42/2001

INHALT

Neue Bücher

Benediktinische Führung

 

Anselm Grün, Menschen führen ­ Leben wecken. Anregungen aus der Regel Benedikts von Nursia, Vier Türme Verlag, Münsterschwarzach 2001, 142 Seiten.

Pater Anselm Grün gehört zu den meistgelesenen christlichen Autoren der Gegenwart. Irgendwie ist er ein unnachahmliches Faktotum. Der in Theologie Promovierte ist zugleich absolvierter Betriebswissenschafter und als Zellerar (Ökonom) der Benediktinerabtei Münsterschwarzach in 20 Betrieben und Unterbetrieben für rund 300 Angestellte verantwortlich. Im Bildungshaus der Abtei (Exerzitien, Einkehrtage, Bildungskurse) hält er spirituelle Kurse für Jugendliche und Unternehmer. Aus einem solchen betriebswissenschaftlichen Seminar ist das Buch «Menschen führen ­ Leben wecken» entstanden.
Das 31. Kapitel der Benediktinerregel handelt vom Zellerar (Verwalter) des Klosters. Darin entfaltet Benedikt seine grundsätzlichen Gedanken über die materiellen Belange des Klosters und den Mönch, der sie verwaltet. Dabei ist es dem Ordensvater nicht in erster Linie ein Anliegen, dass der Betrieb floriert, sondern die Art und Weise, wie der Verwalter mit seinen Mitarbeitern und Untergebenen umgeht. Auch der Verwalter ist zuerst Mönch und darf an dieser Berufung keine Abstriche und Einschränkungen machen. Die Ausführungen des 31. Regelkapitels «Vom Zellerar des Klosters» werden ergänzt durch die Kapitel 2 und 64, die von der Führungsaufgabe des Abtes handeln. Das daraus resultierende Führungskonzept ist auch heute noch aktuell und für alle Betriebe, wo Menschen zu führen sind, anwendbar. Benedikts Führungsvorschläge sind Zeugnis von der menschlichen Reife und Menschenkenntnis des Mönchsvaters. Leo Ettlin


Der Weg der Arche

 

Jean Vanier, Einfach Mensch sein. Wege zu erfülltem Leben. Aus dem Englischen übersetzt von Bernardin Schellenberger, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2001, 191 Seiten.

Jean Vanier ist der Begründer der «Arche-Gemeinschaften», einer der merkwürdigsten und hoffnungsvollsten Aufbruchbewegungen unserer Zeit. Die 1944 in Trosly nördlich Paris gegründete Gemeinschaft zählt heute über hundert Communautés in 25 Ländern. Sie ist auch in Deutschland, Österreich und in der Schweiz vertreten. Ihr wohl berühmtestes Mitglied und ihr Aushängeschild ist der Erfolgsautor Henri Nouwen. Er hatte seine Professur an der Harvard-Universität aufgegeben, um sein Leben nach den Idealen der Arche zu orten.
Die Grundidee der Bewegung ist der Dienst und die Betreuung geistig behinderter Menschen.
Das Buch enthält fünf Vorträge, die Jean Vanier 1998 am kanadischen Rundfunk gehalten hat. Vanier behandelt darin von verschiedenen Aspekten her die spirituellen Grundlagen seiner Bewegung, die nicht nur für die geistig Behinderten, sondern auch für ihre Betreuer ein Weg in die Freiheit wird.

Leo Ettlin


Giovanni Bosco

 

Pietro Stella, Don Bosco. Leben und Werk. Aus dem Italienischen übersetzt von Karl Pichler, Verlag Neue Stadt, München 2000, 379 S.

Der Priester Giovanni Bosco (1815­1888) gehört zu den grossen Anregern in der Begegnung mit jungen Menschen und in der Art, sie zu führen. Er steht vor uns, in seiner Liebe zu Jugendlichen und in der Unmöglichkeit, sie zu erreichen.
Don Bosco verstand es, im 19. Jh. seine Ideen und Visionen über die Printmedien zu verbreiten. Beschreibungen seines Lebens und Darlegungen seiner Ideen füllen ganze Regale.
Pietro Stella lehrt an der Salesianer-Universität in Rom. 1968 legte er seine umfassende kritische Biorafie des grossen Seelsorgers und Heiligen vor. Sie ist nun nach der 1979 erschienenen 2. Auflage ins Deutsche übertragen worden.
Das Buch fordert vom Leser einiges an Durchhaltevermögen, das aber reich belohnt wird: Die Lektüre kam mir vor wie eine lange Wanderung mit steilen Aufstiegspartien, aber auch Teilen mit Höhenwegstrecken, die wunderbare Ausblicke zu imposanten Gipfeln gewähren. Der Leser erlebt an sich selber, was im Buch aus den letzten fünf Lebensjahren Don Boscos geschildert wird: «Er ging einher wie einer, der nicht mehr länger sich selbst gehörte, er wurde zu einer lebenden Reliquie für die Katholiken, die ihn bewunderten und verehrten, weil er in äusserst schwierigen Zeiten einen so starken Glauben gezeigt hatte; die Leute wollten ihn sehen, das Geheimnis des Erfolgs aufspüren, sie wollten mit dem Göttlichen, das in ihm erfahrbar wurde, in Berührung kommen...» (299).

Jakob Bernet


Sr. Zdenka

 

Inge Sprenger Viol, «...Schläft ein Lied in allen Dingen...». Weg und Schicksal der Schwester Zdenka Schelling, Institut, Ingenbohl-Brunnen 2000, 86 Seiten.

Inge Sprenger Viol hat einen guten Namen als volkstümliche Hagiographin. Die Lebensbeschreibung von Schwester Zdenka Schelling macht auf eine Kreuzschwester der Ingenbohler Kongregation aufmerksam. Schwester Zdenka (Cäcilia Schelling) stammt aus der Slowakei und wirkte in ihrer Heimat mit grosser Hingabe in verschiedenen Spitälern. Mit der Machtübernahme des Kommunismus begann ihre Leidenszeit. Schwester Zdenka wurde verhaftet. Doch körperliche und seelische Qualen trug sie mit Würde und Geduld. Ihre Geschichte ist ein Zeitdokument christlicher Bewährung.

Leo Ettlin


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2001