20/2001

INHALT

Leitartikel

Medien für die Verständigung nutzen

von Matthias Loretan

 

Eine Pendlerin verlässt im Zürcher Bahnhof Stadelhofen den Zug und macht sich auf den Weg durch die Stadt zur Arbeit. Noch im Bahnhof werden ihr von freundlichen Leuten in gelben, roten und rotblauen Jacken drei Gratiszeitungen in die Hand gedrückt. Auf dem Weg zum Tram und beim Verlassen des Trams trifft sie wieder auf die freundlichen Leute, die ihr kostenlos ihre gedruckten Neuigkeiten anbieten. Auf dem Büro angekommen, zählt die Pendlerin die Gazetten: Es sind drei «20 Minuten», drei «Metropol» und zwei «Züri express». Hätte die Pendlerin die Zeitungen auf ihrem Weg ins Büro aktiv gesammelt und an jeder Auslage von den illustrierten Postillen nur ein Exemplar mitgenommen, sie wäre mit weiteren 12 Exemplaren beschenkt worden. Die Pendlerin überlegt sich, was sie mit 20 angeschleppten Gratiszeitungen machen könnte.
Während des Krieges hätte eine Familie vor 60 Jahren das Papier zum Heizen gebraucht. Doch der Mangel hat sich verschoben: Er liegt nicht mehr beim Publikum, das nach Informationen und Wissen dürstet. In der Informationsflut ist das beschränkte Gut die Aufmerksamkeit. ­ Wie soll die Kirche die Pendlerin erreichen? Soll sie auch aufs Boulevard gehen und den Passanten ihre fröhliche Botschaft in die Hand drücken? Soll sie sich vornehm zurückhalten und darauf vertrauen, bis der Überdruss die Pendlerin zurück in die Kirche als den Hort der wahren und seligmachenden Information treiben wird?

«Big Brother» als moralisches Laboratorium

Ein zweites Schlaglicht zum Mediensonntag könnte auf die aktuelle Multimedia-Installation «Big Brother» fallen (vgl. dazu das Dossier zum Thema im Medienheft [www.medienheft], welches die Reformierten Medien und der Katholische Mediendienst gemeinsam herausgeben). Der Pendlerin als mobile und individualisierte Zeitgenossin könnte die offene Spielanlage der Reality-Show gefallen. Sie ist es sich gewohnt, dass ältliche kirchliche Kreise ihr Erlebnismilieu miesmachen. Deren ablehnende Kritik an der Sendung (wegen der Verletzung der Menschenwürde und des sozialen Mobbings) mag sie beim Start auf das neue Fernsehformat erst aufmerksam gemacht haben. Der Stil, nach dem die Bewohner im Container ethische Konflikte lösen, passt ihr: «Ich will im Container etwas erleben, eine gute Zeit haben, in der es für mich und die anderen stimmt.» Für die Pendlerin ist «Big Brother» so etwas wie ein Laboratorium der sozialen Orientierung: Sie kann beobachten und testen, welche Personen ihr gefallen und welches Verhalten die Akzeptanz der Bewohner im Container, der Fachleute im Studio sowie der Zuschauenden zuhause findet. «In» sind jene Selbstdarsteller, welche die Aufmerksamkeit der Beteiligten und der Kameras auf sich zu ziehen vermögen.
Eine Gruppe älterer Menschen in einer Pfarrei entschied sich kürzlich im Rahmen ihres Bildungsprogramms für die Auseinandersetzung mit der Frage: Welche Werte nehmen wir ins anbrechende Jahrhundert mit? Die Beschäftigung mit den Medien hätte als bestätigende Folie für ein Weltbild dienen sollen, das die gesellschaftliche Umwelt als feindlich wahrnimmt und einen sozialen Wertezerfall diagnostiziert. «Big Brother» hätte als Beweis für diese These herhalten müssen. Wohl etwas borniert und kleingläubig hätte die Gruppe ihre Werte und ihren Glauben gegen die (bösen) Anderen hochhalten wollen.
Doch es kam anders. Die Seniorengruppe fragte offener und neugieriger: Was fasziniert sie, was stösst sie ab an dieser Sendung? Welche Fernsehformate bevorzugen sie (Natursendungen und Tagesschau) und warum? Was könnte ihre Enkel an «Big Brother» faszinieren und warum interessiert sich die Enkelgeneration kaum für die Fernsehformate ihrer Grosseltern? Überraschende Einsichten kamen auf: Viele ältere Menschen stellten fest, dass sie kaum Kontakt haben zur Generation ihrer Enkel, aber auch über wenig Kontakt verfügen zur Generation, die aktiv im Arbeitsleben steht. Unvertraut sind ihnen ihr Lebensstil und ihre Fernsehformate. Diese Fremdheit kann ältere Menschen ängstigen, zumal sie wirtschaftlich von den Generationen im Arbeitsleben abhängig sind. Gerade weil sie die soziale Orientierung der Enkelgeneration nicht kennen, nehmen sie die augenfälligen Unterschiede im Konsumverhalten wahr. So kommen Zweifel auf, ob die eher hedonistisch orientierten Jugendlichen sich an den Gesellschaftsvertrag halten werden oder egoistisch sich nach ihrem eigenen Vorteil in der Konkurrenzgesellschaft richten.
Die im geschützten Umfeld einer Pfarrei geführte Auseinandersetzung mit «Big Brother» liess die Senioren zu versöhnlichen Einsichten kommen: Für die Bewohner im Container ist Solidarität ein Thema. In ihrer sozialen Orientierung haben sie nicht keine Moral, sondern eine andere. Diese unterscheidet sich vor allem in ihren ästhetischen Leitwerten vom Erlebnismilieu der Senioren. Als Spiegel für die Lebensorientierung jüngerer Generationen bietet die Sendung zudem einen Eindruck, wie aufwendig individualisierte Zeitgenossen ihr Freizeitverhalten koordinieren und diskursiv begründen müssen.

«Big Brother» als populäre Liturgie

Auch für Theologen ist die Sendung eine Knacknuss. Explizit religiöse (oder auch politische Themen) kommen selten vor. Ausser den verschiedenen Stilen der Selbstdarstellung gibt es keine Unterschiede (mehr), auf die es ankäme. Es darf über alles diskutiert werden, aber alle Meinungen beanspruchen nur persönlich zu sein. Im Container bzw. im Haus darf deshalb auch alles öffentlich sein. Abgenabelt von der Tagesaktualität geht Politik als Thema verloren. Und was religiöse Sprachspiele betrifft, fluchen, schwören und beten die Kandidaten. Doch alles ist Privatsache. Bei einer kurzen Gesprächssequenz über ein mögliches Leben nach dem Tod achten die Bewohner sorgsam darauf, dass der Frieden im Haus nicht gestört und der Glaube der Einzelnen ja deren persönliche Angelegenheit bleibt. ­ Wie um die Immunität des Formats zu demonstrieren, gab RTL den Kandidaten der ersten Staffel eine Wochenaufgabe, nach der sie einander täglich einen Text aus der Bibel vorzulesen hatten. Die heikle Aufgabe war mit der expliziten Auflage verbunden, sich über den (fremden) Text nicht lustig zu machen. Entsprechend korrekt und folgenlos entledigte sich die Gruppe der Aufgabe.
Die Neutralisierung der religiösen und politischen Inhalte ist gekoppelt mit einer Inflation von religiösen Zeichen. Die erhöhte Kamera im Garten, an die sich die Bewohner richten und über die sie sich direkt ans Publikum wenden können, sprechen Bewohner in der jüngsten Staffel von TV3 mit dem Namen «Maria» an. ­ Ein Kirchengeschädigter wird im «Sprechzimmer» den postmodernen Ersatz für das Requisit des Beichtstuhls erkennen. Wenn Bewohner das Sprechzimmer aufsuchen, verlassen sie die Gruppe, um direkt vor der Kamera ihre geheimen Gedanken zu äussern und um mit Selbst-Entblössungen «Big Brother» (in der Doppelrolle als Redaktion und Publikum) um Vergebung und Anerkennung zu bitten. ­ Das Leben im Container kann zudem als eine Szene verstanden werden, die ständig schwankt zwischen Himmel und Hölle, zwischen Paradies und Gefängnis. Nach eigenen Angaben fällt den postmodernen Eremiten der Verzicht auf ihre Leitmedien wie Handy, Radio und Musikkonserven am schwersten. Die Sammlung der Zerstreuten macht jedoch den Container zu einem Hort der intimen Gemeinschaft. Eingesperrt in das Haus der Güte buhlen die Kandidaten mit dauerhaftem Wohlverhalten um die Gunst der Mitbewohner drinnen und der Zuschauer draussen. Werden die Bewohner abgewählt, müssen sie die Schleuse als eine Art «Höllenpforte» passieren. Sie trennt das Gefängnis der Gemeinschaft, auf welche das Licht der Scheinwerfer gerichtet ist, von der Kälte und Dunkelheit der zerstreuten Gesellschaft.
«Big Brother» ist eine populäre Liturgie. Sie bietet dem «Volk» interessante Rollen an. Gewöhnliche, selbstdarstellungswillige Kandidaten werden von der Redaktion gewählt und bei der feierlichen Ankunft als Stars installiert. Doch die kleinen Götter leben nicht entrückt auf dem Olymp, sondern werden in einen Container verbannt. Dieser ist im flachen Land so angeordnet, dass die Zuschauenden die Eingesperrten während 24 Stunden live beobachten können. Die medientechnische Installation dieser vormals den Göttern zugedachten Blickposition wird den Zuschauenden angedient. Als grosse Brüder können sie von ihren kleinen Brüdern im Container alles sehen. Und aus Rache können die zerstreuten Zuschauer ­ vermittelt über demokratische Prozesse ­ Gott spielen: Sympathien zuweisen und die kleinen Götter von ihrer Insel der Glückseligkeit vertreiben ­ hinaus in die Finsternis der Gesellschaft.
Die Option der in ihrer Immanenz gefangenen Trivialkultur ist selbst nicht trivial. So votiert die postmoderne Moderne für den Vorrang der Demokratie vor Kunst, Philosophie und Religion. Die eher angenehme Konsequenz hieraus: «Friedliche Koexistenz aller Botschaften ohne Gewalt und ohne Gehalt; die Kultur der Bestenlisten als ewige Wiederkehr des geringfügig Anderen; Selbstbeschallung der Mediengesellschaft mit dem immergleichen immerneuen Gemisch aus Nonsense und No-Nonsense; Freiheit der Wahl zwischen verschiedenen Handelsformen derselben Dekadenz; Emanzipation der Sprecher von der Zumutung, etwas zu sagen zu haben» (Sloterdijk Peter, 1999: Sphären II, 787).
Was die unangenehmen Konsequenzen des freien Botschaftenmarktes angeht, Franz Kafka hat sie um 1914 in einer kleinen Parabel beschworen:
Sie wurden vor die Wahl gestellt, Könige oder Kuriere zu sein. Nach Art der Kinder wollten sie alle Kuriere sein, deshalb gibt es lauter Kuriere. Und so jagen sie, weil es keine Könige gibt, durcheinander und rufen einander selbst ihre sinnlos gewordenen Meldungen zu. Gerne würden sie ihrem elenden Leben ein Ende machen, aber sie wagen es nicht wegen des Diensteides.

Differenzierter Umgang mit Medien notwendig

Wie soll die Kirche die Pendlerin erreichen? Wie soll sie mit jener Lebensstilgruppe in Kontakt treten, die sich vom Format «Big Brother» angesprochen und ernst genommen fühlt? Wie soll die Kirche die Medien im pluralistischen Umfeld nutzen? ­ Im Rückgriff auf den Pastoralplan Kommunikation und Medien (zu den Grundlagentexten kirchlicher Medienarbeit vgl. www.kath.ch/mediendienst) für die Schweizer Katholiken sollen vier Kriterien in Erinnerung gerufen werden, die für eine offene und verständigungsorientierte Medientätigkeit der Kirchen notwendig sind. Sie werden illustriert mit je einem aktuellen Projekt aus der kirchlichen Medienarbeit.

  1. Mit dem Leitsatz «die Predigt von den Dächern zu verkünden» erinnert die Papstbotschaft zum Mediensonntag an den biblischen Missionsauftrag. Die Kirche soll die Medien für Verkündigung, Liturgie, Diakonie und Seelsorge angemessen nutzen und über die Aktivitäten und Anliegen der Kirche authentisch und mediengerecht informieren. Um die verschiedenen Zielgruppen zu erreichen, müssen verschiedene Kanäle über säkulare, kirchennahe und kirchliche Medien aufgebaut und gepflegt werden. Sie erfordern ein professionelles und kostenintensives Engagement. Will die Kirche mit ihrer eigenen Stimme in der Öffentlichkeit präsent sein und ihren Verkündigungsauftrag in den Medien wahrnehmen, wird sie dies vor allem in der deutschsprachigen Schweiz zunehmend mit eigenen Medien bzw. redaktionellen Leistungen tun müssen. Im deregulierten Umfeld der Gesellschaft (Individualisierung) und der Medien (Liberalisierung des Rundfunks und entsprechend ausgeprägtere Marktorientierung der Redaktionen) geraten die öffentlichen Aufgaben von Kirche und Medien (service public) und ihre Finanzierung (Kirchensteuern und Rundfunkgebühren) zunehmend unter Legitimationsdruck.
    Im Bereich von Radio und Fernsehen räumt der Katholische Mediendienst der Zusammenarbeit mit der SRG zwar Priorität ein. Die redaktionellen Mitwirkungsmöglichkeiten der Kirchen sind allerdings in der deutschsprachigen Schweiz beschränkt. Zudem haben Schweizer Radio und Fernsehen DRS in den letzten 15 Jahren an Marktanteilen beim Publikum verloren. Es ist unsicher, ob und welcher Form die SRG mit dem Zwang zur Marktorientierung die bisherige Zusammenarbeit mit den Kirchen fortsetzen will und kann. Der Katholische Mediendienst pflegt deshalb Kontakte zu den privaten Rundfunkanbietern. Die Radioagentur kath.ch beliefert private Radiostationen mit Programmbeiträgen. Weil auch hier die Möglichkeiten eines authentischen kirchlichen Auftritts beschränkt sind, testet der Katholische Mediendienst im Rahmen einer dreijährigen Projektphase die Möglichkeiten einer eigenständigen kirchlichen Radiopräsenz. Das Internetradio verlangt eine gezielte Hinwendung. Deshalb richtet sich Radio kath.ch an Menschen, die sich mit der Kirche identifizieren und sich für ihre Anliegen engagieren (vgl. dazu den Beitrag von Willi Anderau in dieser Ausgabe).
  2. Aber auch die Kirche hat ihre Botschaft nicht einfach. Sie kann ihre Inhalte nicht in die Medienkanäle abfüllen. Sie würde dadurch den Lärm und die Informationsflut nur verstärken. Den Christen sind zentrale Erfahrungen des Glaubens wie Kreuz und Auferstehung nur als Bilder und Zeichen vor- und aufgegeben. Von diesen Erfahrungen der Geschichte mit Gott gilt es Zeugnis abzulegen. So wird der Glaube der Christen wahr und real nur im geteilten Leben. Gott ist Kommunikation, heisst es im Pastoralplan Kommunikation und Medien für die Schweizer Katholiken. Christen haben sich deshalb nicht nur predigend, sondern auch hörend auf die Geschichte Gottes mit den Menschen einzulassen. Medien orientieren über soziale Entwicklungen, über Befindlichkeiten, Ängste und Hoffnungen. Im Lichte des Glaubens hat die Kirche sich deshalb mit den publizierten Zeichen der Zeit auseinanderzusetzen. Der kritische Dialog mit den Medien fordert die Kirche heraus, ihre zuweilen hermetischen Sprachspiele zu überwinden und nach neuen Gefässen der Mitteilung zu suchen.
    Die Auseinandersetzung mit der strittigen Fernsehsendung «Big Brother» kann ein solcher Lernort für die Inkulturation des Glaubens in die Mediengesellschaft sein. Im Forschungsprojekt Film und Theologie pflegt der katholische Filmbeauftragte Charles Martig diese Form kultureller Diakonie (vgl. www.kath.ch/film). Der ökumenisch herausgegebene Medientipp (www.medientipp.ch) macht auf Sendungen und Filme aufmerksam, die aus christlicher Sicht ein besonderes Interesse verdienen.
  3. In ihrer Medienpolitik hat die Kirche Sorge zu tragen zu den öffentlichen Aufgaben der Medien (service public). Sie kritisiert die Defizite einer einseitigen Marktorientierung und setzt sich ein für eine sozialverträgliche und chancengerechte Regelung der Medientechnologien. ­ Der Weltkongress der katholischen Presseorganisation UCIP wird diesen September in Freiburg durchgeführt und den Chancen und Risiken globaler Medienentwicklungen gewidmet sein. Einen Beitrag zur echten globalen Verständigung zwischen den Kulturen werden die beiden nächsten Kampagnen der kirchlichen Hilfswerke Fastenopfer und Brot für alle leisten. Die Mediendienste veröffentlichen im Medienheft (www.medienheft.ch) kritische Beiträge zur Entwicklung der Medien und nehmen politisch dazu Stellung.
  4. Ein wichtiges Kriterium für den Erfolg der kirchlichen Medientätigkeit ist ihre Glaubwürdigkeit. Sie wird daran gemessen, ob die Kirche wirklich zu Dialog und Verständigung bereit ist. Die interaktiven Medientechnologien wie das Internet stellen eine interessante Herausforderung dar. Vor gut fünf Jahren wurden deshalb die Portale der katholischen Kirche in der Schweiz als offene Netzwerke eingerichtet. Ihre Philosophie entspricht einer dialogischen katholischen Kommunikationskultur. Entsprechend treten die kirchlichen Partner von kath.ch wie Ordinariate, Pfarreien, Verbände und Fachstellen in eigener redaktioneller Verantwortung auf. Das dezentrale Konzept erlaubt der Kirche, sich über ihre Organisationen mit vielfältigen Handlungsfeldern zu vernetzen, zum Beispiel über die Pfarreien mit regionalen Öffentlichkeiten oder über ihre Beratungsdienste mit Menschen in Notsituationen.
    Selbstkritisch muss angemerkt werden, dass das Portal kath.ch zu wenig über aktuelle sowie systematisch oder zielgruppenspezifisch aufgearbeitete Inhalte verfügt. Die Webseiten der kirchlichen Partner bieten fast ausschliesslich Prospekte mit Darstellungen ihrer Organisationen und Dienstleistungen. Das Portal ist mit zu wenig Mitteln ausgestattet, um seinen Partnern kostenlos Beratungen und Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Dieser Umstand erschwert die wirksame Koordination und Vernetzung. Einzig im Bereich der aktuellen Information konnte diese Lücke mit www.kath.ch/aktuell und www.kirchen.ch/pressespiegel geschlossen werden. Dabei zeigt sich allerdings, dass die meisten im Netz verfügbaren aktuellen Informationen über kirchliche und religiöse Themen nicht aus kirchlichen Quellen stammen.

Die vier Kriterien für eine glaubwürdige und offene Medienkommunikation der Kirche bilden zusammen ein flexibles Gleichgewicht. Wegen finanzieller Knappheit oder aus Gründen der Effizienz auf einen Leitwert zu verzichten, bringt die kirchliche Medientätigkeit in eine Schieflage. Einseitig forcierte Verkündigung wirkt autoritär oder verkommt zu PR. Werden allerdings die Aufgaben der Verkündigung und Information mit unzureichenden Mitteln ausgestattet, können die verantwortlichen Stellen sich nicht entsprechend professionalisieren. Vor allem auf der anonymen sprachregionalen Ebene sind nur gutgemeinte Medienauftritte kontraproduktiv. Um im Wettbewerb um das beschränkte Gut Aufmerksamkeit zu bestehen, muss die Kirche in der Informationsgesellschaft ihr Kommunikations- und Medienverhalten noch vermehrt umstellen: von einer Hol- zu einer Bringkultur.

 

Der Theologe Matthias Loretan ist Geschäftsführer des Katholischen Mediendienstes und Lehrbeauftragter für Medienethik an der Universität Freiburg.


Radio kath.ch

Radio kath.ch ist das neue Internet-Radio für die Schweizer Katholikinnen und Katholiken. Ab 27. Mai 2001, dem Mediensonntag der Katholischen Kirche, kann Radio kath.ch auf Internet abgerufen und gehört werden unter der Adresse http://radio.kath.ch.
Radio kath.ch ist eine Dienstleistung des Katholischen Mediendienstes und wird betreut von den Redaktoren Hansjörg Spring, Matthias Müller und P. Willi Anderau.
Täglich ­ von Montag bis Freitag ­ bringt die Redaktion von Radio kath.ch Nachrichten aus Kirche, Religion und Gesellschaft. Die Nachrichten werden bei bedeutenden Ereignissen ergänzt durch den «Special» mit Interviews, Statements oder Kurzkommentaren. Radio kath.ch will auch kontroverse Ansichten darstellen und den Hörerinnen und Hörern Gelegenheit bieten, sich selber eine Meinung zu bilden. Wöchentlich bringt Radio kath.ch im «Prisma» einen gestalteten Magazinbeitrag mit Berichten, Reportagen und Hintergründen. Wer einen Beitrag verpasst hat, findet ihn problemlos im Tonarchiv von Radio kath.ch.
Im Gegensatz zum konventionellen Radio mit festen Programmzeiten erlaubt das Internet einen gezielten Abruf von einzelnen Programmteilen. Der Benutzer kann je nach Wunsch und wann immer er Zeit hat die drei- bis fünfminütigen Nachrichten abrufen, das Prisma mit dem Magazinbeitrag oder den Special mit dem Kurzkommentar.
Radio kath.ch schliesst in der kirchlichen Medienkommunikation eine Lücke. Für eigenverantwortete, redaktionelle Beiträge standen der Kirche bis jetzt lediglich die Printmedien zur Verfügung. Erstmals ist es in der deutschen Schweiz möglich, kirchliche Ereignisse und Stellungnahmen rasch und authentisch, radiophonisch aufzubereiten und darzustellen. Für Menschen, die sich rasch und authentisch über kirchliches Leben in der Schweiz informieren wollen, gibt es jetzt auf Internet einen neuen Favoriten: http://radio.kath.ch.

Willi Anderau


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2001