11/2001 | |
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Leitartikel |
Die Fastenaktion der drei landeskirchlichen Hilfswerke Brot für
alle, Fastenopfer und Partner sein wurde mit einer Medieninformation zum
Thema der ökumenischen Informations- und Sammelkampagne und einem Symposium
im Vorfeld der UNO-Konferenz über die Finanzierung der Entwicklung
(«Financing for Development») eröffnet; damit wurde zum
Ausdruck gebracht, wie Christoph Stückelberger als Zentralsekretär
von Brot für alle anmerkte, dass beides gilt: global denken lokal
handeln/lokal denken global handeln.
Die ökumenische Fastenaktion ist die grösste schweizerische Sammlung
für Entwicklungsprojekte mit einem jährlichen Ergebnis von rund
35 Mio. Franken. 1961 fand die erste Sammlung von Fastenopfer und Brot für
Brüder statt, seit 1967 wird die Aktion gemeinsam und seit 1971 auch
von Brot für Brüder (seit 1989 Brot für alle) jährlich
durchgeführt. In diesen vier Jahrzehnten haben die beiden Hilfswerke
zusammen über eine Milliarde Franken Spenden für Entwicklungsprojekte
in Afrika, Asien und Lateinamerika gesammelt.
Diese Entwicklungsprojekte werden wohl professionell begleitet, sind aber
meist im informellen Sektor angesiedelt, wie Antonio Hautle als Direktor
von Fastenopfer unter dem Titel «Das Geld in der Projektarbeit»
ausführte. Als Beispiel wählte er das informelle Geldsystem. «Fast
überall in den Entwicklungsländern bilden Frauen effiziente Spar-
und Kreditgruppen. Sie werfen ihre Beiträge in einen Topf, und das
ist dann das Kapital, das abwechselnd an jede ausgelehnt wird. Es kommt
kaum vor, dass eine Beteiligte nicht zurückzahlt. Der soziale Druck
wäre zu gross.» Projekte dieser Art würden die Hilfswerke
einem technischen Glanzprojekt immer vorziehen. Auf diese Weise würden
die Spenden, die als Zeichen der Solidarität gesammelt werden, auch
im Sinne dieser Solidarität eingesetzt.
Diese Mitteleinsätze entfalten ihre Wirkung so auf lokaler Ebene. Dies
allein genügt indes nicht, weil auch die makroökonomische Ebene
in die Entwicklungsanstrengungen einbezogen werden muss. Deshalb führten
die Hilfswerke denn auch das Symposium «Entwicklung finanzieren»
durch. Weil die entsprechende UNO-Konferenz eine Sonderkonferenz ist, kann
die Schweiz auch als Nichtmitglied vollberechtigt daran teilnehmen. Botschafter
Walter Fust, Direktor der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit
(DEZA) im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten
(EDA), sicherte zu, dass bei der Vorbereitungsarbeit auch die NGOs (die
Nichtregierungsorganisationen) einbezogen würden; so betrachte die
DEZA das Symposium als einen wichtigen Beitrag zum Meinungsbildungsprozess
in der Schweiz. Der brasilianische Ökonom Reinaldo Gonçalves,
ein Referent des Symposiums, legte an der Medieninformation die wirtschaftspolitischen
Postulate des Weltsozialforums vom Januar 2001 in Porto Alegre dar. Dazu
gehört die Schaffung neuer Mechanismen für den externen Schuldenerlass;
wie gewaltig der Schuldenberg ist, zeigt der Vergleich der einen in den
vierzig Jahren gesammelte Milliarde Franken mit dem Schuldendienst Brasiliens,
der in einem einzigen Monat 2 Milliarden Dollar beträgt
Die Informationskampagne «Neue Noten braucht das Geld» wolle
das Geld nicht schlecht machen, sondern aufzeigen, wie Geld Leben, Gemeinschaft
und Kultur fördern kann; weil Geld all dies auch zerstören kann,
muss es zivilisiert werden «civiliser l'argent» heisst
der Slogan deshalb in der Westschweiz. Aufzeigen will dies die Kampagne
in den Bereichen Geld anlegen, Geld spenden, Geld budgetieren und Geld besteuern.
Auf der individuellen Ebene und der Ebene der Kirchgemeinden will die Kampagne
den Umgang mit dem eigenen Geld, schwerpunktmässig besonders durch
ethisch verantwortliche Geldanlagen, thematisieren.<1>
Auf der entwicklungspolitischen Ebene der Schweiz setzen sich die Hilfswerke
für höhere Beiträge für Entwicklungszusammenarbeit in
den Budgets der Kirchgemeinden, politischen Gemeinden, Kantone und des Bundes
ein. Sie setzen sich für so genannte gendergerechte Budgets<2> und für sozial, ökologisch und entwicklungspolitisch
verantwortbare Anlagen der Vermögen von Privaten wie kirchlichen und
staatlichen Körperschaften und Einrichtungen ein.
Auf der internationalen Ebene setzen sie sich für eine wirkungsvolle
und lebensfördernde Gestaltung, Kontrolle, Stabilisierung und Besteuerung
der Finanztransaktionen im Dienste der Entwicklung ein.
Die lebensförderliche Möglichkeit des Geldes eröffnet schliesslich
einen Weg von der Ethik zur Spiritualität, wie Christoph Stückelberger
skizzierte: Jeder Mensch hat das Recht auf ein Leben in Würde und auf
die dazu nötigen Lebens-Mittel, wozu auch das Geld gehört; deshalb
brauchen Arme Geld und deshalb gibt Geld auch Sicherheit. Letzte Sicherheit
beim Geld zu suchen wäre aber trügerisch; davor warnt das Evangelium,
und gibt eine andere Zuversicht. «Für die Sicherheit wichtiger
als Geld sind Freundschaften und vertrauensvolle Beziehungen auch
zu Gott.»
1 «Verantwortlich Geld anlegen. Ein Leitfaden für Kirchgemeinden
und Privatpersonen» wurde im Auftrag der beiden Hilfswerke vom Institut
für Sozialethik des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes und
der Nationalkommission Justitia et Pax erarbeitet und ist erhältlich
beim Fastenopfer, Postfach 2856, 6002 Luzern, Telefon 041-2107655, Fax 041-2101362,
E-Mail mail@fastenopfer.ch
«Ethisch-ökologische Geldanlagen in der Schweiz. Einführung,
Handlungsvorschläge und Marktübersicht» wurde in Zusammenarbeit
unter anderem mit den beiden Hilfswerken von der Erklärung von Bern
und WWF Schweiz herausgegeben und ist erhältlich bei der Erklärung
von Bern, Postfach 1327, 8031 Zürich, E-Mail info@evb.ch
2 Die Broschüre «Kirchenbudgets aus Frauensicht» zeigt Möglichkeiten gendergerechter Budgetierung; erhältlich ist diese Broschüre beim Fastenopfer (Anm. 1).