50/2001

INHALT

Bücher

Ein Buch? Mehr noch: Eine Bücherei!

 

Die Bibel. Erschlossen und kommentiert von Hubertus Halbfas, Patmos-Verlag, Düsseldorf 2001, 600 Seiten.

Selbst wenn die Bibel das meistverbreitete Buch ist, dürfte sie zugleich das am wenigsten bekannte und noch weniger verstandene sein. Ohne sachkundige Erschliessung bleiben uns die Texte fremd. In einer didaktisch überaus gelungenen Weise verbindet Hubertus Halbfas Bibeltext, Kommentar und Lexikon, um so das Buch der Bücher unserer Zeit neu zugänglich zu machen. Neben ausgewählten biblischen Schlüsseltexten zeichnet sich diese Bibelausgabe vor allem durch ihre prägnante bibeltheologische Kommentierung aus, die verständlich informierend den Stand heutiger historisch-kritischer Bibelforschung zusammenfasst. Hinzu kommen ausführliche Überblicksartikel zu Themen wie dem Alten Orient, seine Religionswelt und die Bibel oder zu Israel als der bleibenden Wurzel des Christentums. Aktuellen Fragen wie der Entstehung des Monotheismus, zur Gewalt oder den Frauen in der Bibel sind eigene Themenbeiträge gewidmet sowie vergleichende Bildsynopsen zu den Gottes-, Christus- und Osterbildern beigefügt. Erläuternde Randinformationen mit lexikalischen Stichworten zu zentralen Begriffen, Sachen und Personen, zahlreiche Karten und Zeittafeln sowie hervorragend ausgewähltes und erschlossenes Bildmaterial machen auf knappem Raum den geographisch-politischen, religions-, kultur- und sozialgeschichtlichen Zeithintergrund lebendig. Über die Entwicklung des jüdisch-christlichen Gottesglaubens hinaus wird die Wirkungsgeschichte der Bibel ins nachbiblische Judentum und den Islam ausgezogen. Darüber hinaus hat Halbfas dem alten Text zahlreich kommentierte Zeugnisse der modernen Literatur und bildenden Kunst beigegeben, die ihn neu befragen, neu beleuchten und neu verstehen lassen. Ein breites Lesepublikum, aber auch Katecheten und Seelsorger finden so ohne weitere Hilfsmittel auf engstem Raum eine perspektivenreiche Orientierung über die Bibel und ihre Entstehung, ihre Überlieferungs- und Wirkungsgeschichte bis in die Gegenwart.

Christoph Gellner


Christliches Brauchtum

 

Thomas Binotto, Gewusst wie und woher. Christliches Brauchtum im Jahreslauf. Mit einem Vorwort von Regine Schindler und Farbfotos von Christoph Wider, Comenius Verlag, Hitzkirch 2001, 103 Seiten.

Der Journalist Thomas Binotto (Jahrgang 1966) arbeitet im Redaktionsteam der Zeitschrift «forum ­ Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zürich». Als Vater von vier Kindern fügt er den bekannten Büchern über christliches Brauchtum ein ganz persönliches und wirklich neues hinzu. Thomas Binotto holt junge Eltern dort ab, wo sie stehen und überfordert sie nicht. Immer wieder werden Brücken zu den Erlebniswelten anderer Konfessionen geschlagen. Die sich ständig neu meldende Rubrik «Wussten Sie...» lockert auf. Damit sie nicht übersehen wird, ist sie immer in ein kontrastfarbenes Feld gedruckt. Die Fotos stellen sich nicht einfach als Illustrationen, sondern als visuelle Weiterführung der Gedanken dar. Zur Sprache kommt nicht nur das Brauchtum rund um religiöse Zeiten und Feste. Erwähnt werden auch die Wichtigkeit von kleinen Festen im Alltag, Wallfahrten in vielfältigen Formen und die Wahl eines Vornamens für das Kind.
In das Buch mit dem Text, der Menschen von heute klar anspricht, und zeitgemässen Fotos bringen auf den Aufschlagseiten zu den Kapiteln Buchmalereien aus dem Meditationszyklus der Hildegard von Bingen für den St. Galler Abt Ulrich Rösch (Codex Einsidlensis 285) einen wohltuenden Hauch von Überzeitlichkeit ein. Leider sind die Bilder auf den Seiten 35 und 43 verwechselt.

Jakob Bernet


Türkei

 

Peter H. F. Jakobs, Türkei. Antike, Christentum, Islam, Verlag Josef Knecht, Frankfurt a.M. 2000, 254 S.

Die moderne Türkei strebt zwar nach Europa, aber das islamische Land mit säkularer Staatsverfassung kommt immer wieder wegen Menschenrechtsfragen in Konflikt mit Staaten der EU. Die Europäer ihrerseits, befangen in ihrem abendländischen Geschichtsbild, sehen in der Türkei nur mehr den Islam, und zwar in seiner fundamentalistischen Ausprägung. Dabei hat eine multikulturelle Geschichte in dieser Türkei, besonders in ihrem wichtigsten Teilgebiet Kleinasien, reichhaltige Spuren hinterlassen. Griechen und Perser brachten das von den Hethitern besiedelte Gebiet zur Blüte. Die Städte der Westküste (Milet und Ephesus zum Beispiel) pflegten den Hellenismus stärker als das griechische Mutterland. Auch die Römer haben Kleinasien geprägt. Unter diesen Voraussetzungen war das Land fruchtbarer Nährboden für die christliche Mission. Ein Jahrtausend lang war Kleinasien ein vom Christentum geprägtes Land. Spannungen, Gegensätze und Verschmelzungen prägen die Kultur. Der Autor ist Archäologe und Fachmann für byzantinische Kunstgeschichte. Er hat schon zahlreiche Ausgrabungen in Kleinasien geleitet und ist als Führer für Kultur- und Kunstreisen sehr geschätzt. Er vermittelt auch praktische Kenntnisse und unterscheidet Haupt- und Nebenrouten. Dieser Reiseführer will vor allem ein besseres Verständnis der Geschichte des Landes im Nacheinander und Ineinander der Zivilisationen vermitteln und vertiefen.

Leo Ettlin


Crescentia von Kaufbeuren

 

Karl Pörnbacher, Cressentia Höss begegnen, (Reihe: Zeugen des Glaubens), Verlag St. Ulrich, Augsburg 2001, 182 Seiten.

Am 25. November 2001 wurde die Franziskanerin Crescentia von Kaufbeuren (1682­1744) heilig gesprochen. Die Tochter einer armen Webersfamilie entwickelte im Konvent von Kaufbeuren herausragende Talente der Menschenführung, Frömmigkeit und Mystik. Der Rat der Oberin und Novizenmeisterin wird nicht nur von ihren Mitschwestern beachtet, ganz Kaufbeuren findet sich an der Klosterpforte ein, um den Rat der Schwester Crescentia zu vernehmen. Darunter sind in der Freien Reichsstadt Kaufbeuren auch viele Lutheraner, deren Verehrung für die Franziskanernonne gross ist. Schliesslich wird sie auch von Königen und Kurfürsten um Rat und Weisung gebeten. In die Geschichte der Frömmigkeit ist sie durch ihre Heilig-Geist-Mystik eingegangen. Die Verehrung der Crescentia hat sich durch alle Jahrhunderte erhalten. Sie erhielt mit der Seligsprechung im Jahre 1900 einen neuen Impuls und dürfte mit der Heiligsprechung weitere Kreise auf diese bedeutende Frau aufmerksam machen. Der Autor Karl Pörnbacher ist Vizepostulator der Heiligsprechung. Er ist Laie, Germanist und Publizist und Mitarbeiter am Bayerischen Rundfunk.

Leo Ettlin


Die Welt der Symbole

 

Otto Betz, Des Lebens innere Stimme. Weisheit in Symbolen, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2001, 190 Seiten.

Otto Betz (1927) ist ein Altmeister der Religionspädagogik und durch zahlreiche einschlägige Publikationen bekannt. Betz befasst sich in diesem Buch mit der Welt der Symbole und der Symbolsprache, die ihre eigenen Regeln hat und auch ihre besondere Schönheit. Nach einer eingehenden, die Begriffe klärenden Auseinandersetzung betrachtet er in verschiedenen Gruppen geordnet die Welt der Symbole: der Leib und seine Symbolsprache: Herz, Kopf, Füsse und Hände. Es folgen Symbolzusammenhänge mit den fünf Sinnen. Eine weitere Gruppe bilden die Elemente. Bekannt ist die Zahlensymbolik oder die Symbolik mit Licht und Farben. Das Kreuz als Zeichen des Lebens und Zeichen der Zukunft bietet Anlass zu Betrachtung und Besinnung. Bemerkenswert und für die Betrachter hilfreich sind «einige Hauptmotive christlicher Kunst». Wir haben einen unübersehbaren Schatz tiefer, sinndeutender Zeichen. Sie lassen uns immerzu neue Entdeckungen machen und Überraschungen erleben.

Leo Ettlin


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2001