4/2001 | |
INHALT | |
Lesejahr C |
An vier aufeinander folgenden Sonntagen wird aus dem Auferstehungskapitel im Korintherbrief vorgelesen. Im Zentrum des ersten Abschnitts steht das älteste Osterbekenntnis, das Paulus selber übernommen hat und mit der Tradition legitimiert.
In der Einleitung (13a) bindet Paulus zunächst seine Person
eng an die Botschaft: Er erinnert an die Frohbotschaft, die er den Adressaten/Adressatinnen
als Frohbotschafter verkündet hat.
Die folgenden drei Gedankengänge gehen gleitend ineinander über:
Paulus erinnert zuerst an das Osterereignis, spricht dann über die
Osterzeugen und nennt sich schliesslich selber als letzten Zeugen.
Das Auferweckungsbekenntnis besteht aus 4 Verben, die einander paarweise
zugeordnet zwei unterschiedlich lange Strophen bilden. Zuerst: Christus
starb und wurde begraben. Im Hinweis auf das Begräbnis wird der Tod
besiegelt. Dann: Er ist auferweckt worden und erschien Kephas und den Zwölfen.
Die Erscheinung beglaubigt die Auferweckung. Der Begriff «Auferweckung»
spricht im Unterschied zur geläufigeren «Auferstehung»
von der Initiative Gottes.
Die ersten Verben beider Strophen erhalten ihre Legitimation durch den Hinweis
auf die Schrift: Gemäss der Schrift ist Jesus gestorben, gemäss
der Schrift auferweckt worden. Tod und Auferweckung des Messias lassen sich
jedoch trotz der Anklänge an die Gottesknechtslieder (Jes 53) oder
Ps 118 nicht einfach aus der Schrift ableiten. Das Bekenntnis steht aber
in der jüdischen Tradition, die das rettende Handeln Gottes in jeder
Generation aufspürt und auch gegen eine gottlos ungerechte Gegenwart
behauptet. Das damals neue und umstrittene Thema der leiblichen Auferstehung
ist als aktuelle Anfrage an Gottes Wirken und Gerechtigkeit zu verstehen.
Die Strophen enthalten je eine Erklärung. Gestorben ist Christus für
unsere Sünden. Dieser Bezug auf die Gottesknechtslieder klärt
den Sündenbegriff, um den es hier geht: Der Gottesknecht, der die Krankheiten,
Sünden und Nöte der Menschen auf sich nimmt, steht für eine
gerechte und gewaltfreie Gesellschaft.
Die Auferweckung wird in der zweiten Strophe zeitlich bestimmt. Auch eine
jüdische Überlieferung spricht von den drei Tagen: «Niemals
lässt Gott die Gerechten länger als drei Tage in Not» (GenR
91,7, vgl. Hos 6,2). Die menschlichen Kräfte sind begrenzt. Das Zeitmass
könnte vom Geburtsprozess abgeleitet sein: Nach drei Tagen müssen
die Wehen spätestens überstanden und das Kind geboren sein.
Das Ostergeschehen wird in Etappen von Tod, Begräbnis, Auferweckung
und Erscheinung geschildert. Es schliesst die ersten Zeugen Kephas
und die Zwölf mit ein. Diese Erwähnung von Petrus trug zu
seiner Sonderstellung in der kirchlichen Tradition bei. Ebenso verdanken
die Zwölf, die Paulus einzig hier erwähnt, ihre Prominenz wesentlich
diesem Credo.
Der Entstehungsprozess neutestamentlicher Aussagen über die Auferweckung
ist dialogisch zu denken: Geschichten gaben den Anstoss, ein Credo zu formulieren,
und dieses Credo mit seiner zeitlichen Strukturierung lud wiederum dazu
ein, die Auferstehungserfahrungen in Geschichten weiterzugeben.
Auch wenn in unserem Text die Menschen in Korinth auf den Wortlaut verpflichtet
werden, so kann dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass selbst
Paulus um die Formulierung ringt. Dies zeigen die vergleichbaren Bekenntnisse
in den anderen Briefen (Gal 2,10; Röm 10,9; 1 Thess 4,14). Diese unterschiedlichen
Aussagen zu Tod und Auferstehung sind keine Zitationssplitter eines grösseren
verbindlichen Credos, sondern dokumentieren das vielfältige, engagierte
Suchen nach den treffenden Ausdrucksformen.
Auf das Bekenntnis folgt eine Zeugenliste. Es fällt auf, dass Paulus
die Zeuginnen verschweigt. Oft wird er damit entschuldigt, dass juristische
Aussagen von Frauen keinen Zeugenwert gehabt hätten. Das Wort von Frauen
wurde jedoch auch damals von manchen Männern mehr geschätzt als
von anderen. Im Zusammenhang mit dem rabiaten Lehr- und Frageverbot an die
Adresse von Frauen (1 Kor 14,3436) ist von einer folgenreichen Auswahl
des Paulus zu sprechen.
Die 500 Brüder (und Schwestern?) spielen wohl weniger auf Pfingsten
in Jerusalem an, als vielmehr auf eine galiläische Auferstehungstradition.
Paulus verwendet diese grosse Zahl apologetisch: Die Auferweckung kann von
vielen Zeugen/Zeuginnen beglaubigt werden. Nach Paulus beschränkt sich
der Apostelbegriff nicht auf den Zwölferkreis. Auch Jakobus (hier ausdrücklich)
oder beispielsweise Andronikus und Junia (aus den Grusslisten des Römerbriefes)
zählt er dazu. Apostel und Apostelinnen sind judenchristliche Missionare/Missionarinnen,
die ihre Legitimation aus der Ostererzählung beziehen.
Paulus ist in doppelter Hinsicht der «Letzte». Er bekennt sich
als ehemaliger Verfolger der jungen Kirche und bezeichnet sich deshalb als
«Fehlgeburt» (wohl ein Schimpfwort seiner Gegner/Gegnerinnen).
Er ist in unserem Text aber auch der Letzte, der sich als Apostel autoritativ
auf die Ostererfahrung berufen kann. Paulus legitimiert das Auferweckungsbekenntnis
durch Zeugen/Zeuginnen, nicht jedoch seinen eigenen Status als Apostel,
der ihm die Apostelgeschichte vorenthält. Dieser wird einzig durch
sein eigenes rastloses Handeln im Dienst der Kirche beglaubigt.
Der abschliessende Vers rahmt zusammen mit der Einleitung das Auferweckungsbekenntnis,
das Paulus durch einen Überlieferungsstrang belegt.
Wir sind auf Überlieferungen und Traditionen angewiesen. Sie sind mit ihrem Reichtum, aber auch ihrer Missbrauchsgeschichte wahrzunehmen. Wir verdanken Paulus das älteste Auferweckungsbekenntnis des Christentums. Dies entbindet jedoch nicht von der Beobachtung, dass sich hier Paulus in die Reihe einflussreicher Männer stellt, um seine Autorität im Konflikt mit Männern und vor allem Frauen in Korinth zu festigen.
Literatur: Damit sie leben haben. Bibelarbeit in der Gottesdienstvorbereitung. Hrsg. vom Schweizerischen Katholischen Bibelwerk. Lesejahr A. Baustein 6.
Einmal vorlesen. Dann noch einmal langsam und mit Pausen lesen, bis jemand «Stop» sagt und eine Frage stellt. Diese gemeinsam diskutieren. Nochmals im Zusammenhang lesen.
Bekenntnis mit anderen paulinischen Auferstehungszitaten und/oder Ostererzählungen der Evangelien vergleichen. Aufzeigen, wie das Auferweckungsbekenntnis legitimiert wird.
Alle Teilnehmenden (36 pro Gruppe) schreiben eine kurze autobiographische Geschichte in der 3. Pers. Sing. (mit der Absicht der Distanzierung es geht um Momente der Aneignung von Tradition, nicht um das richtige oder falsche Tun eines Menschen). Thema: Ich habe die Auferstehungsbotschaft gehört. Es soll in der Gegenwartsform erzählt (nicht kommentiert und gedeutet) werden, wann, von wem, in welcher Atmosphäre beispielsweise diese Jugendliche, die ich einmal war, mit der Auferstehung Christi in Berührung kam. Da die Formel von der Auferstehung so abstrakt klingt, kann zweitens angeboten werden, eine Geschichte zu Ostern zu schreiben. Eine Person liest in der Kleingruppe ihre Geschichte vor. Gespräch über Themen, Auslassungen und Brüche (alle reden über die Gestalt im Text in der 3. Pers. Sing.): Was ist diesem Kind/diesem Mann widerfahren? Was wird erzählt, was nicht? Brüche zeigen auf, wie die Geschichte anders hätte weitergehen können. Das Schlusswort gehört der Person, die ihre Geschichte vorgelesen hat.