15-16/2001 | |
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Die Glosse |
Ein Konflikt der besonderen Art ist es, den zumindest katholische Insider erleben, seitdem das Ausmass des Priestermangels bei uns offensichtlich geworden ist. Es muss entschieden werden zwischen dem, was das «Recht der Gemeinde auf die sonntägliche Eucharistie» genannt wird, und dem Aufrechterhalten des Brauchs des Pflichtzölibates, den ich hier aber aus psychologischen Gründen lieber «Zwangszölibat» nennen möchte. Beim Beurteilen des Konflikts wird nun wohl wie auch in der Politik üblich der Massstab des «geringeren» bzw. «kleineren» Übels angewandt. Beim Gebrauch dieses Massstabs darf immer gehofft werden, dass das seriöse Suchen nach Wahrheit logischer Wahrheit, historischer Wahrheit und bei uns auch theologischer Wahrheit Grund für ein vorsichtiges und volle Verantwortung übernehmendes Entscheiden ist. Angewendet auf unseren Konflikt dürfte dies etwa heissen:
Staunenden Geistes und Auges nun erleben wir, dass den Gemeinden empfohlen wird, an Sonntagen einen reinen Wortgottesdienst ohne Kommunionfeier zu halten; dass auch von hoher Warte her die Gleichwertigkeit von Eucharistie- und Wortgottesfeier betont wird; dass mit Blick auf die Gemeinden in der Dritten Welt betont wird, «wir seien ja noch gut dran». Noch erstaunter stellen wir fest, dass in gleicher Deutlichkeit und in gleichem hierarchischem Anspruch aber niemand den Zwangszölibat, der 1000 Jahre jünger ist als das sonntägliche Brotbrechen, in Frage stellt, ja dass der Urheber des Zitats ist dem Verfasser bekannt, wird hier aber nicht genannt «das Messopfer für den Zölibat geopfert wird».