18/2001 | |
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Leitartikel |
«Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geist»
Als Konferenz Europäischer Kirchen und als Rat der Europäischen
Bischofskonferenzen sind wir im Geist der Botschaft der beiden Europäischen
Ökumenischen Versammlungen von Basel 1989 und von Graz 1997 fest entschlossen,
die unter uns gewachsene Gemeinschaft zu bewahren und fortzuentwickeln.
Wir danken unserem Dreieinigen Gott, dass er durch seinen Heiligen Geist
unsere Schritte zu einer immer intensiveren Gemeinschaft führt.
Vielfältige Formen der ökumenischen Zusammenarbeit haben sich
bereits bewährt. In Treue zu dem Gebet Christi: «Alle sollen
eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, sollen auch sie eins
sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast» (Johannes
17, 21), dürfen wir jedoch bei dem jetzigen Zustand nicht stehen bleiben.
Im Bewusstsein unserer Schuld und zur Umkehr bereit müssen wir uns
bemühen, die unter uns noch bestehenden Spaltungen zu überwinden,
damit wir gemeinsam die Botschaft des Evangeliums unter den Völkern
glaubwürdig verkündigen.
Im gemeinsamen Hören auf Gottes Wort in der Heiligen Schrift und herausgefordert
zum Bekenntnis unseres gemeinsamen Glaubens sowie im gemeinsamen Handeln
gemäss der erkannten Wahrheit wollen wir Zeugnis geben von der Liebe
und Hoffnung für alle Menschen.
Auf unserem europäischen Kontinent zwischen Atlantik und Ural, zwischen
Nordkap und Mittelmeer, der heute mehr denn je durch eine plurale Kultur
geprägt wird, wollen wir mit dem Evangelium für die Würde
der menschlichen Person als Gottes Ebenbild eintreten und als Kirchen gemeinsam
dazu beitragen, Völker und Kulturen zu versöhnen.
In diesem Sinn nehmen wir diese Charta als gemeinsame Verpflichtung zum
Dialog und zur Zusammenarbeit an. Sie beschreibt grundlegende ökumenische
Aufgaben und leitet daraus eine Reihe von Leitlinien und Verpflichtungen
ab. Sie soll auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens eine ökumenische
Kultur des Dialogs und der Zusammenarbeit fördern und dafür einen
verbindlichen Massstab schaffen. Sie hat jedoch keinen lehramtlich-dogmatischen
oder kirchenrechtlich-gesetzlichen Charakter. Ihre Verbindlichkeit besteht
vielmehr in der Selbstverpflichtung der europäischen Kirchen und ökumenischen
Organisationen. Diese können für ihren Bereich auf der Grundlage
dieses Basistextes eigene Zusätze und gemeinsame Perspektiven formulieren,
die sich konkret mit ihren besonderen Herausforderungen und den sich daraus
ergebenden Verpflichtungen befassen.
«Bemüht euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist» (Epheser 4,36)
Mit dem Evangelium Jesu Christi, wie es in der Heiligen Schrift bezeugt
wird und im Ökumenischen Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel
(381) zum Ausdruck kommt, glauben wir an den Dreieinigen Gott: den Vater,
den Sohn und den Heiligen Geist. Weil wir mit diesem Credo «die eine,
heilige, katholische und apostolische Kirche» bekennen, besteht unsere
unerlässliche ökumenische Aufgabe darin, diese Einheit, die immer
Gottes Gabe ist, sichtbar werden zu lassen.
Noch verhindern wesentliche Unterschiede im Glauben die sichtbare Einheit.
Es gibt verschiedene Auffassungen, vor allem von der Kirche und ihrer Einheit,
von den Sakramenten und den Ämtern. Damit dürfen wir uns nicht
abfinden. Jesus Christus hat uns am Kreuz seine Liebe und das Geheimnis
der Versöhnung geoffenbart; in seiner Nachfolge wollen wir alles uns
Mögliche tun, die noch bestehenden Kirchen trennenden Probleme und
Hindernisse zu überwinden.
Wir verpflichten uns, der apostolischen Mahnung des Epheserbriefes zu folgen
und uns beharrlich um ein gemeinsames Verständnis der Heilsbotschaft
Christi im Evangelium zu bemühen; in der Kraft des Heiligen Geistes
auf die sichtbare Einheit der Kirche Jesu Christi in dem einen Glauben hinzuwirken,
die ihren Ausdruck in der gegenseitig anerkannten Taufe und in der eucharistischen
Gemeinschaft findet sowie im gemeinsamen Zeugnis und Dienst.
«Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt» (Johannes 13,35)
Die wichtigste Aufgabe der Kirchen in Europa ist es, gemeinsam das Evangelium
durch Wort und Tat für das Heil aller Menschen zu verkündigen.
Angesichts vielfältiger Orientierungslosigkeit, der Entfremdung von
christlichen Werten, aber auch mannigfacher Suche nach Sinn sind die Christinnen
und Christen besonders herausgefordert, ihren Glauben zu bezeugen. Dazu
bedarf es des verstärkten Engagements und des Erfahrungsaustausches
in Katechese und Seelsorge in den Ortsgemeinden. Ebenso wichtig ist es,
dass das ganze Volk Gottes gemeinsam das Evangelium in die gesellschaftliche
Öffentlichkeit hinein vermittelt wie auch durch sozialen Einsatz und
die Wahrnehmung von politischer Verantwortung zur Geltung bringt.
Wir verpflichten uns, über unsere Initiativen zur Evangelisierung mit
den anderen Kirchen zu sprechen, darüber Vereinbarungen zu treffen
und so schädliche Konkurrenz sowie die Gefahr neuer Spaltungen zu vermeiden;
anzuerkennen, dass jeder Mensch seine religiöse und kirchliche Bindung
in freier Gewissensentscheidung wählen kann. Niemand darf durch moralischen
Druck oder materielle Anreize zur Konversion bewegt werden; ebenso darf
niemand an einer aus freien Stücken erfolgenden Konversion gehindert
werden.
Im Geiste des Evangeliums müssen wir gemeinsam die Geschichte der
christlichen Kirchen aufarbeiten, die durch viele gute Erfahrungen, aber
auch durch Spaltungen, Verfeindungen und sogar durch kriegerische Auseinandersetzungen
geprägt ist. Menschliche Schuld, Mangel an Liebe und häufiger
Missbrauch von Glaube und Kirchen für politische Interessen haben die
Glaubwürdigkeit des christlichen Zeugnisses schwer beschädigt.
Ökumene beginnt deshalb für die Christinnen und Christen mit der
Erneuerung der Herzen und der Bereitschaft zu Busse und Umkehr. In der ökumenischen
Bewegung ist Versöhnung bereits gewachsen.
Wichtig ist es, die geistlichen Gaben der verschiedenen christlichen Traditionen
zu erkennen, voneinander zu lernen und sich so beschenken zu lassen. Für
die weitere Entfaltung der Ökumene ist es besonders erforderlich, die
Erfahrungen und Erwartungen der Jugend einzubeziehen und ihre Mitwirkung
nach Kräften zu fördern.
Wir verpflichten uns, Selbstgenügsamkeit zu überwinden und Vorurteile
zu beseitigen, die Begegnung miteinander zu suchen und füreinander
da zu sein; ökumenische Offenheit und Zusammenarbeit in der christlichen
Erziehung, in der theologischen Aus- und Fortbildung sowie auch in der Forschung
zu fördern.
Ökumene geschieht bereits in vielfältigen Formen gemeinsamen
Handelns. Viele Christinnen und Christen aus verschiedenen Kirchen leben
und wirken gemeinsam in Freundschaften, in der Nachbarschaft, im Beruf und
in ihren Familien. Insbesondere konfessionsverschiedene Ehen müssen
darin unterstützt werden, Ökumene in ihrem Alltag zu leben.
Wir empfehlen, auf örtlicher, regionaler, nationaler und internationaler
Ebene bi- und multilaterale ökumenische Gremien für die Zusammenarbeit
einzurichten und zu unterhalten. Auf der europäischen Ebene ist es
nötig, die Zusammenarbeit zwischen der Konferenz Europäischer
Kirchen und dem Rat der Europäischen Bischofskonferenzen zu stärken
und weitere Europäische Ökumenische Versammlungen durchzuführen.
Bei Konflikten zwischen den Kirchen sollen Bemühungen um Vermittlung
und Frieden initiiert bzw. unterstützt werden.
Wir verpflichten uns, auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens gemeinsam
zu handeln, wo die Voraussetzungen dafür gegeben sind, und nicht Gründe
des Glaubens oder grössere Zweckmässigkeit dem entgegenstehen;
die Rechte von Minderheiten zu verteidigen und zu helfen, Missverständnisse
und Vorurteile zwischen Mehrheits- und Minderheitskirchen in unseren Ländern
abzubauen.
Die Ökumene lebt davon, dass wir Gottes Wort gemeinsam hören
und den Heiligen Geist in uns und durch uns wirken lassen. Kraft der dadurch
empfangenen Gnade gibt es heute vielfältige Bestrebungen, durch Gebete
und Gottesdienste die geistliche Gemeinschaft zwischen den Kirchen zu vertiefen
und für die sichtbare Einheit der Kirche Christi zu beten. Ein besonders
schmerzliches Zeichen für die Zerrissenheit unter vielen christlichen
Kirchen ist die fehlende eucharistische Gemeinschaft.
In einigen Kirchen bestehen Vorbehalte gegenüber gemeinsamen ökumenischen
Gebeten. Aber weithin prägen viele ökumenische Gottesdienste,
gemeinsame Lieder und Gebete, insbesondere das Vaterunser, unsere christliche
Spiritualität.
Wir verpflichten uns, füreinander und für die christliche Einheit
zu beten; die Gottesdienste und die weiteren Formen des geistlichen Lebens
anderer Kirchen kennen und schätzen zu lernen; dem Ziel der eucharistischen
Gemeinschaft entgegenzugehen.
Unsere in Christus begründete Zusammengehörigkeit ist von fundamentaler
Bedeutung gegenüber unseren unterschiedlichen theologischen und ethischen
Positionen. Anders als die uns geschenkte und bereichernde Vielfalt haben
jedoch Gegensätze in der Lehre, in ethischen Fragen und in kirchenrechtlichen
Festlegungen auch zu Trennungen zwischen den Kirchen geführt; oft spielten
dabei besondere geschichtliche Umstände und unterschiedliche kulturelle
Prägungen eine entscheidende Rolle.
Um die ökumenische Gemeinschaft zu vertiefen, sind die Bemühungen
um einen Konsens im Glauben unbedingt fortzusetzen. Ohne Einheit im Glauben
gibt es keine volle Kirchengemeinschaft. Zum Dialog gibt es keine Alternative.
Wir verpflichten uns, den Dialog zwischen unseren Kirchen auf den verschiedenen
kirchlichen Ebenen gewissenhaft und intensiv fortzusetzen sowie zu prüfen,
was zu den Dialogergebnissen kirchenamtlich verbindlich erklärt werden
kann und soll; bei Kontroversen, besonders wenn bei Fragen des Glaubens
und der Ethik eine Spaltung droht, das Gespräch zu suchen und diese
Fragen gemeinsam im Licht des Evangeliums zu erörtern.
«Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden» (Matthäus 5,9)
Durch die Jahrhunderte hindurch hat sich ein religiös und kulturell
vorwiegend christlich geprägtes Europa entwickelt. Zugleich ist durch
das Versagen der Christen in Europa und über dessen Grenzen hinaus
viel Unheil angerichtet worden. Wir bekennen die Mitverantwortung an dieser
Schuld und bitten Gott und die Menschen um Vergebung.
Unser Glaube hilft uns, aus der Vergangenheit zu lernen und uns dafür
einzusetzen, dass der christliche Glaube und die Nächstenliebe Hoffnung
ausstrahlen für Moral und Ethik, für Bildung und Kultur, für
Politik und Wirtschaft in Europa und in der ganzen Welt.
Die Kirchen fördern eine Einigung des europäischen Kontinents.
Ohne gemeinsame Werte ist die Einheit dauerhaft nicht zu erreichen. Wir
sind überzeugt, dass das spirituelle Erbe des Christentums eine inspirierende
Kraft zur Bereicherung Europas darstellt. Aufgrund unseres christlichen
Glaubens setzen wir uns für ein humanes und soziales Europa ein, in
dem die Menschenrechte und Grundwerte des Friedens, der Gerechtigkeit, der
Freiheit, der Toleranz, der Partizipation und der Solidarität zur Geltung
kommen. Wir betonen die Ehrfurcht vor dem Leben, den Wert von Ehe und Familie,
den vorrangigen Einsatz für die Armen, die Bereitschaft zur Vergebung
und in allem die Barmherzigkeit.
Als Kirchen und als internationale Gemeinschaften müssen wir der Gefahr
entgegentreten, dass Europa sich zu einem integrierten Westen und einem
desintegrierten Osten entwickelt. Auch das Nord-Süd-Gefälle ist
zu beachten. Zugleich ist jeder Eurozentrismus zu vermeiden und die Verantwortung
Europas für die ganze Menschheit zu stärken, besonders für
die Armen in der ganzen Welt.
Wir verpflichten uns, uns über Inhalte und Ziele unserer sozialen Verantwortung
miteinander zu verständigen und die Anliegen und Visionen der Kirchen
gegenüber den säkularen europäischen Institutionen möglichst
gemeinsam zu vertreten; die Grundwerte gegenüber allen Eingriffen zu
verteidigen; jedem Versuch zu widerstehen, Religion und Kirche für
ethnische oder nationalistische Zwecke zu missbrauchen.
Die Vielfalt der regionalen, nationalen, kulturellen und religiösen
Traditionen betrachten wir als Reichtum Europas. Angesichts zahlreicher
Konflikte ist es Aufgabe der Kirchen, miteinander den Dienst der Versöhnung
auch für Völker und Kulturen wahrzunehmen. Wir wissen, dass der
Friede zwischen den Kirchen dafür eine ebenso wichtige Voraussetzung
ist.
Unsere gemeinsamen Bemühungen richten sich auf die Beurteilung und
Lösung politischer und sozialer Fragen im Geist des Evangeliums. Weil
wir die Person und Würde jedes Menschen als Ebenbild Gottes werten,
treten wir für die absolute Gleichwertigkeit aller Menschen ein.
Als Kirchen wollen wir gemeinsam den Prozess der Demokratisierung in Europa
fördern. Wir engagieren uns für eine Friedensordnung auf der Grundlage
gewaltfreier Konfliktlösungen. Wir verurteilen jede Form von Gewalt
gegen Menschen, besonders gegen Frauen und Kinder.
Zur Versöhnung gehört es, die soziale Gerechtigkeit in und unter
allen Völkern zu fördern, vor allem die Kluft zwischen Arm und
Reich sowie die Arbeitslosigkeit zu überwinden. Gemeinsam wollen wir
dazu beitragen, dass Migranten und Migrantinnen, Flüchtlinge und Asyl
Suchende in Europa menschenwürdig aufgenommen werden.
Wir verpflichten uns, jeder Form von Nationalismus entgegenzutreten, die
zur Unterdrückung anderer Völker und nationaler Minderheiten führt,
und uns für gewaltfreie Lösungen einzusetzen; die Stellung und
Gleichberechtigung der Frauen in allen Lebensbereichen zu stärken sowie
die gerechte Gemeinschaft von Frauen und Männern in Kirche und Gesellschaft
zu fördern.
Im Glauben an die Liebe Gottes, des Schöpfers, erkennen wir dankbar
das Geschenk der Schöpfung, den Wert und die Schönheit der Natur.
Aber wir sehen mit Schrecken, dass die Güter der Erde ohne Rücksicht
auf ihren Eigenwert, ohne Beachtung ihrer Begrenztheit und ohne Rücksicht
auf das Wohl zukünftiger Generationen ausgebeutet werden.
Wir wollen uns gemeinsam für nachhaltige Lebensbedingungen für
die gesamte Schöpfung einsetzen. In Verantwortung vor Gott müssen
wir gemeinsam Kriterien dafür geltend machen und weiterentwickeln,
was die Menschen zwar wissenschaftlich und technologisch machen können,
aber ethisch nicht machen dürfen. In jedem Fall muss die einmalige
Würde jedes Menschen den Vorrang vor dem technisch Machbaren haben.
Wir empfehlen, einen ökumenischen Tag des Gebetes für die Bewahrung
der Schöpfung in den europäischen Kirchen einzuführen.
Wir verpflichten uns, einen Lebensstil weiterzuentwickeln, bei dem wir gegen
die Herrschaft von ökonomischen Zwängen und von Konsumzwängen
auf verantwortbare und nachhaltige Lebensqualität Wert legen; die kirchlichen
Umweltorganisationen und ökumenischen Netzwerke bei ihrer Verantwortung
für die Bewahrung der Schöpfung zu unterstützen.
Eine einzigartige Gemeinschaft verbindet uns mit dem Volk Israel, mit
dem Gott einen ewigen Bund geschlossen hat. Im Glauben wissen wir, dass
unsere jüdischen Schwestern und Brüder «von Gott geliebt
sind, und das um der Väter willen. Denn unwiderruflich sind Gnade und
Berufung, die Gott gewährt» (Röm 11,2829). Sie haben
«die Sohnschaft, die Herrlichkeit, die Bundesordnungen, ihnen ist
das Gesetz gegeben, der Gottesdienst und die Verheissungen, sie haben die
Väter, und dem Fleisch nach entstammt ihnen der Christus» (Röm
9,45).
Wir beklagen und verurteilen alle Manifestationen des Antisemitismus wie
Hassausbrüche und Verfolgungen. Für den christlichen Antijudaismus
bitten wir Gott um Vergebung und unsere jüdischen Geschwister um Versöhnung.
Es ist dringend nötig, in Verkündigung und Unterricht, in Lehre
und Leben unserer Kirchen die tiefe Verbindung des christlichen Glaubens
zum Judentum bewusst zu machen und die christlich-jüdische Zusammenarbeit
zu unterstützen.
Wir verpflichten uns, allen Formen von Antisemitismus und Antijudaismus
in Kirche und Gesellschaft entgegenzutreten; auf allen Ebenen den Dialog
mit unseren jüdischen Geschwistern zu suchen und zu intensivieren.
Seit Jahrhunderten leben Muslime in Europa. Sie bilden in manchen europäischen
Ländern starke Minderheiten. Dabei gab und gibt es viele gute Kontakte
und Nachbarschaft zwischen Muslimen und Christen, aber auch massive Vorbehalte
und Vorurteile auf beiden Seiten. Diese beruhen auf leidvollen Erfahrungen
in der Geschichte und in der jüngsten Vergangenheit.
Die Begegnung zwischen Christen und Muslimen sowie den christlich-islamischen
Dialog wollen wir auf allen Ebenen intensivieren. Insbesondere empfehlen
wir, miteinander über den Glauben an den einen Gott zu sprechen und
das Verständnis der Menschenrechte zu klären.
Wir verpflichten uns, den Muslimen mit Wertschätzung zu begegnen; bei
gemeinsamen Anliegen mit Muslimen zusammenzuarbeiten.
Die Pluralität von religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen
und Lebensformen ist ein Merkmal der Kultur Europas geworden. Östliche
Religionen und neue religiöse Gemeinschaften breiten sich aus und finden
auch das Interesse vieler Christinnen und Christen. Auch gibt es immer mehr
Menschen, die den christlichen Glauben ablehnen, sich ihm gegenüber
gleichgültig verhalten oder anderen Weltanschauungen folgen.
Wir wollen kritische Anfragen an uns ernst nehmen und uns gemeinsam um eine
faire Auseinandersetzung bemühen. Dabei ist zu unterscheiden, mit welchen
Gemeinschaften Dialoge und Begegnungen gesucht werden sollen und vor welchen
aus christlicher Sicht zu warnen ist.
Wir verpflichten uns, die Religions- und Gewissensfreiheit von Menschen
und Gemeinschaften anzuerkennen und dafür einzutreten, dass sie individuell
und gemeinschaftlich, privat und öffentlich ihre Religion oder Weltanschauung
im Rahmen des geltenden Rechtes praktizieren dürfen; für das Gespräch
mit allen Menschen guten Willens offen zu sein, gemeinsame Anliegen mit
ihnen zu verfolgen und ihnen den christlichen Glauben zu bezeugen.
Jesus Christus ist als Herr der einen Kirche unsere grösste Hoffnung
auf Versöhnung und Frieden. In seinem Namen wollen wir den gemeinsamen
Weg in Europa weitergehen. Wir bitten Gott um den Beistand seines Heiligen
Geistes.
«Der Gott der Hoffnung erfülle uns mit aller Freude und mit allem
Frieden im Glauben, damit wir reich werden an Hoffnung in der Kraft des
Heiligen Geistes» (Röm 15,13)
Als Präsidenten der Konferenz Europäischer Kirchen und des Rates
der Europäischen Bischofskonferenzen empfehlen wir diese Charta Oecumenica
als Basistext allen Kirchen und Bischofskonferenzen von Europa zur Annahme
und Umsetzung in ihrem jeweiligen Kontext.
Mit dieser Empfehlung unterschreiben wir die Charta Oecumenica im Rahmen
der Europäischen Ökumenischen Begegnung am ersten Sonntag nach
den gemeinsamen Ostern im Jahre 2001.