47/2001

INHALT

Kirchengeschichte

Geschichte der alten Kirche

von Nestor Werlen

 

Seit geraumer Zeit erscheint bei Kohlhammer in Stuttgart das Sammelwerk «Theologische Wissenschaft», herausgegeben von prominenten evangelischen Theologieprofessoren wie Carl Andresen Ý, Werner Jetter, Wilfried Joest Ý, Otto Kaiser, Eduard Lohse und Adolf Maria Ritter. Es hat sich zum Ziel gesetzt, in 18 Bänden das «Grundlagenwissen aller Gebiete gegenwärtiger evangelischer Theologie» den Theologen/Theologinnen und Religionspädagogen/Religionspädagoginnen «in Studium und Beruf» in konzentrierter Form zur Verfügung zu stellen.
Offenbar durch den Erfolg dieser Reihe «verführt», konzipierten katholische Theologen die «Studienbücher Theologie». Sie sollen «in didaktisch überzeugend strukturierter Form das Grundwissen der einzelnen Disziplinen» darstellen, ferner über «den aktuellen Diskussionsstand informieren» und damit «einen originären Beitrag zur Weitergabe der christlichen Tradition in Kirche und Gesellschaft» leisten. Die von Gottfried Bitter, Ernst Dassmann, Helmut Merklein, Herbert Vorgrimler und Erich Zenger herausgegebene Reihe wird 25 Bände zählen, von denen inzwischen gut die Hälfte erschienen sind, darunter auch jener von Franz Furger Ý über die «Christliche Sozialethik».
Von Ernst Dassmann, Professor für Alte Kirchengeschichte, Patrologie und Christliche Archäologie an der Universität Bonn, stammen die drei Bände über die Alte Kirchengeschichte. Ernst Dassmann ist sicher einer der qualifiziertesten katholischen Kirchengeschichtler für die ersten sechs Jahrhunderte. In Nachfolge von Franz Joseph Dölger und Theodor Klauser leitet er das «Franz-Joseph-Dölger-Institut zur Erforschung der Spätantike an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn», das bekannt wurde durch die Herausgabe des «Reallexikons für Antike und Christentum» (RAC) und des «Jahrbuchs für Antike und Christentum» (JAC), samt den Ergänzungsbänden dieser Zeitschrift.
Entsprechend sind die Bände<1> ­ der erste bis zu Kaiser Konstantin, der erste Teilband des zweiten Bandes mit den kirchenpolitischen Ereignissen von Kaiser Konstantin bis zum Ausgang der Spätantike ­ von imponierender Dichte. Wertvoll sind die ausführlichen Quellentexte, die in den Text eingelassen sind, sowie die Ausblicke auf aktuelle Auswirkungen von geschichtlichen Fakten der Alten Kirche. Man lese etwa die Darlegungen über das «Verhältnis (der Kirche) zu den Juden» (II/1, 135­145), wo von einigen Ausdrücken in den Predigten von Johannes Chrysostomus gesagt wird, sie seien «handfeste Verbalinjurien», die man vom «Goldmund» eigentlich nicht erwarten würde. Allerdings seien sie zu verstehen als «affektgeladene Formulierungen» des Seelsorgers und Rhetorikers gegenüber «treulosen Schäflein», die «judaisierende Neigungen» zeigten.
Der zweite Teilband<2> stellt das innerkirchliche Leben dar, die Entwicklung der Theologie und die Entfaltung der Volksfrömmigkeit; wenn man sich der Bedeutung der Zeit von 330­600 für die Entwicklung der Theologie bewusst ist, versteht man die Bedeutung dieses Teilbandes.
Für den Bereich Kirchengeschichte sind drei weitere Bände geplant, aber noch nicht erschienen; in Ergänzung dazu ist ein Band «Theologiegeschichte» vorgesehen, den Herbert Vorgrimler schreibt.
Nicht unbedingt sehr leserfreundlich scheint mir die Konzentrierung der Anmerkungen auf die letzten Seiten jedes Bandes ­ eine Eigenart, die auch in anderen Kohlhammer-Büchern auffällt.


Anmerkungen

1 Ernst Dassmann, Kirchengeschichte I. Ausbreitung, Leben und Lehre der Kirche in den ersten drei Jahrhunderten (Studienbücher Theologie, Band 10), Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1991, zweite durchgesehene Auflage 2001.
Ernst Dassmann, Kirchengeschichte II/1. Konstantinische Wende und spätantike Reichskirche (Studienbücher Theologie, Band II, 1), Stuttgart 1996, 224 Seiten.

2 Ernst Dassmann, Kirchengeschichte II/2. Theologie und innerkirchliches Leben bis zum Ausgang der Spätantike (Studienbücher Theologie, Band II, 2), Stuttgart 1999, 272 Seiten.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2001