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Kirchengeschichte |
Seit geraumer Zeit erscheint bei Kohlhammer in Stuttgart das Sammelwerk
«Theologische Wissenschaft», herausgegeben von prominenten evangelischen
Theologieprofessoren wie Carl Andresen Ý, Werner Jetter, Wilfried
Joest Ý, Otto Kaiser, Eduard Lohse und Adolf Maria Ritter. Es hat
sich zum Ziel gesetzt, in 18 Bänden das «Grundlagenwissen aller
Gebiete gegenwärtiger evangelischer Theologie» den Theologen/Theologinnen
und Religionspädagogen/Religionspädagoginnen «in Studium
und Beruf» in konzentrierter Form zur Verfügung zu stellen.
Offenbar durch den Erfolg dieser Reihe «verführt», konzipierten
katholische Theologen die «Studienbücher Theologie». Sie
sollen «in didaktisch überzeugend strukturierter Form das Grundwissen
der einzelnen Disziplinen» darstellen, ferner über «den
aktuellen Diskussionsstand informieren» und damit «einen originären
Beitrag zur Weitergabe der christlichen Tradition in Kirche und Gesellschaft»
leisten. Die von Gottfried Bitter, Ernst Dassmann, Helmut Merklein, Herbert
Vorgrimler und Erich Zenger herausgegebene Reihe wird 25 Bände zählen,
von denen inzwischen gut die Hälfte erschienen sind, darunter auch
jener von Franz Furger Ý über die «Christliche Sozialethik».
Von Ernst Dassmann, Professor für Alte Kirchengeschichte, Patrologie
und Christliche Archäologie an der Universität Bonn, stammen die
drei Bände über die Alte Kirchengeschichte. Ernst Dassmann ist
sicher einer der qualifiziertesten katholischen Kirchengeschichtler für
die ersten sechs Jahrhunderte. In Nachfolge von Franz Joseph Dölger
und Theodor Klauser leitet er das «Franz-Joseph-Dölger-Institut
zur Erforschung der Spätantike an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität
in Bonn», das bekannt wurde durch die Herausgabe des «Reallexikons
für Antike und Christentum» (RAC) und des «Jahrbuchs für
Antike und Christentum» (JAC), samt den Ergänzungsbänden
dieser Zeitschrift.
Entsprechend sind die Bände<1>
der erste bis zu Kaiser Konstantin, der erste Teilband des zweiten Bandes
mit den kirchenpolitischen Ereignissen von Kaiser Konstantin bis zum Ausgang
der Spätantike von imponierender Dichte. Wertvoll sind die ausführlichen
Quellentexte, die in den Text eingelassen sind, sowie die Ausblicke auf
aktuelle Auswirkungen von geschichtlichen Fakten der Alten Kirche. Man lese
etwa die Darlegungen über das «Verhältnis (der Kirche) zu
den Juden» (II/1, 135145), wo von einigen Ausdrücken in
den Predigten von Johannes Chrysostomus gesagt wird, sie seien «handfeste
Verbalinjurien», die man vom «Goldmund» eigentlich nicht
erwarten würde. Allerdings seien sie zu verstehen als «affektgeladene
Formulierungen» des Seelsorgers und Rhetorikers gegenüber «treulosen
Schäflein», die «judaisierende Neigungen» zeigten.
Der zweite Teilband<2> stellt das innerkirchliche
Leben dar, die Entwicklung der Theologie und die Entfaltung der Volksfrömmigkeit;
wenn man sich der Bedeutung der Zeit von 330600 für die Entwicklung
der Theologie bewusst ist, versteht man die Bedeutung dieses Teilbandes.
Für den Bereich Kirchengeschichte sind drei weitere Bände geplant,
aber noch nicht erschienen; in Ergänzung dazu ist ein Band «Theologiegeschichte»
vorgesehen, den Herbert Vorgrimler schreibt.
Nicht unbedingt sehr leserfreundlich scheint mir die Konzentrierung der
Anmerkungen auf die letzten Seiten jedes Bandes eine Eigenart, die
auch in anderen Kohlhammer-Büchern auffällt.
1 Ernst Dassmann, Kirchengeschichte I. Ausbreitung, Leben und
Lehre der Kirche in den ersten drei Jahrhunderten (Studienbücher Theologie,
Band 10), Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1991, zweite durchgesehene Auflage
2001.
Ernst Dassmann, Kirchengeschichte II/1. Konstantinische Wende und spätantike
Reichskirche (Studienbücher Theologie, Band II, 1), Stuttgart 1996,
224 Seiten.
2 Ernst Dassmann, Kirchengeschichte II/2. Theologie und innerkirchliches Leben bis zum Ausgang der Spätantike (Studienbücher Theologie, Band II, 2), Stuttgart 1999, 272 Seiten.