem aus verschiedenen Tonträgern (Longplay-Schallplatten oder einzelne Singles) die Lieblingstitel bzw. die Verkaufsschlager ausgekoppelt und neu zusammengestellt werden. So entsteht der «Sampler», eine neue Schallplatte mit bereits bekannten und beliebten Titeln.

21 Vgl. dazu H. Luther, «Grenze» als Thema und Problem der Praktischen Theologie. Überlegungen zum Religionsverständnis, in: ders., Religion und Alltag. Bausteine zu einer Praktischen Theologie des Subjekts, Stuttgart 1992, 45­60; P. Höring, Grenzerfahrungen als Anknüpfungspunkt für religiöse Erfahrungen in der kirchlichen Jugendarbeit. Beobachtungen in einer ländlichen Pfarrei in der Deutschschweiz, in: G. Bitter, A. Gerhards (Hrsg.), Glauben lernen ­ Glauben feiern. Katechetisch-liturgische Versuche und Klärungen [PTHe 30], Stuttgart 1998, 57­60.

22 Vgl. W. Fuchs-Heinritz, H.-H. Krüger, Feste Fahrpläne durch die Jugendphase? Jugendbiographien heute, unter Mitarbeit v. J. Ecarius u. H.-J. Wensierski [Studien zur Jugendforschung, Band 8], Opladen 1991, 237.

23 Vgl. ebd.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2001